Nehmt Ihr die Probleme Eurer Kinder ernst?

vom 28.03.2021, 22:18 Uhr

Ich habe selbst keine Kinder und zu meinen Eltern auch nie ein sonderlich gutes Verhältnis gehabt. Eines der Problem dürfte unter anderem gewesen sein, dass meine Eltern mich oder meine Fragen und Probleme nie ernst genommen haben. Antworten bekam ich ohnehin selten, wenn dann gab es höchstens eine Standardantwort, die eigentlich immer mit „Zimmer aufräumen!“ endete.

Ich habe allerdings mit vielen Kindern intensiven Kontakt gehabt, vor allem auch im Rahmen von Nachhilfe in diversen Schulfächern. Dabei haben mir die Kinder mitunter auch Dinge erzählt, die gar nichts mit dem Unterricht zu tun hatten, aber die sie beschäftigten. Ein Kind hat mich etwa mal gefragt, was es mit einem Video machen soll, das ihm ein Freund geschickt hatte. Der Freund habe sich über die Prügelei, die dort zu sehen war, amüsiert. Mein Nachhilfeschüler fühlte sich mit dem Video aber nicht wohl, hatte auch ein bisschen Angst, dass er sich strafbar machen könnte, nur weil er das Video hatte.

Was meine Eltern gesagt hätten, kann ich mir denken: „Dann lösch es doch! Und hast du dein Zimmer aufgeräumt?“ Was die Eltern des Jungen gesagt hätten, konnte ich mir auch denken. Es waren solche Helikoptereltern, die ihren Jungen samt Handy wohl erst zur Polizei geschleppt hätten, dann hätte er Handy-Verbot bis zur Volljährigkeit bekommen samt der Auflage, den anderen Jungen nie mehr zu treffen - und dann wäre es wohl zum Psychologen gegangen, damit er sein Trauma aufarbeiten kann.

Beide Reaktionen hätten dazu geführt, dass den Eltern solche Dinge aber auch gar nicht erst erzählt werden, denn die Kinder fühlen sich und ihre Probleme nicht ernst genommen. Und so war es im Endeffekt bei vielen Dingen, die ich nebenbei erzählt bekommen habe, von denen die Eltern zumindest erst mal nichts wussten. (Wenn ich der Meinung war, sie müssten es erfahren, habe ich es meinem Nachhilfeschüler vorher erklärt, warum, und dann mit ihnen einen Weg gefunden, der für alle okay war.) Und der Hauptgrund war immer wieder, dass die Eltern ja eh nicht zuhören, sie nicht ernst nehmen und nur „blöde“ Sachen machen.

Ich habe auch mal mit einer Freundin darüber gesprochen, die selbst fünf Kinder hat. Sie wurde recht still, als ich ihr so einiges erzählte. Und dann meinte sie, dass sie sich mit ihren Kindern vielleicht auch mal wieder etwas intensiver unterhalten sollte, denn einiges hat sie vielleicht doch zu schnell abgetan, wo sie noch mal nachhaken sollte. Auch wenn ich nicht von ihren Kindern gesprochen habe, kam ihr doch das ein oder andere bekannt vor von einer ähnlichen Situation.

Nehmt Ihr Eure Kinder und Ihre Probleme ernst? Sprecht Ihr auch mal ganz offen mit ihnen ohne den erhobenen Zeigefinger? Oder gibt es dafür jemanden anderen im Umkreis der Kinder, wo sie auch mal besprechen können, dass sie sich irgendwo nicht wohl gefühlt haben, dass sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen in einer bestimmten Situation? Bei mir hat glücklicherweise meine Oma diese Rolle zumindest teilweise übernommen.

» SonjaB » Beiträge: 2098 » Talkpoints: 40,57 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ja, ich nehme die Probleme meiner Kinder sehr Ernst. Ich frage auch immer nach, wenn eines meiner Kinder vermeintlich traurig schaut. Das ist ja nicht so wild einfach immer mal nachzufragen und da sie noch klein sind, hoffe ich sie kommen später auch zu mir, wenn mal etwas ist. Ein offenes Ohr habe ich auf jeden Fall immer und ich würde auch immer versuchen mit ihnen zusammen eine Lösung zu finden.

Ich glaube aber auch, dass Kinder nicht immer alles sagen wollen und ihnen manche Sachen einfach peinlich sind. Mein Sohn kam beispielsweise mal ganz geknickt vom Kindergarten. Er hat von sich aus nichts erzählt, sah aber einfach traurig aus, da er vorher schon Mal Probleme mit einem großen Kind im Kindergarten hatte, habe ich dann immer wieder nachgefragt und ihn erst mal gekuschelt und in den Arm genommen. Was war? Er hatte sich vor einem Mädchen bekleckert. Dieses Mädchen mag er sehr gerne und sie hat gelacht, was er als auslachen empfunden hat und das war ihm dann unangenehm und peinlich, weswegen er traurig wurde.

Ich finde man muss sich die Zeit nehmen um mit dem Kind zu reden und es in den Arm zu nehmen, egal wie stressig es vielleicht manchmal alles im Alltag sein mag. Das Kind hat nämlich irgendwann größere Probleme und da wäre ich gerne einfach jemand zu dem man kommen kann und der einen den Rücken stärkt.

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» Ramones » Beiträge: 45029 » Talkpoints: 10,11 » Auszeichnung für 45000 Beiträge


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