Telefonphobie: Was kann man dagegen machen?

vom 20.04.2010, 20:45 Uhr

Ich habe im Netz eine alte Bekannte wiedergetroffen und habe ihr dann per mail meine Telefonnummer gegeben. Aber anstatt mich anzurufen schreibt sie mir nur ellenlange mails. Also habe ich sie gefragt, ob ich sie lieber anrufen soll, weil ich eine Telefonflatrate habe und ich weiß ja nicht, ob sie die auch hat. Denn es soll ja nicht sein, dass sie dafür Geld ausgeben muss, wenn ich es nicht muss.

Sie schrieb mir zurück, dass sie seit einigen Jahren eine Telefonphobie hat, die sie auch unheimlich einschränkt. Wenn bei ihr zu Hause das Telefon klingelt bekommt sie Schweißausbrüche und geht nicht ans Telefon. Sie hat privat nur ein Telefon, weil sie einen Anrufbeantworteer daran angeschlossen hat. Sie wartet, bis derjenige auf Band spricht und wenn sie denjenigen kennt, dann schreibt sie ihm eine mail und wenn es ein Amt ist, dann geht sie hin und spricht mit den Leuten von Angesicht zu Angesicht.

Sie hat schon 3 Arbeitsstellen deswegen verloren und war bei 2 Psychotherapeuten, die ihr nicht helfen konnten. Sie kann auch nicht sagen, wann diese starke Angst zu telefonieren angefangen hat. Sie meint, dass es bestimmt schon 3-4 Jahre so ist und sie sich auch nicht erinnern kann, dass was passiert ist. Die Therapeuten meinten beide, dass sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen, wenn sie nicht weiß, welches Ereignis dafür verantwortlich ist. Einer der Therapeuten meinte sogar, dass sie simuliert. Aber das glaube ich nicht. Warum sollte sie das machen?

Zur Zeit arbeitet sie nicht, weil schon ein Anruf beim telefonischen Vorstellungsgespräch ein Drama ist und die 3 Arbeitsstellen hat sie verloren, weil sie sich bei der ersten Arbeitsstelle nicht krank melden konnte. Sie lag mit 40 Fieber im Bett und war nicht fähig anzurufen, dass sie krank ist. Die zweite Arbeitsstelle verlor sie, weil sie im Geschäft nicht ans Telefon gegangen ist, als der Chef nicht da war und die dritte Arbeitsstelle verlor sie, weil sie wie angewurzelt am Telefon stehen blieb und Schweißausbrüche bekam und der Chef daneben stand und sie nicht ansprechbar war. Das war noch in der Probezeit.

Ich habe bisher noch nie was von einer Telefonphobie gehört und habe eben mal danach gegooglelt. Es gibt viele Seiten von Leuten, die auch Probleme damit haben. Aber richtige Hilfeseiten habe ich nicht gefunden. Ich würde aber meiner Bekannten gerne Tipps geben oder ihr auch einen Therapeuten in der Nähe empfehlen, der was davon versteht. Meine Bekannte wohnt am Niederrhein. Sie würde auch eine Fahrt in Kauf nehmen, wenn man ihr helfen könnte. Denn sie ist erst 40 Jahre und kann nicht ein Leben lang damit fertig werden.

Sie lebt alleine, weil auch ihr letzter Freund nicht damit klar kam. Ihr ganzes Leben ist durch diese Phobie den Bach runter gegangen. Selbst das Amt glaubt ihr nicht und sie bekommt vom Amt sogar Call Center Jobs angeboten, wo sie sich bewerben soll. Von dem einen Therapeuten hat sie direkt am Anfang der Behandlung zwar ein Attest bekommen, aber das Amt meint, dass sie nun doch eine Therapie abschließen soll. Wie kann ich meiner Bekannten helfen? Was kann sie machen, damit sie die Phobie verliert?

Wie kann so eine Phobie entstehen? Was könnte der Auslöser dafür gewesen sein? Warum meint ihr, kann sie sich an kein Ereignis erinnern, was diese Phobie ausgelöst hat? Sie ist eigentlich kein ängstlicher Mensch. Das ist nur, wenn es um das Reden mit Menschen geht, die sie nicht sehen kann. Sie meint auch, dass sie mit dem Reden von Angesicht zu Angesicht keine Probleme hat. Sie reden flüssig und ohne stottern. Was ich im Netz gelesen habe sind die Probleme anderer, die wegen einem Sprachfehler diese Angst haben. Aber das trifft bei meiner Bekannten nicht zu.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Diese Krankheit gibt es wirklich und sie ist ähnlich in ihren Verläufen wie beispielsweise eine Kaufsucht. Bei der Sucht kommt ein Glücksgefühl beim sogenannten Kaufvorgang und beim Telefonieren das ganze Gegenteil davon. Die Sucht hat ihre Steigerungsform und die Telefonphobie auch in der selben Geschwindigkeit.

Die Telefonphobie ist allerdings viel gefährlicher wie beispielsweise eine Sucht, denn hier besteht unter Umständen eine gewisse Selbstmordgefahr. Als erstes muss man hierbei genau die Angstsituationen unter die Lupe nehmen, denn die Angst oder besser gesagt die Zustände können zu den eigentlichen Ursachen führen. Angst heißt ja eigentlich nichts anderes als etwas schlecht Erlebtes. Wurde man beispielsweise von einen Hund gebissen, hat man logischer Weise Angst vor der gebissenen Hunderasse oder generell vor Hunden. Auf dieser Schiene muss man mit viel Geduld und vor allem Fingerspitzengefühl die Ursache dafür suchen.

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» karlchen66 » Beiträge: 3563 » Talkpoints: 51,03 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Das ist bei deiner Bekannten schon eine sehr harte Form einer Phobie. Ich würde auf jeden Fall dazu raten, dass sie weiterhin Psychotherapeuten besucht, auch wenn sie 10 mal wechselt aber da sollte sie hartnäckig bleiben. So stark einschränken lassen sollte sich niemand, vor Allem nicht durch so eine Angst.

Ich hatte früher auch Angststörungen, wurde auch so stark eingeschränkt und kann definitiv sagen, so ein Leben ist kaum lebenswert. Sie sollte dringend noch einmal Therapeuten aufsuchen und vielleicht eine Konfrontationstherapie besuchen. Aber sie sollte alles dagegen tuen sich nicht so einschränken zu lassen.

» rinalii19 » Beiträge: 146 » Talkpoints: 0,11 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Von dieser Phobie habe ich noch nie etwas gehört, aber ich kann mir vorstellen, dass das eine totale Einschränkung im Leben ist. Ich finde es vor allem traurig, dass ihr ein Psychotherapeut vorgeworfen hat, dass sie simuliert! Das ist ja richtig heftig!

Du hast gesagt, dass du darüber einiges schon im Internet gefunden hast? Vielleicht gibt es auch ein eigenes Forum darüber oder zumindest irgendeine Seite, wo auch Betroffene über ihre Situation berichten. Vielleicht können die dann einen Tipp geben, wohin sie sich wenden kann. Es gibt ja ganz unterschiedliche Therapeuten mit unterschiedlichen Schwerpunktgebieten. Vielleicht war sie bei den falschen Therapeuten? Oder ich würde sogar sagen, dass sie offensichtlich bei den falschen war!

Ich finde es ein wenig seltsam, dass sie gar nicht sagen kann, wie die Phobie angefangen hat. Man sollte doch eigentlich wissen, ab wann das Telefonieren zum Problem wurde. Ob es langsam und schleichend war oder ob es ab einem bestimmten Tag war, auch wenn sie dann nicht weiß, warum es an dem Tag war.

Es soll ja auch Leute geben, die durch irgendeinen Schock oder wie auch immer eine regelrechte Amnesie bekommen haben oder die das Erlebte dann von einer Sekunde zur Nächsten verdrängt haben. Also es gibt ja zum Beispiel auch Leute, die sich jahrelang nicht vorstellen können, warum sie keine Beziehung aufbauen können und dann stellt sich heraus, dass sie einmal vergewaltigt worden sind und die haben das scheinbar "vergessen" oder besser gesagt total verdrängt.

Vielleicht hat deine Freundin irgendeinen total schockierenden Anruf bekommen, der sie irgendwie total getroffen hat und es dann gleich verdrängt hat? Ich gebe schon zu, dass das alles sehr philosophisch klingt, aber sowas gibt es glaube ich wirklich, auch wenn ich da auch keinen persönlichen Fall kenne.

Ich glaube der Fall deiner Freundin und der anderen, weil es gibt ja scheinbar auch noch andere Betroffene sollte aber auch ein wenig zum Nachdenken anregen, wie sehr das Telefonieren schon unser Leben bestimmt! Viele sehen zwar schon, dass es ohne Telefon ein Wahnsinn wäre, aber wie bestimmend es dann im Zweifelsfall sein kann, ist auch heftig. Dass man dann auch beruflich Probleme bekommt und sogar die Beziehung das nicht aushält.

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Es gibt einige Möglichkeiten um eine Phobie effektiv zu bekämpfen, aber alle sind nicht risikofrei und es ist immer besser sowas immer nur unter der Aufsicht eines Arztes und mit einem Therapeuten zu machen. Generell gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, jemanden direkt mit dem Thema zu konfrontieren. Bei Kindern mit Spinnenphobie kann man das dadurch erreichen, dass man sie über längere Zeit in einem Raum mit einer Spinne alleine lässt. Nach einer Weile findet das Kind die Spinne nicht mehr so schlimm und verlieren ihre Angst. Ob das mit einem Erwachsenen Menschen und einem Telefon auch funktioniert, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Einen ähnlichen Effekt erhält man aber, indem man einem Kind jedesmal eine Belohnung dafür gibt, wenn es sich einer Spinne nähert oder sie letztendlich sogar auf die Hand nehmen kann. Bei einem Erwachsenen ist dies natürlich etwas schwieriger zu bewältigen. Es wäre allerdings eine ''Belohnung'' für einen Menschen mit Telefonphobie, wenn er beim Abnehmen des Telefons eine positive Erfahrung macht, wie zum Beispiel ein neuer Arbeitsplatz oder ein Gespräch mit geliebten Verwandten, die man aufgrund der Entfernung nur selten zu sehen bekommt. Das Ziel ist es aber erstmal, die Person überhaupt dazu zu bringen, ans Telefon zu gehen und das wird schon schwer genug sein.

Es gab da unter anderem auch einen Versuch mit einer Frau aus den USA. Diese Frau hatte einen absoluten Tick, was Fußspuren im Teppich anging. Ich weiß, dass man einen solchen Tick nicht unbedingt mit einer ausgewachsenen Phobie gleichsetzen kann, aber man kann beide Phänomene mit ähnlichen Mitteln bekämpfen. Auf jeden Fall hat man versucht der Frau diesen Tick abzugewöhnen. Sie konnte es partout nicht haben, wenn auf ihren Teppichen solche Fußspuren drauf waren und das war sehr schwierig, denn sie hatte eine Familie und auch Kinder und in vielen Zimmern des Hauses gab es solche Teppiche. Es sei hierzu auch gesagt, dass amerikanische Teppiche sehr dick und flauschig sind und man die Fußspuren darin sehr viel deutlicher sehen kann, als auf den handelsüblichen deutschen Teppichen, die man so kennt. Jedesmal, wenn die Frau eine solche Fußspur sah, musste sie sofort den Staubsauger rausholen und den Teppich saugen. Egal, ob das irgendwo am Tag, mitten beim Kochen, oder irgendwann in der Nacht war, wenn ein Familienmitglied spät nach Hause gekommen war. Es war ein richtiger zwanghafter Drang, diese Fußspur sofort mit dem Staubsauger wieder weg zumachen.

Die Ärzte und Therapeuten wollten also nun versuchen, ihr diesen Tick abzugewöhnen. Hierzu verwendeten sie eine ganz einfach Methode (Konditionierung). Sie sagten der Frau, dass sie sich über diese Fußspuren freuen solle, denn die Fußspuren seine zeugen ihrer Familie. Es wäre doch viel, viel schlimmer, wenn es diese Fußspuren nicht gäbe, denn das würde bedeuten, dass sie alleine wäre und keiner sie lieben würde. Das Ganze funktionierte. Die Frau verband die Fußspuren ab sofort mit etwas positivem und unterdrückte den Drang sie zu entfernen. Man muss allerdings dazu sagen, dass das Gehirn sich generell negative Reize länger und genauer merkt, als positive. Der negative Reiz, also der Tick den Teppich zu saugen, sitzt viel tiefer und inniger, als der positive Reiz, die Fußspuren mit der Familie zu verbinden, der nur im Vorderhirn gespeichert werden. Der positive Reiz droht also nach einiger Zeit wieder zu verschwinden und der negative Reiz würde wieder hervor kommen. Eine solche Methode eignet sich also nur, wenn man den positiven Reiz immer und immer wieder wiederholt, bis er tief genug sitzt. Das kann unter Umständen schon sehr lange Dauern.

Es gibt keine allgemeine Lösung, mit der man solche Krankheiten lösen kann. Jeder Patient hat da seine eigenen Gründe und Ursachen und bei jedem dieser Patienten muss man einen individuellen Lösungsweg finden. Auslöser können ganz verschiedener Art sein, bei einigen Menschen reicht schon allein die Mitteilung einer schlechten Botschaft per Telefon, wie zum Beispiel der Tod einer geliebten Person. Schon durch solche Dinge kann sich eine Phobie entwickeln, da man im Unterbewusstsein eine Angst davor entwickelt hat, noch mehr solcher schlechten Nachrichten erfahren zu müssen, wenn man ans Telefon geht. Ziel ist es also erstmal, die genaue Ursache zu finde. Wenn die Person sie nicht preisgeben möchte, darf man sie nicht drängen, vielleicht hilft es mehrere verschiedene Personen zu Rate zu ziehen. Wenn die Person aber möglicherweise die genaue Ursache gar nicht kennt, muss man zu anderen Mitteln greifen, nachhaken oder eben verschiedene Therapien ausprobieren. Diese Methode ist natürlich weit aus schwieriger, als wenn man die Ursache kennt und gezielt dagegen vorgehen kann.

Letztendlich will ich aber noch mal sagen, dass ich auch nur ein Laie auf diesem Gebiet bin. Es kann sehr gefährlich sein, zu versuchen solche Phobien selbstständig Menschen abzugewöhnen und ich würde daher auf jeden Fall zu ärztlicher Hilfe raten. Eine Therapie mit Medikamenten würde ich nicht empfehlen, es ist immer besser es erst auf einem anderen Weg zu versuchen, bevor man zu solchen Mitteln greift.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Das hört sich aber ziemlich schlimm an. Eine leichte Telefonmacke habe ich auch, allerdings nicht so extrem. Ich gehe nur ungern an das Telefon wenn es klingelt, habe aber keine Probleme damit in Anwesenheit anderer zu telefonieren oder mich am Apparat zu artikulieren. In diesem Fall würde ich aber auf professionelle Hilfe setzen und es mit einer Psychotherapie versuchen. Gespräche unter Freunden bringen in diesem Fall sicherlich nichts, sie wären nur hilfreich wenn dadurch erkannt wird das man ein Problem hat was behandelt werden müsste.

Gehört und gelesen habe ich allerdings schon von diesem Phänomenen. In dem Fall der mir noch in Erinnerung ist war es sogar so schlimm dass die Frau selbst bei Anwesenheit ihres Mannes sich nicht getraut hatte zu telefonieren, sie musste dazu immer in einen Extraraum gehen und die Türen mussten fest verschlossen sein.

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» hooker » Beiträge: 7218 » Talkpoints: 50,84 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Also bekämpfen lässt sich eine Phobie nicht, genau wie man eine Sucht nicht bekämpfen kann. Der betroffene Patient muss als ersten Schritt sein Leben oder besser gesagt seine Verhaltensweise exakt offen legen. Und schon hier fängt das eigentliche Problem an, denn viele Patienten können nicht sofort darüber reden und schon gar nicht vor fremden Personen. Man muss hier mit sehr kleinen Schritten anfangen, ohne das der Patient sich dabei in irgendeiner Form bedrängt fühlt.

Weiterhin brauchen die Betroffenen auch viel Unterstützung in Bezug auf alltägliche Hilfe. Es wäre schon eine sehr effektive Hilfe, wenn beispielsweise sich die Telefonate in Schriftverkehr umwandeln ließen. Der Betroffene darf nämlich so wenig wie möglich noch zusätzliche Angstgefühle aufbauen. Ansonsten fällt es ihm immer schwerer darüber mit anderen Leuten zu reden. Auch die gesamte Lebenssituation der Betroffenen muss sich im Laufe der Zeit schrittweise ändern. Das funktioniert aber nur in kleinen Schritten.

Die Behandlung dauert einige Jahre, d.h. mit ca. 4 Jahren oder sogar bis zu 8 Jahren muss man rechnen. Das klappt aber in der Regel nur, wenn sich gravierende Veränderungen vollzogen haben. Man muss beispielsweise als Angehöriger während der Behandlung schon kleine Schritte positiv bewerten. Auf eine positive Entwicklung können sich neue positive Ereignisse aufbauen.

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» karlchen66 » Beiträge: 3563 » Talkpoints: 51,03 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Wie eine solche Phobie entstehen kann, das kann ich dir leider auch nicht sagen. Aber dass man an einer Telefonphobie leiden kann, das kann ich dir auch sagen, denn ich leide selber in leichterer Form auch an einer Telefonphobie. Wie gesagt, sie ist nicht so ausgeprägt, wie sie es bei deiner Freundin ist, aber dennoch schränkt sie auch mich in bestimmten Situationen mehr oder weniger stark ein.

Ich kann ohne Probleme mit meinen Eltern telefonieren oder mit meinem Bruder oder meinem Mann. Aber schon, wenn ich bei meinen Schwiegereltern oder meinen Schwagern oder Schwägerinnen anrufen soll, bekomme ich Probleme. Ich zitter dann, bekomme Herzklopfen und brauche ewig lange, um dann endlich den Telefonanruf zu wagen. Genauso geht es mir, wenn ich Freundinnen anrufen möchte. Lieber schreibe auch ich ihnen lange Emails, als dass ich kurz einmal anrufe. Ich sehe zwar die Vorteile, dass auch mein Gegenüber auf mich eingehen kann und Fragen gleich am Telefon beantwortet werden können, aber es kostet mich eine ungeheure Überwindung diesen Schritt zu tun. Wie gesagt, meistens endet das dann in einer Email, oder ich melde mich erst, wenn ich es mir ein halbes Jahr lang vorggenommen habe.

Im Beruf schränkt mich diese Phobie eigentlich überhaupt nicht ein. Da überlege ich mir, bevor ich irgendwo anrufe, was ich sagen möchte und lege mir auch schon einmal Antworten zurecht. Das klappt so eigentlich ganz gut.

Früher, als ich noch zur Schule ging und als ich studiert habe, habe ich wesentlich weniger telefoniert, wie ich es nun heutzutage tue, seitdem ich im Berufsleben stecke. Hier wird man dazu gezwungen. Es ist ein notwendiges Übel, das ich gelernt habe zu überwinden. Mir hat geholfen, dass ich mir selber immer wieder sage, dass ich anrufen muss, dass es keinen anderen Weg gibt. Da nehme ich mich dann zusammen und nehme dann den Telefonhörer zur Hand. In meinem Privatleben allerdings, vermeide ich Telefonieren nach wie vor, da es sich meistens um keine lebensnotwendigen Anrufe handelt.

Deine Freundin kann als Lösung nur professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und zu einem Psychologen gehen, da eine Phobie nicht so einfach zu überwinden ist, wenn man an einer sehr starken Phobie leidet und nicht so eine leichte Form kennt, wie ich sie habe. Oder sie hat einen so starken Willen, dass sie täglich versucht Freunde anzurufen. Jeden Tag einen mehr und irgendwann kann sie dann vielleicht ohne Ängste bzw. nur mit geringen Ängsten telefonieren, so wie ich es inzwischen kann.

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» Nettie » Beiträge: 7637 » Talkpoints: -2,59 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Hat deine Freundin denn aber eine Telefonphobie oder eine Telefonierphobie? Also hat sie Angst vor dem Telefon als Gerät, das klingelt und sie erschreckt oder hat sie eher Angst vor der Kommunikation am Telefon? Ich finde, das macht nämlich einen sehr großen Unterschied. Schlimm wäre natürlich, wenn sie Angst vor beidem hat.

Die Kommunikation selbst kann man nämlich ganz gut behandeln. Ich hatte mal eine Freundin, die deshalb therapiert wurde. Sie hatte immer Panik davor, am Telefon etwas falsch zu machen, traute sich gar nicht den Mund aufzumachen und bekam Herzrasen und sie war allgemein total verstört und verschüchtert am Telefon. Diese Form der Kommunikation (und bei ihr war es eher die Unsicherheit, weil ihr der Anblick des Gegenüber gefehlt hat) kann man sehr gut lernen. Eine spezielle Therapieform war das nicht. Sie hat sich ihrem Ziel mit ihrer Therapeutin einfach angenährt.

Allerdings bin ich mir nicht sicher wie das abläuft, wenn man Angst vor dem Gerät selbst hat. Ich glaube grundsätzlich, dass man jede Form der Phobie irgendwie behandeln kann, aber ich muss auch zugeben, dass ich niemanden kenne, der vor Telefonen Angst hat - Die Angst vorm Telefonieren hingegen ist sehr ausgeprägt.

» Sippschaft » Beiträge: 7575 » Talkpoints: 1,14 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Diamante hat geschrieben:Die Therapeuten meinten beide, dass sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen, wenn sie nicht weiß, welches Ereignis dafür verantwortlich ist.

Werden Phobien nicht heutzutage mit Verhaltenstherapien behandelt, eben WEIL viele Patienten nicht wissen, was der Auslöser für ihre Phobie war?

Ich frage mich deshalb schon, wie glaubwürdig die Aussage ist, dass deine Freundin keinen Therapeuten gefunden hat, der ihr helfen kann. Denn selbst wenn sie sich jemanden ausgesucht hätte, der auf einen anderen Bereich spezialisiert ist, hätte dieser ihr doch sicher gesagt, was für Behandlungsmöglichkeiten es sonst noch gibt und sie je nach Wunsch an den entsprechenden Kollegen überwiesen.

Ich halte es für wesentlich wahrscheinlicher, dass sie entweder wirklich simuliert, aus welchem Grund auch immer, oder dass ihr eine Verhaltenstherapie angeboten wurde und sie diese abgelehnt hat. Ich habe das schon von einigen Leuten gehört, dass sie es ablehnen so eine Therapie zu machen, denn schließlich wird man dabei mit dem konfrontiert was man am meisten fürchtet und die Vorstellung alleine ist alles andere als lustig.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


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