Steckt hinter jedem Märchen eine wahre Geschichte?

vom 16.03.2016, 19:34 Uhr

Um erst mal nur ein Beispiel zu nennen, soll das "wahre" Dornröschenschloss irgendwo in Hessen sein. Ich habe in einem Fernsehbericht auch gehört, wo es sein soll, habe es aber nicht mehr im Kopf. Es wurde in dem Bericht jedenfalls gesagt, dass sich das Märchen Dornröschen wohl ähnlich zugespielt hat, wie es erzählt wird. Natürlich wurde in den Märchen etwas übertrieben.

Genauso soll es ja mit den 7 Zwergen sein, die aus dem Siebengebirge stammen und hinter den 7 Bergen wohnten. Auch die Bremer Stadtmusikanten sollen wohl wirklich gelebt haben. Ob sie nun als Tier oder vielleicht als Mensch in Bremen "gesungen" haben, wird wohl ein Geheimnis bleiben ;).

Denkt ihr, dass hinter jedem Märchen eine wahre Geschichte steht oder sind für euch Märchen voll und ganz erfunden? Hat der Märchenschreiber einfach nur eine rege Fantasie oder gab es ähnliche Begebenheiten bevor die Märchen entstanden sind?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Die Bremer Stadtmusikanten dürften eher eine Fabel sein, in der Tiere die Position von Menschen einnehmen. Schließlich gab es damals keine Rentenversicherung und nicht jeder kümmerte sich um nicht mehr arbeitsfähiges Gesinde.

Dornröschen hat eher französische Wurzeln und ist sozusagen die einfache Fassung eines Teils der Nibelungensage zum Erzählen abends am Herd. Frau Holle dagegen nimmt das beliebte Märchenmotiv von gehorsamen und ungehorsamen Mädchen auf.

Das wird immer gern genommen. Häufig sind Märchen nette Geschichten von Moral und richtigem Benehmen. Bei Frau Holle geht es um das Problem der damals sehr häufig vertretenen Stiefmütter. Schließlich starb man als Frau gerne jung und Ersatz musste her.

Rotkäppchen geht auch in die Richtung, das soll das Kind seine Tugend schützen und nicht vom rechten Weg abkommen. Bei den 7 Geißlein steht der Gehorsam im Mittelpunkt. Die Stiefmütter gibt es natürlich auch umgekehrt. Bei Schneewittchen oder Aschenputtel sollen die die Kinder besser behandeln, denn irgendwann kommen sie auch so zu ihrem Recht. Einen wahren Hintergrund haben Märchen eher nicht, eine deutliche Botschaft dagegen schon.

» cooper75 » Beiträge: 13340 » Talkpoints: 501,48 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Als nette Histörchen würde ich Märchen nicht ansehen, sondern eher als recht starken Tobak für Erwachsene. Die Idee, dass es sich dabei um moralisch wertvolle Kindergeschichten handele, ist erst viel später aufgekommen. Allein in “Schneewittchen“ werden beispielsweise Themen wie Kannibalismus und Nekrophilie aufgegriffen. (Oder was dachtet ihr, was der Prinz mit der vermeintlichen Leiche anfangen wollte? Ein christliches Begräbnis?) “Allerleihrauh“ handelt explizit von Inzest, und wer musste sich gleich noch mal in glühenden Schuhen zu Tode tanzen?

Ich glaube daher vielmehr, dass es in Märchen eher um die kollektive Verarbeitung allgemein menschlicher Ängste, Begierden und Rachephantasien geht, und natürlich um die Vermittlung von Überlebenstipps wie “Geh nicht mit fremden Männern mit!“ (Rotkäppchen) Reale Ereignisse spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, und natürlich gab es früher weder singende Esel noch sprechende Katzen und keine Jungfrau, die 100 Jahre geschlafen hat. Oder hättet ihr das wirklich geglaubt?

» Gerbera » Beiträge: 11302 » Talkpoints: 45,13 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Es mag sein, dass man da ein bisschen etwas mit einfließen lassen hat, aber im Prinzip sind das alles Geschichten, die sich ausgedacht wurden und die mehr oder weniger eine Botschaft enthalten. Wobei es natürlich Inspirationen für die Schreiber solcher Geschichten gab und das ist ja auch okay so. Ich würde nun aber nicht erwarten, dass das alles so mal eine Tatsache war und so ähnlich passiert ist.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



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