Wie viel Freiheit in der Beziehung?

vom 13.07.2011, 11:47 Uhr

Seit kurzem hat eine Freundin von mir einen neuen Partner. Ihr Freund arbeitet in der Landwirtschaft, wo ja bei passendem Wetter in der Erntezeit auch bis spät Abends und am Wochenende gearbeitet wird. Beide wohnen im selben Stadtteil und demnächst ist dort beim Sportverein eine größere Veranstaltung, wo eben auch Abends Tanz ist.

Meine Freundin war nun gestern sehr verwundert, das ihr neuer Freund kein Problem damit hat, wenn sie ohne ihn dort hingehen würde, falls er arbeiten muss. Sie hat viele Bekannte, welche auch dort hin gehen, so das sie nicht alleine wäre. Allerdings kennt sie es aus früheren Beziehungen nicht, das der Mann sie einfach alleine tanzen gehen lässt.

Wie sind denn euere Beziehungen in dieser Hinsicht? Gibt es da vorher Diskussionen mit dem Partner oder gebt ihr euch auch soviel Freiraum, das Frau nicht alleine zu Hause sitzen brauch, wenn Freunde feiern und der Partner arbeiten muss? Meine Freundin freut sich natürlich über so viel Vertrauen schon zu Beginn der Beziehung und hofft, das er entweder gleich mit ihr hingehen kann oder eben nach der Arbeit noch kurz dort hin kommt.

» Punktedieb » Beiträge: 16513 » Talkpoints: 77,70 » Auszeichnung für 16000 Beiträge



Ich wundere mich immer wieder über manche Leute. Auch in meinem Bekanntenkreis kommt es öfters vor, dass Leute ihrem Partner Dinge "verbieten" und diese sich umgekehrt auch etwas verbieten lassen (und die besagten Leute sind alle Anfang 20). Da kann ich immer nur den Kopf schütteln. Warum sollte man sich denn von seinem Partner derart einschränken lassen? Gibt es tatsächlich Leute, die damit glücklich sind?

Ich verstehe auch nicht, wieso hier von besonders großem Vertrauen am Anfang der Beziehung gesprochen wird. Vielleicht habe ich einfach ein ganz anderes Weltbild - aber was ist das denn für eine Beziehung, in der man sich von Anfang an misstraut? Ich finde die Einstellung solcher Menschen sehr, sehr befremdlich. meiner Meinung nach werden sie wohl von starken Selbstzweifeln und Ängste geplagt, ansonsten wären sie nicht so extrem eifersüchtig, dass sie ihre Partner nicht einmal alleine vor die Tür gehen lassen können.

Dieses Verhalten finde ich total überholt. Wenn jemand versuchen würde, mich in einer Partnerschaft derart einzuschränken, dann wäre ganz schnell Schluss. Ich bin ein freier Mensch und dieses Beziehungsmodell, das du beschreibst, stammt aus dem Mittelalter.

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» microonde » Beiträge: 238 » Talkpoints: 1,36 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich finde es ganz normal, dass Frauen auch mal alleine etwas machen. Bei uns ist das auch so, mein Freund hat kein Problem damit, wenn ich mal alleine irgendwohin gehe oder mit Freundinnen zusammen. Ich muss aber auch dazu sagen, dass das von Anfang an bei uns so war. Wir sind beide so, dass wir dem anderen sein eigenes Leben und Freiräume lassen wollen.

Für mich wäre es schlimm, wenn mein Freund mich nirgendwo alleine hingehen lassen würde, wo beispielsweise auch andere Männer sind. Es gehört doch irgendwo dazu, dass man sich so viel Vertrauen entgegen bringt, so dass man auch mal etwas ohne den Mann machen kann. Bisher hatte ich noch keinen Freund, der damit ein Problem gehabt hätte. Wenn mein Mann so eifersüchtig wäre, dass ich nicht mal eigene Sachen machen könnte, wäre ich sicherlich auch sehr unglücklich mit der Beziehung.

Irgendwie frage ich mich auch, ob man da wirklich noch von Vertrauen sprechen kann, wenn Männer ihre Frauen nicht alleine tanzen gehen lassen wollen. Was ist da schon dabei? Warum gehen Männer gleich davon aus, dass da was passieren könnte? Vielleicht ist das mehr die Verlustangst als das wirkliche Vertrauen, denn wenn mir mein Mann nicht vertraut und mich nicht weg lässt, müsste er ja auch in anderen Situationen misstrauisch sein.

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» Vampirin » Beiträge: 5984 » Talkpoints: 31,56 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ich hatte beides schon in einer Beziehung und finde es auch gut, wenn sich die Partner gegenseitig so viel Freiraum geben und das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Mein Ex Freund wäre allerdings durchgedreht, wenn ich nur auf die Idee gekommen wäre alleine irgendwohin zu gehen. Allerdings wollte er sich auch bei meinen Freunden absolut nicht integrieren und hat sich auch null bemüht da Anschluss zu finden, so dass er es mir dann meistens versaut hat, wenn ich ihn dann gezwungenermaßen mitgenommen habe.

Verstehen tu ich das bei mir heute selber nicht mehr, warum ich das mit mir habe machen lassen. Er hat mir immer gut eingeredet, dass ich selber Schuld wäre, dass er so misstrauisch ist, da ich ja ständig rumflirten würde und wer weiß, wie oft ich schon fremd gegangen bin (bin ich nie, aber naja). Anfangs habe ich das dann noch mit mir machen lassen, da ich einfach keine Lust hatte, dass er tagelang nicht mit mir spricht und mich anschreit und wer weiß was, nur weil ich einen Abend mal ohne ihn verbringen will. Mittlerweile weiß ich aber, dass ich einfach nur blöd war, da ich so etwas mit mir habe machen lassen und ich würde auch jedem anderen raten die Beziehung ernsthaft zu überdenken, wenn man solche Kleinigkeiten nicht machen darf, ohne dass eine halbe Beziehungskrise ausartet.

» Wunschkonzert » Beiträge: 6469 » Talkpoints: -0,15 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Wenn mein Freund auf eine Veranstaltung nicht mitkommen kann oder will, dann habe ich (natürlich) die Freiheit dort alleine hinzugehen. Ich würde es mir ehrlich auch nicht verbieten lassen, soweit kommt es noch. Aber wenn ich zu einer Veranstaltung ganz alleine gehe oder sie zum Beispiel weiter weg ist, dann macht er sich schon Sorgen und fragt, ob ich da wirklich hingehen will.

Ich finde es auch wichtig, dass man als Paar auch mal etwas getrennt macht. Man kann ja nicht immer daheim sitzen, nur weil der Partner nicht mitgehen kann oder möchte. Jeder Mensch hat doch sein eigenes Leben, seinen Freundeskreis, Hobbys oder ähnliches. Es ist natürlich schön einen Großteil seiner Zeit mit dem Partner zu verbringen, aber wenn es eben nicht geht, dann geht man eben ohne ihn fort. Aber das mag jeder sehen, wie er will

» türkis87 » Beiträge: 149 » Talkpoints: 0,61 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich denke, das kommt immer darauf an, wieviele Freiheiten man selber gerne für sich in Anspruch nehmen möchte. Man kann ja nicht vom Partner verlangen, dass er zum Beispiel den anderen alleine in den Urlaub fahren läßt, wenn man es ihm selber nicht "erlauben" würde. Das ist aber nur ein Beispiel, denn getrennt in den Urlaub fahren, finde ich schon echt krass, das würde ich in einer Beziehung schon nicht mehr tolerieren!

Mit dem Weggehen sehe ich es ähnlich. Ich wäre schon sauer, wenn mein Freund abends alleine in irgendeine Kaschemme gehen würde. Weil ich dann immer gleich im Hinterkopf hätte, dass er ja eventuell dort eine andere kennenlernen könnte und sowas. Gerade wenn Alkohol im Spiel ist und die Hemmnungen fallen. Ich selber gehe auch nicht alleine weg, das Höchste der Gefühle war mal ein Abend mit einer Freundin beim Italiener, da war ich aber gegen 21:30 Uhr schon wieder zurück.

Aber ein nächtelanges Wegbleiben würde es bei mir auch nicht geben, da würde ich Theater machen. Und es muss ja auch nicht sein, wenn, dann kann man gemeinsam weggehen und auch gemeinsam wieder nach Hause gehen. Klar werden manche jetzt wieder sagen, dass Vertrauen in eine Beziehung gehört, aber ich finde es trotzdem beknackt, wenn die Kerle immer alleine weggehen müssen. Warum?!

Was Hobbies angeht, bin ich allerdings schon der Ansicht, dass jeder das Recht auf eine Beschäftigung haben sollte, die ihm Spaß macht. Bei mir ist es zum Beispiel der PC, vor dem ich ja nun recht viel Zeit verbringe, auch am Wochenende. Aber auch nur, weil ich unterm Strich was davon habe, Gutscheine oder eben auch ein bißchen Taschengeld (Ciao, Dooyoo und hier bei Talkteria). Ich würde nie irgendwo aus Langeweile rumsurfen, wenn es mir am Ende nichts bringt, dafür wäre meine Zeit mir dann auch zu schade. Mein Freund geht wieder gerne angeln, soll er doch! Da habe ich dann kein Problem mit, ich kann mich ja dann auch beschäftigen!

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» Jacqui_77 » Beiträge: 2718 » Talkpoints: 19,87 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


@microonde: Wenn du selbst Anfang zwanzig sein solltest, dann muss man auch bedenken, das meine Freundin und ihr Freund deine Eltern sein könnten. Denn sie sind beide knapp über 40 und damit eben auch aus einer Generation, welche noch ganz anders erzogen wurde. Da aber meine Freundin auf dem Land aufgewachsen ist, war sie sich durchauch bewusst, auf was sie sich beruflich bei diesem Mann einlässt. Und das heisst eben ab Sommer bis in den Herbst sehr viel Arbeit.

Und auch wenn ich da noch ein paar Jahre jünger bin, kenne ich das selbst auch so, das man nicht unbedingt alleine wegging, wenn der Partner arbeiten musste. Zumindest war das bei meinen Eltern so und man hat es halt so übernommen. Mein Nochgatte wollte mir allerdings auch verbieten abends wegzugehen, wenn dies berufliche Gründe hatte, wo ich mich dann aber erfolgreich widersetzt habe.

» Punktedieb » Beiträge: 16513 » Talkpoints: 77,70 » Auszeichnung für 16000 Beiträge



Bei mir und mein Freund ist es auch so, wir lassen uns viel Freiraum. Ich war gehe mit meinen Freunden bisschen feiern und er macht was mit seinen Freunden. Aber sonst machen wir alles zusammen, wenn das vertrauen in der Beziehung da ist dann geht das. Wenn mein Freund arbeiten muss und ich was vorhabe und er aber noch arbeiten muss dann warte ich auf ihn oder er kommt dann nach der Arbeit vorbei.

Ich finde man muss sich in einer Beziehung viel Freiraum lassen, weil jeder braucht seinen Freiraum. Klar in jeder Beziehung wenn man man sich auch richtig liebt ist ein bisschen Eifersucht da und ein bisschen Eifersucht ist ja auch okay, es gibt auch welche die extrem Eifersüchtig sind aber daran kann schnell eine Beziehung kaputt gehen.

» Freak93 » Beiträge: 27 » Talkpoints: 6,15 »


Ich denke, es kommt hier auf den kulturellen, aber auch erzieherischen Hintergrund an. Die heutige Generation wurde bzw. wird so erzogen, dass man sich selbst viel Freiraum lässt. Man solle sich nicht vom Partner einschränken lassen. Geht man etwa fünfzig Jahre zurück sieht das ganz anders aus.

In einer Partnerschaft muss man die jeweilige Meinung respektieren und akzeptieren. Wenn beide damit einverstanden sind, ist es doch völlig in Ordnung nur zusammen auf eine Party zu gehen. Im Gegensatz dazu ist es auch ok, wenn man alleine etwas unternimmt. Es kommt immer darauf an, was man in einer Partnerschaft will.

Dabei sollten allerdings die ausgemachten Regeln für beide gelten, nicht nur für die Frau bzw. den Mann! Ich persönlich finde es sehr schön mit meinem Partner etwas zusammen zu unternehmen, ich verbringe gerne Zeit mit ihm. Da wir allerdings eine Fernbeziehung führen, bleibt oftmals nur das Wochenende, um sich zu sehen und etwas zu unternehmen.

» Laudine » Beiträge: 9 » Talkpoints: 6,27 »


Ich kann mich glücklicherweise an keine einzige Beziehung erinnern, in der ich einen Partner gehabt hätte, der mir meinen Freiraum nicht lässt und in irgendeiner Form klammert. Und ich bin wirklich froh darüber, weil mich das sehr eingeschränkt hätte und ich mir gut vorstellen kann, dass das im Endeffekt auch ein wirkliches Problem für die jeweilige Beziehung geworden wäre, weil ich damit schwer umgehen kann, wenn jemand mich so sehr „festhält“ und belagert.

So ist es auch in meiner jetzigen Beziehung der Fall, dass ich durchaus meine eigenen Wege gehen kann, übrigens gestehe ich ihm selbstverständlich dieselben Rechte zu. Ich finde es nicht nur normal, sondern auch absolut wichtig, dass jeder auch seine eigenen Hobbys, Freunde und Bereiche hat, die er ausführt und man nicht ständig und überall aufeinanderhängt. Solche Beziehungen empfinde ich jedes Mal als befremdlich, wenn ich sie mitbekomme und ich weiß, dass ein solches Klammern eines Partners – oder beider, je nachdem – auch Freundschaften, die Dritte mit der Person führen, die hier umklammert wird, sehr schwer belasten können.

So kenne ich leider auch einige Menschen, die nicht mehr ohne ihren Partner irgendwo hingehen wollen oder dürfen und alles absprechen müssen, was mich manchmal an ein schwieriges und komplexes Antragsverfahren erinnert. Da muss langfristig schon ein Bedarf angemeldet und vor allem begründet werden, es werden teilweise Auflagen ausgesprochen, wenn die Genehmigung letzten Endes erteilt wird und so richtig Freude kommt dann während der Durchführung ehrlich gesagt auch nicht mehr auf, weil diejenigen mit einem solch klammernden Partner, die ich kenne, sich während unseres Treffens ständig dazu verpflichtet fühlen, ihrem Partner regelmäßig Rückmeldung zu geben, nämlich darüber, wo sie gerade sind und wann sie ungefähr wieder zu Hause sein werden.

Für mich ist ein solcher Zustand oder eine solche Verfahrensweise absolut unvorstellbar - von beiden Seiten aus gesehen. Ich kann auch diejenigen nicht verstehen, die da so klammern und auch so jemanden kenne ich. Ohne den Partner wird nur mit hängenden Mundwinkeln und äußerst ungern etwas mit anderen unternommen, aber dann muss der Partner auch wenigstens immer wieder das Gesprächsthema sein und man merkt deutlich, dass die Betroffenen sich gedanklich gar nicht wirklich von demjenigen lösen können, den sie da so umklammern können, nicht einmal dann, wenn sie eigentlich abgelenkt sein sollten. Da fühlt man sich als Begleitung wirklich irgendwann äußerst unwohl und ich für meinen Teil fühle mich dann auch entsprechend häufig total fehl am Platze.

Mein Partner und ich diskutieren vorher überhaupt nicht, wenn einer von uns etwas plant, das er allein unternehmen möchte. Natürlich unternehmen wir auch gern etwas zusammen und haben so einiges, was wir gern teilen. Allerdings kommt es auch vor, dass ich mich mit Freunden, die wir häufiger gemeinsam besuchen, auch mal allein treffen will und das ist auch kein Problem.

Umgekehrt hat mein Partner auch seine eigenen Freunde und wöchentlichen Termine, die er ohne mich wahrnimmt, was ich ihm absolut gönne. Wieso sollte er auch ohne mich keinen Spaß haben dürfen? Er soll doch auch noch er selbst sein und sein eigenes Leben leben dürfen. Das Leben, das wir parallel noch zusammen führen, wird durch diese eigens durchgeführten Aktivitäten eher bereichert als zerstört, jedenfalls kann ich nicht sehen, dass diese Verfahrensweise für uns eine Belastung wäre, ganz im Gegenteil.

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» moin! » Beiträge: 7223 » Talkpoints: 24,80 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


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