Sind Kinder für euch Karrierebremsen?

vom 22.05.2019, 13:52 Uhr

Laut einer Studie sollen sehr viele Paare in Deutschland Kinder als Karrierebremse empfinden, was primär an wenig flexiblen Arbeitszeiten und mangelnder Kinderbetreuung liegt. Ich kenne aber auch Paare in meinem Umfeld, da sind die Kinder nie ein Hinderungsgrund für die Karriere gewesen und da haben dann beide Elternteile gute Karriere gemacht. Wie sind eure Ansichten zu diesem Thema? Empfindet ihr Kinder als Karrierebremse oder eher nicht? Meint ihr, dass dies nur eine Frage der Einstellung ist?

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Es kommt doch immer darauf an, was man selber aus sich macht. Mit Kindern wird es mit der Karriere nicht eben leichter, aber es ist ja dennoch möglich. Es ist doch Quatsch zu behaupten, dass man mit Kindern im Gepäck nichts mehr schaffen kann. Vielleicht muss man umdenken, umplanen, aber einer Karriere steht meiner Meinung nach nichts im Weg, wenn man sich gut organisiert und dennoch genug Zeit für die Kinder hat. Organisation ist da sicherlich alles und eine funktionierende Partnerschaft kann auch nicht schaden.

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» Ramones » Beiträge: 40391 » Talkpoints: 15,20 » Auszeichnung für 40000 Beiträge


Und es kommt darauf an, was man unter "Karriere" versteht. Für mich impliziert eine Karriere im engeren Sinne eine Berufslaufbahn, bei der man nicht jeden Tag um halb fünf den sprichwörtlichen Hammer fallen lassen kann, sondern auch mal drei Jahre lang kein Wochenende frei hat, wenn man Pech hat, weil man sein eigenes Unternehmen aufbaut und pflegt.

Oder jemand möchte es "zu etwas bringen" und nimmt dafür in Kauf, für die nächste Stufe auf der Leiter lässig drei Jahre nach Hongkong zu gehen. Sprich, für mich bedeutet Karriere automatisch, dass man dafür Opfer bringt, sprich mehr arbeitet als der Durchschnitt, länger, unter schwierigeren Umständen und unter Verzicht auf Bequemlichkeiten, die ein 08/15-Job mit sich bringt.

Und dabei sind Kinder natürlich "Bremsen", wenn man so will. Wenn man es ganz nach oben schaffen will, kann man nicht drei Jahre Teilzeit machen oder außer Sichtweite von Entscheidungsträgern im Home Office vor sich hin pfuschen. Auch ist es mit Sicherheit hinderlich, wichtige Termine und Dienstreisen zu verpassen, weil das Kind die ganze Nacht Durchfall hatte oder vorübergehend unauffindbar zu sein, weil man beim Abpumpen von Milch war. Und man kann Kinder ja schlecht sich selbst überlassen und dem Job den Vorzug geben, weil sonst das Jugendamt klopft.

Derlei Probleme treffen natürlich leider Frauen mehr als Männer, und hängen auch von der sozialen Schicht ab. Wer sich sowieso schon Personal leisten kann, der kann auch mit Kindern das Familienunternehmen leiten, wer sich aus bescheidenen Verhältnissen hochdienen möchte, sollte lieber kinderlos bleiben.

Ich finde also, dass Kinder zumindest für Frauen tatsächlich hinderlich für eine Karriere sein können, weil sie für gewöhnlich Schaden nehmen, wenn man ihre Bedürfnisse rigoros den Anforderungen des Berufs unterordnet. Gewöhnliche Berufstätigkeit sollte dagegen durchaus machbar sein.

» Gerbera » Beiträge: 8278 » Talkpoints: 0,81 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Was hat das jetzt mit Ansichten, subjektiven Meinungen und persönlichen Befindlichkeiten zu tun? Es gibt doch genug Untersuchungen auf dem Gebiet und genug belastbare Zahlen, die ganz klar zeigen, dass durch Kinder ein objektive Nachteil im Berufsleben entsteht. Alleinerziehende haben mit das höchste Armutsrisiko und der Grund dafür ist doch ganz eindeutig nicht der fehlende Partner sondern das vorhandene Kind.

Davon ganz abgesehen ist bei vielen das, was man so unter "Karriere" verbucht, wahrscheinlich nicht mehr die höchste Priorität wenn sie sich dafür entschieden haben Kinder in die Welt zu setzen. Die werden dann nicht von den Kindern gebremst sondern legen selber die Bremse ein, weil sie gemerkt haben, dass es keinen Sinn macht sich Kinder anzuschaffen wenn man dann kaum Zeit mit ihnen verbringen kann während man am nächsten Karriereschritt arbeitet.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23651 » Talkpoints: 21,79 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Meiner Meinung nach hängt das von sehr vielen Faktoren ab, so dass man es einfach nicht pauschalisieren kann. Wir haben selbst 3 Kinder und beide einen Beruf erlernt und aber beide nochmals im Alter zu einer beruflichen Veränderung entschieden haben und beide nochmal eine Stufe höher geklettert sind. Und das neben der 3 Kinder.

Aber es hängt von so vielem ab, habe ich ein Umfeld was mich im Notfall unterstützt, habe ich eine Kinderbetreuung die die Stunden abdeckt, habe ich einen Arbeitgeber dem Familienfreundlichkeit wichtig ist und und und. Daher finde ich es schwer zu sagen, dass man mit Kindern ausgebremst wird oder nicht. Klar ist es viel komplizierter flexibel zu sein, Termine zu halten, an Fortbildung ohne wenn und aber teilzunehmen und so weiter. Aber es geht. Wenn man sich das Netzwerk aufbaut und mit dem Partner alles gut durchplant geht es!

» timbo007 » Beiträge: 446 » Talkpoints: 1,15 » Auszeichnung für 100 Beiträge


In meinem alten Job wäre vollkommen unmöglich, Karriere und Kinder zu vereinbaren, außer ich hätte Eltern oder einen Partner, durch die oder den meine Finanzierung und die des Kindes gesichert ist. Dazu müsste ich und der Anhang damit einverstanden sein, dass die die Kinder aufziehen. Kinderbetreuung und Netzwerk würden da nicht reichen.

Karriere in meinem alten Job würde bedeuten, sechs Jahre studieren mit einer Belastung von über 40 Stunden an der Uni plus unbezahlte Dienste. Nach der Approbation zwei Jahre Berufserfahrung sammeln heute mit Mindestlohn für 40 Stunden plus freiwillige und unbezahlte Nacht- und Wochenenddienste und 12 Stunden regulärer Tagesarbeitszeit. Zu meiner Zeit gab es weniger als den Mindestlohn.Dazu kommen mehrere Veröffentlichungen in den größten Fachmagazinen.

Danach zwei Jahre quasi unbezahlt an einer Uniklinik oder einer renommierten Privatklinik wieder von 6 bis offiziell 18 Uhr, inoffiziell bis Ende plus Nacht- und Wochenenddienste für zehn bis 450 Euro. Der Mindestlohn hat die Situation kaum verbessert. Danach warten drei Jahre, die dann tatsächlich Fortbildung mit Abschluss sind, die Arbeitszeiten bleiben gleich, aber hey, das wird als viertel oder halbe Stelle bezahlt. :wall: Man verpflichtet ein halt mal wieder, freiwillig und kostenlos mehr zu arbeiten.

» cooper75 » Beiträge: 11593 » Talkpoints: 511,90 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


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