Gefühle im Wartezimmer beim Arzt
Bei mir ist es so, dass ich mir ohnehin viel zu viel Gedanken über alles mache. Wenn ich dann also so im Wartezimmer herum sitze, schwirrt mir so einiges im Kopf herum. Meistens ist es so, dass ich mich auch sehr unwohl fühle und daran denke, wie gerne ich denn zu Hause wäre. Ich weiß nicht warum, aber ich finde die Atmosphäre in Wartezimmern immer etwas beängstigend. Ich fühle mich dann also von Minute zu Minute unwohler und maule innerlich herum, dass ich in dem Moment so gerne mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher herumliegen würde.
Werde ich nach einer halben Stunde nicht aufgerufen, beginne ich mir allmählich
Gedanken zu machen, ob ich denn nicht vergessen wurde. Nach etwa einer Stunde Wartezeit bin ich dann schließlich meistens wirklich fest überzeugt davon, dass ich vergessen wurde. Ich überlege dann also hin und her, ob ich denn aufstehen und an der Rezeption nachfragen soll, wann ich denn endlich drankomme. Immer war es dann aber so, dass ich mich dagegen entschieden habe, aufzustehen und nachzufragen.
Wenn sich andere Leute außer mir im Raum befinden, grüble ich immer darüber nach, aus welchem Grund sie wohl zum Arzt gehen. Manchmal rege ich mich auch innerlich sehr darüber auf, wenn diese Leute früher drankommen, als ich.
Nun habe ich immer, wenn ich zum Arzt gehe, meinen eBook-Reader dabei. So wird mir auch nach einer halben Ewigkeit Wartezeit nicht langweilig, da ich genügend Lesestoff dabei habe. Die Zeitschriften im Wartezimmer sind ja bekanntlich nicht unbedingt die spannendsten. Außerdem finde ich es auch immer ein wenig eklig, solche Zeitschriften an zu fassen, die wohl schon hundert Menschen vor mir angefasst haben. Da bin ich dann doch ganz froh, wenn ich mir selber etwas zum Lesen mitgenommen habe.
Ich nehme mir meist Arbeit oder ein Buch mit, wenn ich zum Arzt gehe. So kann ich die Wartezeit sinnvoll nutzen oder mich in ein tolles Buch vertiefen, das ich ohnehin gerade lesen möchte. Wenn ich sehe, dass das Wartezimmer sehr voll ist wenn ich eintreffe, dann frage ich die Sprechstundenhilfe auch oft, ob es länger dauern wird. Ist dies der Fall, dann gehe ich manchmal noch schnell in den Supermarkt oder erledige andere Dinge und komme dann nach einer halben Stunde wieder. Vielleicht handhaben das die Leute, von denen du meintest, dass sie nach dir kamen und vor dir aufgerufen wurden, auch so. Frag doch beim nächsten Arztbesuch auch einfach mal, wie lange es dauern wird und ob du später wiederkommen kannst.
Schlimm finde ich die Wartezeit beim Arzt eigentlich immer nur, wenn ich Angst vor Ansteckung habe, also zum Beispiel beim Hausarzt. Beim Frauenarzt, Zahnarzt oder Orthopäden ist ja keine große Infektionsgefahr gegeben, da halt ich mich eindeutig lieber im Wartezimmer auf. Setzt sich dann noch jemand neben mich, der hustet und niest, dann würde ich am liebsten davonlaufen.
Angst vor schlimmen Krankheiten hatte ich noch nie, ich war aber auch noch nie wegen schlimmen und unerklärlichen Schmerzen beim Arzt. Meist handelte es sich um völlig harmlose Geschichten wie Heuschnupfen, da ist die Angst natürlich nicht besonders groß, dass man eine schreckliche Diagnose bekommt.
Da ich mich durch meinen Werdegang sehr gut in der Medizin auskenne, schnappe ich automatisch irgendwie reflexartig sehr viel auf, was in Praxen so passiert, was geredet wird, was an der Rezeption so verhandelt wird und finde daran auch Interesse. Da es mir aber unangenehm ist, andere Leute "zu belauschen" versuche ich mich immer abzulenken, indem ich Nachrichten auf meinem iPhone lese oder etwas sinnvolles tue.
Da ich im Regelfall mein iPad immer dabei habe, schreibe ich irgendetwas darauf oder bereite berufliche Dinge vor. Das ist schon praktisch mit den Dingern, denn, wenn man aufgerufen wird, ist es auch innerhalb von zwei Sekunden wieder verstaut. Ich achte eigentlich wenig auf die Umgebung, weil es auch Menschen gibt, die sich in ihrer Imtimsphäre sehr schnell verletzt fühlen und für die ein Arztbesuch schon immer eine Tortur ist, wenn sie mit anderen Kranken in einem Raum sitzen müssen. Da ich lange Zeit im Klinikum gearbeitet habe, habe ich aber keine Angst vor irgendwelchen "Bazillen", daher setze ich mich meist ruhig irgendwo hin und falle gar nicht weiter auf.
Ich möchte zunächst sagen, dass ich äußerst ungern mehr Zeit als eine halbe Stunde in einem Wartezimmer verbringe, allerdings habe ich in der Regel mein Handy bei mir, wenn ich beim Arzt bin und kann mir insofern mit Spielen oder Internetsurfen die Zeit vertreiben, während ich im Wartezimmer sitze. Angst oder sonst irgendwelche sonderlich schlechten Gefühle habe ich im Wartezimmer noch nicht empfunden, vielleicht aber eine Art Unwohlsein aus dieser Ungewissheit heraus, was nun bei meiner Untersuchung herauskommen würde. Dieses Unwohlsein war aber auch noch nicht so schlimm, dass ich es als sonderlich bemerkenswert wahrgenommen hätte.
Vor etwas über einem Monat habe ich dann eine ganz neue Wartezimmer-Erfahrung gemacht, als ich meinen Partner zum Hautarzt begleitet habe. Er hat eine Praxis, in der man an einem Tag ohne Termin in der Praxis erscheint. Man stellt sich also in aller Herrgottsfrüher mit anderen Patienten auf den Hausflur und wartet, bis man eingelassen wird. In der Praxis wird dann an der Anmeldung eine bestimmte Anzahl von Patienten aufgenommen, und wenn man Pech hat, wird einem vom Sprechstundenpersonal gesagt, dass man wieder gehen muss, weil für heute schon zu viele Patienten erschienen sind. Ich fand diese Idee der offenen Sprechstunde schon damals äußerst ungünstig, aber mein Partner war bereits zuvor einmal bei diesem Arzt gewesen und sagte, dass er damals nicht lange warten musste. Wir haben es also gewagt und im Endeffekt mussten wir sage und schreibe acht Stunden warten, in denen mein Partner allerdings zweimal in ein anderes Zimmer geschickt wurde, wo wir dann wiederum weiter warten mussten.
In diesen acht Stunden habe ich alles mögliche an Gefühlen erlebt, das von Selbstmotivation über Unzufriedenheit bis beinahe hin zur Wut reichte. Wir haben in diesen acht Stunden außerdem mitbekommen, dass wir tatsächlich zwischenzeitlich in einem Sprechzimmer vergessen worden sind und die Hautärztin irgendwann, nachdem sie ihre Sprechstundenhilfe über eine Stunde, nachdem wir in diesem verschlossenen Zimmer gewartet hatten und mitbekommen mussten, wie im Vorzimmer zwischenzeitlich drei Patienten behandelt worden waren, fragte, ob im hinteren Zimmer eigentlich jemand säße, woraufhin sie dann auch erst auf uns aufmerksam wurde. Das hat mich wirklich verärgert und ich konnte auch nicht verstehen, dass mein Partner sich wirklich stundenlang sehr heftig aufgeregt hat über diese Zustände, aber im Beisein der Ärztin dann gar nichts mehr angesprochen hat, was ich ziemlich feige fand. Wäre dies mein Arztbesuch gewesen und hätte ich mich angemeldet und wäre zeitlich eingeteilt, also irgendwie terminiert worden, so wäre ich sicherlich nach allerspätestens zwei Stunden Wartezeit aufgestanden, hätte gesagt, dass ich nun gehe und mir anschließend einen anderen Arzt gesucht. Was sich hier also gefühlsmäßig bei uns abgespielt hat, kann ich gar nicht beschreiben, aber es war eigentlich ganz interessant, sich mal selbst zu erleben, wie man sich von diesem Gefühl von Hilflosigkeit und Wut doch wieder berappelt und sich versucht, aufzubauen, was einem immerhin wieder die eine oder andere Stunde Durchhaltevermögen verschafft.
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