„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ - stimmt das?

vom 20.11.2017, 14:37 Uhr

Ich glaube, dass doch jeder das Sprichwort kennt „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“. Wie unschwer zu erahnen ist, heißt es, dass es für die Freundschaft gut ist, wenn man sich ab und zu Kleinigkeiten schenkt, auch, wenn es eigentlich keinen Anlass dazu gibt. Auch, wenn kein Geburtstag oder Weihnachten anstehen, kann man seinen Freunden etwas kleines Schenken. Auch wenn man nur mal eine Tafel Schokolade mitbringt oder ein Stück Kuchen, dann freut es die andere Person sicher, dass man an sie gedacht hat.

Ich denke, dass an dem Sprichwort viel wahres dran ist. Ich bringe meinen guten Freunden und Freundinnen auch gerne mal Kleinigkeiten mit, ohne, dass es einen bestimmten Grund dafür gibt. Das kann dann eine kleine Schokolade sein oder mal ein paar Leckerlies für die Pferde. Auch meine Reitbeteiligungen dürfen sich regelmäßig über kleine Aufmerksamkeiten freuen und auch sie bringen mir ab und zu was mit. Das steigert natürlich auch die Sympathie für die andere Person.

Wie ist das bei euch? Denkt ihr auch, dass kleine Geschenke für Freundschaft erhalten und verbessern? Oder denkt ihr, dass es Schwachsinn ist und gute Freundschaft auch ohne so was mehr als gut wachsen und gedeihen?

» Hufeisen » Beiträge: 5164 » Talkpoints: 56,68 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, das stimmt nun eindeutig. Nur bezieht sich der Spruch doch gar nicht auf das selbstlose Schenken unter Freunden. Gemeint ist doch das instrumentelle Schenken, mit dem ganz klar und für beide Seiten sichtbar ein Hintergedanke verfolgt wird.

Ich weiß, das instrumentelle Schenken ist heute unbeliebt, ja es könnte fast Bestechung sein. Aber noch vor gar nicht langer Zeit war es das Schmiermittel der Welt und hat, ehrlich gesagt, den Alltag versüßt, ohne dass es als Bestechung empfunden worden wäre. Heute hat man Festpreise, Verträge und notfalls Gerichte. Früher war man lockerer.

Wenn ich beispielsweise den Damen in den Arztpraxen zu Weihnachten eine Schachtel Pralinen mit einem ordentlichen Obolus überreiche, dann drücke ich eigentlich nur meine Wertschätzung aus und danke für den guten Service. Dass ich dafür im nächsten Jahr wieder mit schnellen Terminen und direkt und schnell vereinbarten Terminen beim Facharzt rechnen kann, das ist aber auch klar.

Der Metzger mit der Scheibe Wurst für das Kind oder den Hund bindet damit ebenso Kunden wie der Bäcker mit dem Keks oder der Obsthändler mit der Birne. Das hat bestens funktioniert und so etwas ist mit dem Spruch gemeint.

» cooper75 » Beiträge: 11211 » Talkpoints: 398,15 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


cooper75 hat geschrieben:Dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, das stimmt nun eindeutig. Nur bezieht sich der Spruch doch gar nicht auf das selbstlose Schenken unter Freunden. Gemeint ist doch das instrumentelle Schenken, mit dem ganz klar und für beide Seiten sichtbar ein Hintergedanke verfolgt wird.

Das sehe ich genauso. Echte Freundschaft, die auf einer soliden Basis und Loyalität gegründet ist, wird sich durch Geschenke doch wohl kaum beeinflussen lassen. Ich schenke meinen engen Freunden nicht regelmäßig etwas und die Freundschaft hält trotzdem seit Jahren. Ich finde, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe und sollte nicht miteinander verwechselt werden, zumal das instrumentelle Schenken meiner Ansicht nach nichts mit Freundschaft im weiteren oder engeren Sinne zu tun hat. Das ist nur Kalkül, sonst nichts.

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» Täubchen » Beiträge: 30974 » Talkpoints: 1,47 » Auszeichnung für 30000 Beiträge



Ich finde den hier beschriebenen Gedankengang schon sehr stimmig und würde auch sagen, dass bei diesen Geschenken ein Hintergedanke verfolgt wird, dass die Freundschaft eben so erhalten bleibt, wenn man zum Beispiel in der Apotheke ein Weihnachtgeschenk bekommt oder etwas in der Art. Das hat für mich auch mit der wahren Freundschaft nichts zu tun und meine Freunde bekommen von mir nicht zwingend immer wieder mal etwas geschenkt, damit die Freundschaft hält. Das tut sie auch ohne Geschenke.

» Barbara Ann » Beiträge: 26675 » Talkpoints: 10,93 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



So negativ oder rational würde ich das gar nicht sehen wollen. Ich schenke mir mit keinem einzigen meiner Freunde bzw. eher Freundinnen regelmäßig bzw. überhaupt zu festen Anlässen etwas, weil das meiner Meinung nach nur in Verpflichtung und Stress ausartet. Aber ab und zu bekomme ich dann doch Lust, einer von ihnen etwas zu schenken, weil ich gerade eine besonders gute Idee für sie habe.

Und ich habe schon das Gefühl, dass die Geste gut ankommt und sich die Freundschaft wieder etwas mehr vertieft, ohne dass ich mir damit irgendeinen Ablass oder eine Verpflichtung erkauft habe. Ich möchte auch wirklich nichts dafür zurück und will aber im Umkehrschluss auch keine Erwartungshaltung, dass es jetzt immer ein Geschenk gibt. Das hat für mich in der Vergangenheit gut funktioniert.

Vor allem, wenn die Freundschaft vielleicht in der letzten Zeit etwas in eine Schieflage geraten war oder man nicht soviel Kontakt gehabt hatte, wie man es gerne idealerweise hätte, kann solch eine kleine Geste signalisieren, dass man an den anderen gedacht hat und er wichtig ist.

» Verbena » Beiträge: 3486 » Talkpoints: 7,11 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich denke auch, dass sich das eher auf die Wirtschaft und Kunden bezieht. Früher habe ich an der Fleischtheke auch immer eine Scheibe Wurst bekommen und wir sind wieder dorthin gegangen. Nichts anderes machen Geschäfte heute mit Gratis-Zugaben und ähnlichem.

Aber bei einer Freundschaft, wenn man diesen Spruch darauf beziehen möchte, muss es sich ja nicht immer materielle Geschenke handeln. Man kann auch ein Geschenk machen, in dem man der Person Zeit und Aufmerksamkeit schenkt oder bei etwas behilflich ist. Das können ja auch durchaus Geschenke sein und man muss dafür kein Präsent in Papier gewickelt überreichen.

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» Nelchen » Beiträge: 31322 » Talkpoints: 2,88 » Auszeichnung für 31000 Beiträge


Wenn ich von richtigen Freundschaften ausgehe dann sind die eigentlich so gefestigt, dass sie nicht von Geschenken, egal welcher Größe, beeinflusst werden können. Es gibt Menschen in meinem Leben, die ich seit Jahrzehnten kenne, und mit denen ich schon total viel erlebt habe, was soll eine Tafel Schokolade daran ändern?

Natürlich finde ich es nett wenn mir jemand hin und wieder eine Kleinigkeit schenkt, aber ich kann nicht behaupten, dass ich die Person deshalb sympathischer finde. Wir haben zum Beispiel jemanden im Skiclub, die jedes Mal irgendwas zu Essen anschleppt und ich finde die Frau immer noch zu laut und zu aufdringlich und kann mit ihren ewigen Hausfrauenthemen überhaupt nichts anfangen. Wir werden niemals Freundinnen werden, auch nach tausend weiteren Cupcakes nicht.

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» Cloudy24 » Beiträge: 22390 » Talkpoints: 220,63 » Auszeichnung für 22000 Beiträge



Meine Freundschaften leben nicht von irgendwelchen Geschenken. So habe ich auch durchaus Freunde, denen man noch nie etwas geschenkt hat, aber dementsprechend auch nichts bekommen hat und diese Freundschaften sind dennoch sehr innig. Wir handhaben es einfach nicht so, sind aber jederzeit immer füreinander da, können gut miteinander reden und sicherlich gibt man sich auch mal gegenseitig etwas aus.

Eine Freundschaft kann sicherlich Geben und Nehmen sein, aber das müssen ja keine materiellen Sachen sein, das kann auch einfach mal füreinander da sein oder in bestimmten Momenten einfach aneinander denken und dann füreinander da sein, wenn man sich braucht. So habe ich Freunde, die mir einfach mal eine kurze Nachricht schreiben, wenn ich einen schweren Tag habe und dann geht es mir gleich besser.

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» Ramones » Beiträge: 38846 » Talkpoints: 15,07 » Auszeichnung für 38000 Beiträge


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