In allem Negatives sehen oder eher positiv interpretieren?

vom 25.11.2016, 12:55 Uhr

In letzter Zeit häufen sich hier Themen, wo ich mir denke, ob man denn alles nur Negativ sehen muss. Da ist es die Schwiegermutter, die einem ins Wort fällt, da ist ein erwachsenes Kind, welches mit "Kind" angesprochen wird und da ist ein Lächeln von Menschen, welches als "abwertend" gesehen wird. Ich kann nicht verstehen, dass man in allem etwas Negatives sieht oder sehen will.

Ich bin eher ein Mensch, der sich sagt, dass man auch das Positive sehen muss. Bei einem Lächeln sehe ich das Lächeln und nicht, dass es abwertend ist. Besonders, wenn es von weiter weg kommt und ich nicht noch andere Gesten und Mimiken sehen kann.

Seht ihr auch in fast allem erst mal etwas Negatives und denkt, dass die Mitmenschen euch was wollen oder schaut ihr eher so in die Welt, dass ihr Handeln und Gesten und Mimiken eurer Mitmenschen als Positiv versucht zu interpretieren?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich bin an sich eher ein zurückhaltender Mensch und ich sehe auch gerne Dinge negativ. Aber das kam alles mit der Zeit. Aber ich arbeite daran, dass ich diese Dinge auch optimistischer sehen kann und suche deshalb auch professionelle Hilfe auf. Ich denke mir jedoch hier auch manchmal, warum hier so viele, eigentlich recht lapidare Dinge negativ gesehen werden.

Ich sehe es eigentlich genauso wie du. Nicht jedes Lächeln ist abwertend gemeint, nicht jeder kritische Blick gilt einem selbst. Wir interpretieren es teilweise halt so. Kleidet man sich anders oder eher außergewöhnlich, dann werten wir Blicke sofort so, als wären sie auf uns bezogen. Dabei zählt eine andere Person vielleicht gerade nur die Wolken am Himmel, sprich wir sind absolut unwichtig für diesen Menschen.

Es ist nicht alles negativ. Wir wollen es nur negativ sehen. Und wenn man alles negativ sieht und direkt auf sich bezieht, dann sollte man versuchen, etwas an der Einstellung zu ändern. Ich muss nämlich ehrlich gestehen, dass dieses ständige Negativsehen mich persönlich beeinflusst hat und dass ich beinahe kein normales Leben mehr führen konnte. Bis ich einen Cut gemacht habe. Also, auch an die Foristen, seid bitte etwas positiver, es ist nicht immer grundsätzlich alles böse gemeint und nicht jeder, der mal böse schaut, will euch gleich die Kehle aufschlitzen.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 12558 » Talkpoints: 4,06 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Manche Dinge sind einfach negativ, die muss man nicht extra schlecht reden. Allerdings habe ich hier auch schon viele Sachen gelesen, wo es viel zu wenig Hintergrundinformation gab und man als Außenstehender gar nicht wissen kann, ob derjenige oder diejenige das nun so gemeint hat, oder nicht. Es ist dann ja auch immer schwer, etwas dazu zu sagen.

In dem Fall versuche ich eher neutral zu bewerten. Zu positive Bewertungen sind ,genau wie zu negative, nicht meine Art. Viele Leute schützen sich durch negative Bewertung einer Situation vielleicht auch. Vor allem vor Enttäuschungen. Wenn ich vom Schlimmsten ausgehe, dann bin ich nicht so enttäuscht, wenn es dann wirklich so schlimm ist. Gehe ich ganz optimistisch an eine Sache heran und es klappt dann nicht so, wie ich das will, dann ist das für viele Leute viel schlimmer.

Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass es auch nicht hilfreich ist, vom Schlimmen auszugehen. Trifft das dann nicht zu, ist man vielleicht nicht so enttäuscht, aber man hat in seinem Kopf dann ja doch nicht damit gerechnet, dass es positiv kommen könnte.

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» winny2311 » Beiträge: 15151 » Talkpoints: 3,18 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



Ich finde, dass es ganz klar auf die Umstände ankommt. Wenn es um meinen Beitrag mit dem Lächeln oder belächelt werden, so habe ich diese Feststellung eindeutig gemacht und dies beruht nicht etwa darauf, dass ich etwas nur negativ sehe. Das heißt ja nicht, dass ich ein negativer Mensch bin.

Auch glaube ich kaum, dass jeder Mensch immer nur alles positiv sehen kann, es gibt ja immer Momente im Leben, die für jemanden dann eher negativ sind. Aber manchmal finde ich es auch wichtig, dass man eben positiv sieht, sonst könnte man ja auch gleich die Flinte ins Korn werfen.

Nur halte ich es ebenfalls auch für wichtig, nicht zu naiv zu sein und in jedem Lächeln gleich etwas positives zu sehen. Leider belächeln viele einen auch einfach nur, daran ist ja nun wirklich nichts positives. Natürlich kann man jedes bisschen positiv interpretieren, aber die Frage ist doch, ob einem dies wirklich gut tut und man nicht so auch schneller ausgenutzt oder für dumm verkauft werden kann.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Wie man etwas auf den ersten Blick sieht hat doch viele Facetten und Gründe warum das so ist. Zum einen hat jeder von uns eine Grundeinstellung, die entweder negativ behaftet ist oder auch eher in die positive Richtung geht. Wirklich neutral und unvoreingenommen ist somit niemand. Jemand der hinter allem direkt etwas böses vermutet, der wird auch erst einmal davon ausgehen. Jemand der alles durch die rosarote Brille sieht und naiv unterwegs ist, der wird erst einmal Vertrauen schenken in das Gute im Menschen und damit positiv sehen.

Dazu kommen dann noch weitere Faktoren wie die aktuelle Stimmungslage. Hat man sich vorher mit jemanden richtig gestritten und ist noch entsprechend aufgewühlt und schlecht drauf, dann kommt auch eher der Hang zum negativen. Gleiches auch wenn man mit seinem Leben unzufrieden ist und sich selbst nicht so richtig leiden kann. Andersherum natürlich genauso in die positive Richtung, nach einer erfreulichen Nachricht ist man beschwingt und vermutet nicht direkt an der nächsten Ecke beim nächsten Mitmenschen direkt das schlechteste, auch nicht, wenn man gute Laune hat.

Somit ist vieles durchwachsen und hängt auch von der aktuellen Stimmungslage ab. Diese kann auch einmal länger dauern wenn jemand z.B. gerade eine Depressive Phase hat oder eine Phase, in der es nicht gut läuft. Das drückt auf die Stimmung schlägt sich dann auch in solchen Gedanken, Auffassungen und Interpretationen nieder. Aber es muss nicht heißen, dass dieser Mensch immer so drauf ist und alles schlecht und negativ sieht, sondern das vielleicht in 2 Wochen schon wieder ganz anders ist.

Dazu spielen noch Vorerfahrungen und Erziehung eine Rolle. Wird dir eingetrichtert, dass alle Männer mit Bart nur schlechtes wollen, gehst du an die Sache auch mit einem anderen Gefühl und einer anderen Meinung los. Oder wenn du von einem bärtigen Mann überfallen wurdest, dann hast du erst einmal ein negatives Gefühl wenn du den nächsten bärtigen Mann an der Straßenecke siehst, auch wenn dieser dir nichts tun wird. Vorurteile nennt man das dann, diese sind ebenfalls mit der Bestandteil einer Interpretation vom Gegenüber.

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» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge


Angeblich soll eine gewisse Begabung zur Sorglosigkeit und zum generellen Glücksgefühl sogar in unseren Genen stecken. Sprich, manche Leute sind einfach von Natur aus unbefangener und generell besser drauf, und selbst Übungen, Ratgeber und Selbsthilfebücher können das Glücksgefühl der Unbegabten nur geringfügig beeinflussen, während äußere Umstände sowieso nur bedingt einen Unterschied machen.

Ich neige dazu, dieser Theorie Glauben zu schenken, da ich mich ebenfalls zu den Leuten zähle, die eher negativ eingestellt durchs Leben gehen. Ich glaube auch nicht, dass diese Weltsicht so wahnsinnig viel mit meiner Lebenserfahrung oder meinem Elternhaus zu tun hat, da es hier ziemlich durchschnittlich zugegangen ist und jemand anders mit einer vergleichbaren Biographie sicher strahlend und voller Optimismus durchs Leben hüpft. Ich bin auch nicht besonders unglücklich, sondern sehe mich eher als Realist.

Tatsache ist, dass ich keine allzu hohe Meinung von Menschen im Allgemeinen habe und Sozialkontakte generell anstrengend finde. Damit die Vorteile überwiegen, wenn ich mich auf einen Mitmenschen einlasse, muss derjenige gewisse Mindestanforderungen erfüllen, sonst habe ich nur das Gefühl, mich abzurackern und nichts zurück zu bekommen. Deswegen habe ich wenig Geduld für Charaktereigenschaften, die vielleicht nicht "schlimm" sind, aber mich noch zusätzlich nerven.

Und dazu gehören eben auch Kleinigkeiten wie Herablassung, Geschwätzigkeit oder Engstirnigkeit. Zudem durchschaue ich die meisten Menschen sehr leicht und kann mir daher nur schwer einreden, dass ein Lächeln beispielsweise nicht herablassend gemeint ist oder dass eine Person eben nur "sehr direkt, aber eigentlich ganz nett" ist, und nicht ebenso arrogant wie dümmlich.

» Gerbera » Beiträge: 11301 » Talkpoints: 44,79 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Ich finde, dass es immer auf die Umstände ankommt. Wer meine Beiträge liest, weiß, was für eine Chefin ich habe und wie ich über sie denke. Aber auch wenn ich denke, dass diese Frau das schlechteste ist, was den Kollegen und dem Betrieb passieren konnte und dass die uns noch alle gegen die Wand fahren und damit zu Grunde richten wird (ohne es selbst zu merken, da beratungsresistent und voll von sich überzeugt), bin ich der Ansicht, dass man auch etwas Positives daraus gewinnen kann.

Denn man muss lernen mit allen Menschen irgendwo auszukommen und gewisse Strategien zu entwickeln um mit ihnen umgehen zu können ohne selbst dabei Schaden zu nehmen. Ich finde, dass das auch die Menschenkenntnis schult und dass man durch solche Menschen erfahrener und reifer wird. Also bei einem "perfekten" Chef hätte ich bestimmt nicht so viel im zwischenmenschlichen Umgang lernen können wie bei dieser Frau. Man lernt sich selbst und die eigenen Grenzen auch besser kennen und wo das Limit ist bis man die Schnauze voll hat und alles hinwerfen möchte. Ohne diese Frau wäre ich einiges an Erfahrungen und Lehren ärmer und das wäre doch schade finde ich.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -1,02 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich habe sogar zu dem Thema einmal ein Sachbuch gelesen, das dem Leser eine Art "Think Pink" Strategie näher bringen sollte. Damit soll man lernen, nicht immer alles negativ zu sehen, sondern auch positive Aspekte zu finden. Aber es ist lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe, wahrscheinlich ist es an der Zeit, mal wieder reinzuschauen. :lol: Denn tatsächlich bin ich ein ziemlicher Pessimist. Selbst wenn alles super läuft, schaffe ich es, negative Dinge an der Situation zu finden.

» Cappuccino » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Ich bin auch eher pessimistisch veranlagt, wobei das aber auch seine Gründe hat. Ich war früher ein wirklicher Optimist und habe alles teilweise viel zu positiv gesehen. Damit bin ich dann gerade in meiner Jugend sehr oft auf die Nase gefallen. Ich wurde ganz oft enttäuscht und ausgenutzt, belogen und versetzt. Anfangs habe ich die Schuld bei mir gesucht und war auch immer extrem traurig und schlecht drauf, wenn mir so etwas passiert ist.

Mittlerweile erwarte ich oft einfach nicht mehr so viel von den Menschen und vertraue auch nicht mehr ganz so schnell. Mag sein, dass das sehr vorsichtig und auch pessimistisch ist, aber mir hilft es einfach. Wer zu optimistisch durchs Leben geht, der wird nun einmal oft enttäuscht - gerade weil er immer das Positive in den Menschen sieht, auch wenn er das in gewissen Fällen nicht tun sollte.

Am besten sollte man einfach realistisch bleiben. Natürlich stellt man sich auch oft selbst ein Bein, wenn man zu pessimistisch und vorsichtig ist und man sich so die eine oder andere Freude verdirbt. Wer zu optimistisch ist, der fällt aber eben oft auf die Nase. Von daher ist eine gute Mischung aus beidem nie schlecht. Wenn man sich unsicher ist, was man von etwas halten soll, kann man ja noch immer Freunde oder den Partner fragen.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 35273 » Talkpoints: -0,01 » Auszeichnung für 35000 Beiträge


Kurz gesagt gibt es ja sowieso keine äußere Instanz, die entscheiden kann, ob etwas objektiv ist oder ob eine Bewertung zu positiv oder zu negativ erfolgt ist. Wer kann das schon sagen? In vielen Fällen sind die Ereignisse und Gefühlslagen viel zu komplex und vielschichtig, als dass irgendjemand in der Lage ist, diese wilde Melange in ihre Einzelteile zu zerlegen und fix zu entscheiden: Ja, das ist jetzt ohne jeden Zweifel realistisch objektiv. Objektivität ist eine Illusion.

Ich selbst hüpfe zwischen all den Polen je nach Situation, Vorerfahrung, Schilderung und Laune hin- und her, tendiere aber auch vor allem zu Skepsis. Als Teenager war ich manchmal wie es hier auch schon geschildert wurde zum Schreien naiv. Es ist entsetzlich, wie arglos ich manchmal war und wie mir einige Dinge erst Jahrzehnte (!) später aufgingen. Dass einiges eben nicht neutral oder nett war, wie ich es damals annahm, sondern knallharte Verasche oder zumindest Manipulation. Dabei habe ich eigentlich sehr gute Antennen, nur war ich von Natur aus einfach zu tapsig-positiv. Aber da war ich ein Teenie, wäre ich heute noch so, fände ich das schlimm.

Die meisten Leute in meinem Umfeld nehmen mich laut ihrer Aussage schon als eine Art von Fuchs war. Jemand, der Dinge schneller und analytischer durchschaut, aber dieser gedankliche Säbel hat sich auch erst durch die Zeit und Jahre geschärft. Von daher weiß ich wirklich nicht, warum man mit gedanklichem Zwangsoptimismus durchs Leben schlendern sollte. Wenn es nicht so wichtig ist, wie der Blick eines Fremden auf der Straße, ist es sinnvoll, den neutral oder positiv einzuordnen, bei anderen, näheren Kontakten darf man schon etwas skeptischer bleiben oder genau hinschauen.

Man darf halt nur nicht in die andere Richtung übertreiben und hinter allem einen Angriff vermuten, das ist dann für das Umfeld auch wieder sehr anstrengend. Ich habe so eine Freundin, die dann auch noch beleidigt ist, wenn ich eine andere, neutrale Deutung im Gespräch darbiete. Das ist dann so etwas wie Verrat und keiner darf ihrer Wahrnehmung widersprechen. Na dann. Ist halt schon schade, wenn Menschen nicht zur Differenziertheit in der Lage sind. Das Wichtigste bei all dem ist doch aber, dass man offen für eine andere Sichtweise bleibt. Man könnte sich jederzeit irren.

» Verbena » Beiträge: 4860 » Talkpoints: 1,35 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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