Wer führte Baden und Duschen in Europa wieder ein?

vom 14.01.2013, 20:21 Uhr

Vom Sonnenkönig wird gesagt, er habe sich in seinem Leben nur drei Mal gebadet. Von Napoleon ist überliefert, dass er vor seiner Heimkehr seiner Frau einen Brief zukommen ließ, dass sie sich in den letzten Wochen vor seiner Heimkehr nicht mehr zu waschen habe. Offensichtlich war auch er ein Gestankgenießer.

Zu dieser Zeit wurde gepudert, parfümiert und zum Waschen wurde vielleicht mal ein Waschlappen verwendet. In Museen habe ich auch schon Waschgelegenheiten gesehen, die kaum größer waren als heute Tränken für Hamster. Wie man damit eine halbwegs statthafte Körperhygiene erzielen konnte, ist mir schleierhaft.

Warum aber wurde die Körperhygiene wieder eingeführt? Wer hat das Waschen wieder populär gemacht? Gab es das Menschen die federführend beteiligt waren? Wie ging das damals vor sich?

Benutzeravatar

» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Ich kann mal wieder nur spekulieren, aber das wäre ein interessantes Forschungsthema! Vorstellen kann ich mir, dass sich die heute selbstverständlichen Vorstellungen von Hygiene erst im Lauf des 19. Jahrhunderts wirklich durchgesetzt haben. Gründe dafür sehe ich in den Fortschritten der Medizin. Erst wenn man weiß, was Krankheitserreger sind, wo sie vorkommen und wie sie sich verbreiten, kann man ja verstehen, wie wichtig Hygienemaßnahmen zur Vorbeugung von Pest und Cholera sind. Und dieses Wissen ist noch nicht sehr alt. Vor der Entwicklung dieser Theorien war "Dreck" ja eigentlich nichts Schlimmes, weil die Menschen nicht gewusst haben, wie Krankheiten und Infektionen übertragen werden.

Außerdem haben bis vor relativ kurzer Zeit nur wenige Menschen überhaupt fließendes Wasser aus Wasserleitungen zur Verfügung gehabt. Wer Eimer für Eimer vom Brunnen heimschleppen muss, und davon kochen, trinken, am Ende die Tiere tränken, putzen und waschen muss, steigt schon aus Zeitgründen nicht täglich in die Wanne. Und dann kommt auch noch der Winter ins Spiel. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass es gerade bei ärmeren Leuten nicht so hygienisch zugegangen ist, wie wir uns das gerne vorstellen. Ich schätze, dass noch bis zum 2. Weltkrieg es in vielen Familien gang und gäbe war, maximal samstags zu baden und sonst die berühmte Waschschüssel mit dem Krug zu verwenden, wie man sie in alten Filmen sieht. Ein Grund mehr, wieso ich so gern im 21. Jahrhundert lebe.

» Gerbera » Beiträge: 11346 » Talkpoints: 56,04 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^