Spielsucht - als wie gefährlich stuft ihr sie ein?

vom 22.08.2017, 15:38 Uhr

Spielsucht ist soweit ich weiß eine anerkannte chronische Krankheit. Kann es wirklich so gefährlich für Jemanden sein? Was meint ihr? Ist es so schwer davon weg zu kommen? Welche Gefahren und Konsequenzen hat die für die Betroffenen?

Haltet ihr es für überbewertet und weniger schlimm oder ist es eine ernst zunehmende Krankheit, die sehr schlimme Folgen für Betroffene hat und ein hohes Suchtpotenzial bietet. Auch wenn es eine Verhaltens Sucht und keine Substanz Sucht ist, ist es von den Gefahren und der Sucht zu Vergleichen mit Alkohol und anderen Drogen?

» mok » Beiträge: 11 » Talkpoints: 3,67 »



Spielsucht ist meiner Meinung nach ein immer größeres aber vollkommen unterschätztes Problem unserer Gesellschaft. Immerhin handelt es sich hier auch um eine Sucht. Der Betroffene greift zwar nicht zu harten Drogen oder literweise Schnaps sondert sitzt z.B. länger als es sein Budget verkraftet im Casino oder Wettcafe.

Auch das krankhafte spielen von PC-Games würde ich hier einreihen. Man würde gar nicht denken, wie viele junge Menschen vor dem PC vergammeln und nur noch ans Spielen denken. Es hat sogar schon Menschen gegeben, die vor dem PC gestorben sind, weil sie nicht mehr gegessen und getrunken haben, weil sie nichts vom Spiel verpassen wollten.

Das ist wirklich krank und höchst bedenklich. Eine Sucht ist nun mal eine Sucht und macht den Erkrankten unfähig, um in unserer leistungsorientierten Gesellschaft bestehen zu können. Spielsüchtige tragen zwar nicht die körperlichen Schäden davon wie eine Person mit einer Drogensucht, jedoch kann eine Person mit Spielsucht ziemlich schnell sein ganzes Hab und Gut verlieren, da sie kein Gefühl mehr dafür haben, wann sie aufhören müssen.

Sie gehen dadurch nicht mehr ihren gewohnten Alltag nach und vernachlässigen ihren Job und ihre Familie. Irgendwann ist der Job und die Familie weg und der Betroffene landet im schlimmsten Fall auf der Strasse.

» Birdy93 » Beiträge: 767 » Talkpoints: 10,23 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Kann es dann gefährlich sein, Hab und Gut, Haus und Hof, vielleicht die Ausbildungsversicherungen der Kinder und sonstige Geldanlagen zu verspielen? Wenn man bedenkt, dass Spielsüchtige ca. drei Jahre dafür brauchen endlich einzusehen, dass sie spielsüchtig sind, kann man sich schon vorstellen, dass es sehr schwer sein wird, von der Sucht loszukommen und das vor allem auch langfristig durchzuhalten.

Irgendwann muss man ja mal wieder raus aus dem Glaskasten, also der Suchtklinik. So wie Alkoholiker Gefahr laufen, wenn sie Alkohol auch nur sehen, wieder in die Sucht einzusteigen, geraten Spielsüchtige in Bedrängnis, wenn sie zum Beispiel Kleingeld klimpern hören, oder vielleicht bestimmte Melodieabfolgen oder Werbeschilder sehen. Das nennt man Suchtgedächtnis. Dann ist es wieder wach. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, sich an die Therapie und das Eingeübte zu erinnern oder halt wieder schwach zu werden.

Helfen können da auch kleine Mantras, die man sich als Notfallkarte in die Tasche stecken kann und anschaut, wenn es hart auf hart kommt. Darauf kann zum Beispiel stehen: "Denke an deine Familie!" Das kann schon helfen und sicher ist es auch ratsam, ohne Geld rauszugehen und auch ohne Bankkarte. Man muss dem inneren Schweinehund hier ein Bein stellen und den an die Kette legen, sonst geht alles wieder von vorn los. Auch wenn man vom Spielen keine alkoholische Fettleber bekommt, gibt es ganz sicher auch körperliche Symptome.

Ich kann mir schon gut vorstellen, dass wenn ein Therapierter draußen im Leben mit Gegebenheiten konfrontiert wird, die ihn an das Leben als Spieler erinnern, er auch mit Kopfschmerzen, schnellem Puls, Herzrasen oder Schweißausbrüchen reagieren kann. Jede Sucht ist für den Betroffenen und eben auch für sein soziales Umfeld schlimm und kann furchtbare Konsequenzen, wie zum Beispiel Suizid, haben. Und jeder, der clean, trocken oder was auch immer ist nach seiner langen Suchtkarriere, hat meine uneingeschränkte Hochachtung.

Benutzeravatar

» Quasselfee » Beiträge: 2143 » Talkpoints: 30,45 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich sehe es genau so und es stellt ein großes Problem dar. Mich Interessiert es deshalb, weil ich glaube das ein großer Teil der Bevölkerung sich dessen Gefahren nicht bewusst ist. Es ist ein Tabuthema und es wird oft unterschätzt wie groß die Problematik ist.

Habe das Gefühl, beziehungsweise ist mir noch nicht viel aufgefallen, dass hierüber viel aufgeklärt wird z.B. in Schulen. Wenn es um Süchte geht, bleibt es meist bei den Substanz-Süchten während Verhaltens-Süchte keine große Beachtung kriegen und oft unterschätzt werden.

» mok » Beiträge: 11 » Talkpoints: 3,67 »



Eine Sucht ist eine Sucht. Ich weiß nicht, ob man das so pauschalisieren kann, aber ich denke auch, dass die Spielsucht deutlich unterschätzt wird.

Ich habe in meinem entfernteren Verwandtenkreis eine Person, die Spielsüchtig gewesen ist. Das ist lange Zeit gar nicht aufgefallen. Der Spielsalon, in dem die Person sich hauptsächlich aufgehalten hat, war neben seiner Arbeitsstätte. Daher ist auch keinem etwas aufgefallen, wenn man da das Auto der Person gesehen hat. Und als wir ab und zu mal einen trinken waren, wurde der ein oder andere Automat bedient, aber da habe ich auch nicht wirklich ein "süchtiges" Verhalten festgestellt.

Das Ganze ging jedenfalls so weit, dass die Person hier und da kein Geld mehr hatte, den Strom des Nachbarn angezapft hat, weil die Stromrechnung nicht mehr bezahlt werden konnte und es kam insgesamt noch schlimmer, als sie dann aus seiner Wohnung geworfen wurde, weil die Miete nicht mehr bezahlt werden konnte. Glücklicherweise kam sie bei Verwandten unter, aber das zeigt ja schon, wo das Ganze hinführen kann.

Schlussendlich nach einer Therapie und der Privatinsolvenz, die mittlerweile auch überstanden ist, geht es der Person wieder besser, sowohl seelisch als auch finanziell. Ich denke auch, das ist eher ein krasseres Beispiel einer stärkeren Sucht, aber es zeigt ja, dass man da ohne Hilfe auch nicht mehr alleine raus kommen kann. Daher finde ich schon, dass das immer noch unterschätzt wird und durchaus mit den Gefahren anderer Süchte verglichen werden kann.

» Antalis » Beiträge: 539 » Talkpoints: 0,22 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Ich glaube, dass diese Sucht sehr unterschätzt wird. Aber sie kann lange unentdeckt bleiben, z.B. bei Onlinespielen um Geld. Man nimmt Kredite auf, überzieht das Konto, verprasst sein ganzes Geld und mehr. Schlimmstenfalls noch Beschaffungskriminalität, weil man immer weiter spielen möchte. Das ist natürlich der Extremfall, aber man kann seine Existenz ruinieren.

» Kriemhild » Beiträge: 47 » Talkpoints: 11,98 »


Wenn man meinen Urgroßonkel fragen würde, würde ich meinen, er würde am Strick baumelnd bestätigen, dass Spielsucht sogar in den Suizid führen kann. Meine Großmutter zumindest erzählte, dass er sich wegen seiner diesbezüglichen Schulden auf dem Speicher erhängt hat. Die Spielsucht hat in dieser Familie also eine recht lange Tradition, denn meiner Meinung nach gab es so einige Mitglieder, die mindestens ein problematisches Spielverhalten hatten.

Besagte Großmutter eingeschlossen, sie hat zehn Prozent ihrer üppigen Rente in Lotto versenkt, andere Familienmitglieder haben es ihr gleich getan und fünfstellige Summen über ihre Lebenszeit verspielt. Wenn man das alles mal in Aktien angelegt hätte. Wobei es auch an der Börse Suchtverhalten gibt, davon mal ganz abgesehen. Der krasseste Fall, den ich persönlich kenne, ist jemand, der Haus und Hof der Familie verspielt hat, einen Suizidversuch beging und immer wieder rückfällig wurde. Diese Rückfälle haben dann tatsächlich zur schon zitierten Obdachlosigkeit geführt.

Am Ende hat er sein Leben auf der Straße bestritten und ist durch einen zu frühen Tod in seinen Sechzigern gestorben. Alles als Ergebnis der Spielsucht und des Verlustes von Familie, Haus, Status, Ehe und Schuldenfreiheit nach einer Jahrzehnte währenden Leidensgeschichte.

» Verbena » Beiträge: 4575 » Talkpoints: 0,27 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Schaut doch einfach mal in eurem näheren Umfeld wer da alles Lotto spielt. Sie wissen genau, dass sie mehr investieren, als sie gewinnen und lassen es trotzdem nicht. Aus einer Gewohnheit heraus wird da schnell eine Sucht. Dafür muss man nicht mehr Schulden machen und Haus und Hof verscherbeln, um süchtig zu sein. Denn ansonsten würden ja viel weniger Menschen da auf ihr Glück hoffen.

Man denkt immer, dass diese Menschen hoch verschuldet sein müssen, um als süchtig zu gelten. Dem ist aber nicht so. Ein Mensch, der täglich drei Bier trinkt und nicht darauf verzichten kann, wirkt auch nicht wie ein Alkoholiker und trotzdem ist er von seinem Konsum abhängig.

Es ist daher sehr gefährlich, wenn man bedenkt wie wenig es braucht, um wirklich dieser Leidenschaft zu verfallen und nicht davon weg zu kommen. Vor allem, weil es oftmals wie eine reine Gewohnheit wirkt.

» Punktedieb » Beiträge: 17418 » Talkpoints: 39,25 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Lotto spielen würde ich nicht als Spielsucht bezeichnen. Die meisten spielen doch nur für ein paar Euro und verspielen nicht Haus und Hof. Außerdem ist man nicht dauernd damit beschäftigt, sondern es finden nur zwei Ziehungen pro Woche statt. Spielsüchtig ist man, wenn man permanent spielt und nur noch daran denkt und nicht mehr aufhören kann. Ich glaube nicht, dass es Leute gibt, die den ganzen Tag an Lotto denken und jeden Tag mehrere Scheine zwanghaft abgeben müssen.

Jeder ist für andere Süchte empfänglich. Ich könnte zum Beispiel kein Alkoholiker werden oder sexsüchtig oder handysüchtig oder esssüchtig. Bei mir war wirklich eher die Spielsucht ein Problem. Meine Vernunft hat das aber in den Griff bekommen. Ich habe mich für alle Pokerseiten und ähnliches lebenslang sperren lassen. Auch für Wettseiten wie zum Beispiel Tipp24 habe ich mich sperren lassen und das klappt tatsächlich. Ich könnte das zwar austricksen, aber das dauert dann so lange, dass ich während dieser Zeit wieder zur Vernunft komme.

Es gibt einen sehr guten Film mit Hannelore Elsner "Die Spielerin", die das Hineinkommen in die Sucht und den Verfall in meinen Augen ziemlich gut beschreibt. Bei mir war es nie so ganz schlimm, aber die Tendenz ist durchaus vorhanden. Ich habe als ganz junge Studentin beispielsweise mal in einem Imbiss gejobbt. In dem stand ein einarmiger Bandit, in dem ich meinen gesamten Lohn reinsteckte. Wenn kein Kunde da war, konnte ich dem einfach nicht widerstehen. Es war eine fast körperliche Anziehungskraft. Damals habe ich zum ersten Mal diese Sucht erkannt. Mein damaliger Freund war ziemlich sauer, denn das Geld sollte eigentlich für einen Urlaub sein.

Spielsucht ist sehr gefährlich, aber nicht für jeden. Manche gehen gerne ab und zu in ein Casino, verspielen einen gewissen Betrag und können dann auch wieder aufhören. Ich kann schlechter aufhören als andere, aber da ich das weiß, spiele ich außer Lotto gar nicht mehr um Geld, außer beim Skat um Kleinstbeträge. Klar kennt man die Wahrscheinlichkeiten beim Lotto, aber wenn man nur zwei Felder auf einem Schein für fünf Wochen ankreuzt und immer die gleichen Zahlen tippt, hat das mit Spielsucht in meinen Augen gar nichts zu tun. Denn ich beschäftige mich nicht damit, sondern kontrolliere nur immer die Ergebnisse.

» blümchen » Beiträge: 4727 » Talkpoints: 68,51 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Ich persönlich halte Spielsucht für genauso gefährlich wie andere Süchte, auch wenn sie nicht unbedingt lebensbedrohlich werden dürfte (indirekt vielleicht manchmal doch, wenn als letzte Konsequenz wegen der angehäuften Schulden nur noch der Weg in den Suizid als Ausweg gesehen wird). Wobei ich selbst eigentlich keine Erfahrungen aus dem eigenen sozialen Umfeld berichten kann, weil Spielsucht in meiner Familie nie eine Rolle gespielt hat. Mein Vater hat allenfalls gelegentlich einen Lottoschein ausgefüllt, mehr nicht.

Benutzeravatar

» lascar » Beiträge: 3852 » Talkpoints: 698,97 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^