Bücher im Regal als Statussymbol ansehen?

vom 11.09.2018, 06:57 Uhr

Es soll Menschen geben, die sich bewusst Bücher von großen Autoren wie Goethe, Schiller etc. ins Regal stellen, weil sie diese Werke als Statussymbol ansehen. Das ging mir persönlich noch nie so. Wie ist das bei euch? Seht ihr in Büchern ein Statussymbol und besitzt deshalb bestimmte Werke? Oder kann ein Buch als Statussymbol nicht mit den "richtigen" Statussymbolen (Auto, Haus, Segelboot, Pferd etc.) mithalten?

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -1,02 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Das wird spätestens dann peinlich, wenn man entsprechend belesenen Besuch bekommt, der einen in eine Gespräch verwickeln will, weil er davon ausgeht, der Besitzer der Bücher lese genauso gerne wie er selbst. Und wenn man dann zugeben muss, dass die Bücher nur Dekoration sind und man die Klassiker nie gelesen hat, dann kann das zum peinlichen Desaster werden. Dann doch lieber eine Yacht als Statussymbol wählen. Da kann man sich den Shipper dazu kaufen und muss selbst nichts darüber wissen.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich muss sagen, dass ich ein großer Bücherwurm bin und alleine deswegen würde ich mir keine Bücher als Statussymbol ins Regal stellen. Mir ist der Platz dafür viel zu schade und ich stelle da lieber Bücher rein, die ich interessant finde und gelesen habe oder lesen möchte.

Ich denke auch, dass es schnell peinlich werden kann, wenn man dann auf die Bücher angesprochen wird und gefragt wird, wie diesem einem gefallen haben und ob man Lieblingsstellen oder ähnliches hat. Das kann sicherlich sehr unangenehm werden. Ich denke, dass manche Bücher auch in einem Regal sehr auffallen würden, wenn da ansonsten nur Liebesschnulzen oder Comichefte drin stehen.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Ich glaube die Zeiten sind vorbei in denen Bücherregale als Statussymbole galten, die natürlich die richtige Auswahl an Büchern enthalten mussten. Ich halte es auch für ein Gerücht, dass man heute mit Klassikern noch Eindruck schinden kann. Wenn ich irgendwo so etwas wie "Die Räuber" von Schiller stehen sehe denke ich jedenfalls nicht "was für ein gebildeter Mensch, lass mal über Schiller und Goethe sprechen" ich denke eher "habe ich auch in der Schule gelesen aber schon vor Jahren aussortiert.

In meinem bibliophilen Freundeskreis spielen Bücher schon eine Rolle als Gesprächsthema, aber da geht es um Fragen wie "wie gut ist der gehypte Krimi wirklich?", "welche Fantasy Serie soll ich als nächstes lesen?", "muss man das Sachbuch zum neusten skandinavischen Lifestyle Trend gelesen haben oder kann man den ignorieren?" oder "welches Kochbuch soll ich meiner Mutter schenken?".

Das Statussymbol, wenn man es denn so nennen kann, wäre in dem Fall dann aber nicht der Besitz des entsprechenden Buches, das man stolz im Regal ausstellt sondern einfach das Wissen über die Bücher. Man zeigt mit seinem Wissen ja, dass man ließt und das ist mehr Wert für das eigene Image wahrscheinlich mehr Wert als der Besitz gedruckter Bücher, die man heute schon für wenig Geld oder sogar komplett kostenlos bekommen kann.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Ich bin allgemein nicht wirklich ein Freund davon, sich Dinge nur zu kaufen, weil man sie als Statussymbol ansieht und anderen Menschen präsentieren möchte. Bei Büchern kann ich mir auch vorstellen, dass es peinlich werden kann, wenn der Besuch nicht denkt, dass das ja toll ist, dass man die gelesen hat, sondern auch darüber reden möchte, wie man die Bücher beurteilt.

Ich sehe es daher gar nicht als sinnvoll an, solche Bücher als Statussymbol im Regal stehen zu haben. Außerdem muss ich sagen, dass ich in meinem Bücherregal sowieso schon keinen Platz für meine Bücher habe, so dass mich solche Bücher, die da nur deswegen stehen, weil es toll aussieht, sehr stören würden und ich daran auch keinen Spaß hätte.

» Barbara Ann » Beiträge: 28939 » Talkpoints: 57,50 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Ich habe auch jede Menge Bücher, sehe diese aber auch nicht als Statussymbol an, auch wenn ich stolz auf mein gefülltes Bücherregal bin. Weshalb sollte man das aber ls Statussymbol sehen? Bücher kann sich doch quasi jeder leisten und mithilfe von Rebuy und anderen Plattformen gibt es Bücher, die wie neu aussehen und die es für wenige Euro oder Cent zu kaufen gibt. Die kann sich eben jeder leisten, egal ob er gerne liest oder nicht.

Sich Bücher ins Regal zu stellen, kann ja jeder. Das muss ja nicht heißen, dass der Mensch besonders gebildet ist. Das muss ja nicht einmal heißen, dass der Mensch diese Bücher überhaupt gelesen hat. Und dazu heißt das ja auch nicht, dass die Person besondern gebildet ist. Das kann man ja auch nicht davon abhängig machen.

Ich habe beispielsweise jede Menge Klassiker von Goethe und co in meinem Regal stehen, da ich meinen Master in Germanistik gemacht habe und demnach zufolge Hunderte solcher Bücher während des Studiums lesen musste. Ich lese sie allerdings auch gerne in meiner Freizeit. Jedenfalls hat mein Freund nur Romane bei sich zu Hause und davon auch nur wenige. Das heißt aber nicht, dass er ungebildet ist. Er hat sogar seinen Doktor, hat sich die meisten Bücher aber immer in der Bibliothek ausgeliehen oder online auf Artikel zurückgegriffen. Bücher, die er gelesen hat oder nicht mehr braucht, sortiert er im Normalfall auch direkt aus.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 35273 » Talkpoints: -0,01 » Auszeichnung für 35000 Beiträge


"Lesen können" würde ich nicht unbedingt als Fähigkeit ansehen, mit der man sich gesondert brüsten kann. Und "Goethe und Schiller" sind für mich Schullektüre, die vielleicht im 19 Jahrhundert noch als Symbol des gehobenen Bildungsbürgertums herhalten konnten. Aber damals hatten die gehobenen Bürger auch noch Dienstboten, die zum Teil so gut wie gar nicht lesen konnten. Diese spezielle Klassengesellschaft gehört zum Glück der Vergangenheit an.

Heute habe ich eher den Eindruck, dass Lesen als spießiges Frauenhobby belächelt wird. Dass du "Goethe und Schiller" tatsächlich zur Bildung und Erbauung konsumierst, glaubt dir sowieso keiner. Und klar gibt es auch moderne "Klassiker" und große Literatur, aber was verkauft sich auf dem Buchmarkt, und findet sich logischerweise dann im Regal? Schmonzetten von Vampiren und sexy Schotten und natürlich Krimis. Kann man als Statussymbol ansehen, aber angesichts der Tatsache, dass Lesen (und Schreiben) wenn man der Statistik glaubt, gerade mal ein Drittel der Deutschen überhaupt als Hobby angibt, wird man sich damit wohl eher schwer tun.

» Gerbera » Beiträge: 11302 » Talkpoints: 45,13 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Was habt ihr nur alle gegen Goethe und Schiller? Ich besitze zum Beispiel den Faust 1 und 2 und Schiller Die Räuber nicht als Statussymbol, sondern weil ich immer wieder gerne darin lese. Ich lese im Moment viele der Klassiker, die man gerne als Schullektüre ansieht. Als Schüler versteht man diese Literatur einfach noch nicht. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die grundsätzlichen Probleme und Gedanken der Menschen zeitlos sind und Goethe und Schiller können das genial ausdrücken.

» blümchen » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Also so spannend finde ich die Midlife Crisis eines deutschen Gelehrten nun nicht und dass mit Gretchen noch ein zeitgenössischer Kriminalfall eingebaut worden ist, ist nun auch nicht so innovativ. :D Und Berufsschulunterricht für Glockengießer zusammen mit sehr konventionellen Lebensentwürfen mag sprachlich hohe Kunst sein. Immer wieder lesen, muss ich, was ich sowieso auswendig kann, aber nicht.

Ich ersticke in Büchern. Meine Familie hat schon immer gelesen und daher gibt es hier alles. Über 100 Jahre alte Reitlehren, weit über 100 Jahre alte deutsche Klassiker, Schulbücher aus der Kaiserzeit und dem Nationalsozialismus, medizinische und juristische Literatur, an der Familienmitglieder mitgearbeitet haben und all diese steht direkt neben Mängelexemplaren vom Grabbeltisch. Statussymbol ist da nichts.

» cooper75 » Beiträge: 13340 » Talkpoints: 501,48 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


blümchen hat geschrieben:Was habt ihr nur alle gegen Goethe und Schiller?

Die Abneigung trifft nicht nur die beiden Herren sondern so ziemlich alles, was man so unter "Schullektüre" findet. Ich kenne auch Leute, die zum Beispiel "Das Parfüm" hassen weil sie sich damit mal monatelang im Deutschunterricht befassen mussten.

Die Art und Weise, wie viele Lehrer immer noch Literatur unterrichten kann den Spaß an so ziemlich jedem Buch sehr effektiv verderben. Ich glaube nicht, dass Schüler grundsätzlich zu jung, zu unreif, oder zu was auch immer sind um die Herren Goethe und Schiller zu verstehen. Die Lehrer sind nicht in der Lage den Stoff zeitgemäß zu vermitteln und den Schülern das Gefühl zu geben, dass diese alten Schinken über die nächsten Klassenarbeit hinaus irgendwelche Relevanz haben.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


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