Wenn ihr wüsstet, dass jemand sterben wird
Ok, heute habe ich es „offiziell“ erfahren. Man hat zu meiner Oma gesagt „An dem Tumor können wir so nix dran machen, der wird weiter wachsen bis Sie eines Tages sterben werden.“ Meine Oma hat sich tierisch darüber aufgeregt, über die Art und Weise wie man es ihr gesagt hat. Da ich aber die letzten Tage ja schon genau das im Internet erlesen habe, hat es mir nun nicht so großartig den Boden unter den Füßen weg gezogen, weil ich mich die Tage schon so dermaßen darüber ausgeweint habe, dass ich mich jetzt darauf konzentrieren konnte meine Oma etwas zu fangen und sie zu beruhigen, weil der Arzt es so „schorf“ zu ihr gesagt hat. Naja, mein Trost ist gerade irgendwie, dass „eines Tages“ ja nicht gleich nächste Woche ist. Ich glaube, ich kann so besser damit umgehen, als wie mit einem plötzlichen und völlig unerwartetem Tod, so wie bei meinem Papa, wo es mir mehr als nur den Boden unter den Füßen weg gezogen hat.
Das ist leider momentan der Fall in der Familie meines Verlobten. Da ist ein Mann todkrank und wird ständig bestrahlt. Mein Verlobter hat wenige Informationen dazu bekommen, aber er weiß, dass der Verwandte eigentlich schon längst über die Zeit drüber ist, in der er hätte sterben sollen. Die Diagnose hat keiner von uns genau gehört, aber man kann es schon erahnen und dazu muss man nicht besonders schlau sein. Ich finde es in Ordnung, dass er nicht direkt sagt, was ihm gesagt wurde. Er ist schon immer ein lockerer und spaßiger Typ und er will kein Mitleid, mit ihm gehen also alle ganz normal um und machen auch mal Spaß. Damit abfinden muss man sich eben, wenn es vorbei ist. Vorher trauern bringt ja auch nichts.
Mein Großvater war sehr krank und ich habe einfach sehr viel Zeit mit ihm verbracht, was anderes bleibt einem ja auch nicht übrig. Man kann die Zeit nicht anhalten und leider kann man den Tod auch nicht wirklich verhindern. Mit der Situation selbst konnte ich zwar nicht gut umgehen, aber irgendwie musste man das ja irgendwie tun, man kann diese Situation nicht einfach wegzaubern. Meine Großmutter war natürlich auch sehr traurig und ich habe einfach auch Zeit mit ihr verbracht, so war sie nicht ganz alleine, auch wenn das vielleicht nur ein kleiner Trost war.
Ich glaube, diese Frage kann man gar nicht beantworten, wenn man die Situation selbst noch nicht erlebt habe. Ich habe mir gerade wirklich lange Gedanken darüber gemacht, wie ich reagieren würde, wenn mir nun beispielsweise meine Mutter sagen würde, dass sie an Lungenkrebs erkrankt ist (was aufgrund des vielen Rauchens gar nicht so unwahrscheinlich ist), aber ich kann es beim besten Willen nicht sagen. Erst einmal würde ich natürlich in Tränen ausbrechen und mich bei meinem Freund ausweinen und dann muss aber ja sozusagen einen Plan für die Zukunft erstellt werden. Wenn man dem Sterbenden ständig die Ohren voll heult ist das auch nicht Sinn der Sache.
Das einzig Vernünftige ist dann eigentlich, wenn die Krankheit nicht mehr aufzuhalten ist, dem Sterbenden noch ein paar schöne Tage, Wochen oder sogar Monate zu machen und mit ihm eben noch so viel Dinge zu erleben, wie nur möglich sind. Leider ist es oft so, dass kranke Menschen auch körperlich eingeschränkt sind und man dann nicht mehr alles machen kann, aber ich würde wohl versuchen, so viel wie möglich noch zu machen. Andererseits stelle ich mir das aber eben auch sehr schwer vor, denn je mehr Zeit man mit demjenigen verbringt, desto schlimmer ist es, wenn dieser Mensch dann plötzlich von einem gegangen ist. Aber auch hier gibt es wieder eine andere Seite, denn dann kann man sich nach dem Tod wenigstens sagen, dass man dem Sterbenden noch eine schöne letzte Zeit gemacht hat.
Wenn derjenige es nun lange verschwiegen hätte, dass er sterbenskrank ist, dann hat man die Gelegenheit natürlich nicht und das würde mich dann vor allem nach dem Tod desjenigen sehr ärgern. Aber wie gesagt, das einfach so zu sagen, ohne die Situation zu kennen, ist schwierig.
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