Offene Beziehung mit geliebter Person besser als gar keine?

vom 29.11.2017, 12:11 Uhr

Eine Bekannte war vor ein paar Jahren sehr in einen Mann verliebt. Dieser fand sie auch attraktiv und hatte sie gern, war aber generell kein Typ für Beziehungen und als er merkte, dass sie sich mehr von ihm wünscht, hat er ihr auch gesagt, dass daraus keine feste Beziehung wird. Darüber war sie sehr unglücklich und meinte dann aber, eine offene Beziehung sei für sie völlig okay. Insgeheim hat ihr das aber zu schaffen gemacht und so ziemlich alle Freunde, mit denen sie darüber geredet hat, haben ihr geraten, die Sache zu beenden.

Natürlich ist es schwer, einen geliebten Menschen aufzugeben, aber so eine offene Beziehung, wenn man sich selbst eine feste wünscht, sei reine Tortur, man fühlt sich dann in den paar Momenten, in denen man mit der Person zusammen ist gut und dazwischen einfach schlecht. Trotzdem hat sie es nicht geschafft die Sache zu beenden, bis er es selbst tat. Sie meinte immer wieder, lieber das als gar keine Intimität mit ihm.

Findet ihr, dass man von so etwas immer die Finger lassen sollte, weil Liebeskummer vorprogrammiert ist und man sich damit nichts Gutes tut? Oder kann man durchaus glücklich über diese Momenten sein und so eine ungewollte offene Beziehung als etwas Positives betrachten?

» Schneeblume » Beiträge: 3095 » Talkpoints: -0,03 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Für mich käme so etwas ehrlich gesagt nie in Frage. Ich checke vorher die Bedingungen ab und will vorher wissen, welche Zukunftspläne der potentielle Partner hat (Wohnort, Arbeit, Familie, Hochzeit etc.), welche Beziehungsform er bevorzugt (Monogamie, offene Beziehung, Affäre etc.) und wenn es irgendwo in den Kernfragen keine Überschneidung gibt, kann der Typ noch so toll sein, aber dann ist der Geschichte. Ich würde mich nie auf eine Beziehung einlassen, nur um jemandem nahe zu sein, wenn diese Beziehung von vorne herein wegen Inkompatibilität zum Scheitern verurteilt ist.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Natürlich ist eine offene Beziehung nicht grundsätzlich besser, als keine Beziehung zu haben. Gerade dann, wenn man in eine Person verliebt ist und sich eine richtige, monogame Beziehung mit ihr wünscht, ist eine offene Beziehung doch das schmerzhafteste und schlimmste, was man sich nur antun kann. Man leidet doch viel mehr darunter, als wenn man es gleich bleiben lässt. Immerhin hat man den Partner so zwar, hat ihn aber wiederum doch nicht und muss ihn noch dazu mit anderen Menschen teilen.

Wenn man es direkt bleiben lässt, weiß man so wenigstens, dass man sich die Person nicht teilen muss. Natürlich tut es weh, unglücklich verliebt zu sein, aber immerhin kann man so doch viel besser darüber hinwegkommen. Man weiß, dass der andere keine Beziehung mit einem will und akzeptiert das im Laufe der Zeit irgendwann.

Hat man eine offene Beziehung, macht man sich womöglich die ganze Zeit über Hoffnung, wird dann aber doch immer wieder verletzt, wenn man mitbekommt, dass der andere sich immer wieder mit irgendwelchen anderen Personen trifft. Eine offene Beziehung funktioniert ja generell nur, wenn beide das vollkommen in Ordnung finden und auch kein Problem damit haben, wenn ihr Partner sich mit anderen Personen vergnügt. Das ist ja aber in dem Beispiel scheinbar nicht der Fall.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 34383 » Talkpoints: 18,29 » Auszeichnung für 34000 Beiträge



Für mich klingt es schon reichlich jämmerlich, sein Lebensglück derart von einer "geliebten" Person abhängig zu machen, für die man offensichtlich eine unter vielen ist. Ich kann mir schon vorstellen, dass es dem Ego der "geliebten Person" schmeichelt, dass sich die Damen/Herrenwelt quasi um sie kloppt und jemand um jeden Brocken Zuneigung froh ist, den man nebenbei fallen lässt.

Von daher kann es bestimmt attraktiv sein, diese Art "offene Beziehung" zu führen. Schließlich muss man nur minimal Zeit, Energie und Gefühle investieren und bekommt eine Riesenladung positiver Emotionen zurück, wenn sich die Dame (in diesem Fall) jedes Mal freut wie ein Schnitzel, sobald man sich am Horizont blicken lässt und vielleicht sogar etwas Intimität walten lässt.

Generell tue ich mir schwer mit der Vorstellung, dass jede Form von, sagen wir, intimer Beziehung, besser sei als gar keine und es eigentlich egal ist, wie der/die Partner so drauf sind und ob man harmoniert. Hauptsache nicht alleine, dieses Beziehungsideal konnte ich noch nie so recht nachvollziehen. Und was "offene Beziehungen" angeht, gilt für mich das gleiche alte Lied wie für alle Arten Beziehungen, so lange es allen Beteiligten damit gleichermaßen gut geht, haut rein! Aber nach meinem Gefühl ist das nur bei einer Minderheit dauerhaft der Fall.

» Gerbera » Beiträge: 10819 » Talkpoints: 4,26 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ich frage mich wie rosa da die Brille gewesen sein muss. Klar kann eine offene Beziehung funktionieren, selbst wenn das nur ein Partner auslebt. Aber der andere muss damit klar kommen. Wenn man diese Art der Beziehung nicht als sein Lebensglück ansieht, dann sollte man die Finger davon lassen.

Ich sehe das ähnlich wie Täubchen. Wenn man einen potentiellen Partner kennenlernt, dann redet man doch auch darüber, wie die Zukunftspläne sind. Wenn da grundlegende Dinge nicht passen, dürfte klar sein, dass es auf Dauer nicht funktionieren kann.

» Punktedieb » Beiträge: 17527 » Talkpoints: 63,09 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Wenn man selber den Partner teilen kann und prinzipiell nichts gegen eine offene Beziehung hat, kann man diese eingehen. Wichtig ist hier sicherlich das Vertrauen, was man aufgebaut haben sollte. Nun scheint das hier ja aber nicht der Fall zu sein und sie wollte eine feste Partnerschaft, er aber nicht. Das kann nur nach hinten losgehen und sicherlich ist es dann zunächst gefühlt besser den Partner irgendwie zu halten, aber man wird dadurch auch mehr verletzt und zerstört sich auch selber damit.

Der Partner, der das von Anfang an offen kommuniziert hat, sucht ja nicht nach einer Beziehung und daher wird er auch locker darüber reden, was dann wieder als verletzend wahrgenommen wird. Er wird sich auch nicht zurücknehmen. Damit kann man sich dann nur selber verletzen, wenn man eine feste Beziehung will. Sicherlich kann man seinen Spaß miteinander haben, aber wenn man es dann enger will und sich damit verletzt, muss man es beenden und sein lassen. Dann hat man kurz Liebeskummer, aber kann sich dann eine neue Beziehung suchen, so ist das ja nichts.

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» Ramones » Beiträge: 46999 » Talkpoints: 0,05 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Das ist gerade aus der Sichtweise der Bekannte eine sehr schwierige Frage. Vor allem weil viele in dieser Situation sicher glauben, dass sich der (potentielle) Partner dahingehend noch wandelt und dann vielleicht doch eine monogame Beziehung möchte. Tatsächlich habe ich das auch bei Pärchen erlebt, die - in dem Falle aber auf beidseitigen Wunsch - zunächst eine offene Beziehung eingegangen sind. Es hat nicht sehr lange gedauert, dann hatten sie sich in dem Beispiel entschieden, dass sie doch eine monogame, gemeinsame Zukunft bevorzugen würden. Allerdings war das auch ein anderer Fall, da beide es wollten.

Ich selbst habe einen Bekannten, der ebenfalls sehr lange in einer offenen Beziehung war, obwohl er dieses Beziehungskonzept zunächst selbst nicht wollte. Bei ihm war es allerdings die erste ernsthafte Beziehung, so dass er noch nicht genau wusste, welche Beziehungsform er eigentlich präferiert und sich auch aus Liebe darauf eingelassen hatte, es zu versuchen. Die beiden waren auch eine Zeit lang recht glücklich und er hat sich dann irgendwann darauf eingelassen, ebenfalls andere Frauen zu daten. Hier kam es dann allerdings so, dass er für eine Frau Gefühle aufgebaut hatte und sie dann schon viel mehr Zeit zusammen verbrachten als er mit seiner "eigentlichen Partnerin".

Die beiden hatten dann entsprechend auch eher die gleiche Vorstellung vom zukünftigen Zusammenleben - also auch eher das Konzept, das er zuvor angestrebt hatte. Die Partnerin hat das super verletzt, da es ja irgendwo auch eine Kommunikation in der offenen Beziehung ist, dass man sich da nicht auf Gefühlsebene begibt. Allerdings muss ich sagen, dass ich das auch immer sehr schwer vermeidbar finde und gerade, wenn die Personen ohnehin nicht genau die gleiche Vorstellung von Zukunft haben passiert es unter Umständen noch schneller.

Im Fall deiner Bekannten glaube ich, dass sie langfristig sehr unglücklich werden würde, wenn sie sich nur aus Liebe darauf einlässt. Eine offene Beziehung bedeutet schon, wenn das Commit da ist, eine bestimmte gemeinsame Arbeit daran. Wenn das dann nicht gegeben ist, kann es in meinen Augen kaum funktionieren und die Eifersucht wird sie irgendwann absolut verrückt machen. Auch glaube ich kaum, dass in diesem Fall die eventuell bestehende intrinsische Erwartung erfüllt wird, dass er sich irgendwann doch zu Monogamie ihr gegenüber bekennt. Eventuell, da er ja gar keine Form von Beziehung möchte, hat er generell eine Abneigung oder Phobie vor Bindungen - das kann dann auch die offene Beziehung mit einschließen.

» bambi7 » Beiträge: 1194 » Talkpoints: 46,51 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Für mich käme eine offene Beziehung aus Liebe zu einer Person nicht in Frage. Mir gefällt das Konzept der Monogamie einfach besser, weswegen eine offene Beziehung für mich nie in Frage kommen würde. Ich glaube, dass ich mit Trennungsschmerz besser umgehen könnte als mit einer offenen Beziehung, das würde mich auf Dauer wahrscheinlich einfach nur verletzen und kränken, da ich den Drang nach einer offenen Beziehung oder Polygamie nicht nachvollziehen kann. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden und wissen. Für mich wäre es nicht, was bei anderen Menschen funktioniert muss mich ja nicht ansprechen.

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» soulofsorrow » Beiträge: 9172 » Talkpoints: 15,58 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Wenn sich ein Mensch keine offene Beziehung vorstellen kann, dann ist es wenig förderlich, wenn man dies nur aus dem Grund tut, weil man dann überhaupt etwas von einer geliebten Person hat. Man verliert sich in meinen Augen ganz einfach selbst darin, einfach etwas zu haben, was man sich wünscht und das obwohl man ihn ja doch nicht so richtig hat, da er keine Beziehung wollte/will und gleichzeitig anderweitig sein Vergnügen sucht.

Zumal auch gesagt sein muss, dass er sich keinerlei feste Beziehung vorstellen konnte/kann, was vielleicht nicht nur an seinem Wesen lag/liegt, sondern womöglich auch an den nicht vorhandenen Gefühlen. Auch dies sollte man stets zu bedenken wissen und viele Menschen können eben zwischen Spaß und Ernst sehr gut unterscheiden, was ihre Bedürfnisse angeht.

Die Wahrheit ist, dass sie sich gefühlsmäßig mehr schadet als sie sich selbst etwas Gutes damit tut eine offene Beziehung einzugehen, die sie gar nicht möchte und nur damit sie etwas von dem Kerl hat. Sie verkauft sich abseits dessen für mich auch weit unter ihrem Wert als Frau und als Persönlichkeit.

In dem Fall hätte es von meiner Seite aus nur gehießen, dann halt nicht! Ich würde niemals meine persönlichen Vorstellungen einer Beziehung überdenken nur um anzunehmen, dass ich wenigstens Etwas von dem Kerl habe. Dafür bin ich mir persönlich zu viel Wert. Es geht dabei auch um meinen Seelenfrieden, den ich so ja keineswegs hätte, wenn ich wüsste, dass er mit anderen rummacht, weil er ohnehin keine feste Beziehung wollte.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 6064 » Talkpoints: 31,91 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


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