Telefonphobie: Was kann man dagegen machen?

vom 20.04.2010, 20:45 Uhr

Der Aussage von Cloudy schließe ich mich nachträglich übrigens auch noch an: Ich habe schon von Leuten mit den außergewöhnlichsten Phobien gehört (Angst vor Knöpfen oder Gardinen; um nur mal Beispiele zu nennen) und jeder dieser Leute fand Hilfe. Eben gerade weil es keine spezielle Form der Therapie gibt, wird niemand damit überfordert sein und eine Ablehnung ist echt nur schwer vorstellbar.

» Sippschaft » Beiträge: 7575 » Talkpoints: 1,14 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



In der Anfangsphase wird der betroffene Patient der Behandlung erst einmal kritisch gegenüber stehen, denn das hat auch seine Begründeten Ursachen. Der Patient muss sich nämlich total verändern und hier stößt er dann auf viel Unbekanntes. Er muss auf den Psychologen eingehen und auch der Psychologe muss auf den Patienten eingehen.

Ich kann mir unter Umständen schon vorstellen, weshalb die Bekannte keinen Psychologen gefunden hat, der ihr auch optimal helfen konnte. Hier wird das sogenannte Wechselspiel einfach nicht gestimmt haben oder besser gesagt es ist dazu erst gar nicht gekommen. Wichtig ist vor der Behandlung unbedingt einen Behandlungsplan aufstellen oder ausarbeiten lassen. Dann legt sich auch beim Patienten die sogenannte Ungewissheit.

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» karlchen66 » Beiträge: 3563 » Talkpoints: 51,03 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich hasse das Telefonieren wie die Pest. Selbst unter Freunden finde ich es oft unangenehm. Aber ich habe die Willenskraft, mich dazu zu zwingen, wenn nötig. Daher klappt es privat und im Beruf bei mir auch ganz gut, wobei es dennoch nicht unbedingt angenehm ist. Ob es direkt als Phobie bezeichnet werden kann, weiß ich allerdings auch nicht. Ich habe keine wirkliche Angst, zittere nicht, wenn ich telefonieren muss, und bekomme auch kein Herzrasen. Körperliche Reaktionen gibt es im Grunde keine. Ich finde es nur unangenehm, nervig und tue es einfach extrem ungerne. Sofern sich Dinge schriftlich klären lassen, ziehe ich diese Methode dem Telefonieren auch 100%ig vor.

Dass es bei anderen Menschen noch extremer sein kann und zu wirklichen Angstgefühlen führen kann, würde ich niemals bestreiten. Zu behaupten, Betroffene würden nur simulieren, ist äußerst dreist. Schließlich gibt es Phobien gegenüber allen möglichen Dingen. Und Sozialphobien, zu denen ich die Angst vor dem Telefonieren möglicherweise auch zählen würde, sind ja nun wirklich schon lange bekannt.

Dass man nicht weiß, seit wann man die Abneigung oder sogar Angst gegenüber dem Telefonieren kann, und dass man auch nicht weiß, woher dies kommt, finde ich aber gar nicht so seltsam. Ich weiß auch nicht wirklich, seit wann ich das Telefonieren nicht leiden kann. Bei mir mag es daran liegen, dass ich eigentlich früher nie wirklich viel telefoniert habe und das erst seit meinem Studienbeginn häufiger machen musste, also fiel es eben dann erst auf. Ich kann mir vorstellen, dass viele Telefonphobiker ihre Angst auch erst bemerken, wenn sie denn überhaupt mal dazu kommen, viel telefonieren zu müssen.

Was den Auslöser oder Grund der Angst betrifft, kann ich mir weitaus mehr Dinge vorstellen, als nur irgendeinen schockierenden Anruf als einzelnes Auslöser-Erlebnis. Viel eher sogar als so einen dramatischen "Schlag" kann ich mir verschiedene andere kleine Ängste vorstellen, die sich quasi zusammen zur Telefonierphobie gruppieren. So kann es sein, dass jemand Angst hat, etwas Falsches zu sagen, oder Angst, sich zu versprechen. Es kann die Angst dahinter stecken, sich zu verhören und dadurch in eine peinliche Situation zu geraten. Oder vielleicht ist man verunsichert, und besorgt, den Gesprächspartner misszuverstehen, weil man am Telefon keine Gestik und Mimik sehen kann. Ich denke, da gibt es wirklich viele kleine Sorgen, die schon seit Ewigkeiten bestehen können, die sich schließlich zusammen in einer Phobie vor dem Telefonieren manifestieren können.

Aber seltsam ist es irgendwie schon, wie sehr das Leben einiger Menschen von der Telefoniererei beeinflusst wird. Ich denke mir allgemein öfters, wieso man nicht in Ruhe schriftlich kommunizieren kann, sondern auf hektische Telefonate bestanden wird. Dabei kann man schriftlich doch viel klarer Dinge ausmachen, viel eindeutiger. Missverständnisse kommen sicher auch weniger vor, wenn man überlegt formulieren und beschreiben kann, was man meint. Verhören kann man sich bei einem Text ebenfalls nicht. Ebenso kann man sich einen Text wirklich notfalls in Ruhe mehrfach durchlesen, wenn man meint, etwas nicht genau verstanden zu haben. Meines Erachtens hat das Schreiben also etliche Vorteile, ich verstehe daher nicht so wirklich, wieso so viele Menschen so einen riesigen Wert auf das Telefonieren legen. Wenn sogar Beziehungen aufgrund einer Telefonphobie scheitern, finde ich das schon ziemlich erschreckend.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Im ersten Moment dachte ich, dass man das Telefon ja gar nicht häufig braucht, aber gerade mit den Beispielen aus der Arbeitswelt ist mir bewusst geworden, dass deine Bekannte da ein ganz schönes Problem hat. Auf gut Glück einen Alleingang in Sachen Bekämpfung des Problems zu starten halte ich für weniger gut. Man muss schon einen guten Therapeuten finden, der einen da auch zur Seite steht und mit dem man das Problem aufarbeiten kann. Die Erklärung, dass man wissen soll woher das Problem kommt ist nämlich Schwachsinn und zeugt nicht gerade von viel Kompetenz. Sie kann da gerne mal bei den Krankenkassen nachfragen, wer für diese Therapie am besten geeignet ist.

Nun kann so ein Termin aber eine ganze Weile auf sich warten lassen und Wartezeiten von mehreren Monaten bis einem halben Jahr sind leider normal. Deswegen muss man Zwischenlösungen finden. Beim Bewerbungsgespräch würde ich einfach ganz klar schon erwähnen, dass man dieses Problem hat und auch versucht etwas zu ändern. Wird man dann nicht genommen ist es eben so und auch das Amt muss damit leben. Es bringt aber nichts, wenn man erst später wieder mal merkt, dass man das nicht kann. Außerdem würde ich deiner Bekannten zu einem Betreuer raten oder ähnlichem raten. Dem könnte sie schreiben, wenn sie krank ist und der kann dann für sie anrufen. Man muss sich ja nicht unbedingt selber melden.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Also ich würde bei einer Phobie auf knallharte Konfrontationstherapie setzen, bezweifle allerdings, dass diese Methode bei allen Menschen gleich gut und gleich schnell hilft. Wenn ich ne Spinnen- oder Schlangenphobie hätte, würde ich mich gezielt Situationen aussetzen, in denen ich mit diesen Tieren konfrontiert werde. Aller Anfang ist schwer, aber nach einiger Zeit verfliegt die Angst (vorausgesetzt es kommen keine negativen Erfahrungen dabei raus).

Als Kind hatte ich Angst vor Hunden und Katzen, aber da ich mich regelmäßig bewusst mit solchen Tieren beschäftigt habe, ist das heute kein Problem mehr. Eine Freundin von mir hat traumatische Erfahrungen zum Thema Nähe gemacht, auch da hat ihr eine Konfrontationstherapie geholfen, auch wenn es etwas länger gedauert hat. Meiner Erfahrung nach verstärkt die permanente Flucht vor einer Sache nur die Angst vor der Sache selbst.

» Piccolino89 » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von ten points am 13.08.2013, 14:22, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen

Da hat es deine Bekannte ja voll erwischt. Denn wie du das beschreibst, ist das eine ganz schlimme Phobie. Ohne jemals ans Telefon zu gehen, wird sie so leicht keine Arbeit finden. Ich kenne das aus dem Verwandtenkreis auch, aber nicht so krass. Der Grund ist auch da nicht bekannt.

Wenn deine Bekannte schon bei zwei Psychotherapeuten war, wird es auch nicht so einfach sein, ihr zu helfen. Den Auslöser für diese Phobie hat ja bisher noch niemand ermitteln können, weil sich deine Bekannte nicht erinnern kann. Ich habe überlegt, dass es nicht unbedingt mit einem ursprünglichen Telefongespräch zusammenhängen muss. Wäre es auch möglich, dass deine Bekannte ganz normal telefoniert hat und während sie das tat, etwas passiert sein könnte, dass sie umgehauen hat bzw. geschockt hat? Das könnte mit einem Freund, den Eltern oder anderen Personen zusammenhängen oder einer Explosion.

Um aber genau herauszufinden, was passiert ist, gibt es meiner Meinung nach nur eine Möglichkeit, eine Rückführung bis zu dem Zeitpunkt des Entstehens der Phobie. Das heißt, Deine Bekannte muss einen Arzt oder Therapeuten finden, der sich mit Hypnose auskennt. In der Hypnose wird dann die Ursache für diese starke Phobie ermittelt. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht, weil deine Bekannte sich an gar nichts erinnern kann.

Unverschämt finde ich in diesem Zusammenhang das Amt, das Kenntnis von ihrer Phobie hat und sie trotzdem in ein Call-Center vermitteln will. Das ist ein starkes Stück.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


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