Macht ihr persönlich nur Dienst nach Vorschrift?

vom 12.02.2018, 07:30 Uhr

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2016 sollen 70 Prozent der Deutschen angegeben haben, nur Dienst nach Vorschrift zu machen, wenn sie arbeiten müssen. Leider ist nicht erwähnt worden, wie viele Teilnehmer diese Umfrage umfasste, was ich schade finde. Wie ist das bei euch? Gehört ihr zu den Menschen, die nur Dienst nach Vorschrift machen? Oder fallt ihr da aus dem Raster? Woher kommt die Einstellung von so vielen Menschen, sofern die Umfrage repräsentativ und glaubwürdig ist?

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Wie repräsentativ die Umfrage ist, das würde mich auch mal interessieren. Ich würde nicht sagen, dass ich einfach nur Dienst nach Vorschrift mache. Wenn ich eine Arbeit mache, dann auch richtig und das bedeutet auch allgemein, dass ich mich für meine Arbeit und auch meinen Arbeitsplatz schon ziemlich engagiere. Das variiert natürlich auch mal, aber nur Dienst nach Vorschrift fände ich einfach nicht so schön.

» Barbara Ann » Beiträge: 28800 » Talkpoints: 14,99 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Ich denke, "Dienst nach Vorschrift" ist eine von mehreren möglichen Konsequenzen, die ArbeitnehmerInnen ziehen können, wenn sie früher oder später merken, dass überdurchschnittliches Engagement am Arbeitsplatz nicht honoriert wird, sondern im Gegenteil nur noch mehr Arbeit fürs gleiche Geld mit sich bringt. Gerade Unternehmen, die nach wie vor der Meinung sind, es sei eine Ehre, für sie zu arbeiten, und Geld habe nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, sollten das Problem kennen.

Ich halte es für eine recht gesunde Einstellung zum Broterwerb, wenn man ordentlich und zuverlässig genau das macht, was im Arbeitsvertrag vorgeschrieben ist, besonders wenn der Arbeitgeber auch keinerlei Entgegenkommen über das gesetzlich vorgeschriebene Minimum hinaus zeigt. Und in meinen Augen gibt es recht viele Arbeitsplätze und Branchen, in denen sich überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft absolut nicht lohnt, weil man so nur die Statistik versaut.

Wenn man Dienst nach Vorschrift macht, kann man schon mal keinen Ärger wegen Arbeitsverweigerung bekommen, und der Kram wird schon auch erledigt. Nur eben nicht drei Tage vor der Deadline mit 20 unbezahlten Überstunden, sondern exakt pünktlich. Und der Projektbericht ist nur einmal gegengelesen und hat 30 statt 50 Seiten. Und für die Weihnachtsfeier muss eben ein externer Caterer her, weil sich niemand zum Dekorieren und Glühwein Anschleppen zwingen lässt. In meinen Augen sind dies alles positive Entwicklungen, was die individuelle Work-Life-Balance angeht.

» Gerbera » Beiträge: 10676 » Talkpoints: 0,30 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Also in der Regel versuche ich schon meine Arbeit wirklich engagiert zu erledigen und auch wirklich gute Arbeit abzuliefern. Das ist einfach mein eigener Anspruch. Ich würde ja bei mir selber auch wollen, dass ich gut behandelt werde und so mache ich das dann selbst eben auch.

Aber ja es kommt schon mal vor, dass die Motivation nachlässt. Insbesondere in Momenten, wo man dann sieht, dass andere Kollegen mit wesentlich weniger Aufwand durch das Leben kommen, dafür manchmal auch noch mehr Geld bekommen und man zur Belohnung auch noch mehr oder weniger direkt angeschissen wird, dass man doch mal mehr arbeiten soll.

Da kommen dann auch mal so Phasen, wo ich dann mal kurz keinen Bock habe und die Arbeitsleistung schon auf Dienst nach Vorschrift zurückfahre. Oder wenn ich einfach echt anstrengende Dienste habe und mir dann noch irgendeinen völlig unnötigen Unsinn Nachts angucken soll. Da wird dann einfach auch nur kurz und knapp und ganz sachlich abgearbeitet um schnell fertig zu werden. Da gibt es dann auch keine großen Erklärungen oder nette Wort mehr.

» Klehmchen » Beiträge: 5467 » Talkpoints: 1.003,02 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ich persönlich würde "Dienst nach Vorschrift" nicht automatisch negativ bewerten. Immerhin kann einen das auch davor bewahren, innerlich auszubrennen oder sich zu überfordern. Als Beispiel fallen mir einige Kollegen ein, die weit mehr als Dienst nach Vorschrift arbeiten, aber die sich zeitweise selbst stark überfordern, weil sie immer mehr Aufgaben und Aktivitäten an sich ziehen, die sie aber eigentlich gar nicht mehr bewältigen können.

Oft scheint es gar nicht so einfach zu sein, hier den richtigen Mittelweg zu finden. Einerseits bringt es natürlich nichts, exakt nur die vorgeschriebenen Aufgaben zu bearbeiten, ohne einen Blick nach links oder rechts zu werfen (so einen Kollegen habe ich auch, der sich sofort beschwert, wenn er mal auch nur vertretungsweise eine zusätzliche kleine Aufgabe übernehmen soll). Aber auch das Gegenteil bringt letztlich keine Vorteile: der Mitarbeiter überfordert sich und ist überlastet, wird in der Folge vielleicht krank und fällt womöglich längerfristig aus.

Benutzeravatar

» lascar » Beiträge: 3852 » Talkpoints: 698,97 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Da ich noch weitere berufliche Ziele anstrebe arbeite ich, zu mindestens seit meinem neuen Arbeitsverhältnis, nicht mehr nur im "Dienst nach Vorschrift". Ich kann mich meinen VorrednerInnen sehr anschließen, dass das sehr viel mit der Wertschätzung und der damit einhergehenden intrinsischen Arbeitsmotivation zu tuen hat. In meinem vorherigen Job habe ich mich zunächst sehr bemüht, da mir auch einiges in Aussicht gestellt wurde, was mich persönlich weiterbringt. Nichts davon waren monetäre Anreize, da mich das auch nur selten zu Leistung motiviert.

Mit der Zeit wurde das Arbeitsklima bei meiner alten Stelle immer kühler und mein Chef stellte sich als stark narzisstische Persönlichkeit heraus. Das machte sich im Team auch in sehr viel Unzufriedenheit und Abwanderung bemerkbar. Alle, die dort blieben, waren es eigentlich nur aus Angst beziehungsweise weil das Selbstbewusstsein schon so niedrig war durch die ganzen Geschichten. Als ich dann den inneren Entschluss gefasst hatte, etwas zu ändern und auch merkte, dass keinerlei Mehrleistung gesehen wird, habe ich mich auch eher in Richtung "Dienst nach Vorschrift" bewegt.

Insgesamt muss ich jedoch sagen, dass ich trotzdem nie schlechte Arbeit machen wollte, da ich einfach auch für mich selbst sehr perfektionistisch bin was das angeht. Daher habe ich zwar die gleiche Leistung gebracht, jedoch quantitativ einfach nicht mehr so viel darüber hinaus. Rückblickend bereue ich das auch nicht und sehe es in der Situation als in Ordnung an. In meinem aktuellen Job erhalte ich sehr viel Wertschätzung und mache auch gerne mal etwas "mehr", solange es nicht zu viel wird. Hier muss ich aber auch sagen, dass mein Arbeitgeber enorm umsichtig ist und auch aufpasst, dass die Last gleichverteilt ist und im Notfall wird eher einmal etwas von extern abgelehnt als die Mitarbeitenden zu stark zu belasten. Dies war bei meinem vorherigen Job ebenfalls nicht der Fall.

Um auf die Studie zurückzukommen glaube ich allerdings, dass an dieser Statistik durchaus etwas wahres dran sein kann. Ich habe im Laufe der Zeit viele Kollegen und Kolleginnen kennengelernt, die auch ganz offen mit entsprechenden Aussagen umgegangen sind. In meinen Augen ist das aber, je nach beruflichen Umfeld, auch okay und nicht immer als schlecht zu bewerten. Ich denke das kommt ganz darauf an, was man erreichen möchte.

» bambi7 » Beiträge: 1117 » Talkpoints: 4,88 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^