Sind arme Menschen viel sozialer als reiche Menschen?

vom 24.12.2017, 18:39 Uhr

Zwei Wissenschaftler aus Kanada haben eine Untersuchung durchgeführt und zu diesem Zweck Menschen verschiedener sozialen Schichten online befragt. Dabei soll heraus gekommen sein, dass Menschen mit weniger Geld bewusster im Umgang mit Mitmenschen sind und damit sozialer agieren sollen. Die wirtschaftliche Situation soll beeinflussen, wie „weise“ Menschen mit ihrem sozialen Umfeld umgehen, also wie viel Verständnis sie von zwischenmenschlichen Konflikten haben.

Ich weiß nun leider nicht wie groß die Stichprobe war und wie die Fragen formuliert worden sind. Meint ihr, dass sich solche Ergebnisse problemlos auch auf Europa und Deutschland übertragen lassen? Oder ist das eher ausgeschlossen? Welche Beobachtungen und Erfahrungen habt ihr in dieser Hinsicht gemacht?

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,26 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Puh, das ist eine schwierige Frage und was Studien sagen oder nicht, ist auch immer so eine Angelegenheit für sich. Ich habe sogar teilweise das Gefühl, dass arme Menschen eher weniger sozial sind oder ein großer Teil. Natürlich kann ich das nur von Ausnahmen usw ausmachen, die ich kenne und nicht alle über einen Kamm ziehen möchte. Doch ich glaube, dass ist schwer so richtig und objektiv zugleich zu beantworten.

Es gibt viele sozial arm gestellten Menschen, die wenig raus gehen, weil sie sich vieles nicht leisten können. Auch wenn der Kleidungsstil das „Arme“ förmlich ausspricht, ist eher die Scharm vor anderen Menschen da und da geht auch kaum einer wirklich mit einer gehobeneren Klientel raus, was nicht sonderlich verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie die Gesellschaft zu Hartz IV Empfängern & Co steht.

Ich kann mir vorstellen, dass ein sozial arm gestellter Mensch durchaus weniger vorurteilsvoll in eine Konversation geht. Jedenfalls habe ich des Öfteren erlebt, dass viele Menschen, die Hartz IV, Sozialhilfe oder Asylgeld bekommen ganz anders zu Menschen stehen. Sie beurteilen wenig nach Optik, nach Arbeit haben oder nicht usw. Das ist schon manchmal wirklich erstaunlich.

Während ich einen in der Familie habe, der jeden Hartz IV Empfänger als faul, dumm und arbeitsscheu beschreibt. Er selber ist ein Workaholiker, sieht seine Kinder deswegen kaum, aber findet eben, dass Geld verdienen das Wichtigste ist. Menschlich ist er jedoch der unsozialste Mensch sowie das größte A-Loch, welches ihr je erlebt habt.

Ich kann mir also vorstellen, dass es auf der einen Seite stimmt, aber es gibt auch zu viele arme Menschen, die sich kaum noch an soziale Kontakte halten sowie gesellschaftliche Kontakte, weil sie sich so schämen, darüber nachdenken, was andere denken und völlig ängstlich sind. Kein Wunder, wenn man mich fragt.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 5343 » Talkpoints: 0,10 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Wie schon öfter erwähnt kann man jede Studie mit "Aber ich kenne jemanden, der...!" sowohl bestätigen als auch widerlegen. Das ist einer der Nachteile der statistischen Wahrscheinlichkeiten. Außerdem stelle ich es mir schwierig vor, Eigenheiten wie "soziale Fähigkeiten" objektiv zu messen und wissenschaftliche Kriterien dafür zu finden.

Aber aus meiner persönlichen Erfahrung heraus habe ich schon auch die Erfahrung gemacht, dass sich mit zunehmendem relativen Wohlstand eine gewisse "Sollen sie doch Kuchen essen"-Einstellung breit macht. Sprich, diese Mischung aus Herablassung und Naivität, mit der gewisse Zeitgenossen auf die weniger Privilegierten herabschauen und sich einreden, dass die "Armen" nur aus Dummheit oder Faulheit nicht so gut dastehen. Sonst müssten sie sich ja eingestehen, dass sie auch nur ein paar Fehlentscheidungen oder einen dummen Zufall davon entfernt sind, zu den "armen Menschen" zu gehören.

Umgekehrt kann ich mir auch vorstellen, dass Menschen, die sich im Zweifelsfall eher auf ihren Verstand, ihren Einfallsreichtum und vor allem ihre Freundschaften und sozialen Kontakte verlassen müssen, als dass sie alles über den Geldbeutel regeln können, auf einen guten Umgang mit ihrer Umwelt eher angewiesen sind und daher schon um ihres eigenen Überlebens willen darauf achten, ob und mit wem sie es sich verscherzen. Für mich klingt diese Studie also durchaus plausibel.

» Gerbera » Beiträge: 8888 » Talkpoints: 0,91 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



In gewisser Weise ist man als ärmerer Mensch ja auch dazu gezwungen sich sozialer zu verhalten. So kann man sich gewisse Dinge durch Kontakte erarbeiten, hilft sich gegenseitig vielleicht mal aus, tauscht Dinge oder tauscht sich darüber aus, weil man Probleme hat, die man besprechen möchte. Ein reicher Mensch hat dies nicht nötig. Er spendet lieber, weil er das absetzen kann, weil es ihn besser da stehen lässt und letztendlich ist es für einen reichen Menschen keine große Sache ein paar Euro abzugeben. Er hat sein Umfeld ist aber auf dieses nicht angewiesen, muss nicht sozial sein.

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» Ramones » Beiträge: 41543 » Talkpoints: 9,84 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Dem kann ich so nicht zustimmen. Gut, die Frage ist erst mal was ist Arm und was ist Reich. Ich denke hier hat jeder andere Definitionen. Ich habe von Leuten die gerade so überleben können bis zu Millionären schon alle möglichen Menschen getroffen und ich muss sagen das es unter den ärmeren Leuten sehr viele gibt die Neid und Hass sehr stark ausleben. Unter den besser betuchten hatte ich allerdings viele nette Leute getroffen. Ich denke das kommt immer auf die Lebenseinstellung der einzelnen Person an.

» Kamilentee » Beiträge: 441 » Talkpoints: 12,14 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Naja, die Auswahl der Stichprobe und die Fragestellung wären schon interessant, um irgendetwas dazu sagen zu können. Was heißt denn schon "sozial"? Wenn es sozial ist, viel zu spenden, dann sind Leute, die kein Geld und gar keine Möglichkeit haben, etwas zu spenden, sehr viel weniger sozial sind als Bill Gates. Ohne genau zu wissen, was die Studie unter dem Begriff "sozial" versteht, kann ich eigentlich gar nicht meinen Senf dazu geben.

Wenn ich menschenfreundlich und hilfsbereit darunter verstehe, glaube ich, dass es sowohl unter den Armen als auch unter den Reichen solche und solche gibt. In meinem persönlichen Umfeld habe ich noch keine signifikanten Unterschiede festgestellt.

» blümchen » Beiträge: 466 » Talkpoints: 0,02 » Auszeichnung für 100 Beiträge


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