Stellenabbau nur, wenn es Unternehmen schlecht geht?

vom 13.06.2018, 05:06 Uhr

Laut Medienberichten wird der US-Elektrobauer Tesla fast 4000 Mitarbeiter entlassen, was etwa 9 Prozent der Beschäftigten entsprechen soll. Dadurch soll das Unternehmen profitabler gemacht werden. Kann man eurer Ansicht nach davon ausgehen, dass es einem Unternehmen sehr schlecht gehen muss, wenn schon so viele Mitarbeiter entlassen werden? Ist so eine Entlassungswelle ein Indikator für eine firmeninterne Krise? Oder seht ihr da gar keinen Zusammenhang? Firmenchef Musk hat darauf hingewiesen, dass Tesla in fast 15 Jahren noch keinen Profit gemacht habe. Heißt das etwa, dass die Firma den Bach runter geht und nicht mehr zu retten ist?

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» Täubchen » Beiträge: 22971 » Talkpoints: 2,25 » Auszeichnung für 22000 Beiträge



Es wäre ja ein Märchen, wenn man davon ausgehen würde, dass Stellen nur von Unternehmen abgebaut werden, wenn es dem Unternehmen schlecht gehen würde. Denn geht es dem Unternehmen wirklich schlecht, dann in aller Regel auf Grund von Problemen hinsichtlich des Geschäftsfelds. Das mögen dann sog. Managementfehler sein - aber hier bringt ein Stellenabbau nichts bzgl. des Erfolgs.

Wieso Tesla zum einen extreme Zielvorgaben bzgl. der Produktion macht und parallel dazu Mitarbeiter abbaut, wird wohl ein Geheimnis von Hr. Musk bleiben. Hier geht es wohl wirklich nur darum, Investoren zu zeigen, dass man den Laden im Griff hat und Kosten drücken kann. Ähnlich wie z.B. bei Siemens hat so eine Entlassungswelle positive Auswirkungen hinsichtlich bestehender oder potentieller Investoren. Aber wirklich voran bringt dies ein Unternehmen nicht. Zumal in solchen Situationen oft auch sog. Leistungsträger gehen.

Was den Profit angeht: als Beispiel sei mal Amazon genannt. Amazon hat über das erste Jahrzehnt seiner Existenz massiv (Milliarden!) Verluste geschrieben. Heute ist es ein mächtiger Konzern mit traumhaften Gewinnen. Wenn auch nicht mehr überwiegend im eigentlichen Kerngeschäft. Es hat also nichts zu sagen, ob ein Konzern Gewinn macht (gemessen am Quartal). Wichtig ist, ob das Unternehmen das Vertrauen genießt, welches Notwendig ist, um die Investoren bei Laune zu halten - und trotz der Verluste an das Unternehmen bzw. dessen Ideen glauben.

Ein anderes Beispiel wäre ja auch z.B. Porsche oder Apple. Beides Firmen, welche - kurzfristig gedacht - heute nicht mehr existieren dürften, weil sie eine lange Zeit praktisch nur Verluste "erwirtschaftet" haben. Gerettet wurden die Firmen übrigens nicht durch Stellenabbau, sondern durch bessere Produkte (wie auch immer man dazu stehen mag).

» derpunkt » Beiträge: 9828 » Talkpoints: 354,53 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich glaube derpunkt verklärt aber auch einiges. Sowohl Apple als auch Porsche standen wirklich vor dem Aus und wurden nicht gerettet, weil ihre Geschäfte so exzellent liefen und man nur eine kleine Anlaufphase brauchte. Apple zum Beispiel hat sich Steve Jobs zurückgeholt, der das Unternehmen massiv umgekrempelt hat und hat dafür sogar zur Rettung Microsoft ins Boot geholt die Millionen Dollar in Apple investiert haben.

Auch bei Porsche lief es ähnlich. Der Firma ging es schlecht und Porsche stand ebenfalls Anfang der 1990er Jahre vor der Pleite. Auch hier wurde umstrukturiert und Unternehmsstrukturen verändert und die Autos profitabler gemacht.

Dementsprechend sind gerade Apple und Porsche eigentlich ganz andere Beispiele als Amazon. Und Tesla fällt eher in die Kategorie Porsche/Apple statt in die Kategorie Amazon. Tesla hat noch nie Gewinn gemacht. Selbst mit ihren teuren Luxuselektroautos, die die höchste Gewinnmarge haben müsste, hat Tesla keinen Cent verdienen können. Tesla verbrennt regelrecht Geld und lebt bisher davon immer noch Blöde gefunden zu haben, die wieder Geld in den Laden reinstecken. Bisher läuft Tesla allen Ansprüchen hinterher. Und viel schlimmer ist eigentlich, dass andere Autobauer mit ihrer Entwicklung mehr und mehr den Abstand zu Tesla verkürzen.

Amazon hat sich mehr oder minder ein Monopol im E-Commerce aufgebaut und hängt alle Konkurrenten mehr und mehr ab. Tesla hat es bis heute nicht geschafft wirklich neue Konsumentenfelder zu ergründen. Statt mit dem Wissensvorsprung zügig den Massenmarkt mit dem Modell 3 zu erobern, hapert es an allen Stellen und die alternativen E-Automodell anderer Anbieter werden immer mehr.

Ich fürchte daher eher, Tesla entlässt massiv Mitarbeiter, weil sonst das Geld ausgeht. Und es gibt ja genug Investoren, die mehr und mehr skeptisch gegenüber Elon Musk werden. Ich denke eher es wird schwerer für Tesla Investoren zu gewinnen. Deswegen sicherlich auch die Entlassungswelle um zu zeigen, dass man weiter an der Profitabilität arbeitet.

» Klehmchen » Beiträge: 3653 » Talkpoints: 240,50 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



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