Sollten deutsche Schulen in Gratis-Tampons investieren?

vom 16.04.2019, 07:20 Uhr

Ich las vor kurzem von einigen Schulen in Schottland, die seit kurzem Gratis-Tampons für Schülerinnen anbietet. Begründet wurde dies damit, dass nicht jede Familie es sich leisten könne und daher bei manchen Schülerinnen was daneben gehen würde, da sie keine Hygieneartikel dabei hätten. Da will die Schule entsprechend eingreifen.

Ich habe mich gefragt, inwiefern man das in Deutschland ebenfalls umsetzen könnte oder sollte. Meint ihr, dass die deutschen Schulen ebenfalls Gratis Hygieneartikel für Schülerinnen anbieten sollten? Oder sollte man das Geld lieber anderweitig investieren?

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» Täubchen » Beiträge: 31082 » Talkpoints: 3,55 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Wenn ich mir mal manche Schulen ansehe, dann haben wir doch wirklich andere Probleme als Tampons. Man kann das meinetwegen schon anbieten, aber die Schüler und Schülerinnen verunstalten die Toiletten doch eh schon, da muss man ihnen meiner Meinung nach nicht noch zusätzliches Material geben. Ich kenne Schulen, die fallen halb auseinander, aber über kostenlose Tampons wird nachgedacht, man hat doch wirklich ganz andere Probleme und die Versorgung solcher kann hier in Deutschland ja auch kein Problem sein, die gibt es überall zu kaufen und Menschen, die nicht arbeiten bekommen auch noch eine Absicherung.

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» Ramones » Beiträge: 38921 » Talkpoints: 38,31 » Auszeichnung für 38000 Beiträge


Klar, warum nicht? Die Pubertät ist schon schlimm genug, und gerade in dem jugendlichen Alter kannst du wirklich zu bluten anfangen, sobald du dich nur umschaust, weil der Zyklus gerade am Anfang gerne mal verrückt spielt. Und auf diese Art kann man den Jugendlichen zumindest ein bisschen Stress und Umstände ersparen, und noch dazu auf eine praktische und bezahlbare Art.

Zumindest kann mir keiner einreden, dass ein 500er- oder 1000er-Pack Tampons wirklich den Etat sprengen würde, und für das Geld ist die Bausubstanz oder die Ausstattung von so mancher Schule auch nicht zu retten. Das Argument, man solle keine 500 Euro ausgeben, wenn an anderer Stelle 500 000 Euro fehlen, ist sowieso Bullshit.

Außerdem halte ich es gar nicht für so weit hergeholt, dass sich manche Jugendliche wirklich keine Hygieneartikel leisten können. Nicht jeder hat ein kuscheliges Mittelschicht-Elternhaus daheim, wo sexuelle Offenheit herrscht und Mama freudestrahlend mit dir Tampons kaufen geht. Wieso sollte man den Jugendlichen nicht aushelfen, falls es nötig sein sollte, wenn es so einfach geht?

» Gerbera » Beiträge: 7658 » Talkpoints: 3,12 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich finde schon den Eingangbeitrag problematisch, wo lapidar behauptet wird, in öffentlichen Gebäuden würden kostenlos Tampons und Binden zur Verfügung gestellt, weil manche Familien sich das nicht leisten können und deshalb was daneben geht. Das stellt die Situation von betroffenen Frauen nun wirklich sehr beschönigend der und zeigt, dass das Problem noch nicht einmal verstanden wird.

Im Vereinigten Königreich können sich zehn Prozent der jungen Frauen zwischen 14 und 21 Jahren gar keine Hygieneprodukte leisten. Zwölf Prozent schaffen es nur unter größten Schwierigkeiten. Was dazu führt, dass wieder zwölf Prozent mit Socken, Klopapier oder Zeitungspapier improvisieren müssen. Weitere 14 Prozent kommen nur zurecht, weil sie bei versorgten Freundinnen schnorren. Und deshalb fehlt fast die Hälfte der jungen Frauen, wenn es ihre Periode haben.

Und Hilfen gibt es in Schottland ebenso wie in Deutschland. Das bedeutet aber nicht, dass dieses Geld Teenagern für Hygieneprodukte zur Verfügung steht. Das mag in Deutschland weniger oft der Fall sein, aber das gab und gibt es. Wer hatte nicht dauerhafte Tamponschnorrerinnen auf der Schule? Und es kann nicht sein, dass arme Mädchen nur wegen der Menstruation massig Stoff verpassen. Da hilft dann auch keine nagelneue Schule.

» cooper75 » Beiträge: 11218 » Talkpoints: 401,13 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



In deutschen Schulen kann man froh sein, dass die Toilette überhaupt benutzbar ist. Ich ging stets in meine Schule ohne vorher etwas getrunken zu haben. Nach sechs Stunden kam ich dann heim und besuchte die Toilette meines Vertrauens.

Auf dem Gymnasium meiner Tochter gab es eine Außentoilette für Mädchen, weil diese regelmäßig die Periode haben und manchmal aus diesem Grund schnell sanitäre Anlagen aufsuchen müssen. Das allein fand ich schon sehr aufmerksam von der Schule. Die Idee von der Bereitstellung von Damenhygieneartikeln in Schulen finde ich nicht schlecht.

Allerdings sollte es diese nicht gratis geben. Könnte mir da zum Beispiel einen Automaten gut vorstellen. Ich hörte noch nie, dass sich hier jemand keine Tampons leisten kann. Außerdem gibt es ja auch recht einfache Damenhygieneartikel, die zwar wenig Komfort bieten, aber eben sehr preiswert sind im Gegensatz zu anderen. Was kommt als nächstes? Bereitstellung von Einwegrasierern für junge Männer?

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» Quasselfee » Beiträge: 1140 » Talkpoints: 226,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Was ist denn das für ein Vergleich? Niemand muss sich zwingend rasieren. Aber man kann wohl kaum blutend durch die Gegend rennen, oder? Und warum findest du es in Ordnung, wenn Mädchen nicht zur Schule können? Wie sichern billige Produkte denn deiner Meinung nach den Zugang dazu? Wie soll eine Schülerin sich versorgen, wenn sie kein Geld bekommt?

» cooper75 » Beiträge: 11218 » Talkpoints: 401,13 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Wo schrieb ich denn, dass es in Ordnung sei, dass Mädchen während der Periode nicht zur Schule gehen können? Ich las mir nun meinen Beitrag nochmals durch und konnte solch eine Textstelle nicht erkennen. Nicht mal wenn man zwischen den Zeilen würde.

Wenn Kinder von ihren Eltern nicht die nötigen Dinge bekommen, die sie im Alltag dringend benötigen, müssen die Kinder sich diesbezüglich bemerkbar machen. Das könnte sein, dass man sich einer Lehrerin anvertraut oder eine einschlägige Beratungsstelle aufsucht. Die Schule kann doch nicht für alles verantwortlich gemacht werden.

Hier sind die Eltern in der Pflicht. Ich kenne nicht ein Kind, dass von seinen Eltern keine Hygieneartikel bekommt, obwohl es diese dringend benötigt. Und hier gibt es echt viele arme Eltern und arme Kinder. Trotzdem ist mir so etwas nicht bekannt, auch nicht aus 15 Jahren Tätigkeit beim Jugendamt.

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» Quasselfee » Beiträge: 1140 » Talkpoints: 226,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Quasselfee hat geschrieben:Wenn Kinder von ihren Eltern nicht die nötigen Dinge bekommen, die sie im Alltag dringend benötigen, müssen die Kinder sich diesbezüglich bemerkbar machen. Das könnte sein, dass man sich einer Lehrerin anvertraut oder eine einschlägige Beratungsstelle aufsucht. Die Schule kann doch nicht für alles verantwortlich gemacht werden.

Hier sind die Eltern in der Pflicht. [...]

Du widersprichst dir selbst. Einerseits soll die Schule dafür nicht verantwortlich sein, andererseits sollen sich die Jugendlichen einer "Lehrerin" anvertrauen. Und die soll dann privat Tampons kaufen, weil die Schule, die sie ja von Job wegen repräsentiert, hier nicht verantwortlich ist, oder was?

Ich weiß auch nicht, welche Möglichkeiten und Ressourcen Jugendliche, die sich nicht mal Tampons kaufen können, haben, um "einschlägige Beratungsstellen" aufzusuchen. Nicht jeder wohnt in Geh-Entfernung zu jeder nur denkbaren Hilfseinrichtung, und die Eltern werden dich in einer derartigen Lebenssituation kaum irgendwo hinkutschieren zum Hygieneartikel abgreifen.

Da ist die Schule doch viel leichter zu erreichen, und ich empfinde es auch als unfair, den Minderjährigen und sowieso schon Unterprivilegierten dann noch die Last aufzubürden, ihre Misere auf eigene Faust zu bereinigen, wenn es offensichtlich am Nötigsten fehlt. Ich bin 38 und würde spontan auch nicht wissen, welche "Beratungsstelle" in meinem 10000-Seelen-Kaff mir in einer derartigen Notlage helfen könnte. Das ist gerade von Jugendlichen einfach zu viel verlangt.

Und dass die Eltern in der Pflicht sind, wird wohl kaum jemand bestreiten. Aber es gäbe wohl keine Jugendämter und ähnlichen Einrichtungen, wenn alle Eltern immer ihre Pflichten erfüllen würden, oder etwa nicht?

» Gerbera » Beiträge: 7658 » Talkpoints: 3,12 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Oh je, dachte immer, dass ich verständlich schreibe. Kommt wahrscheinlich aber auch auf den Leser an. Das Kind könnte sich einer Lehrerin seines Vertrauens anvertrauen, um ihr zu sagen, dass das Elternhaus nicht in der Lage ist, den dauernden Schulbesuch des Kindes zu gewährleisten, weil es ihm die notwendigen Hygieneartikel verwehrt.

Das Kind sollte sich der Lehrerin nicht anvertrauen, damit diese ihm Binden oder Tampons kauft, sondern weil es sich nicht mehr in der Lage sieht, aufgrund des genannten Problems die Schule durchweg zu besuchen. Die Lehrerin entscheidet dann, was zu tun ist, da ja der Schulbesuch des Kindes in Gefahr ist. Sie wird verhältnismäßig entscheiden und mit den Eltern zeitnah das Gespräch suchen.

In diesem Gespräch wird sie den Eltern auch Konsequenzen aufzeigen, die eintreten, wenn das Kind die Schule nicht besuchen kann nur weil der Zugang zu Tampons o.ä. verwehrt wird. Man muss nichts interpretieren. Langsam fühle ich mich schon schuldig, dass manche Eltern ihren Kindern angeblich keine ausreichenden Hygieneartikel kaufen. Außerdem schrieb ich, dass die Idee, Tampons oder was auch immer in der Schule anzubieten, keine schlechte Idee sei. Lesen ist nicht nur Buchstaben zusammenziehen.

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» Quasselfee » Beiträge: 1140 » Talkpoints: 226,13 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Quasselfee, sei einfach froh, dass du solche Zustände nicht kennst. Nur gibt es die eben leider. Das ist ja nun auch nichts, womit Betroffene hausieren gehen. Aber wie sieht denn dein Lösungsansatz aus. Die Schule als leicht erreichbares und niedrigschwellige Einrichtung lehnst du ab. Wer soll es denn richten und wie bekommen die Mädchen Zugang dazu? Die Eltern helfen doch gerade nicht.

Ich weiß ja nicht, in welchem Traumland du lebst, aber ein Elterngespräch bringt da gar nichts. Denen sind die Konsequenzen egal. Falls die Lehrkraft überhaupt ein Elternteil erreicht und ausreden darf. Das ist nicht so selbstverständlich, wie du es annimmst.

» cooper75 » Beiträge: 11218 » Talkpoints: 401,13 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


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