Kinder beschenken, obwohl sie nicht lieb waren oder nicht?

vom 05.12.2021, 12:19 Uhr

Bald steht wieder Weihnachten vor der Tür und damit stehen auch die Geschenke für die Kinder an. Da gibt es in meinem Umfeld durchaus unterschiedliche Meinungen dazu. Die eine Fraktion meint, dass die Kinder sich die Geschenke mit lieb sein verdienen müssen und die andere Fraktion meint, dass Kinder eben Kinder sind und keine kleinen Erwachsenen und daher auch so Geschenke bekommen.

Natürlich möchte jeder, dass die Kinder lieb sind und brav hören und umsetzen, was die Erwachsenen sagen, aber das ist nun mal nicht immer so und man selber hat das ja auch nicht immer gemacht. Ich finde daher man muss auch so Geschenke verteilen. Ich würde das nicht einschränken, wobei ich meinen Kindern auch deutlich mache, was ich okay finde und was nicht.

Wie seht ihr das? Ist bei euch Weihnachten schon mal wegen schlechten Benehmen ausgefallen? Meine Brüder haben mal beide keine Geburtstagsgeschenke bekommen, weil in dem Jahr die Polizei vor der Tür stand, weil sie eine Scheibe mit einem Stein eingeschlagen hatten auf einem alten Werksgelände. Das finde ich schon etwas hart und natürlich muss das Konsequenzen haben, aber gerade Spielsachen zum Beispiel haben ja auch einen positiven Effekt auf den Alltag.

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» Ramones » Beiträge: 46083 » Talkpoints: 5,80 » Auszeichnung für 46000 Beiträge



Ich finde, Kinder müssen nicht brav sein, um Geschenke zu erhalten. Vielleicht fällt dann die Geschenkeflut in einem Jahr etwas geringer aus, aber Kinder sind keine Erwachsenen und müssen erst noch lernen zwischen „Recht und Unrecht“ zu unterscheiden. Und da sind Bestrafungen, die erst spät erfolgen, wie ein ausgefallenes Weihnachtsfest echt nicht okay.

Es hat einen erzieherischen Effekt, aber das haben direkte Bestrafungen für ein Fehlverhalten eher. Außerdem merken sich Kinder sowas und übernehmen schlechte Angewohnheiten von den Eltern. Und nach den Weihnachtsferien ist es dann oft so, dass sich Kinder in der Schule auch mal über Weihnachtsgeschenke unterhalten und wenn ein Kind nichts bekam, weil es nicht brav war, dann wird es leider auch leicht zum Mobbingopfer und abgestempelt.

Kinder und Erwachsene müssen nicht lieb sein, um Geschenke zu erhalten. Geschenke sind immer eine Geste und sollten nichts mit dem Verhalten zu tun haben. Wenn man jemanden mag oder liebt, dann schenkt man ihm gerne etwas. Und ich finde jedoch auch, dass man solche Empfindungen jedoch niemals an Kindern auslassen darf, denn Kinder lernen noch und entwickeln sich erstmal noch.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 11900 » Talkpoints: 71,29 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Was ist denn ein braves Kind? Ich war als Kind immer sehr gehorsam und habe mich schon früher oft über mich selber geärgert, dass ich mich nie getraut habe, Widerworte zu geben. Darunter habe ich mein Leben lang gelitten und vermutlich auch Nachteile dadurch gehabt. Jedes Kind ist anders und ein Kind nicht zu beschenken, weil es vielleicht aufmüpfig und wild ist, grenzt meiner Meinung nach an psychische Gewalt.

» blümchen » Beiträge: 3557 » Talkpoints: 15,25 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Also ich finde es auch eine seltsame Denkweise sein Kind gar nicht zu beschenken, weil es nicht "lieb" und folgsam war. Vor allem an welchem Zeitraum macht man das denn dann fest, dem ganzen Jahr? Wer bestimmt den, welche Kind die Grenze der Unartigkeit/Unfolgsamkeit überschritten hat? Ein Kind, welches 12 Monate, 24 Stunden "brav" ist wird es ja wohl kaum geben. Sollte es das geben, würde ich sogar so weit gehen zu sagen, dass dieses Kind keine richtige Kindheit erleben darf sondern sich aus Angst nichts traut und über bewacht wird.

Konsequenzen und Strafen sollten in der Regel ja immer einen Zusammenhang (thematisch als auch zeitlich) zum Vorfall haben. Ein Jahresfazit zu ziehen finde ich da schon sehr krass. Gerade kleinere Kinder können das ja vermutlich dann auch überhaupt nicht mehr zusammenbringen und verstehen, was der Grund für diese Bestrafung ist. Und abgesehen davon darf dann der etwas wildere, freche Bruder zuschauen wie die ruhige, schüchterne und "immer liebe" Schwester ihren Berg an Geschenken auspackt? Nein, das geht in meinen Augen gar nicht.

Ich persönlich habe einmal in meinem Bekanntenkreis erlebt, dass die Geburtstagsparty eines 14-Jährigen gestrichen wurde. Das lag allerdings daran, dass dieser zwei Wochen zuvor ein Ermittlungsverfahren wegen Betäubungsmittel an der Backe hatte und die Eltern dann einiges an Geld in den Rechtsanwalt stecken mussten. Da war die große Party dann Geschichte - nicht nur aus finanziellen sondern auch aus erzieherischen Gründen. Ein kleines Geschenk in Form eines Einkaufsgutscheines für ein Shoppingcenter und Geburtstagskuchen hat er aber trotz allem bekommen.

» EngelmitHerz » Beiträge: 2758 » Talkpoints: 19,41 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich finde die Vorstellung ausgesprochen gruselig, wenn Kinder quasi von klein auf Geschenke quasi verdienen müssen, indem sie möglichst immer "lieb" sind und "brav hören". Ich dachte ehrlich gesagt, die Erziehung zu Kadavergehorsam, möglichst perfekter Anpassung und "Kinder soll man sehen, aber nicht hören" wäre schon lange nicht mehr zeitgemäß, aber da habe ich mich wohl zu früh gefreut.

Klar kann man Kinder auch auf diese Art verkorksen. Dann werden eben später mal Erwachsene daraus, die immer "lieb" sind und sich alles gefallen lassen, weil sie nie um ihrer selbst willen geliebt wurden, sondern nur, wenn sie möglichst keine Arbeit gemacht haben. Oder sie werden völlig neurotisch, weil sie Zuneigung mit materiellen Gütern gleichsetzen und glauben, "Liebe" sei mit teuren Geschenken gleichzusetzen, die wiederum auch die mieseste Behandlung rechtfertigen. Sprich "Er schlägt mich zwar hin und wieder, aber dafür kauft er mir auch teuren Schmuck!" Würde ich meinen Kindern so nicht antun wollen.

Für mich handelt es sich nur um "Geschenke", wenn keine Gegenleistung gefordert wird. Sonst sind es nur Bestechungen, Arbeitslohn oder Schmiergeld. Und wenn ich jemandem, groß oder klein, etwas schenke, möchte ich, dass sich die Person darüber freut, und nicht, dass sie sich im Gegenzug verpflichtet fühlt, mir einen Gefallen zu tun. Und gerade bei den hoch gehypten "großen" Anlässen Weihnachten und Geburtstag finde ich es schlicht grausam, Kindern aus purem Machtmissbrauch heraus gar nichts zu schenken, um sie wieder auf ihren Platz als Befehls- und Almosenempfänger zu verweisen.

» Gerbera » Beiträge: 10058 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Wenn ich Kinder hätte wäre ein "liebes" Kind, das brav alles umsetzt, was ich sage, wirklich das aller letzte, was ich haben wollte. Ich wollte einen eigenständigen Menschen erziehen und dazu gehört eine eigene Meinung und eigenständiges Handeln doch zwingend dazu. Was will ich denn mit einem auf "lieb" dressierten Kind? Kann so was überhaupt eine starke Persönlichkeit entwickeln wenn immer die Angst mitschwingt, dass die Zuwendung entzogen wird wenn nicht brav umgesetzt wird?

Davon abgesehen verstehe ich den Gedanken grundsätzlich nicht, dass ein Geschenk eine Art von Leistung ist, für die eine Gegenleistung erwartet wird. Also ich verstehe es auch nicht wenn Leute sich ausrechnen was ihr Geschenk gekostet hat und dann möglichst genauso viel ausgeben für das Rückgeschenk. Oder wenn jemand sich gezwungen fühlt etwas zurück zu schenken und dann irgendeinen Scheiß kauft, über den sich der Beschenkte nicht freut und genau weiß, dass es nur ein Verlegenheitskauf war.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26589 » Talkpoints: 93,53 » Auszeichnung für 26000 Beiträge


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