Kleidung selbst herstellen, weil man weiß woher sie kommt?

vom 25.04.2019, 07:20 Uhr

In einem sozialen Netzwerk habe ich gelesen, dass eine Hobbynäherin mit eigener Homepage zu einer Kampagne aufruft, dass man so viel Kleidung wie möglich selbst herstellt. Sie erinnert dabei an ein schlimmes Unglück in einer Textilfabrik in Bangladesch bei dem letztes Jahr über 1.000 Menschen starben und bei dem über 2.000 Menschen verletzt wurden.

Sie meint, dass sie ihre Kleidung nun so viel wie möglich selbst herstellt, weil sie dann eben weiß, woher diese kommt und sich auch aussuchen kann, wo der Stoff oder andere Materialien hergestellt wurden. Vielen gefällt diese Idee, aber es ist natürlich fraglich, wie viele dies auch wirklich umsetzen können und möchten.

Was haltet ihr davon so viel Kleidung wie möglich selbst herzustellen, da man dann weiß woher sie kommt? Würdet ihr euch da ein Unglück in einer Textilfabrik oder die ausgebeuteten Angestellten vor Augen rufen? Meint ihr, dass es durchaus machbar und umsetzbar ist? Seht ihr darin eindeutige Vorteile oder ist das in euren Augen nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

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» Nelchen » Beiträge: 32251 » Talkpoints: -0,12 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Da sind 1000 Leute gestorben und ich möchte fast na und fragen, denn was hat sich seit dem denn geändert? Und was ändert man damit, wenn man seine Sachen selber macht? Das machen doch dennoch nicht genug Leute, damit sich etwas ändern würde und vor allem gibt es auch andere Bereiche, in denen tagtäglich Menschen sterben und das ist auch allen egal. Nur weil es nicht ständig in den Medien kommt ist man dennoch nicht besser, wenn man normal lebt.

Es läuft einfach viel zu viel falsch in der Welt und natürlich könnte man nun versuchen alles selber zu guten Bedingungen herzustellen, aber im Kleinen bringt das doch überhaupt nichts. Es müsste oben ein Umdenken stattfinden und nicht nur bei vereinzelten Leuten. Kurzum ich werde weiterhin meine Kleidung kaufen, aber ich bin schon eine Weile dazu umgestiegen auch mal Second Hand zu kaufen und nicht nur neu. Das sind absolut neuwertige Sachen und ich habe selber den Gedanken dahinter, dass es doch schade wäre, wenn die Kleidung einfach weggeworfen werden würde. Selber könnte ich natürlich immer alles neu kaufen, aber ich möchte das einfach nicht immer. So etwas geht ja auch.

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» Ramones » Beiträge: 40202 » Talkpoints: 49,49 » Auszeichnung für 40000 Beiträge


Die Idee an sich ist nicht schlecht, allerdings ist das ja nur der letzte Arbeitsschritt in einer langen Kette, die bei dem Anbau der Baumwolle anfängt. Ich habe bisher noch keine Stoffe gesehen, bei denen alle Arbeitsschritte zertifiziert und dokumentiert sind. Es gibt allerdings Anbieter für Kleidung, die das leisten, von daher macht es aus ethischen und Umweltschutz Gründen wahrscheinlich mehr Sinn nach solchen Labels zu suchen.

Mit diesem "Tropfen auf den heißen Stein" Argument rechtfertigt man doch nur seine eigene Apathie und Bequemlichkeit. Dabei gibt es genug Beispiele dafür, dass Konsumenten sehr wohl Macht haben. Warum gehen denn die Umsätze der Fast Fashion Ketten seit Jahren zurück? Warum sieht man denn plötzlich überall Bio-Baumwolle und Kleidung aus recycelten Materialien? Doch nicht weil die Kunden mit ihrem Einkaufsverhalten "weiter so" gesagt haben.

Und ja, am umweltfreundlichsten ist es immer noch Kleidung zu tragen, die schon existiert. Also Kleidung second hand kaufen oder tauschen und die eigene Garderobe so zusammen stellen, dass man die Kleidungsstücke möglichst lange tragen kann.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23368 » Talkpoints: 107,13 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Mich an eine Nähmaschine zu setzen ist ungefähr so, als würde man Donald Trump in der Funktion eines Mediators in ein Streitgespräch schicken. Das geht nicht gut aus. Ich habe auch keinerlei Ambitionen, da irgendetwas zu verbessern, weil mir Nähen überhaupt keinen Spaß gemacht hat und ich keinen Ehrgeiz entwickelt habe. Ich möchte meine Sachen einfach nicht nähen müssen, wie vermutlich Millionen anderer Bürger hierzulande auch nicht. Unter diesem Gesichtspunkt ist das doch einfacher gesagt als getan. Einfach mal selber nähen.

Über den Aspekt mit der Herkunft der Stoffe habe ich auch schon nachgedacht, so ganz lupenrein ist die Produktion und Weiterverarbeitung von Baumwolle ja auch nicht. Wahrscheinlich müsste man dann darauf achten, speziell zertifizierte Stoffe zu kaufen, wenn man schon den Aspekt von Ausbeutung und Umweltschutz beachten will. Wie ich eben gerade gelesen habe, gibt es aber Läden, von denen ich persönlich nicht gedacht hätte, dass sie auf den Erwerb nachhaltiger Baumwolle setzen: C&A, Tchibo und H&M wären keine Ketten, bei denen ich das angenommen hätte.

Da wundert es schon, wenn eine Marke wie S.Oliver vom WWF in die Kritik genommen wird, weil sie keine Informationen über den Bezug ihrer Stoffe preisgeben. Wie man sieht, kann man viel falsch machen. Da in letzter Zeit die Qualität der Stoffe überall zu leiden scheint, versuche ich weiterhin so wenig wie möglich zu kaufen, aber selbst zu nähen wird nie eine Option werden.

» Verbena » Beiträge: 3892 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Wenn jeder einen kleinen Schritt macht, heißt es ja immer, kommt man auch ans Ziel. Es ist sicher sinnvoll, wenn sie gerne näht ihre Kleidung selbst zu machen, leider werden diese paar Menschen nicht die Welt ändern.

Ich handhabe es eher so, dass ich meine Kleidung so lange trage, bis sie kaputt ist. Eine Jeans kann zum Beispiel auch geflickt im Garten oder bei den Tieren gut getragen werden. Auch die Kinderkleidung kaufe ich einer Freundin Sackweise ab und ich gebe sie wieder an eine Nachbarin weiter. Somit wird diese Kleidung wirklich auch getragen, bis sie kaputt ist.

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» Kruemmel » Beiträge: 1283 » Talkpoints: 62,75 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Wenn man selbst näht, dann ist die Kleidung zwar nicht durch Kinderhände gegangen bei der Herstellung und auch sind keine schlechten Arbeitsbedingungen gewesen. Aber weiß man genau, woher der Stoff kommt? Wurde er in Fabriken hergestellt, wo die Arbeitsbedingungen schlecht sind oder vielleicht sogar Kinder den Stoff gefertigt haben? Wenn man das so genau nimmt, dann sollte man Schafe scheren, selbst die Wolle spinnen und alles nur selbst stricken. Aber aufpassen, dass auch die Schafe ein gutes Leben haben. Also diese dann auch selbst züchten und das Futter auch selbst anbauen, damit man da ja nichts falsch macht oder irgendwelche Erntehelfer die gering bezahlt werden das Futter geerntet haben.

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» Diamante » Beiträge: 41839 » Talkpoints: 43,29 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


So eine Aussage kann ja nur von einem Menschen kommen, der nicht weiter denkt als bis zur Nasenspitze. Wie schon korrekt angemerkt worden ist, müsste man alles komplett selbst herstellen, um so eine Aussage überhaupt treffen zu können. Also man müsste die Stoffe auch komplett selbst herstellen, das Nähgarn, am besten noch die Nähmaschine und so weiter. Man hat nie eine Garantie, dass Mitarbeiter für Produkte ausgebeutet worden sind, vielleicht sogar Kinder. Nur weil nicht alles öffentlich bekannt ist, heißt das nicht, dass da nichts ist.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Tja @Täubchen, das passiert halt jenen, die sich von den Medien manipulieren lassen und dann auch noch ein ökologisch und wirtschaftlich schlechtes Gewissen einreden lassen. Diese denken auch, der Genuss von Flugananas wäre ökologisch nicht einwandfrei, weil sie mit dem Flugzeug hierher kommen. Dass dazu aber Wälder gerodet und Menschen das Wasser abgegraben wird, das zum Bewässern der Pflanzen notwendig ist, erkennen die nicht. Da war grad wieder Werbung im Fernsehen.

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» Quasselfee » Beiträge: 1504 » Talkpoints: 83,55 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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