Musikunterricht in der Schule abschaffen?

vom 12.08.2018, 22:13 Uhr

Zu meiner Schulzeit wurde Musik von der ersten bis Ende siebter Klasse an den Schulen unterrichtet. Zumeist stand die Theorie und das Singen im Vordergrund. Ein Instrument wurde nicht erlernt, vielmehr Notenlehre ohne Praxisbezug. Heutzutage ist das nicht viel anders. Kinder und Erwachsene mit echtem Willen ein Instrument zu erlernen bringen sich das autodidaktisch zu Hause selber bei oder melden sich in einer Musikschule an. Welchen Sinn hat der Musikunterricht an Schulen, warum gibt es das Fach wenn für Praxis jedoch kein Platz und scheinbar keine Zeit ist?

» Nebula » Beiträge: 612 » Talkpoints: 4,59 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Warum sollte man in Musikunterricht ein Instrument lernen? Versuch das mal bei 30 Schülern, das kann doch gar nicht funktionieren, daher finde ich diese Idee total dämlich und wenig umsetzbar. Ich finde, dass man beim Erlernen eines Instruments den Fokus auf das Individuum legen sollte und das kann ein einzelner Lehrer bei so einer großen Gruppe doch gar nicht leisten. Selbst dann nicht, wenn alle Schüler dasselbe Instrument lernen würden und es dann mitbringen würden wie was weiß ich eine Blockflöte oder so.

Auch wenn ich im Musikunterricht nichts gelernt habe, das ich im Studium, im Berufsleben oder im Privatleben hätte gebrauchen könnten, würde ich den Musikunterricht trotzdem nicht abschaffen wollen, weil das eine gute Ergänzung der Allgemeinbildung ist.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,47 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Das ist auch so ein Fach, was ich als furchtbar eingestuft habe. Ich finde nun auch nicht, dass man ein Instrument lernen muss, aber das Singen und dessen Bewertung allein finde ich schon nicht so schön. Immerhin gibt es Talente und Leute, bei denen man gerne schreiend abhauen würde. Ich gehöre eher zu Nummer 2 und da taten mir nicht nur meine Klassenkameraden leid, ich hatte auch wirklich Angst davor und das obwohl ich eh schon total schüchtern war. Ich finde das Fach okay, aber bitte ohne Singen, sondern nur mit der Lehre der Musikgeschichte und Noten.

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» Ramones » Beiträge: 42547 » Talkpoints: 28,80 » Auszeichnung für 42000 Beiträge



Ich wiederum fände es schade, künstlerisch orientierte Fächer abzuschaffen. Mir ist es aber auch so ergangen, dass Musik zu meinen Lieblingsfächern gehört hat, und ich habe am Ende im Abitur in Musik 15 Punkte bekommen (es war eines meiner Abiturprüfungsfächer gewesen) Ohne Fächer wie Musik oder Kunst hätte ich den Schulunterricht als wesentlich langweiliger und öder empfunden. Außerdem finde ich es wichtig, den Kindern ein recht breites Spektrum an Wissen beizubringen, das sich nicht immer nur an der Alltags- und Berufszweckmäßigkeit orientieren sollte.

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» lascar » Beiträge: 2616 » Talkpoints: 503,17 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Täubchen hat geschrieben:Warum sollte man in Musikunterricht ein Instrument lernen? Versuch das mal bei 30 Schülern, das kann doch gar nicht funktionieren, daher finde ich diese Idee total dämlich und wenig umsetzbar.

Also, so dämlich finde ich das Ganze jetzt auch wieder nicht. Es gibt sogar Schulen die auf Musik ausgerichtet sind und in denen Kinder über mehrere Jahre Instrumente lernen. Das kann man zum Beispiel in diesem Artikel nachlesen. Eine gute Bekannte von mir ist zum Beispiel in eine Bläserklasse gegangen. Sie hat dort Querflöte und Posaune gelernt. Es sind zwar vermutlich keine 30 Schüler in der Klasse aber funktionieren tut es da ja auch.

Meine Tochter hat in der Grundschule auch im regulären Musikunterricht Blockflöte gelernt und jetzt in der Realschule Keyboard. Die Blockflöte musste man selbst erwerben und bei den Keyboards standen den Kindern 15 Geräte in der Schule zur Verfügung.

Aber um jetzt noch auf die Ausgangsfrage einzugehen. Ich halte nichts davon gestalterische / musische Fächer in der Schule abzuschaffen. Musik, und auch Kunst und Sport, sind meiner Meinung nach Fächer die den Kindern ein bisschen geistige Entspannung bieten und die man meiner Meinung nach nicht ganz so ernst nehmen muss. Bei uns in Bayern zählen zum Beispiel diese Fächer auch nicht als Vorrückfächer.

Was ich ein wenig kritisch ist die Art des Unterrichts. Oft müssen die Kinder ja für die Benotung dann doch einzeln vor die Klasse treten und Lieder vorsingen oder Rhythmen klopfen. Das könnte man meiner Meinung nach abschaffen.

» Huibuu » Beiträge: 381 » Talkpoints: 21,54 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich weiß nicht, in wieweit da etwas dran ist, aber ich habe gelesen, dass das Erlernen von Musikinstrumenten auch generell die Gehirnleistung fördert, weswegen es einem Schüler auch dann etwas bringt, wenn er eigentlich keine großen eigenen Ambitionen zum Musizieren hat. Und die Kenntnisse der Notenschrift und Grundlagenwissen über Musik halte ich ehrlich gesagt fast für Allgemeinbildung.

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» lascar » Beiträge: 2616 » Talkpoints: 503,17 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich habe im Musikunterricht Blockflöte gelernt und später hatten wir Percussions, da durfte man sich an allem von der Triangel bis zum Schlagzeug ausprobieren. Gesungen wurde natürlich auch und nein, nichts davon wurde benotet. Von daher kann ich nicht bestätigen, dass im Lehrplan angeblich keine Zeit für praktisches Musizieren sei. Das liegt wohl eher an den Lehrkräften und auf was die so Lust haben.

Aber selbst wenn Musikunterricht nur Theorie wäre, warum sollte man dieses theoretische Fach dann abschaffen während ganz viele andere theoretische Fächer weiterhin unterrichtet werden? Nehmen wir zum Beispiel die Naturwissenschaften, da hängt es auch extrem von den Lehrkräften ab ob man Versuche und Exkursionen macht oder ob man den Stoff nur im Frontalunterricht vermittelt bekommt.

Oder was ist mit Fremdsprachen? Reine Theorie wenn kein Auslandsaufenthalt für die Klasse geplant ist, Serien in der Originalsprache schauen bringt man sich "autodidaktisch zu Hause selber bei" weil dafür im Unterricht keine Zeit ist.

Für mich gehört Musikgeschichte genauso zur Allgemeinbildung wie "normale" Geschichte. Und das ist doch eh das Ziel der Schule, oder? Man kann nicht erwarten, dass man in der Schule auf ein Musikstudium vorbereitet wird, aber man kann schon erwarten, dass man lernt wer Beethoven war, was Mozart so komponiert hat und, dass der Kringel ein Notenschlüssel ist.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25525 » Talkpoints: 135,56 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



Ja, eben. Kunst-, Literatur- und Musikgeschichte sind ebenso Bestandteil unserer Geschichte wie politische Abläufe. Und häufig laufen politische und künstlerische Entwicklungen ja parallel und bedingen sich zum Teil auch gegenseitig, sodass ich es richtig und wichtig finde, auch das zu unterrichten. Es wäre schade, wenn irgendwann einmal die große Mehrheit nicht mehr wüsste, wer Beethoven oder Brahms war. Ehrlich gesagt habe ich nie wirklich nachvollziehen können, wieso viele Leute diese Themen so langweilig finden. Mich hat das schon als Jugendlicher interessiert.

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» lascar » Beiträge: 2616 » Talkpoints: 503,17 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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