Hass auf Ärzte?
Letztens hat mir ein Bekannter, mit dem ich nicht ganz so viel zu tun habe, von seinem Besuch bei einem Psychotherapeuten erzählt. Er fühlte sich dort überhaupt nicht gut aufgehoben, war mit der Diagnose nicht zufrieden und meinte dann zu mir, dass er Ärzte und Psychotherapeuten hasst. Das ist nicht das erste Mal, das ich solche Aussagen höre. Oftmals entsteht bei mir der Eindruck, dass die Leute sich persönlich angegriffen fühlen, wenn ein Arzt oder Psychotherapeut eine bestimmte Diagnose stellt, die mit der Selbstwahrnehmung des Patienten nicht übereinstimmt. Andere Personen unterstellen pauschal jedem Arzt, dass er seine Patienten übers Ohr hauen und sie gar nicht wirklich nach bestem Wissen und Gewissen behandeln will. Es herrscht ziemlich viel Misstrauen und manchmal ist vielleicht sogar Hass im Spiel.
Wie ist das bei euch? Könnt ihr Ärzte und gegebenenfalls auch Psychotherapeuten auch nicht leiden oder hasst sie sogar? Warum ist das so? Oder könnt ihr diese Haltung ebenfalls gar nicht nachvollziehen?
Ich sage zu meinen Kindern immer, dass sie niemanden hassen können, den sie persönlich nicht kennen. Aber nicht leiden können, das geht auch dann, wenn man jemanden nicht persönlich kennt. Ich kann gewisse Ärzte nicht leiden. Das liegt aber nicht an deren Diagnose, die sie gestellt haben, sondern eher daran, dass ich mit ihnen als Mensch nicht klar komme. Das sind unterschiedliche Dinge.
Jemanden hassen, nur weil er eine bestimmte Diagnose gestellt hat oder man nicht gut aufgehoben ist, halte ich für übertrieben und kann es nicht nachvollziehen. Vielleicht geht es vielen so, dass sie eher mit der Situation nicht klar kommen, überhaupt krank zu sein oder zum Arzt zu gehen. Ich sage oft, dass ich es hasse zum Arzt zu gehen. Ich mag das lange sitzen im Wartezimmer nicht, mag den Geruch nicht und auch nicht die vielen Leute. Das bedeutet aber nur, dass ich die Situation nicht leiden kann und deswegen keinen Arzt hasse.
Von Hass kann keine Rede sein, eher davon, dass man mit dem Arzt nicht zurecht kommt und ein wenig Antipathie spielt sicherlich auch eine Rolle. Wenn man dazu noch schlechte Erfahrungen mit einem Arzt gemacht hat, ist man unsicher und so kann es schnell zum Wort des Hasses kommen. Richtig ist es nicht, da man an sich über alles reden kann, aber ich kann verstehen, wenn man selbst schlechte Erfahrungen gemacht hat, dass man dann skeptisch ist. Man kann nun einmal nicht jeden Menschen mögen und da ist es auch leichter, einen Mediziner die Kompetenz abzusprechen.
Ich unterstelle keinem Arzt etwas direkt, aber ich habe auch schon meine Erfahrungen gemacht, die nicht sonderlich toll waren. Da hat das menschliche Fingerspitzengefühl gefehlt und man hat nicht den Menschen dahinter gesehen. Dadurch wurden auch schon mal Gefühle verletzt oder sogar schlimmeres, was ich hier aber nicht weiter ausführen möchte. So etwas ist zwar nur eine Ausnahme, aber wenn man immer wieder diese Erfahrungen gemacht hat, ist man auch skeptisch.
Dass man nicht selbst mit jeder Diagnose einverstanden ist, kann ich schon verstehen, aber letztendlich wurde die Diagnose ja auch nicht durch den Arzt entwickelt. Die Erkrankung oder Symptome haben dadurch einen Namen bekommen und da will man es vielleicht nicht wahr haben. Dies aber auf den Arzt zurückzuführen oder ihn dafür die Schuld zu geben, alle Ärzte darüber verurteilen und sogar von Hass zu sprechen, geht mir einfach zu weit.
Ich kann es schon verstehen, dass man einen bestimmten Arzt nicht mag, weil man einfach nicht mit ihm zurecht kommt. Das ist mir auch schon so gegangen, aber deswegen hasse ich diesen Arzt nicht, sondern werde ihn in der Zukunft einfach nur meiden und dort nicht mehr hin gehen. Deswegen aber direkt von einem Hass auf Ärzte zu sprechen, finde ich doch reichlich übertrieben. Es ist natürlich klar, dass ein Arztbesuch nicht so angenehm ist und man sowieso schon nervös wegen der Diagnose ist. Dadurch reagiert man vielleicht auch emotionaler, wenn die Diagnose anders ausfällt, als man es erwartet hätte.
Es ist schon so, dass ein Arzt eine Vertrauensperson sein sollte, das gilt natürlich nochmal mehr für einen Psychotherapeuten, dem man ja sehr viel von sich erzählt. Wenn man mit diesem Arzt dann rein menschlich nicht wirklich klarkommt, stelle ich es mir schon schwierig vor, eine Diagnose zu akzeptieren. Trotzdem kann ich es nicht verstehen, dass man dann direkt die Ärzte hasst. Es steht einem ja frei, einen Arzt zu suchen, mit dem man besser klarkommt. Das ist nun im Bereich der Psychotherapie vermutlich nicht einfach, aber gerade da würde ich mich niemandem öffnen, dem ich nicht Vertrauen kann.
Ich denke auch, dass Hass da übertrieben ist. Manche Ärzte sind einem eben nicht sympathisch und dann hätte ich auch Probleme mich von ihm behandeln zu lassen und das Nötige Vertrauen zu haben. Gerade bei Psychotherapeuten ist es ja wichtig, dass man sich sympathisch ist und sich eben öffnen kann. Wenn dein Bekannter diesen nicht mag, dann sollte er sich einen anderen Therapeuten suchen, denn ansonsten bringen die Gespräche ja nichts.
Ich habe auch schon häufiger den Arzt gewechselt, wenn ich eben nicht mehr zufrieden war oder keine Sympathie aufbauen konnte. Man muss ja schon gut aufgehoben fühlen und das Gefühl haben, dass sich der Arzt eben bemüht, einem zu helfen.
Von Hass und nicht leiden können, kann man glaube ich, nicht sprechen. Jedenfalls kann ich das nicht. Dazu müsste mir ein Arzt dann schon persönlich etwas angetan haben. Es ist wohl eher so, dass einem ein Arzt aufgrund verschiedener Dinge, vielleicht auch zuletzt wegen seinen diagnostischen Fähigkeiten nicht sympathisch ist. Man kann vielleicht mit einem Arzt nicht so recht auskommen, weil er so gar nicht auf der gleichen Wellenlänge liegt. Das ist komplett menschlich und sicherlich auch keinem zu verübeln.
Sollte man den Eindruck haben, dass man bei einem Arzt nicht gut aufgehoben ist, sollte man einfach nicht mehr dorthin gehen und sich einen anderen Arzt suchen, der einem besser liegt und dem man dann auch vertrauen kann, denn es nützt ja nichts, wenn man ihm nicht vertrauen kann, obwohl die Gesundheit von seinen Untersuchungen und Behandlungen abhängt.
Ich selber handhabe das genauso. So habe ich zum Beispiel meinen Hausarzt gewechselt, weil ich weiter weg gezogen bin und länger hätte fahren müssen, um ihn zu erreichen. Mit meinem neuen Hausarzt war ich aber alles andere als zufrieden, da er eigentlich immer mit mir in der dritten Person geredet hat und ich mich für ernst genommen gefühlt habe. Da ansonsten nur noch ein Hausarzt bei uns in der Nähe ist, von dem ich allerdings noch nichts Gutes gehört habe, bin ich dann doch wieder bei meinem alten Hausarzt gelandet, der fachlich wie auch menschlich voll in Ordnung ist, nur eben weiter entfernt seine Praxis hat. Diesen Weg nehme ich nun allerdings wieder gerne in Kauf, da ich weiß, dass ich meinem Hausarzt nun wieder vertrauen kann und weiß, dass ich gut bei ihm aufgehoben bin, im Gegensatz zu dem anderen Arzt, dem ich überhaupt nicht vertraut habe und mich dementsprechend schlecht behandelt gefühlt habe.
Ich hasse nur eine sehr kleine Auswahl an Personen und die haben sich meinen Hass auch redlich verdienen müssen. Warum sollte ich da einen einfachen Arzt oder Psychotherapeuten hassen? Nein, ich hasse nur auf einer persönlichen Ebene und die kann ich gar nicht entwickeln, wenn ich mit jemanden geschäftlich oder beruflich zu tun habe.
Natürlich stellt ein Arzt und ganz besonders sicherlich auch ein Psychotherapeut oft auch eine unbequeme Diagnose, die man nicht wahrhaben möchte und mit der man so ganz und gar nicht zufrieden ist. Aber das ist doch kein Grund, den Ersteller dieser Diagnose zu hassen! Klar, wenn man vielleicht ohnehin schon persönliche Probleme hat oder beziehungsweise psychisch belastet ist, dann mag man eventuell dazu neigen, derart heftige emotionale Reaktionen wie ein Gefühl des Hasses zu entwickeln. Ich persönlich neige dazu aber nicht und ich finde es auch nicht richtig, wenn man einen Menschen mehr oder weniger seines Berufes wegen hasst und es keinen rationalen Grund dafür gibt, diesen Hass aufrecht zu erhalten.
Ich kann mit Verallgemeinerungen dieser Art ja so gar nichts anfangen. Wenn ich mit einem Arzt schlechte Erfahrungen gemacht habe, dann kann ich die Aussage machen, dass ich diesen einen Arzt nicht leiden kann, aber die Erfahrungen gleich auf die gesamte Ärzteschaft zu projizieren finde ich einfach nur dumm. Und Hass ist eh etwas, das ich sehr selten empfinde. Da muss mich schon jemand sehr persönlich sehr tief verletzt haben, damit ich diese Person dann auch wirklich hassen kann. Aber auch dieses Gefühl vergeht irgendwann und für Menschen, die ich nicht mal näher kenne, würde ich den Begriff "Hass" gar nicht erst verwenden.
Und was so gewisse Vorurteile gegenüber Ärzten betrifft, die der ein oder andere vielleicht durchaus als Grundlage für seinen Hass nutzen könnte - ich habe einige Mediziner im Verwandten, - und Freundeskreis und weiß einfach, dass die meisten Vorurteile nicht stimmen. Ich weiß, wie teuer es ist eine eigene Praxis zu haben und ich weiß, wie die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern aussehen und, dass dafür dann kein dicker Scheck am Ende jedes Monats steht.
Du redest von Hass? Also ich glaub, man sollte hier nicht gleich übertreiben, Hass ist ein sehr starkes Gefühl, ich glaube nicht, dass man gegenüber einem oder seinem Arzt echten Hass empfinden kann - andernfalls würde man ihn wohl kaum ein zweites Mal besuchen. Ganz allgemein von einem Hass gegenüber Ärzten zu sprechen ist noch lächerlicher. Ärzte heilen Menschen, man kann Ärzte nicht hassen.
In dem Fall deines Freundes ist eventuell eine gewisse Abneigung vorhanden, sie als Hass zu betiteln, finde ich aber doch etwas zu extrem. Es ist vielleicht etwas vorgefallen, was Ärzte in den Augen dieses Freundes inkompetent, ungerecht oder anmaßend erscheinen ließen, aber es ist doch absoluter Schwachsinn aufgrund dieser Erfahrung davon auszugehen, alle Ärzte seien so.
Ich kenne sehr sehr viele Ärzte und ja, es sind nicht wenige dabei, die erhebliche Mängel aufweisen - doch der Großteil der Ärzte liefert sehr gute Arbeit und ist auch in dem Umgang der Patienten sehr kompetent. Ich kann nicht verstehen, wie man einen Hass schüren kann gegen die Menschen, die kranken Menschen Genesung bringen und den Tod ersparen. Menschen, die eine solche Abneigung gegen Ärzte haben verkennen die Leistung dieser nicht angemessen bezahlten Berufsgruppe. Natürlich versuchen Ärzte auf ihre Behandlungskosten zu kommen, aber in erster Linie sind sie Arzt und versuchen bestmöglich zu helfen. Eine solche Meinung über einen Arzt zu haben ist schlimm, aber diese Meinung allgemein über Ärzte zu vertreten, finde ich, ist eine absolute Schande.
Hass empfinde ich eigentlich für niemanden und für Ärzte schon gar nicht. Allerdings gibt es einige Ärzte, die ich meide, weil ich sie für inkompetent halte. Beispielsweise war ich lange Zeit Patientin eines HNO-Arztes, welcher mir regelmäßig Antibiotika verschrieb, obwohl sie gar nicht nötig waren, wie sich später rausstellte. Ich drängte ihn irgendwann dazu, erst einmal einen Abstrich zu machen und das Ergebnis war, dass es sich gar nicht um Bakterien handelte. Auch gibt es einen Hausarzt, mit dem ich sehr unzufrieden bin, weil er meine gesundheitliche Probleme auf die Psyche schob, obwohl die Ursache doch rein körperlich war. Natürlich kommt in solchen Fällen schon ein wenig Antipathie auf, aber ich glaube eher nicht, dass ein Arzt mit Absicht falsche Diagnosen stellt und dem Patienten somit schadet.
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