Schlechte Erfahrungen dauerpräsent, nur bei PTBS Patienten?

vom 17.12.2017, 21:03 Uhr

Von meinen Arbeitskollegen bis zu meiner Chefin über Familie, Bekannte und Freunde wissen alle, was mir im Leben widerfahren ist, was ich durchmachen musste oder das ich in psychologischer Betreuung bin. Das macht auch überhaupt nichts, weil ich natürlich nebenher auch noch einen Beruf habe, wo es hart zur Sache geht und nebenher auch gefährlich wird, aber dieser mich selbstverständlich dauerhaft an schlechte Tage erinnert. Trotzdem mache ich diesen gerne und deswegen wohl so gut.

Nun sagte mir mal eine Beratung, dass PTBS das Problem von Menschen wie mir ist, welches so ausgeprägt ist, dass negative Erfahrungen dauerhaft präsent in meinem Hirn verankert sind. Das habe ich auch soweit verstanden, aber ich habe das Gefühl, dass dies nicht ganz so richtig ist. Denn in meinem Umkreis gibt es genügend Menschen, die nur eine einfache Trennung erlebt haben, die aber dauerhaft präsent bei denen ist. Eben auch negative Erfahrungen, die regelrecht die Präsenz aufdrücken wollen ohne, dass man es richtig kontrollieren kann.

Ich habe aber das Gefühl, dass man es sich da auch ein wenig aus psychologischer Sicht immer zu einfach macht. Ich kenne eben viele Menschen, die auch Negatives erlebt haben, welches nicht so präsent bei ihnen im Leben ist. Dann kenne ich Menschen, die haben psychologisch gesehen nichts und haben trotzdem immer wieder Gedanken um ihre negativen Erlebnisse, sodass ich das etwas anzweifle, dass nur PTBS Patienten ständig negative Dinge im Kopf haben.

Könnt Ihr die Meinung der von mir erwähnten Beratung teilen, dass dauerhaft präsente negative Erlebnisse nur bei posttraumatischen Belastungsstörungen sowie deren Patienten auftreten oder könnt Ihr anhand Eurer Erfahrung oder auch Beobachtung von Freunden/Bekannten sagen, dass dies nicht so ist? Sind negative Erlebnisse immer psychologisch gesehen mit PTBS zu begründen?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 6121 » Talkpoints: 1,40 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Von PTBS habe ich so noch nichts gehört, aber mir geht es auch so, dass ich oft an negative Erfahrungen erinnert werde und ich bin mir eigentlich sicher, dass ich kein PTBS habe. Durch manche Dinge, werden diese Erinnerungen dann wieder wach und man denkt eben automatisch daran. Ich denke, dass das eigentlich durchaus normal ist und direkt ein Zeichen für diese Erkrankung sein muss. Wenn man das genau wissen möchte, sollte man das natürlich mal untersuchen lassen. Aber ich glaube, dass es vielen Menschen so geht und das nicht weiter ungewöhnlich ist.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Ich habe eine kPTBS und ich kann dazu nur sagen, dass das Gehirn einfach nur eine Diva ist. Ich habe Phasen, in denen ständig das Katastrophendenken stattfindet und in denen mein Gehirn mir harmlose Dinge als absolute Katastrophe darstellt. Aber es ist auch so, dass negative Dinge auch eher im Gedächtnis bleiben und sich dort festsetzen können. Das ist ein blöder Teufelskreis.

Durch jahrelange Therapie kann ich diesen Teufelskreis durchbrechen, wenn es mal wieder zu wild wird. Ich kann auch jederzeit auf meinen Therapeuten zurückgreifen, wenn die Negativität überhand gewinnt. Aber ansonsten führe ich ein normales Leben und versuche auch positive Momente im Alltag zu erhalten und versuche sie auch im Gedächtnis zu bewahren, mit entsprechender Emotion. Denn durch die Traumata, die Intrusionen, ist das Ganze negativ genug und ich versuche diese schlechten Erfahrungen nicht dauerpräsent zu halten.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 12554 » Talkpoints: 2,96 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



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