Regelmäßig großes Blutbild zur Krebsfrüherkennung?

vom 18.01.2013, 13:48 Uhr

Ich kenne eine Person, die ist privat krankenversichert und sie geht jeden Monat zum Arzt um ein großes Blutbild machen zu lassen. Dabei sollen auch irgendwelche Tests gemacht werden, die wohl auf irgendwelche Tumorzellen hinweisen könnten. Sie zahlt dafür nicht gerade wenig. Aber sie meint, dass es wichtig ist, weil es gut ist, wenn man Krebs so früh wie möglich erkennt. Sicher wird diese Person auch in dieser Hinsicht Recht haben.

Ich stelle mir aber folgende Fragen. Kann man wirklich durch einen Bluttest Krebs feststellen und wenn ja, wie wird dann der Krebsherd lokalisiert? Warum wird so was nicht auch von der Kasse übernommen oder kann man so eine Krebsvorsorge auch als Kassenpatient machen? Wenn ja, in welchen Abschnitten. Weiterhin habe ich mich gefragt, ob diese Person wohl eher die Ausnahme ist, dass sie so was machen lässt. Macht ihr es auch?

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» Sherlock-Holmes » Beiträge: 2025 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Es gibt für gewisse Krebsformen gewisse Marker im Blut, die abgenommen werden können. Das was deine Bekannte da tut gehört aber nicht zur Vorsorge, sonst würde es die Kasse zahlen. Je nach Krebsart gibt es verschiedene Vorsorgemethoden und nicht zu jeder gehört ein Blutbild.

Desweiteren kann man eben nicht jeden Krebs im Blut sehen. Es gibt Krebsformen, bei denen diese Marker im Blut normal sind, aber der Krebs ist trotzdem da. Somit ist das was deine Kollegin da tut eigentlich Geldverschwendung, denn sie lässt sich dauernd Blut abnehmen für nichts und wieder nichts. Ich würde eher richtige Vorsorge betreiben und nicht dem Arzt das Geld in den Rachen stecken. Der freut sich natürlich, denn an ihr verdient er ordentlich Kohle. Wenn sie zu einer bestimmten Risikogruppe gehört, dann gibt es auch spezielle Vorsorgeprogramme. Für Frauen gibt es ohnehin Vorsorge bei Brust- und Eierstockkrebs, auch wenn man nicht vorbelastet ist aus der Familie heraus. Dazu kann man regelmäßige Checks machen lassen, aber das muss auch nicht heißen, dass man die Krankheit nie bekommt.

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» Vampirin » Beiträge: 5979 » Talkpoints: 30,32 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Vampirin hat geschrieben:Es gibt für gewisse Krebsformen gewisse Marker im Blut, die abgenommen werden können.

Man muss aber hier ganz klar sagen, dass die meisten Blutmarker nicht zur Früherkennung geeignet sind, sondern überwiegend der Verlaufskontrolle dienen oder dazu ein Wiederaufflammen nach Überstandener Krebserkrankung dienen. Es gibt verhältnismäßig nur wenige Marker, die tatsächlich dazu geeignet sind Krebs festzustellen.

Regelmäßige Blutbilder dienen also hauptsächlich dazu hämatologische Krebsarten zu entdecken. Insgesamt macht es recht wenig Sinn sich jeden Monat ein großes Blutbild machen zu lassen, erst recht wenn das die einzige Art der Früherkennung sein soll.

Der Arzt wird sich bei einer privatversicherten Person, die sowas machen lässt, aber bestimmt freuen. Ist eine gute und sichere Einnahmequelle, die sich da für ihn aufgetan hat.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Es gibt viele sogenannte Tumormarker, die meisten sind aber sowohl prognostisch als auch in der Verlaufskontrolle mit Vorsicht zu genießen. Allein aus dem Vorhandensein des Tumormarkers kann man nicht auf das Vorliegen eines Tumors schließen, das ist bei relativ wenigen Markern der Fall. Man kann höchstens den Verdacht äußern und weitere Diagnostik veranlassen, um diesen zu sichern. Aber eine 1:1 Relation zwischen pos. Tumor und Markerspiegel liegt meist nicht vor.

Darüber hinaus, da muss ich meinem Vorredner zustimmen - dienen Blutbilder in erster Linie der Verlaufskontrolle bei hämatologischen Erkrankungen. Es gibt X Erkrankungen, bei denen man den Verlauf mittels Blutbild sehr gut monitoren kann, um möglichst frühe Rezidive zeitnah zu erkennen und die entsprechende Therapie einzuleiten. Es muss dabei nicht unbedingt um Tumormarker gehen, es kann sich dabei auch um zytogenetische bzw. molekulargenetische Veränderungen handeln.

Ein anderer Punkte in der ganzen Geschichte ist, dass die meisten Patienten darauf bestehen, dass bei ihnen der Test auf Tumormarker gemacht wird, allein aus dem Grunde, weil er ihnen eine gewisse Sicherheit gibt. Es ist etwas, womit sie als Laie am besten was anfangen können, weil es die Relation Tumormarker <-> Tumor einfach nachzuvollziehen ist. Für den behandelnden Arzt ist neben einer sicheren Einnahmequelle aber auch das Monitoring entscheidend, weil in Anbetracht des Blutbildes man sich auch gleich die anderen Blutkomponenten angucken kann.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



getku hat geschrieben:weil in Anbetracht des Blutbildes man sich auch gleich die anderen Blutkomponenten angucken kann.

Was aber genau wie alles andere bei einem sonst gesunden Menschen im monatlichen Abstand wenig bis gar keinen Sinn macht. Erst recht nicht, wenn man nur einen Bluttest ohne weitere klinische Untersuchung macht. Wie schon oben gesagt ist diese Vorgehensweise in meinen Augen mehr oder weniger einfach nur Unsinn bei diesen kurzen Abständen.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Klehmchen hat geschrieben:
getku hat geschrieben:weil in Anbetracht des Blutbildes man sich auch gleich die anderen Blutkomponenten angucken kann.

Was aber genau wie alles andere bei einem sonst gesunden Menschen im monatlichen Abstand wenig bis gar keinen Sinn macht. Erst recht nicht, wenn man nur einen Bluttest ohne weitere klinische Untersuchung macht. Wie schon oben gesagt ist diese Vorgehensweise in meinen Augen mehr oder weniger einfach nur Unsinn bei diesen kurzen Abständen.

Ja, aber welcher gesunde Mensch mit gesundem Menschenverstand lässt sich denn monatlich oder gar wöchentlich Blut abnehmen, um sich Tumormarker angucken zu lassen? Ohne jegliche Anhaltspunkte auf genetische Prädisposition, Vorliegen gewisser Risikofaktoren, etc. wäre so was rausgeschmissenes Geld, sofern der Mensch an sich total gesund ist. Mein Beitrag war auf Patienten bezogen, die in sich in der Post-Chemo- bzw. OP-Phase befinden, wo gewisse Parameter schon sinnvoll sind. Tut mir Leid, falls das nicht rausgeklungen ist. :)

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Für mich klingt das nach ziemlichem Unsinn. Natürlich macht Krebsfrüherkennung an sich Sinn, und es stimmt auch, dass sich bestimmte Krebsarten tatsächlich anhand von Markern im Blut nachweisen lassen. Allerdings machen monatliche Tests bei einer ansonsten gesunden Person überhaupt keinen Sinn, es sei denn, die Veranlagung für eine bestimmte auf diese Weise nachweisbare Krebserkrankung liegt tatsächlich in der Familie. Da aber nicht jeder Krebs sich übers Blut nachweisen lässt, ist die Methode ansonsten zur Krebsprophylaxe herzlich untauglich.

Ich würde verstehen, wenn jemand, der eine entsprechende Krebserkrankung bereits hinter sich hat, sein Blut regelmäßig überwachen lässt. Das dürfte dann auch wirklich nötig sein. Allerdings klingt die Geschichte, so wie du sie erzählst, eher so, als ob da einfach eine recht wohlhabende Dame ist, die panische Angst vor Krebs hat, ohne dafür einen handfesten Anhaltspunkt zu haben. Und ich finde, man sollte sich nicht häufiger Blut abnehmen lassen als unbedingt nötig, immerhin gibt es dabei auch immer ein gewisses Infektionsrisiko.

Ich nehme an, der einzige, dem diese Sache wirklich nützt, ist der Arzt, der an dieser Patientin eine ganz hervorragende Einnahmequelle hat. Ein großes Blutbild ist teuer, das weiß ich aus eigener Erfahrung, bei mir wurde so etwas (aus ganz anderen Gründen) auch schon mal gemacht. Aber ehrlich gesagt bin ich mir nicht mal sicher, ob ein Arzt, der so häufig grundlose Bluttests durchführt, sich nicht eventuell sogar einer Fehlberatung schuldig macht. Also ich bin akut skeptisch.

» arril » Beiträge: 739 » Talkpoints: 10,78 » Auszeichnung für 500 Beiträge



getku hat geschrieben:Mein Beitrag war auf Patienten bezogen, die in sich in der Post-Chemo- bzw. OP-Phase befinden, wo gewisse Parameter schon sinnvoll sind. Tut mir Leid, falls das nicht rausgeklungen ist. :)

Ok, ich dachte du beziehst dich noch auf den ursprünglichen Ausgangspost. Aber selbst in der Nachsorge ist es bei vielen Erkrankungen nicht üblich monatlich zu Kontrolluntersuchungen zu gehen, wenn dann nur in der Anfangsphase. Aber ansonsten sind wir uns ja hier grundsätzlich einig, dass das völlig übertrieben ist, was der Bekannte des Themenstarters da macht.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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