Kann man die Verödung von Landstrichen aufhalten?

vom 14.07.2019, 20:34 Uhr

In älteren Threads gab es ja schon Diskussionen über die Unterschiede zwischen Ost- und West und die Frage, inwiefern die Verödung von Landstrichen, das Abwandern aus den Dörfern in die Städte und das Sterben kleiner Dörfer eine Frage des Ostens sei. Aber meiner Erfahrung nach gibt es das auch im Westen, vor allem im nördlichen und mittleren Teil Deutschlands gibt es Dörfer und Ortschaften, die einfach regelrecht aussterben, als Beispiel dienen so einige kleinere Örtchen in Niedersachsen und Hessen, deren Namen niemand kennt.

Kann man diese Verödung und das Aussterben solcher Orte überhaupt noch aufhalten oder ist das vergebene Mühe? Ist es einfach der Lauf der Dinge, wo es doch Wüstungen schon immer hat, also Orte, die von den Menschen aus vielen verschiedenen Gründen einfach aufgegeben wurden. Welche Bestrebungen könnte es geben, um ein solches Dorf- und Ortsterben aufzuhalten oder sind Vorhaben dieser Art von vornherein zum Scheitern verurteilt?

» Verbena » Beiträge: 3947 » Talkpoints: 4,21 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich denke, dass man vieles begrenzen könnte, in dem man Arbeitsplätze schafft. Ich beziehe das mal auf das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, da das ebenfalls verödet. Arbeitsplätze gibt es kaum, ohne Auto ist man aufgeschmissen. Nicht mal einen Supermarkt gibt es. Selbst Bäckerei und Metzgerei (an der Hauptstraße, also top Lage!) haben dicht gemacht. Selbst das Blumengeschäft direkt neben dem Friedhof ging Pleite. Es gibt einfach keine Arbeit dort.

Die meisten Mädels, mit denen ich zusammen zur Grundschule gegangen bin, haben das Dorf verlassen und sind in die nächste Grundschule gezogen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Geburtenrate und damit auf die Einwohnerentwicklung. Das hatte zur Folge, dass die örtliche Grundschule dicht gemacht worden ist, weil einfach zu wenige Kinder da waren. Der Kindergarten existiert noch, aber wer weiß wie lange noch, wenn die Grundschule schon geschlossen worden ist vor 4 Jahren.

Ich meine, was soll man auf dem Land, wo keine Arbeit ist? Da bringt die schöne Landschaft auch nichts wie ich finde. Von irgendetwas muss man ja seine Rechnungen bezahlen. Vor 20 Jahren gab es dort mal angesiedelte Firmen, aber die gingen insolvent oder sind weggezogen, wo es eben attraktiver war. Unternehmen werden sich auch nur ungern dort niederlassen und Arbeitsplätze schaffen, da sie eine gewisse Infrastruktur in Form von Synergie-Effekten oder Agglomerationsvorteilen brauchen und wenn die nicht da sind, ist es schlecht.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Bestimmt. Man muss nur genügend Geld hineinpumpen, und da liegt auch schon das ganze Problem. Wie schon ausgeführt, kommt es auf Arbeitsplätze und die entsprechende Infrastruktur an. Und da kein Unternehmen, das länger bestehen will, am Ende einer Buckelpiste mit wackeligem Internetzugang und öffentlichen Verkehrsmitteln wie im ländlichen Panama angesiedelt sein möchte, veröden manche Landstriche.

Selbst der Tourismus kann hier nicht alles auffangen, weil auch die schönste Landschaft und die tollsten Möglichkeiten zum Wandern oder für Sport aller Art nichts nützen, wenn die Gäste nicht mal die vergessene Zahnbürste nachkaufen oder abends noch in den Biergarten gehen können.

Die Lösung wäre in meinen Augen: top Infrastruktur, öffentliche Verkehrsmittel bis zur letzten Milchkanne, Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten, damit Arbeitnehmer auch Familien haben können und finanzielle Anreize für große und kleine Unternehmen, sich auch auf dem platten Land anzusiedeln. Aber wie gesagt, woher soll das Geld denn kommen? Offensichtlich besteht nicht genügend Interesse daran, die gottverlassene Walachei wiederzubeleben.

» Gerbera » Beiträge: 8214 » Talkpoints: 2,41 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Die Infrastruktur muss zuerst da sein, weil natürlich niemand Lust hat eine Firma irgendwo aufzubauen wo es kein vernünftiges Internet gibt und wo der Transport von Waren unheimlich viel Zeit verschlingt weil die nächste Autobahnauffahrt ewig weit weg ist.

Aber wer hat schon Lust ziemlich viel Geld in eine Region zu investieren, in der aktuell kaum jemand lebt? Das klingt doch eher noch Planwirtschaft, aber in einem System, in dem sich jeder frei entscheiden kann wo er lebt und arbeitet und seine Firma aufbaut ist das eher schwer, bzw. sehr sehr teuer.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23496 » Talkpoints: 136,32 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



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