Lexika und Enzyklopädien nicht mehr kennen und nutzen?

vom 21.03.2019, 10:23 Uhr

Mittlerweile wird eher gegoogelt, wenn man etwas sucht und erklärt haben möchte. Früher wurden dafür noch Lexika und Enzyklopädien dafür verwendet, wie zum Beispiel der Große Brockhaus. Heute kennen viele Schüler und junge Menschen diese Art des Nachschlagens nicht mehr.

Heute ist Wikipedia, das Onlinelexikon nicht verfügbar. Es soll einen Streik wegen des Urheberrechtes geben. Aus dem Anlass wurde mal getestet, wie viele Schüler noch die guten alten Lexika kennen. Manche waren regelrecht überfordert mit der Suche in einem Buch.

Meint ihr, dass immer weniger Menschen Lexika und Enzyklopädien kennen und nutzen? Fändet ihr es wichtig, dass Schüler noch auf die altmodische Art lernen, etwas nachzuschlagen? Oder findet ihr das überflüssig? Nutzt ihr selbst noch Lexika und ähnliches in Buchform?

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Natürlich ist es wichtig zu lernen, wie man mit gedruckten Büchern umgeht, weil vieles eben noch nicht in digitaler Form vorliegt. Das wird spätestens im Studium relevant.

Aber ein gedrucktes Lexikon macht im digitalen Zeitalter halt wirklich nicht mehr viel Sinn. Das Wissen entwickelt sich ständig weiter und wenn diese Bücher gedruckt und zur Auslieferung bereit sind, sind sie im Prinzip schon wieder veraltet. Da werden viele Ressourcen verschwendet.

Lexika sind bei uns im öffentlichen Bücherregal übrigens sehr beliebt - fürs Kinderzimmer. Ich finde das schon irgendwie lustig, die Bücher, die früher stolz im Wohnzimmerschrank präsentiert wurden und an die die lieben Kleinen nur unter Aufsicht ran durften, stehen jetzt neben Kinderbüchern. In der Hoffnung, dass der Nachwuchs beim Durchblättern ein bisschen Bildung abbekommt.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26743 » Talkpoints: 130,29 » Auszeichnung für 26000 Beiträge


Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit. Da passen doch gerade Lexika nicht wirklich ins Konzept. Es dauert Ewigkeiten bis so ein Buch veröffentlicht wird und wenn es dann veröffentlicht ist, ist es schon nicht mehr aktuell. Da sind gerade in Bezug auf Lexika die Online-Varianten viel praktischer und aktueller. Daher kann ich schon verstehen, dass die Lexika zunehmend aus den Bücherregalen verschwinden.

Natürlich sollten Kinder lernen, wie man mit Büchern umgeht und die Informationen darin nachschlägt. Aber ob Lexika da wirklich so sinnvoll sind? Fachbücher gibt es schließlich auch und da sind die Informationen noch einmal deutlich ausführlicher vorhanden als in einem Lexikon.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich finde es eher überflüssig, noch in verstaubten Konversationslexika herumzublättern und ich arbeite in einer Bibliothek. Ein bisschen muss man schon mit der Zeit gehen. Zwar erachte ich das Beherrschen des Alphabets ebenso wie sinnerfassendes Lesen als wichtige Kulturtechniken, die es nach wie vor zu vermitteln gilt, aber ob die Informationen nun auf gepresstem Altholz oder einem Bildschirm abzulesen sind, ist in meinen Augen zweitrangig.

Auch bei der Benutzung von gedruckten Büchern von anno dazumal ist es wichtig, Blödsinn von seriösen Informationen zu trennen. Das muss man von klein auf gut lernen, nicht zwangsläufig die Benutzung des Index im Brockhaus. Dazu kommt ja noch, dass bei vielen Lexika, die irgendwo im Schrank stehen, die Inhalte schon längst überholt sind. Alleine deswegen fände ich es sinnvoller, zu warten, bis Wikipedia und Co wieder online sind, als dass "Schüler auf die altmodische Art" über die Steinkohleproduktion in der Sowjetunion oder die Unabhängigkeitsbestrebungen in Obervolta informiert werden.

» Gerbera » Beiträge: 10360 » Talkpoints: 1,72 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Nein, Lexika muss man nicht mehr nutzen. Wikipedia ist viel aktueller, umfangreicher und durch stetige Kontrolle der Allgemeinheit ziemlich frei von falschen Angaben. Allerdings stelle ich bei den meisten meiner Nachhilfeschüler fest, dass sie mit Stichwortverzeichnissen nicht mehr umgehen können. Das ist wichtig, um in Büchern etwas nachzuschlagen. Und Schulbücher sind ja sehr wohl in der Schule noch wichtig.

Ich lasse die Schüler sehr gerne selber recherchieren, wenn sie etwas nicht wissen. Sie blättern dann anfangs ziemlich hilflos im Inhaltsverzeichnis oder schlagen willkürlich Seiten auf. Ich mache sie dann auf das Register am Ende des Buches aufmerksam, das sie meistens gar nicht kennen. Wenn sie es dann gefunden haben, haben sie Probleme bei der alphabetischen Sortierung. Die brauchen sie ja bei der Internetrecherche nicht. Das kann auch durchaus bei Abiturienten vorkommen.

Ein Kind sollte wissen, was ein Lexikon ist und auch darin etwas finden können. Es sollte auch wissen, wie man ein Stichwortverzeichnis nutzt, aber es muss nicht in jedem Haushalt unbedingt der Große Brockhaus vorhanden sein. Aber jedes Kind sollte so etwas schon mal, zum Beispiel in der Bücherei gesehen haben und wissen, dass und wie das früher vor Internetzeiten genutzt wurde.

» blümchen » Beiträge: 4098 » Talkpoints: 13,37 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Wenn die völlige Überforderung der Schüler wirklich so ausprägt sein sollte, wie es hier beschrieben ist, sehe ich aber die Eltern und Lehrer in der Verantwortung für diese doch ziemlich eklatanten Wissenslücken. Dass es wirklich junge Menschen gibt, die Probleme mit der alphabetischen Ordnung eines Lexikons haben, überrascht mich schon ein wenig.

Es erinnert mich an die Geschichte, die mir vor einigen Jahren mal jemand vom studentischen Sohn erzählte, der freiwillig noch nie ein Buch in seinem Leben gelesen hatte. Warum so jemand dann an die Universität geht (und dort auch gnadenlos gescheitert ist), wundert mich. Ich gebe zu, dass ich beim Lesen des ersten Beitrags erst den Verdacht hatte, dass das wieder eine dieser Reportagen ist, wo unrühmliche Einzelexemplare aus der Masse gesucht werden, um eine angebliche Blödheit der Jugend zu dokumentieren. Sowas hats ja schon in den Neunzigern im TV gerne gegeben.

Wie auch immer, anscheinend kann man als Erziehungsberechtigter nicht früh genug anfangen, die Kinder an Bücher und Lexika heranzuführen, auch abseits vom Umgang mit dem Internet. Aber vielleicht sind die Jugendlichen auch im Umkehrschluss fähiger, Fake News oder dubiose Quellen im Netz schnell erkennen zu können oder wissen, wo sie herausfinden, ob etwas seriös sind. Da gibt es nämlich genügend Erwachsene, die keine Ahnung haben, wie sie im Internet damit umgehen, auch wenn diese vielleicht noch ein Lexikon zur Hand nehmen können. Was im Netz steht, muss ja wahr sein und möglichst auch geteilt werden, um alle an den neusten Whatsapp-Wissenschaftserkenntnissen teilhaben zu lassen. Ist auch nicht besser, als nervösen Schluckauf zu bekommen, weil man nicht weiß, was ein Lexikon-Index ist.

Ich selbst habe weder einen Duden noch ein Lexikon zuhause, das hat beides wegen völlig veralteter Erkenntnisse schon lange den Weg in die Papiertonne angetreten. Einzig einen antiken Volksbrockhaus aus einem Erbe habe ich noch, aber der dient anderen Zwecken als dem Nachschlagen von Inhalten. Dort hineinzugucken ist eher eine geschichtliche Skurrilität als Wissensaneignung.

» Verbena » Beiträge: 4483 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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