Hass auf Ärzte?
Einen Arzt regelrecht zu hassen, finde ich ehrlich gesagt auch ziemlich übertrieben. Ich muss zugeben, dass ich Ärzten gegenüber immer etwas misstrauisch bin. Ich brauche einfach ein wenig länger, um einem Arzt wirklich zu vertrauen. Ich kenne einige Leute, die regelmäßig ihre Ärzte wechseln und einfach zum nächstbesten Arzt gehen, aber für mich kommt das nicht in Frage. Ich hatte schon mit einigen Ärzten zu tun, die ich einfach nicht wirklich sympathisch waren und dann bin ich auch nach kurzer Zeit nicht mehr hingegangen. Ich habe echt lange gebraucht, um meinen jetzigen Hausarzt zu finden. Ich bin zwar vor 4 Jahren umgezogen, nehme aber trotzdem eine längere Anfahrt in Kauf, weil ich mich dort eben am besten aufgehoben fühle. Mir ist das einfach sehr wichtig.
Glücklicherweise gibt es in Deutschland ja genügend Ärzte. Wenn man mit einem Arzt nicht wirklich gut zurechtkommt und man ihn nicht für kompetent genug hält, hat man die Möglichkeit, sich einfach auf die Suche nach einem Arzt zu machen, der einem eher zusagt. Das habe ich auch mit dem Kinderarzt meines Sohnes so gemacht. Ich war einfach total unzufrieden, da er gerade bei den Vorsorgeuntersuchungen einfach nicht auf meinen Sohn und auch meine Fragen eingegangen ist und ich auch immer das Gefühl hatte, dass er sich keine Zeit nehmen möchte und eher froh ist, wenn die Patienten wieder weg sind. Ich mochte ihn auch einfach nicht und daher bin ich auch gegangen. Hassen kann man solche Menschen doch nicht, dafür kennt man sie meiner Meinung nach auch gar nicht gut genug. Um einen Menschen hassen zu können, muss echt schon einiges in der Vergangenheit vorgefallen sein.
Ich schiebe keinen Hass gegen Ärzte. Es gibt sicherlich auch schlechte Ärzte. Das hatte ich in der Vergangenheit auch schon, man wurde schlecht untersucht, hat nichts bekommen, was geholfen hat und so weiter, aber dann wechsel ich doch den Arzt und hasse ihn nicht deswegen. Hass ist ein hartes Wort und ich denke dafür kennt man den Mensch dahinter zu wenig und man kann sich ja auch immer andere Ärzte suchen.
Ein Psychologe ist ja kein Arzt deswegen finde ich den Vergleich nicht so besonders gut, aber der Umgang und die Sympathie spielt hier eine größere Rolle, als beim Arzt. Immerhin muss man sich öffnen können und miteinander ins Gespräch kommen, wenn man das beim Arzt nicht schafft ist es leichter, weil man dann einfach schnell wechseln kann. Beim Psychologen bekommt man aber lange keinen Termin und deswegen muss man sich auch versuchen auf den Therapeuten einzulassen. Man kann hier aber auch maximal von nicht klarkommen reden. Beim Psychologen erfährt man aber auch oftmals Dinge, die man nicht hören will und da machen viele dann dicht und gehen nicht mehr hin.
Ich denke, dein Bekannter war zu diesem Augenblick nur sehr frustriert gewesen und hat sich anschließend einfach so ausgedrückt. Vielleicht hat er ja nicht länger über den "Hass" philosophiert und es war eigentlich nur eine Übertreibung, um seine Asympathie mitzuteilen.
Viele Menschen fühlen sich mit Sicherheit unverstanden, denn manchmal reden die Ärzte in einem "Fachchinesisch" und man steht blöd da. Das Problem hat zu mindestens meine Großmutter, aber meine Mutter begleitet sie ziemlich oft und mittlerweile traut sich meine Großmutter auch nachzufragen, wenn sie etwas nicht versteht. Wenn man natürlich nicht mit der Sprache herausrückt, dann frisst man den Kummer in sich hinein und denkt sich, dass der Arzt unsympathisch und arrogant ist.
Vielleicht halten einige ihren Arzt auch nicht für kompetent, das kann es auch immer geben. Vorallem wenn man sich nicht "aufgeklärt" fühlt, aber dann kann man zur Not zu einem anderen Fachmann gehen und dort nachfragen.
Ich denke nicht, dass die Aussage von deinem Bekannten wirklich so gemeint war.
Bisher konnte ich eigentlich nur beobachten, dass die Menschen Psychotherapeuten regelrecht hassen und schon in der Luft zerreißen und pauschal aburteilen, bevor sie einzelne Vertreter dieser Berufsgruppe kennen, die wirkliche psychische Störungen haben und unter Schwerwiegenderem leiden. Einen allgemeinen Hass auf Ärzte aller Fachbereiche konnte ich nun noch nicht erleben, aber ich kenne wohl Menschen, die Angst vor bestimmten Fachärzten haben, ohne sie bisher jemals aufgesucht zu haben. Auch Angst vor Zahnärzten habe ich schon häufig vernommen, auch ohne die entsprechenden Gruselgeschichten, die jemand mit ihnen bereits erlebt hat.
Was mich selbst angeht, so kann ich wohl sagen, dass ich kein Ärztehasser bin, jedenfalls habe ich nicht generell etwas gegen Ärzte, wobei ich die Psychotherapeuten hier mal einschließen will. Allerdings habe ich einige schlechte Erfahrungen mit Medizinern gemacht, wobei es nun auch keine besondere Rolle spielt, welches Fach die jeweiligen Ärzte vertreten haben, denn ich habe wohl durch die Bank sehr gute und eben auch sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Einige der Ärzte, die mir wirklich übel mitgespielt haben, verabscheue ich auch beinahe und ich habe über sie alles andere als eine gute Meinung. Dennoch kann ich nun nicht sagen, dass ich sie hasse, weil ich der Meinung bin, dass Hass ein sehr heftiger Begriff ist und ich eher glaube, dass ich bisher noch überhaupt niemanden gehasst habe, also auch keinen Arzt.
Irgendwie kann ich es auch nicht verstehen, wie man einen Arzt oder Psychotherapeuten hassen kann. Da müsste dann doch zumindest etwas ganz Gravierendes passiert sein. Hass ist ein so starkes Gefühl des Abscheus vor einem Menschen, dass ich mir das nur in extremen Privatsituationen vorstellen kann, wo nicht wieder Gutzumachendes passiert sein müsste. Bisher habe ich noch nie einen Menschen gehasst und werde es wohl auch nicht.
Ich bin nicht mit allem einverstanden, was einige Ärzte versuchen. So bin ich mit dem, was mein Orthopäde neuerdings immer versucht, auch nicht einverstanden. Er versucht mir teure Spritzen zu verkaufen, anstatt mir Physiotherapie aufzuschreiben, die mir nachweislich hilft. Ob ich mich immer dagegen zur Wehr setzen kann, weiß ich nicht, aber ich versuche es. Deshalb wechsele ich aber nicht den Arzt. Er versucht sein Budget aufzubessern, was aber durch mich nicht geht, weil ich nicht so viel Geld habe. Statt Spritzen zu bezahlen würde ich das Geld dann lieber meinem Physiotherapeuten für Therapien geben, die helfen.
Ich hasse keine Ärzte, bin aber tatsächlich auch manchmal misstrauisch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ärzte auch imaginäre Krankheiten behandelt wollten, da ging es dann wohl nur um Profit und das auf Kosten meiner Gesundheit. So wollte bei mir ein Zahnarzt beispielsweise einen gesunden Zahn anbohren. Da ich erst einen Monat zuvor bei einem anderen Zahnarzt gewesen war wusste ich, dass diese Diagnose sehr unwahrscheinlich war, dieser hatte nämlich keine Karies gesehen. Ich habe dann den Zahnarzt erneut gewechselt und der neue Arzt sah plötzlich keinen Handlungsbedarf an diesem Zahn mehr.
Ich glaube nun deshalb nicht, dass alle Ärzte so sind, die meisten anderen waren sehr kompetent und freundlich. Aber auch in diesem Berufszweig gibt es eben schwarze Schafe, ein wenig Vorsicht bezüglich der Diagnose halte ich also nicht für unangebracht.
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