Was macht einen guten Hausarzt aus?
Wie bereits aus der Überschrift ersichtlich, würde ich gerne mal wissen, was für euch ein Hausarzt haben muss, damit man ihn als gut bezeichnen kann. Ich bin bereits ein gebranntes Kind und habe schon schlechte Erfahrungen machen müssen.
Durch einen Umzug steht bei mir nun ein Hausarztwechsel an. Mit meiner letzten Hausärztin war ich eigentlich zufrieden gewesen, bis ich dann mal wirklich krank geworden bin und nicht nur Medikamente wegen einer Grippe brauchte. Ich ging zu ihr, weil ich mich sehr müde und antriebslos fühlte. Außerdem konnte ich kaum noch schlafen und hatte Herzrasen. In nicht einmal fünf Minuten hatte sie die Diagnose: Depressionen. Sie verschrieb mir dann Antidepressiva, die ich monatelang nahm. Ich war fast wöchentlich bei ihr, weil meine Symptome nicht besser wurden, aber sie führte keine weiteren Untersuchungen durch und von Mal zu Mal ließ sie mich spüren, dass ich nur noch nervig war. An einem Wochenende ging ich dann in die Klinik, weil ich nicht mehr konnte. Dort wurde durch eine einfache Blutuntersuchung festgestellt, dass ich Schilddrüsenprobleme habe und dies einfach mit Medikamenten behandelt werden konnte. Aufgrund dieses Vorfalls bin ich vorsichtig geworden und möchte nicht einfach zu einem beliebigen Arzt gehen.
Wie stelle ich denn als Laie fest, ob es sich bei meinem neuen Hausarzt um einen guten Mediziner handelt? Wie finde ich raus, ob er mich optimal behandelt?
Ich denke ein gutes Zeichen ist das Bauchgefühl. Merkt man, dass der Arzt vielseitig interessiert ist und sich alle Symptome anhört, ist das sicherlich schon ganz gut.
Mein Hausarzt hat sich auf mehrere Sachen spezialisiert und hat daher ein gutes Grundwissen. Da er nicht besonders alt ist, zeigt mir das, dass er zielstrebig ist und sich Mühe gibt. Bei mir hat er immer sofort richtig gelegen und ich hatte auch schon schwerere Sachen.
Außerdem gibt es einige Seiten im Internet, bei denen Ärzte bewertet werden können. Inwiefern das gut ist, muss aber meiner Meinung nach jeder selber wissen.
Der Kernpunkt ist der, dass sich alle Ärzte - aber insbesondere die Hausärzte - in den Patienten hineinversetzen und empathisch sein müssen, andernfalls ist eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung nicht möglich bzw. kommen dann solche Erfahrungen zustande, wie du sie erlebt hast. Wobei ich aber auch sagen muss, dass du allein der Tatsache wegen, dass er innerhalb von 5 Minuten (!!) eine Depression diagnostiziert haben will, schon hättest stutzig werden können, denn besonders psychische Probleme bedürfen mehreren Sitzungen, um sie genau diagnostizieren können, und selbst dann muss es schon ein erfahrener Therapeut sein, um eine gezielte Therapie in Absprache mit dem Patienten einzuleiten.
Wie man als Patient relativ leicht herausfinden bzw. nachvollziehen kann, ob der Hausarzt wissentlich ein guter Hausarzt ist, ist schwer zu sagen. Recht erfahrene Mediziner können mit 2-3 zielgerichteten Fragen (+ aus Aspekten, die er am Patienten sehen kann, z.B. schlechter Allgemeinzustand, Müdigkeit, etc.) grob das "Bild der Erkrankung" festlegen und schon entscheiden, ob ein abwendbar gefährlicher Verlauf herbeigerufen könnte, wenn er den Patienten nicht stationär einweist, oder aber eine harmlose Erkrankung den Beschwerden zugrunde liegt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch massig viele Ärzte, die genauso fahren (wollen), aber total daneben liegen, wie es beispielsweise bei dir der Fall war.
Weiterhin gibt es aber auch Mediziner, die eine ausführliche Anamnese erheben (wollen), um sich möglichst einen Überblick über den Patienten zu verschaffen, sofern er nicht schon langjähriger Patient ist. Die Krankheitsgeschichte des Patienten spielt natürlich auch eine große Rolle, zumal der Arzt ihn dann ja kennt und etwa abschätzen kann, wie er worauf reagiert und ob er beispielsweise nur eine Erkrankung vortäuscht, um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinung zu ergattern. Dadurch gelingt es dann den meisten - allein durch eine ordentliche Anamnese - die Diagnose zu äußern, in 60-70% aller Fälle werden Diagnosen nämlich rein anamnestisch gestellt. Die Kunst ist nur, die entsprechenden Sachen den Patienten zu fragen und die Antworten (Symptome, Dauer, Beginn, etc.) sinnvoll zusammenzuknüpfen.
Zu guter Letzt kann man seinem Hausarzt immer noch Löcher in den Bauch fragen. Sollte irgendwas unklar bzw. Fragen offen sein, dann sollte man echt nicht zögern zu fragen, viele Mediziner sind in der Hinsicht echt in Ordnung und versuchen ihren Patienten alles möglichst verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Schließlich hat der Patient das Recht zu erfahren bzw. zu wissen, was er da verschrieben/für Therapien bekommt. An dieser Stelle sei auch noch mal auf das Prinzip des "shared-decision making" hingewiesen, was sich in den letzten Jahren immer mehr durchsetzt und auch künftig so ablaufen wird. Aus meiner Sicht einfach nur verständlich und auch richtig so.
Ich bin auch ein gebranntes Kind, da ich schon ähnliches durch gemacht habe. Mein vorletzter Hausarzt meinte letzten Endes auch, dass ich psychische Probleme habe, er empfand mich nur als nervig. Bei meinem neuen Arzt wurde dann endlich die richtige Diagnose gestellt, die wirklich nicht Welt bewegend war. Bei Ärzten ist das immer so ein Problem. Ich denke auch, dass es einem nur das Gefühl und die Zeit sagen kann. Wenn man wie am Fließband behandelt wird, ist das schon einmal ein sehr schlechtes Zeichen. Der Arzt nimmt sich dann nicht richtig Zeit für einen und sieht einen nur als "Ware". Mir sind ältere Ärzte eigentlich lieber, die nicht nur ein Fachgebiet haben.
Für mich ist ein Hausarzt wirklich gut, wenn er sich richtig Zeit für seine Patienten nimmt. Leider habe ich auch schon die Erfahrung machen müssen, dass die Untersuchungen, wenn überhaupt eine gemacht wird, sehr schnell gehen. Das habe ich selber als Patient schon bemerkt, als ich zur Vertretung bei einem Arzt war. Mein Hausarzt dagegen, untersucht einen wirklich gründlich. Es wird sich erst einmal Zeit genommen, sich die Beschwerden anzuhören. Ich fühle mich dort auch nicht unter Druck, da man es manchen Ärzten schon ansieht, dass sie unter Zeitdruck stehen. Ich kann auch noch zusätzliche Fragen stellen, die mich interessieren, welche dann auch immer beantwortet werden.
Der Hausarzt sollte sich auch meiner Meinung nach, in allen Gebieten ein wenig auskennen. Natürlich wird jeder so sein Spezialgebiet haben, aber dennoch fände ich es gut, wenn ich auch mit allen Krankheitssymptomen bei meinem Hausarzt erscheinen kann, und dieser mir dann vielleicht sogar eine vorläufige Diagnose geben kann. Natürlich kann man nicht erwarten, dass der Hausarzt in allen Gebieten über Kenntnis verfügt. Mit meinem Hausarzt bin ich allerdings sehr zufrieden, und bin da schon seitdem ich etwa 5 Jahre alt bin.
Das was Dein Arzt da festgestellt hat, ist geradezu typisch für Leute mit Schilddrüsenerkrankungen. Man kann sich über einen Arzt Meinungen von Bekannten oder aus dem Internet holen. Man sollte auch darauf achten, dass man je nachdem welche Symptome man hat, zu einem auf diesem Gebiet qualifizierten Arzt geht. Das Alter eines Arztes spielt auch eine wichtige Rolle oder besser gesagt die Anzahl der Jahre, in welchen er diesem Beruf bereits ausübt. Nichts gegen junge Ärzte, aber diesen fehlt meist die Erfahrung Symptome nicht nur so wie in den Lernmitteln zuzuordnen, sondern auch andere eher untypische Verläufe zu erkennen und ordnungsgemäß zu behandeln. Du kannst in manchen Praxen auch aushänge von deren zusätzlichen Weiterbildungen sehen und danach beurteilen, dass diese auf einen aktuellen Wissenstand besitzen. Wenn Du Dich für einen Arzt entschieden hast, erkennst Du auch anhand, wie lange er sich für Dich und der Diagnose Zeit nimmt, ob er gut ist.
Ich glaube, das Wichtigste an einem guten Hausarzt, der einen ja quasi lange Strecken im Leben begleitet und immer der erste Ansprechpartner in gesundheitlichen Fragen ist, ist das Vertrauen, das man zu ihm aufbauen kann oder eben nicht. Es ist wichtig, dass die Chemie stimmt und dass man weiß, dass man jederzeit hingehen kann und dort auch jemand sitzt, der daran interessiert ist, dass es einem wieder besser geht.
Wenn ich gewillt bin, immer wieder hinzugehen, dann muss oder wird natürlich auch die fachliche Kompetenz stimmen. Aber ein Arzt, der mir dämlich vorkommt und dem ich erst sagen muss, was ich für eine Diagnose aufgestellt habe und was ich da machen würde, damit er daraufkommt, dann werde ich kein zweites und drittes Mal dahingehen.
Was ich persönlich sehr wichtig finde, auch aus der Erfahrung heraus, weil ich eben auf Arbeit im Krankenhaus oft sehe, dass das eben nicht funktioniert, ist die Tatsache, dass ein Hausarzt seine Kompetenzen genau kennen und sich einfach eingestehen muss. Hausärzte sind ja meist entweder Allgemeinmediziner oder allenfalls noch Internisten. Sie kennen sich auf vielen Gebieten gut aus, aber manches Problem können sie einfach nicht selbst lösen, weil es einfach nicht ihr Fachgebiet ist. Ich finde es dementsprechend enorm wichtig, dass ein Hausarzt bereit ist, die Behandlung der Krankheit an einen Facharzt abzugeben und Überweisungen zu den richtigen Ärzten auszustellen.
Hausärzte sind für mich "kleine" Rettungsstellenärzte, die alles auffangen und dann die Aufgabe haben, die Patienten auf die richtige (!) Station zu verlegen bzw. kleine Dinge eben vor den "Stationen" - also Fachärzten und Krankenhaus zurückzuhalten und selbst zu erledigen. Aber die Entscheidung: wohin, was tun - die sollte ein Hausarzt ernst nehmen.
Ich habe es schon öfter erlebt, dass Hausärzte gedacht haben, sie wissen, was sie tun und das wird schon gehen, aber damit haben sie es nur noch schlimmer gemacht. Die Leute kommen manchmal viel zu spät zu uns ins Krankenhaus, weil die Hausärzte nicht geschalten haben oder weil sie einfach nicht gesehen haben oder sehen wollten, dass die Krankheit keine Krankheit mehr für sie ist und sie diesen Patienten einfach in andere Hände geben müssen.
Meine Hausärztin habe ich jetzt übrigens auch seit mehr als 15 Jahren und das noch, obwohl ich umgezogen bin vor 2 Jahren. Wann immer ich eine größere Sache habe, die sich ein bisschen planen lässt, dann gehe ich zu ihr. Wenn ich einen Krankenschein oder sowas Kleines brauche, dann gehe ich vor Ort zu einer Ärztin, die sicher auch nett ist, aber meine Hausärztin ist und bleibt meine altbewährte.
Die geb ich nicht her.
Ich finde, dass kann man relativ leicht feststellen und finde dein Beispiel schon ziemlich heftig, zumal ich ehrlich gesagt gar nicht gewusst habe, dass Hausärzte so ohne weiteres Depressionen diagnostizieren dürfen und ich glaube eigentlich auch eher, dass es sich dabei um Placebos und nicht um echte Antidepressiva gehandelt hat. Wie auch immer, auf jeden Fall habe ich leider auch schon sehr schlechte Erfahrungen mit Hausärzten machen müssen. Der erste Hausarzt, zudem ich nach dem Kinderarzt wechselte, war ein etwas älterer Herr, den ich eher als gemütlich bezeichnen würde. Ich war bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr bei diesem Arzt und in diesen Jahren gab es immer wieder kleine Vorfälle, bei denen ich mir schon das eine oder andere gedacht habe, aber es hat eben nicht dazu gereicht, den Hausarzt zu wechseln. Einmal hatte ich beispielsweise eine ganze Woche lang schlimmen Durchfall und mein Hausarzt meinte daraufhin, ob ich denn eine Kneipentour mit Freunden gemacht hätte. Unverschämter geht es wohl nicht, dass war dann so ziemlich das letzte, was ich mir habe gefallen lassen, zumal er auch nichts gegen meine Symptome unternommen hatte, sondern einfach nur meinte, dass das schlimmste überstanden wäre.
Der Hausarzt zu dem ich dann gewechselt hatte, war letztendlich noch ein Stück weit schlimmer, aber das konnte ich schließlich nicht wissen. So richtig orientieren konnte ich mich nicht, ich konnte schließlich nicht alle Ärzte ausprobieren und dann entscheiden oder so und die meisten meiner Bekannten und Freunde meinten meistens, ihre Ärzte wären gut, also wie soll man sich da entscheiden? Ich entschied mich für einen Arzt der ganz in meiner Nähe seine Praxis hatte und wurde enttäuscht. Das erste was mir passierte, war das ich eine Impfung bekam, der Arzt klebte das Pflaster an die falsche Stelle und zog mir den Ärmel meines hellen Oberteiles wieder herunter, die Folge war ein Blutfleck auf dem Oberteil, den ich nicht mehr beseitigen konnte.
Ein anderes Mal hatte ich eine beginnende Rippenfellentzündung und war mehrere Male bei ihm, bekam aber lediglich Schmerzmittel verschrieben und mir wurde gesagt, es würde besser werden, was nur leider nicht der Fall war. Als mir dann von den Schmerzmitteln übel wurde, bekam ich Kapseln für den Magen. Am Wochenende dann konnte ich die Schmerzen eines Morgens nicht mehr aushalten und man brachte mich ins Krankenhaus, wo dann eine Rippenfellentzündung diagnostiziert wurde, da hätte der Arzt mich noch ewig mit Schmerzmitteln zupumpen können. Ich habe mir aber gesagt, dass man sich hier eben auch irren kann, da eine Rippenfellentzündung in der Regel anders verläuft. Der Höhepunkt war dann, als meine Mutter mit einer Lungenentzündung zum Hausarzt ging und diese ansteckend sein konnte, ich ging dann zum Hausarzt um mich selbst untersuchen zu lassen und das einzige was dieser machte, ist meinen Blutdruck zu messen, das war wirklich der Höhepunkt und danach habe ich den Arzt gewechselt.
Ich finde, dass man an sich nicht großartig etwas machen kann, wenn man den Arzt nicht kennt. Man kann keine Tour durch alle örtlichen Arztpraxen machen, um sich zu entscheiden, sondern merkt in der Regel erst dann, ob ein Arzt gut ist oder nicht, wenn man sich von ihm behandeln lassen muss, es hier hat man die Möglichkeit zu entscheiden, ob man zufrieden ist oder nicht. Mir selbst ist es sehr wichtig, dass der Arzt einen ernst nimmt, wenn ich ein Problem habe, dann komme ich nicht umsonst und sofern ich nicht wöchentlich bei meinem Arzt auftauche, bin ich auch kein Hypochonder und meine Beschweren sind echt. Ich möchte vernünftig untersucht werden und wenn ich eine Vermutung bezüglich meiner Beschweren habe, dann will ich auch nicht, dass der Arzt mich belächelt und sie beiseite schiebt, sondern mich eben durchaus ernst nimmt.
Herausfinden, ob ein Arzt, den Du neu kennenlernen musst, ein Deiner Meinung nach guter Arzt ist, wirst Du wohl nur dadurch herausfinden, dass Du ihn eben kennenlernst. Ich denke, dass man das nicht aufgrund irgendwelcher Gegebenheiten, die recht offensichtlich sind, sagen kann. Mir wurden in meinem alten Wohnort zwei Ärzte in einer Gemeinschaftspraxis wärmstens empfohlen, die ich auch beide nacheinander konsultiert habe. Keiner von beiden konnte mich wirklich überzeugen, eher im Gegenteil, aber die Praxis ist jeweils gerammelt voll und man bekommt dort nur schwer einen Termin. Warum, ist mir bis heute ein absolutes Rätsel.
Meinen Arzt, der für mein Empfinden der perfekte Hausarzt ist, habe ich also nur durch Suchen gefunden. Ich habe einen Termin gemacht und mir diesen Arzt dann sprichwörtlich einmal angeschaut, allerdings konnte er mich auch direkt beim ersten Besuch überzeugen, eben, weil er mir zugehört und sich interessiert hat, weil er locker war und nicht festgefahren in seinen Abläufen, und vor allem, weil er deutlich gemacht hat, dass er diagnostisch ziemlich stark ist. Das erwarte ich von einem guten Arzt, weil das einen guten Arzt für mich kennzeichnet.
Ob Du nun Wert darauf legst, dass Dein Arzt gut zuhören können und möglicherweise auch noch Anteil nehmen muss oder ob es Dir wichtiger ist, dass Du mit allem möglichen zu ihm gehen kannst und er Dich im richtigen Moment weiter zu einem Facharzt überweist, anstatt an Dir herumzuprobieren, was er als Lösung sieht, das bleibt vermutlich ganz Dir überlassen. Gewisse Dinge, die häufig als Eigenschaft eines guten Arztes genannt werden, bewerte ich selbst beispielsweise nicht so hoch, aber ich gehe davon aus, dass jemand in seinem Beruf wenigstens einigermaßen gut ist und bewerte somit die fachliche Seite auch wirklich am meisten. Wichtig ist mir also vor allem, dass ich Hilfe bekomme, wenn ich Hilfe benötige, wobei ich allerdings die Form dieser Hilfe wieder dem jeweiligen Arzt überlasse. Damit meine ich, dass eine Weiterüberweisung zu einem Facharzt manchmal die deutlich bessere Wahl und die schnellere Hilfe ist als das Ausprobieren.
Dafür ist mir persönlich eben weniger wichtig, dass mein Hausarzt auch bei allem mitfühlt, denn ich weiß wohl, dass einige sich ganz absichtlich sehr von persönlichem Leid distanzieren und einen eigenen Weg suchen und auch finden, um mit dem Leiden anderer Menschen umzugehen. Mein Hausarzt ist nun jemand, der zwar häufig kein Mitgefühl zeigt, aber manchmal nicht verbergen kann, dass ihm eine persönliche Geschichte doch nahegeht und er außerdem seine Patienten wirklich kennt. Häufig genug hat er mich nach meinem Mann gefragt, dessen Namen er auch kannte und dessen berufliche Situation ihm nicht unbekannt war. Seine Praxis ist allerdings auch eine der gut besuchten, weswegen es mich immer wieder erstaunt hat, welchen Überblick er über seine Patienten hat. Das ist vermutlich auch etwas, das mir nicht ganz unwichtig ist: Ich möchte in meinem Hausarzt jemanden sehen können, der weiß, wer ich bin und der sich mit mir befasst und nicht mit irgendeinem seelenlosen Körper, dem gerade irgendetwas fehlt.
Für mich macht einen guten Hausarzt aus, dass er sich eingehend mit mir befasst. Dazu sollte er am Anfang, wenn er mich noch nicht kennt, eine genaue Untersuchung durchführen. Dabei sollte er sowohl eine körperliche Untersuchung anstreben, also jemanden augenscheinlich unter die Lupe nehmen, wie auch bestimmte Dinge messen und mit untersuchen, wie zum Beispiel Blutdruck, Blutzucker, Blut. Er sollte das Impfheft überprüfen und man sollte das Gefühl haben, dass man ihm alles anvertrauen kann.
Zudem sollte nach dieser ausführlichen Grunduntersuchung dann auch jedes Mal genug Zeit für mich vorhanden sein, wenn ich wieder einmal zu meinem neuen Hausarzt gehen muss. Da würde ich mit einer oberflächlichen Diagnose nicht zufrieden geben. Oberflächlich würde für mich dann auch bedeuten, dass sich der Hausarzt nur meine Schilderungen anhört, aber sonst keine weiteren diagnostischen Untersuchungen veranlasst. Gerade wie in deinem Fall beschrieben, finde ich es ziemlich unmöglich aufgrund einer Schilderung gleich auf eine Depression zu schließen. Abgeschlagenheit kann schließlich viele Ursachen haben und wenn ein Arzt nichts untersucht und nur eine einzige Diagnose aufgrund unzureichender Angaben macht, halte ich diesen Arzt sicherlich nicht für kompetent und würde sicherlich auch kein nächstes Mal mehr zu diesem gehen, denn Kompetenz gehört neben genügend Zeit für den Patienten für mich zu den beiden ausschlaggebenden Punkten, warum ich einen Arzt als meinen Hausarzt wählen würde oder nicht.
In der Praxis sehe ich häufig, wie schwierig es ist, einen vernünftigen Hausarzt zu finden. Viele Ärzte, die ich aufgrund meines Berufes kenne, würde ich sicherlich nicht als Patient aufsuchen, da ich oftmals die Kompetenz anzweifle und sehe wie Patienten kurz und unzureichend abgefertigt werden. Ich denke das liegt auch daran, dass Ärzte inzwischen sehr viele Stammpatienten haben und je mehr es werden, umso weniger Zeit kann sich der Arzt dann auch für den Einzelnen nehmen. Es ist echt ein schwieriges Thema.
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