Sich als alternativ sehen, weil man gewaltfrei erzieht?

vom 05.02.2018, 15:45 Uhr

Die Freundin einer Bekannten brüstet sich gerne damit, dass sie ihr Familienleben sehr alternativ und eher außergewöhnlich ist und auch ihre Erziehungsmethoden. Als sie kürzlich von einer anderen Mutter gefragt wurde, wie genau ihr alternativer Erziehungsstil denn aussieht, meinte sie, dass sie und ihr Mann ihre beiden Kinder ohne physische Gewalt erziehen.

Die Mutter fand das ziemlich überraschend und meinte, wenn auch sicher leider noch manche Eltern ihre Kinder schlagen, sei es doch etwas übertrieben, dass man gewaltfreie Erziehung als alternativ ansieht, das sollte doch eher mittlerweile die Norm sein, nicht umsonst sind Schläge ja auch verboten. Die Freundin bleibt dabei, dass sie als gewaltfreie Familie eine alternative Familie sind.

Würdet ihr eine gewaltfreie Erziehung als alternativ bezeichnen oder findet ihr, dass das etwas zu hoch gegriffen ist? Kann man sich damit als außergewöhnlich betrachten oder seht ihr so etwas viel eher als Norm an?

» Schneeblume » Beiträge: 3096 » Talkpoints: 0,28 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Schneeblume hat geschrieben:Kann man sich damit als außergewöhnlich betrachten oder seht ihr so etwas viel eher als Norm an?

Ich weiß ja nicht. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass es völlig normal wäre, seine Kinder zu schlagen. Diese Zeiten sind doch aber längst vorbei. Sicherlich gibt es bestimmt auch noch nicht wenige Eltern, die ihre Erziehung mit Gewalt durchsetzen. Aber selbst der Klapps auf den Po ist doch nicht mehr normal und vieler Orts überhaupt nicht mehr Gesellschaftstauglich.

Deswegen würde ich einen gewaltfreien Erziehungsstil eigentlich im Geiste der Zeit als völlig normal ansehen. Ich kenne auch niemanden, der das jetzt als alternativ bezeichnen würde. Darunter fällt wohl eher die Ökomutti in Jutekleidern. Wobei selbst das vielerorts schon normal ist.

» Klehmchen » Beiträge: 3879 » Talkpoints: 350,33 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Das würde ja echt bedeuten, dass alle anderen Eltern ihre Kinder schlagen und eben gewaltvoll erziehen nur diese eine Mutter nicht und das finde ich dann doch ziemlich unrealistisch. Gewaltfreie Erziehung ist gesetzlich so vorgeschrieben und jedes Kind hat ein Recht darauf.

Mag sein, dass das ab und an doch vorkommt, dass Gewalt an Kindern verübt wird, aber auf die gesamte Bevölkerung in Deutschland bezogen wäre das in meinen Augen eher eine Minderheit als die Regel. Daher ist die Aussage der Mutter über ihre gewaltfreie, alternative Erziehung eher ein verzweifelter Versuch, etwas total gewöhnliches und normales als etwas besonderes hervorzuheben, der gänzlich misslingt.

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» Täubchen » Beiträge: 26080 » Talkpoints: 1,25 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



Das finde ich ja mal mega lustig, dass sich jemand als alternative Erziehungsperson bezeichnet, beziehungsweise die Art der Erziehung als „alternativ“, weil keine Gewalt im Spiel ist. Nicht, dass vegan demnächst auch alternative Ernährung für Kinder ist usw. Das ist doch in meinen Augen persönlich vollkommener Quatsch und hier möchte man sich wichtiger nehmen, als man letzten Endes ist. Die Mehrheit der Erziehungen läuft vollkommen gewaltfrei ab.

Dann gibt es durchaus die Erziehungen, wo der berüchtigte Klapps auf dem Po oder auf die Finger noch herrscht. Das mag nicht in Ordnung sein, aber um es mit meinem Opa oder meiner Mama & Co zu sagen, davon gestorben ist auch niemand und man kennt es oftmals nicht anders. Ins Zimmer schicken, Internetverbot usw. hilft bei vielen Rotzblagen nun einmal auch nicht, muss man fair sagen. Doch man sollte auch diese Aktion nicht wirklich überstrapazieren.

Gewalt bedeutet wiederum etwas anderes für mich, als ein Klapps auf die Pampers oder auf die Finger. Ins Gesicht schlagen, blaue Flecken, mit Fäuste, Tritte, kleine Babys schütteln usw. All das ist Gewalt in der schlimmsten Form, die man Kindern antun kann, aber ohne Gewalt zu erziehen, ist deswegen auch keine „alternative Erziehung“.

Sie erzieht ihr Kind eben ganz normal und für sie „normal“ ohne Gewalt. Das als Alternativ zu bezeichnen, halte ich doch für überspitzt und wahrscheinlich ein Grund, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, um wahrlich mit jemanden darüber ins Gespräch zu kommen. Anders erklärt sich mir das nicht und ich sehe das als Quatsch an.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4017 » Talkpoints: 0,41 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



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