Krebs in der Schwangerschaft: Chemo oder Kind?

vom 04.01.2012, 11:39 Uhr

Ich habe nun schon öfters davon gehört, dass Krebs in der Schwangerschaft bei manchen Frauen festgestellt wurde. Sei es im Fernsehen, in Zeitungsberichten oder sogar in meinem Bekanntenkreis. Entweder war es Brustkrebs oder sogar ein Gehirntumor. Die Frauen stehen dann vor der Entscheidung, ob sie das Kind wegmachen lassen und die Chemotherapie noch rechtzeitig beginnen können oder dass sie das Kind austragen und dann möglicherweise sterben, weil sie die Chemotherapie zu spät beginnen. In jedem Fall ist es eine Entscheidung gegen ein Leben. Entweder das eigene oder das Leben des Kindes.

Ich habe damals als ich schwanger wurde auch darüber nachgedacht, weil eine Bekannte sich gegen eine Chemo und für das Kind entschieden hat und sie hat in den letzten Wochen der Schwangerschaft mehr Schmerzen als klare Stunden gehabt. Wenn sie das Kind hätte wegmachen lassen, dann hätte ihr wahrscheinlich geholfen werden können. So ist das Kind kurz nach der Geburt Halbwaise geworden und da habe ich mich schon gefragt, was besser gewesen wäre.

Wie würdet ihr euch entscheiden? Im Fall von Krebs bei der Mutter ist auch ein Spätabbruch möglich und medizinisch vertretbar. Aber was passiert, wenn man während der Schwangerschaft eine Chemotherapie macht? Welchen Schaden würde das Kind bekommen? Wäre es nicht eine Alternative, dass man auch während der Schwangerschaft eine Chemotherapie macht? Würdet ihr euch für das Leben des Kindes entscheiden oder für euer eigenes mit der Hoffnung dann doch irgendwann noch ein Kind bekommen zu können. Nun auch die Frage an die Herren hier in der Runde. Würdet ihr eure Frau überreden das Kind zu bekommen oder dass sie versuchen soll ihr eigenes Leben zu retten?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Auf jeden Fall eine schwierige Frage, die hier hoffentlich keine zu hitzige Diskussion hervorbringt. Ich habe im ersten Augenblick gerade spontan gedacht, was es dem Kind bringen würde, wenn die Frau es austrägt und kurz danach stirbt? Das Kind hat dann keiner Mutter mehr und wer weiß, wie das Leben des Kindes ohne Mutter aussieht? Vielleicht hat es später sogar Probleme irgendwann einmal, denn Kinder können wirklich grausam sein.

Auf der anderen Seite liebt man ja das, was man da unter dem Herzen trägt. Vielleicht denken auch manche Frauen, naja, wie soll ich ausdrücken? Wenn sie schon sterben, dann soll wenigstens etwas von ihnen weiter leben. Oder der Mann denkt vielleicht, dass wenn seine Frau sterben muss, dann hat er so noch etwas von ihr, nämlich ihr Kind.

Ich persönlich wüsste im Augenblick auch ehrlich nicht, wofür ich mich entscheiden würde, wenn ich in der Situation wäre. Ich denke, beide Möglichkeiten ziehen ihre Probleme hinterher mit sich. Ich denke sogar, dass die psychische Belastung im Nachhinein unerträglich werden könnte.

» MissFly » Beiträge: 362 » Talkpoints: 6,41 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Auch wenn ich kein Mann bin, würde ich gerne etwas zu deiner Frage sagen, ob Mann nun die Frau überreden wollte oder nicht, die Chemotherapie zu machen. Ich glaube nicht, dass es irgendeine Frau geben wird, die sich auf diese Weise überreden lässt. Das ist zwar eventuell auch eine Entscheidung, gegen das Kind des Mannes, trotzdem sehe ich hierfür kein Mitspracherecht des Mannes. Er darf selbstverständlich seine Meinung dazu sagen, aber überreden sollte und darf er hier keinen und ich hoffe doch sehr, dass es keine Frau gibt, die sowas mit sich machen lässt.

Ich schätze, wenn man erstmal in dieser Situation ist, sieht man das ganze aus einer andere Perspektive und entscheidet sich anders oder hat zumindest andere Beweggründe. Momentan würde ich mich aber definitiv dazu entscheiden, das Kind abtreiben zu lassen. Erstens habe ich irgendwie immer den Gedanken an die Überbevölkerung der Erde und unsere kranke Gesellschaft im Kopf und zweitens würde ich jetzt nicht unbedingt wollen, dass mein Kind nur mit einem Elternteil aufwächst. Das ist keine besonders gute Zukunftsperspektive für ein Kind und abgesehen davon wüsste ich jetzt nicht, ob mir mein Nachwuchs nachsteht, wieso sollte er wichtiger sein als ich?

Ich würde das Kind definitiv abtreiben und die Chemotherapie machen. Der einzige Grund, diesen Weg nicht einzuschlagen wäre vermutlich der, dass die Ärzte mir ganz klar sagen, dass ich eh keine Chancen haben werde und sterben muss. Dann wäre es letztendlich egal, ob ich die Chemo mache oder nicht. So gesehen könnte ich das Kind dann bekommen, allerdings wäre es in dieser Situation fraglich, ob das Kind gesund zur Welt kommen würde. Wäre das nicht der Fall, würde ich es wieder abtreiben lassen. Dies wäre für mich nicht vertretbar, denn nicht genug, dass ich das Kind alleine auf der Welt lassen, weil ich nicht lange nach der Geburt sterben muss, ich lasse meinem Freund auch noch ein behindertes Kind zurück. Das muss wirklich nicht sein und wäre gewisse eine zu große Belastung.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich finde diese Entscheidung schwierig. Zunächst einmal ist es so, dass man eine Chemotherapie während der Schwangerschaft nicht machen sollte. Eine Chemotherapie schädigt nicht nur den Patienten, sondern auch das Kind. Eine Chemotherapie wirkt vor allen Dingen auf die Zellen, die sich schnell erneuern, wie Schleimhäute, Haare usw., weshalb einem auch die Haare ausfallen und viele Probleme mit der Mundschleimhaut bekommen. Da bei dem Wachstum eines Kindes auch Zellen beteiligt sind, die sich schnell erneuern, ist von einer Chemo während der Schwangerschaft dringend abzuraten. Denn die Chemo bewirkt, dass sich schnell erneuernde Zellen absterben, was das heißt, kann man sich jetzt wohl denken.

Desweiteren finde ich die Entscheidung, ob man Chemo macht oder das Kind abtreibt oder nicht, eigentlich erstmal nicht gegeben. Ich würde erstmal die genaue Situation abklären, ich würde mit den Ärzten sprechen und fragen, inwieweit sofort gehandelt werden muss oder ob es nicht eine andere Medikation gibt, die den Krebs aufhält, bis das Kind geboren worden ist. Ich würde fragen, inwieweit mich das gefährdet und ob ich trotzdem eine Chance hätte. Es gibt durchaus auch Krebsformen, die nicht unbedingt mit Chemo behandelt werden müssen, oftmals genügt auch eine Operation oder die Behandlung mit Medikamenten. Das wissen nur die meisten gar nicht, die keinen Krebs selbst haben oder nur Leute kennen, die eine Chemo bekamen. Krebs ist heute durchaus so flexibel behandelbar, dass man keine Chemo in jedem Fall braucht. Ich habe eine Bekannte, die während ihrer Schwangerschaft Blasenkrebs bekam. Man konnte bei ihr bis nach der Geburt mit der Operation und weiteren Maßnahmen warten, so dass sie ihr Kind erstmal zur Welt bringen konnte. Also es gibt auch Fälle, in denen ein sofortiges Handeln nicht unbedingt nötig ist, wenn es rechtzeitig erkannt wird.

Wenn es allerdings gar nicht anders möglich wäre, würde ich schon über den Abbruch nachdenken. Denn eine Chemo würde das Kind gefährden, ohne Chemo wäre die Mutter gefährdet, wartet die Mutter, wächst das Kind vielleicht ohne Mutter auf. Das muss man abwägen. Man kann immer noch ein zweites Kind bekommen, wenn man wieder gesund ist. Aber man kann sein Leben vielleicht nicht mehr retten, wenn man nicht rechtzeitig handelt. Aber das ist aus der Sicht eines Außenstehenden sehr schwierig zu beurteilen, denn das kann letztlich nur der Betroffene selbst entscheiden.

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» Vampirin » Beiträge: 5979 » Talkpoints: 30,32 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Eine schwere Entscheidung, die nur die Betroffene Frau fällen sollte, weil es um ihr Leben oder das des Kindes geht. Wenn mir der Arzt sagen würde, dass mit einer sofortigen Chemotherapie mein Leben zu retten wäre, aber es sonst keine Möglichkeit gibt für mich weiterzuleben, wenn ich die Geburt abwarte, würde ich einen Abbruch vornehmen lassen. Gerade darum, weil ich das Kind liebe und es sonst ohne mich – seine Mutter – aufwachsen müsste. Das würde ich nicht wollen. Und ich denke, dass mein Mann mir dann zupflichten würde. Was hilft es dem Baby, wenn es geboren wird und ich müsste kurze Zeit später sterben.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Ich bin wirklich aus tiefstem Herzen dankbar, dass mir diese Entscheidung erspart geblieben ist. Das gehört vermutlich zu den schlimmsten und belastendsten Entscheidungen, die man als Frau treffen muss, wenn man während der Schwangerschaft mit einem erwünschten Kind die Diagnose Krebs bekommt.

Wenn man als Mutter schon mindestens ein Kind hat, dann fällt die Wagschale vermutlich eher Richtung Abreibung, denn sonst würde man ja mindestens zwei Waisenkinder hinterlassen. Wenn man noch jung ist, und das momentane Kind im Bauch die erste Schwangerschaft ist, man mit einer Chemo gute Überlebenschancen hat und man danach aller Wahrscheinlichkeit neue Kinder bekommen kann, dann ist es vermutlich die einfachste Konstellation, in der man sich für eine Abtreibung entscheiden kann. Aber einfach ist auch ziemlich relativ.

Vor kurzem ging durch die Medien, dass sich in den USA (wenn ich mich nicht irre) eine Frau gegen die Chemo und für das ungeborene Kind entschieden hat. Sie starb wohl wenige Tage nach der Entbindung und wird in konservativen Kreisen dort als moralische Heldin gefeiert. Auf jeden Fall ist so eine Entscheidung mutig. Viele Frauen sagen ja, wenn eines ihrer Kinder stirbt, dass sie lieber ihr eigenes Leben für das Leben des Kindes eingetauscht hätten. Vielleicht fühlt man in so einem Fall oft auch so. Zum Glück weiß ich das nicht. Eigentlich will ich das auch nicht wissen.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Da ich sowieso immer sage, dass ich mich, sollte bei mir einmal eine Krebserkrankung festgestellt werden, gegen eine Chemotherapie entscheiden würde, stellt sich für mich diese Frage natürlich nicht. Ich würde auf jeden Fall mein Kind austragen und nicht darauf hoffen, irgendwann später hoffentlich endgültig von meinem Krebs geheilt zu sein und dann auch noch in der Lage zu sein, ein Kind zu bekommen. Schon alleine aus Eigennutz würde ich keine Chemo beginnen, denn diese ist für den Körper auch unheimlich schlauchend und der Erfolg ist nicht garantiert.

Außerdem gehe ich mal davon aus, dass sich mein Mann auch auf die Geburt seines Kindes freuen würde. Und ich habe einfach nicht das Recht dazu, alleine über das Leben dieses ungeborenen Kindes zu entscheiden, denn es ist eben nicht nur meines und mein Mann hat da auch noch ein Wörtchen zu sagen. Außerdem lebt für ihn dann ein Stück von mir weiter, falls ich den Krebs nicht überleben würde. Das wäre für mich als Mutter und Ehefrau ein sehr tröstlicher Gedanke.

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» olisykes91 » Beiträge: 5370 » Talkpoints: 24,75 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Diese Entscheidung ist sicherlich keine, über die man sich in der Theorie wirklich Gedanken machen sollte. Die Wahrscheinlichkeit, dass man während einer Schwangerschaft eine Krebserkrankung entdeckt, ist dennoch vorhanden. Jedoch würde ich mich damit wohl jetzt nicht so beschäftigen, würde aber aller Wahrscheinlichkeit schauen, wie gut die Heilungschancen für mich selbst sind und auch, in welchem Schwangerschaftsmonat ich wäre, wie die Versorgubg für das Kind nach meinem Ableben aussehen würde und so weiter. Ich denke, ich könnte es nicht ertragen, dass aufgrund meiner Krankheit ein weiteres Lebewesen ebenfalls sein Leben verliert, obwohl es erwünscht gewesen ist. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich jetzt besonders egoistisch denke oder so, aber ich denke, ich würde mich aller Wahrscheinlichkeit nach auch für das Kind und gegen mich entscheiden.

Sicherlich gibt es bei manchen Krebserkrankungen die Möglichkeit, das Kind erst auszutragen und dann die Chemotherapie macht. Eine parallele Chemotherapie würde ich nicht zur Schwangerschaft machen wollen, da eine Chemotherapie den Körper schon genügend angreift und es sicherlich nicht gut für das Kind wäre. Eventuell gibt es sanftere Methoden, aber wenn es nun keine andere Möglichkeit gebe, würde ich eher ein gesundes Kind zur Welt bringen als es abzutreiben oder es einem Schaden auszusetzen, der nicht abzuwägen ist.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


Behandlung von Krebs in der Schwangerschaft ist keine Glaubensfrage mehr. Es gibt zwar Risiken, aber es ist die EINZIGE Möglichkeit zur Sicherung des Überlebens von Mutter UND Kind. Ich schreibe hier als betroffener Ehemann, und ihr könnt mir glauben, ich habe mich ausreichend und umfassendst informiert. Dass eine Schwangerschaft abgebrochen werden muss wegen einer Krebserkrankung ist in den 1960ern und auch noch in den 1970ern oft üblich gewesen. Auch habe ich von einem Fall gelesen, bei dem noch vor weniger als zehn Jahren dazu geraten wurde.

Die Medizin hat sich allerdings mittlerweile weiterentwickelt. So ist zwar erst seit ein paar Jahren der Einsatz von Chemotherapien in der Schwangerschaft in das Repertoire der Onkologen eingeflossen, aber mittlerweile überhaupt nicht mehr wegzudenken. Die Mutter wird primär so behandelt und betrachtet als wenn sie nicht schwanger wäre. Riskant sind die Behandlungen mit Chemotherapien primär in den ersten 12 Wochen, weil da die Organe noch nicht fertig ausgebildet sind. Aber auch da ist man als Krebspatientin nicht hilflos. Es ist auch so, dass Krebs keine Krankheit ist, die von Jetzt auf Gleich entsteht, auch wenn es schnell wachsende Tumore gibt.

Nach dem ersten Trimenon kann relativ problemlos mit auf die Schwangerschaft und den Tumor abgestimmte Therapeutika behandelt werden. Die Kinder bekommen bei vielen Therapien nichts mit, bei agressiven Arten bekommen sie nach neuesten Erkenntnissen vielleicht 5% bis 20% der Wirksamkeit dessen mit, was der Mutter verabreicht wird. Es kann zwar zu Frühgeburten kommen, aber auch dann sind die Kinder nicht weniger gesund als Kinder, die auf die gleiche Art und Weise entbunden wurden.

Statistisch gesehen gibt es etwa 700 Fälle von Krebs in der Schwangerschaft pro Jahr in Deutschland. Die Statistiken sprechen von nicht mehr Komplikationen als bei normalen Schwangerschaften. Leider steigt die Zahl der Erkrankungen pro Jahr, weil auch das Alter von Müttern immer mehr steigt. Also, Krebs in der Schwangerschaft, davon am häufigsten Brustkrebs, ist kein Grund für Panik und schon lange kein unbedingtes Todesurteil für Mutter oder Kind und bestimmt nicht für beide. Der Fall der jungen Mutter in den U.S.A. ist ein Beweis dafür, dass nur ausreichende Information vor Unheil schützen kann. Ein sehr, sehr trauriger Fall.

» Faustus » Beiträge: 2 » Talkpoints: 1,79 »


Ich bin zwar auch kein Mann aber habe natürlich eine Meinung dazu! Ich denke, dass sich keine Frau hier wirklich die Entscheidung leicht machen würde, aber sicherlich niemals sich von einer Meinung des Partners beeinflussen lassen würde.

Ich persönlich würde es natürlich total bedauern, wenn ich mich für die Chemo entscheide, aber dem Kind ist nicht geholfen, wenn ich mich dagegen entscheide und am Ende ich den Kampf nach seiner Geburt verliere. Des Weiteren möchte auch ich Leben und muss dann die Chemo durchziehen. Natürlich wäre ich traurig, weil ein Kind ist, schon ein schönes Geschenk, aber mein Leben ist auch ein tolles Geschenk und es geht in dem Falle nicht beides. Glaubt mir aber, dass auch ich mir die Entscheidung sicherlich nicht leicht machen würde.

» Glasreinigerin » Beiträge: 1008 » Talkpoints: 0,10 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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