Sollte man die Fahrtauglichkeit im Seniorenalter überprüfen?

vom 08.10.2019, 22:36 Uhr

Immer wieder liest man in der Presse von Autounfällen mit Unfallverursachern im Seniorenalter. Teilweise kommen hier Reaktionsschwierigkeiten, Koordinationsschwierigkeiten aber auch gesundheitliche Probleme (wie z.B. Sehvermögen) als Gründe zum Vorschein.

Ein Beispiel für so einen unfassbaren Unfall war erst Anfang September in der Presse, als ein Rentner in Wien die kleine 4-jährige Perla umgefahren und getötet hat. Sein Fahrzeug war mit zahlreichen Klebezetteln versehen, die ihm die Bedienung seines Fahrzeuges erleichtern sollten. Ein weiterer prominenter Unfallverursacher war vor gar nicht so langer Zeit ja auch Prinz Philip aus England.

Auch in meinem privaten Umfeld habe ich eine fast 90 jährige Verwandte, die eigentlich in meinen Augen nicht mehr fit genug ist für das Fahren eines PKW´s. Da sie allerdings auf dem Land wohnt bleibt ihr gar nichts anderes übrig als ihre Erledigungen mit dem Auto zu machen.

Findet ihr es sollte eine generelle Altersbeschränkung für die Fahrerlaubnis geben? Bzw. sollte man die Fahrtauglichkeit ab einem bestimmten Alter regelmäßig durch einen Test überprüfen?

» EngelmitHerz » Beiträge: 1148 » Talkpoints: 93,98 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich bin dagegen, weil ich einfach der Meinung bin, dass ein 90-Jähriger der Sonntags mit seinem Golf zum Gottesdienst fährt und einmal die Woche zu Aldi wesentlich ungefährlicher ist als der 30 Jährige der 20.000km im Jahr mit seinem Bonzen-BMW zurück legt und dabei ständig aufs Smartphone starrt.

» Sternenbande » Beiträge: 1848 » Talkpoints: 72,17 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Von einer generellen Altersbeschränkung für das Autofahren halte ich nichts, weil immer noch jeder unterschiedlich altert. Manche sind mit 65 schon dement, blind wie ein Maulwurf oder beides, andere Verkehrsteilnehmer sind tatsächlich bis ins hohe Alter noch fit bzw. haben immerhin genügend Verstand, um Autobahnen und überfüllte Innenstädte zu meiden und tatsächlich nur noch über die Landstraße zum Einkaufen zu gurken. Regelmäßige altersabhängige Überprüfungen der Fahrtüchtigkeit halte ich dagegen durchaus für sinnvoll.

Anders als Dummheit und Rücksichtslosigkeit, die altersunabhängig existieren, gibt es nämlich durchaus Gefährdungen für den Straßenverkehr, die mit zunehmendem Lebensalter an Bedeutung zunehmen. Die Reaktionsfähigkeit lässt nach, man sieht und hört schlechter und selbst der Schulterblick knirscht irgendwann gewaltig. Und dann ist das Geschrei wieder groß, wenn die Oma mit 85 in ihrem vom Munde abgesparten Töfftöff ihr Enkelchen umnietet, weil sie nicht mehr die nötigen Reflexe hat.

Natürlich passieren auch Unfälle mit jüngeren, körperlich gesunden Verursachern, aber es ist ja völlig unlogisch zu sagen: Dann dürfen die Senioren eben fahren wie die Axt im Walde, weil Uwe mit seinem tiefergelegten BMW das schließlich auch tut.

» Gerbera » Beiträge: 8626 » Talkpoints: 1,56 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Sternenbande hat geschrieben:Ich bin dagegen, weil ich einfach der Meinung bin, dass ein 90-Jähriger der Sonntags mit seinem Golf zum Gottesdienst fährt und einmal die Woche zu Aldi wesentlich ungefährlicher ist als der 30 Jährige der 20.000km im Jahr mit seinem Bonzen-BMW zurück legt und dabei ständig aufs Smartphone starrt.

Wobei man hier aber schon klar einschränken muss, dass gesundheitliche Einschränkungen bei dem 90 Jährigen sehr viel wahrscheinlicher sind als bei dem 30 Jährigen. Das Smartphone kann man theoretisch einfach weglegen, eine nahezu 100 prozentige Sehbehinderung nicht.

Von daher halte ich ein pauschales Verbot ab einem bestimmten Alter nicht für hinreichend begründbar und nicht zielführend. Regelmäßige Überprüfungen ob man tauglich ist ein Auto sicher im Straßenverkehr zu führen dagegen schon. Wobei man da sicherlich auch überlegen kann, ob man damit nicht sogar schon mit Ausstellung des Führerscheins anfängt. So kann man ja beispielsweise jeden Autofahrer alle 5 Jahre zu einer Nachprüfung inklusive kurzem Gesundheitscheck verpflichtend einladen und die Abstände mit steigendem Alter verkürzen um dann insbesondere nachlassenden Reaktionszeiten und zunehmendem Altersgebrechen Rechnung zu tragen. Wer den Test mit 110 Jahren noch besteht darf weiter fahren, wer schon mit 40 Jahren durch fällt darf noch einmal in die Fahrschule oder kriegt bei bestimmten Einschränkungen ein generelles Fahrverbot.

Und wenn man mal wirklich ehrlich ist, gibt es mehr als genug Senioren, die ihren Gesundheitszustand nicht mehr vernünftig einschätzen können und der Meinung sind, dass sie mit ihrer 10 prozentigen Sehkraft ja für die eine Strecke zu Aldi noch genug sehen können. Und zumindest die könnte man ja schon aus dem Verkehr ziehen. Und für das Handy am Steuer gibt es ja auch Punkte und bei Gefährdung des Straßenverkehrs sogar Fahrverbote. Da bestraft man also auch.

» Klehmchen » Beiträge: 4832 » Talkpoints: 759,29 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Wenn ich noch an die doch recht mittelmäßige Fahrtauglichkeit meines Vaters in seinen letzten Lebensjahren denke, wird mir immer noch mulmig. Zwar war seine Sehfähigkeit in Ordnung, aber sein Reaktionsvermögen hatte immer mehr nachgelassen, und in Folge dessen ist er auch auf Hauptverkehrsstraßen immer langsamer gefahren und hat auch gelegentlich mal einen Randstein touchiert. Also, ich fände es schon eine gute Idee, ab einem bestimmten Alter die Fahrtüchtigkeit überprüfen zu lassen, das würde sicher einige altersbedingte Unfälle zu verhindern helfen.

Benutzeravatar

» lascar » Beiträge: 2072 » Talkpoints: 430,74 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^