Nach Corona und Wirecard besser keine Aktien mehr?

vom 13.08.2020, 22:25 Uhr

Bevor die ganze Corona-Geschichte losging, wurden Aktien ja immer als tolle Alternative zum eher zinslosen Sparbuch betrachtet. Ich erinnere mich an Gespräche mit Bankberatern, die mich ab und zu fragten, ob ich nicht doch mal in Aktien investieren will. Ich habe dann doch mal so eine Aktien-App ausprobiert, die mir auch von Freunden (die da erfolgreich angelegt hatten) und habe da nach und nach etwas investiert, vor allem in den MSCI Word, auch DAX und ein paar große Firmen. Nach einigen Wochen gab es ein Plus von 150 Euro und ich habe mich schon gefreut.

Die Freude hielt aber nicht lange, denn als dann Corona kam, stürzte ja alles ab. Innerhalb weniger Tage habe ich dann ca. 1/3 der Investitionssumme eingebüßt. Es heißt ja immer, man soll bei Aktien Schwankungen oder Krisen aussitzen, also habe ich mir gedacht, das geht bestimmt bald wieder nach oben. Die Zeit verging, es ging nicht wieder nach oben. Nach dem Lockdown gingen manche Kurse wieder etwas hoch, aber richtig erholt hat sich das nicht. Manche Kurse stiegen etwas, um dann wieder zu fallen. Das war ein Trauerspiel.

Ich habe dann aus Sorge vor weiteren Verlusten nach einigen Wochen doch Aktien verkauft, damit ich nicht noch mehr Geld einbüße. Wenn man zum richtigen Zeitpunkt wieder neu investiert hätte (als alles ganz unten war und dann wieder stieg), hätte man vielleicht was gut machen können, aber den habe ich nicht erwischt. Der Dax beispielsweise war die Woche wieder leicht im Aufwind, aber dann wieder abgestürzt. Also unter dem Strich bleibt ein großer Verlust für mich.

Aber auch wenn Corona nicht gekommen wäre, bereitet mir z.B. das mit Wirecard Sorgen. Das hat ja nichts mit Corona zu tun. Aber ich weiß noch genau, wie ich Anfang des Jahres ein Finanzmagazin gelesen habe, in dem Aktien empfohlen wurden, unter anderem Wirecard. Es war eigentlich nur ein glücklicher Zufall, dass ich nicht in Wirecard investiert habe, sondern einen der anderen von diesem Magazin empfohlenen Konzern.

Daraus ziehe ich für mich die Schlussfolgerung, dass ich aus Aktien aussteige. Ich finde das zu deprimierend. Wer weiß, wie lange sich Corona noch hinzieht. Vielleicht sitzen wir in zwei Jahren noch alle mit den gleichen wackeligen Kursen da. Vielleicht geht als nächstes irgendein anderer Konzern wegen Schummeleien pleite, in den ich investiert habe - weiß man alles nicht.

Was habt ihr mit euren Aktien-Portfolios gemacht? Habt ihr alles so gelassen und wartet, bis sich die Kurse irgendwann wieder erholt haben? Würdet ihr weiter in Aktien investieren?

» Zitronengras » Beiträge: 8903 » Talkpoints: 49,07 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich würde nie mehr einzelne Aktien kaufen. Mit Thyssen habe ich einiges an Geld verloren. Ist zwar erst mal nur Buchgeld, aber ich fürchte, dass Thyssen sich auch mittelfristig nicht erholt. Zur Zeit schaue ich mir die Thyssen-Kurse nur noch an, wenn ich masochistische Gelüste habe.

Mein Neffe hat Tesla und sein Geld mittlerweile verfünffacht. Allerdings kann man das auch nur machen, wenn man genügend Geld hat und auch große Verluste verkraften kann. Es hätte auch schief gehen können. Das muss einem bei Einzelaktien immer bewusst sein. Ich hätte mir das Risiko nicht leisten können.

Ich würde trotzdem langfristig Geld in Aktien anlegen, vor allen Dingen, wenn ich jung wäre und auf das Geld langfristig verzichten könnte. Ich würde dann ETFs kaufen oder bestimmte Fonds. Da ist das Geld schön breit gestreut. MSCI World habe ich auch als zusätzliche Altersvorsorge. Auch mein Gesundheitsfonds hat sich bisher gut entwickelt. Da sehe ich in einer alternden Bevölkerungsstruktur auch in anderen Ländern keine großen Risiken.

» blümchen » Beiträge: 1556 » Talkpoints: 42,52 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Du hast genau das gemacht, wovon immer abgeraten wird. Angstverkauf nennt man das. Wenn man mit Aktien wirklich Rendite erwirtschaften will, dann muss man langfristig planen und eben nicht verkaufen, wenn es mal schlechter läuft. Im Gegenteil, du hättest nach investieren sollen, weil die Aktien eben günstig waren.

Dazu kommt eine breite Streuung in verschiedene Branchen, so dass man bei einem Debakel, wie mit Wirecard, keinen Totalverlust entscheidet. Aber insgesamt werden Aktien auch in Zukunft die größte Rendite bringen, wenn man die Geduld hat auch Talfahrten einfach entspannt zu durchleben.

» Punktedieb » Beiträge: 16642 » Talkpoints: 100,66 » Auszeichnung für 16000 Beiträge



Punktedieb hat geschrieben:Du hast genau das gemacht, wovon immer abgeraten wird. Angstverkauf nennt man das. Wenn man mit Aktien wirklich Rendite erwirtschaften will, dann muss man langfristig planen und eben nicht verkaufen, wenn es mal schlechter läuft. Im Gegenteil, du hättest nach investieren sollen, weil die Aktien eben günstig waren.

Ich habe auch erst abgewartet, weil ich genau das auch immer wieder gehört habe - nämlich dass man das aussitzen soll. Aber es erholte sich ja wirklich über Wochen nicht und fiel immer noch weiter. Viele Kurse sind ja auch immer noch ganz unten, sie befinden sich nun schon seit einem halben Jahr auf Talfahrt. Da hatte ich das Gefühl, das geht nie mehr hoch. Es ist ja jetzt bei Corona auch noch kein Ende in Sicht.

Ein paar Wochen lang habe ich richtig aktiv gehandelt und gekauft, wenn eine Aktie mehr als sonst unten war und verkauft, wenn sie gestiegen ist. Damit habe ich dann so ca. 200 Euro wieder gut gemacht. Aber das hat im Endeffekt bedeutet, dass man sich den ganzen Tag nur mit seiner Aktien-App beschäftigt. Und nachdem ich dann nicht mehr so aktiv gehandelt habe, waren die gewonnenen 200 Euro auch schnell wieder weg, weil dann wieder was gefallen ist.

Ich hatte beispielsweise Carlsberg-Aktien. Die wurden in den Finanznachrichten empfohlen, weil die Leute wegen der ganzen Corona-Sperren mehr Alkohol trinken würden. Diese Aktien waren nur am Abstürzen. Ich hatte keine wahnsinnig hohe Summe darin investiert, aber über bestimmt 3 Monate hinweg ein Minus von 30%.

Gut, vielleicht muss man da noch länger denken und nicht Monate, sondern Jahre warten. Aber dafür habe ich nicht die Geduld. Für mich hat das alles so gewirkt, als würde sich das gar nicht mehr erholen. Ich habe eher das Gefühl, wir sitzen in zwei Jahren immer noch mit zig Einschränkungen da und die Kurse bleiben längerfristig unten. Aber ich habe doch eigentlich in Aktien investiert, weil ich damit was verdienen wollte. Ich hoffe nur, man kann de Verluste irgendwie steuerlich absetzen.

» Zitronengras » Beiträge: 8903 » Talkpoints: 49,07 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Aktien sind wirklich keine geeignete Geldanlage für dich. Du kannst nur als Spekulant in Jahren, Monaten oder gar Tagen rechnen. Als normaler Aktienanleger solltest du eher in Jahrzehnten rechnen.

Und Spekulanten dürfen sich nicht ärgern, wenn sie große Verluste machen. Sie gehen das Risiko ja bewusst ein. Und so wie du deine Aktiengeschäfte beschreibst, hast du wie ein Spekulant gehandelt, und nicht wie ein langfristiger Anleger. Ich handle auch ab und zu spekulativ, weil ich einen gewissen Nervenkitzel brauche. Ich bin mir aber des Risikos bewusst und erwarte nicht, dass das jemand für mich ausgleicht.

Du kannst Verluste, wenn sie nicht mehr nur auf dem Papier stehen, sondern wenn du die Aktien verkauft hast, steuerlich geltend machen. Allerdings nur mit Gewinnen aus Aktien und nicht allgemein mit deiner sonstigen Steuerlast. Wenn du also Gewinne aus Aktien über dem Freibetrag hast, dann kannst du sie mit Verlusten aus Aktiengeschäften verrechnen. Ansonsten nicht.

» blümchen » Beiträge: 1556 » Talkpoints: 42,52 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich habe auch mal nach deinem Hinweis recherchiert und herausgefunden, dass man tatsächlich Verluste mit Aktien nur mit Gewinnen aus Aktien verrechnen kann. Einkünfte aus Fonds, Wertpapieren oder Zinsen zählen dazu nicht, die werden gesondert betrachtet. Also man kann die Aktienverluste nicht mit sonstigen Kapitaleinkünften gegenrechnen. Das würde bedeuten, dass ich auf den 1700 Euro Verlust sitzen bleibe.

Ich habe aber auch gelesen, dass Verluste bei ETFs nicht als Aktienverluste, sondern sonstige Verluste gelten. Das könnte man dann wiederum mit anderen Kapitaleinkünften gegenrechnen. Ich guck mir das noch ein paar Wochen an, dann mache ich die App zu und lasse mir bis 15.12., das ist wohl der Stichtag im jeweiligen Jahr, so eine Verlustbescheinigung ausstellen und dann nie wieder Aktien.

» Zitronengras » Beiträge: 8903 » Talkpoints: 49,07 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Welche Aktien hast du denn? ETFs und andere Fonds würde ich auf keinen Fall verkaufen, wenn ich das Geld nicht unbedingt bräuchte. Lass doch einfach alles liegen und warte ein paar Jahre. Und während dieser Zeit einfach nicht hinschauen. Du bekommst ja wahrscheinlich auch Dividenden, je nachdem was du hast.

» blümchen » Beiträge: 1556 » Talkpoints: 42,52 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Vor Corona hatte ich den MSCI Word und einen MSCI für Osteuropa (letzterer war ein Tipp aus einem Aktienmagazin). Beide liefen so halbwegs. Im März hatte ich damit 150 im Plus. Dann fiel alles und ich hab ein paar Wochen gewartet. Es ging nicht wieder hoch und fiel teilweise noch weiter und ich dachte mir, um weitere Verluste zu vermeiden, wäre es sinnvoll, zumindest einen Teil zu verkaufen. Das habe ich gemacht und habe dass dann teilweise in Aktien investiert, die als Tipp für die Krisenzeit galten. Unter anderem war da mal Apple dabei oder ein Pharmaunternehmen usw. Ich hatte auch mal Optionsscheine probiert und damit einen kleinen Gewinn gemacht, weil ich auf fallende Kurse gesetzt hatte. Dann hatte ich so eine Phase des vielen Spekulierens, aber das war ziemlich anstregend, da muss man ja andauernd nachschauen und was ändern. Außerdem ist es frustrierend, wenn es schief geht.

Seit einigen Wochen habe ich dann nicht mehr spekuliert, sondern alles so gelassen, wie es war, in der Hoffnung, dass sich die Kurse erholen. Haben sie aber nicht, ging stattdessen noch mehr bergab, sodass mein kleiner Spekulationsgewinn wieder weg war. Aktuell habe ich immer noch den MSCI Word und den MSCI Osteuropa und dazu noch einen mitteleuropäischen MSCI. Dazu Carlsberg, Dax, Thyssen (hab aber erst gekauft als die unten waren, dachte die könnten jetzt nur noch steigen, fielen stattdessen aber noch mehr) und ein Autohersteller. Bis auf den DAX liegen alle im Minus.

Ich weiß nicht, ob ich das kann, einfach zu warten. Ich bin dafür wahrscheinlich zu hibbelig, um zu ertragen, dass da plötzlich 30% an Geld "fehlen" und nicht mehr wiederkommen oder zumindest die letzten Monate nicht. Ich denke mir dann immer, dass ich für das Geld, was ich da verloren habe, auch eine sicherere Anlage hätte wählen können. Eigentlich ärgere ich mich auch total über mich selbst, dass ich mich damals von Bekannten habe bequatschen lassen, diese Aktienapp auszuprobieren. Die verführt extrem dazu, ständig irgendwie handeln zu wollen. Ich kann das Geld, was da drauf ist, noch darauf lassen. Aber was ist wenn, wenn sich die Kurse nicht mehr erholen, über Jahre hinweg?

» Zitronengras » Beiträge: 8903 » Talkpoints: 49,07 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Dir ist scheinbar nicht wirklich bewusst, dass der Wert der Aktie nicht alles ist. Am Ende zählt nämlich nur, was man als Dividende ausgezahlt bekommt. Passt die trotzdem, obwohl der Wert der Aktie niedrig ist, dann geht der Plan am Ende auch auf. Und dass die Aktien weiter fallen, weil eben viele private Anleger aus Angst verkaufen, ist doch kein Wunder. Da hättest du eher kaufen sollen.

Auf lange Sicht werden die Aktien sich auch im Wert wieder erholen. Nur das dauert eben seine Zeit und kann nicht innerhalb ein paar Wochen passieren. Zumal eben die Welt weiterhin von Corona beherrscht wird. Aber da du das scheinbar nicht entspannt aussitzen kannst, solltest du in Zukunft die Finger davon lassen.

» Punktedieb » Beiträge: 16642 » Talkpoints: 100,66 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


:shock: Optionsscheine? Habe ich auch mal aus Gier und Naivität probiert, aber Komplettverlust gemacht. Ist wirklich nur was für Daytrader.

Den Rest würde ich behalten, besonders die MSCIs, und einfach nicht mehr hinschauen. Apple würde ich auch behalten. Mit Thyssen ärgere ich mich selber herum. Wenn du günstig eingestiegen bist, könntest du sie beim nächsten Anstieg, falls er denn kommt, verkaufen. Ich glaube, dass die sich zu Schrottpapieren entwickeln, haben ja auch leider seit diesem Jahr keine Dividende mehr. Kann aber auch ganz anders kommen.

Ich habe vor Jahren einmal regelmäßig die Zeitschrift Börse online gelesen und weiß mittlerweile, dass die Vorhersage von einzelnen Aktienkursen unmöglich ist. Die sogenannten Experten haben sich zu oft geirrt. Aber wenn man durch Fonds das Risiko streut, ist ein langfristiger Gewinn ziemlich sicher.

» blümchen » Beiträge: 1556 » Talkpoints: 42,52 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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