Grabsteine mit QR-Code versehen - hilfreich oder pietätlos?

vom 02.11.2014, 02:31 Uhr

Das Leben vieler Menschen spielt sich heute im Internet ab. Die meisten Menschen haben einen Facebook Account oder hinterlassen sonst in irgendeiner Form Spuren im Internet. Bei berühmten Persönlichkeiten findet man auch Einträge bei Wikipedia oder auch eigene Webseiten im weltweiten Datennetz. Oftmals legen Hinterbliebene auch Kondolenzseiten im Internet an, auf denen sich Freunde, Verwandte und Bekannte verewigen können.

Oftmals kommt man an Gräbern vorbei und fragt sich, was für ein Mensch der Verstorbene wohl gewesen ist. Die wenigsten sehen später daheim im Internet nach. Zumindest was berühmte Menschen betrifft, nach Gerda Gans aus Hintertupfingen wird kaum jemand googeln, vermute ich mal.

Manche Bestatter bieten nun an, dass man einen QR-Code auf dem Grabstein einfügen kann. Zusätzlich zu den üblichen Informationen, wie eben Name und in der Regel Geburtsdaten und das Todesdatum. Mit dem QR-Code können Smartphonebesitzer direkt an Ort und Stelle nach Verweisen zu dem Verstorbenen suchen. Der QR-Code führt den interessierten Grabbesucher dann auf eine vorher fest gelegte Seite. Zum Beispiel eben der Homepage des Verstorbenen oder einem Kondolenzbuch im Internet.

Bisher war so was von den meisten Friedhofsverwaltungen wohl nicht erwünscht, aber mittlerweile erlauben die meisten es doch. Auch für ältere Grabstätten berühmter Persönlichkeiten wird über diese Erweiterung wohl nachgedacht. Wobei das an sich die Hinterbliebenen entscheiden müssen. Quelle

Könntet ihr euch vorstellen, auf Friedhöfen an Gräber nach dem QR-Code zu schauen und direkt den Code mit eurem Smartphone einscannen? Könntet ihr euch vorstellen, dass auf eurem Grab mal ein QR-Code angebracht wird? Würdet ihr das vorher im Testament festlegen? Findet ihr einen QR-Code auf einem Grabstein eher hilfreich oder eher pietätlos?

» Fugasi » Beiträge: 1872 » Talkpoints: -0,10 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich persönlich finde so etwas hat auf einem Friedhof nichts verloren. Wenn man auf den Friedhof geht, dann geht man hin um zu trauern und nicht um auf seinem Handy irgendwelche QR Codes einzuscannen. Ich gehe auf einen Friedhof um mir den Grabstein anzugucken und um mich so an den Verstorbenen zu erinnern, wenn ich so einen Code einscanne kann ich auch gleich Zuhause bleiben und mich Zuhause in Ruhe auf das Sofa setzen und dort im Internet auf Gedenkseiten surfen.

Außerdem finde ich zerstört so ein Code auf einem Grabstein auch das Bild des Friedhofes. Es passt einfach nicht an so einen Ort. Und man sollte auch Rücksicht auf die anderen Friedhofbesucher nehmen. Ich glaube besonders ältere Menschen wären von QR Codes nicht sonderlich angetan!

» Summer-Fan » Beiträge: 79 » Talkpoints: 0,80 »


Ich finde das eigentlich eine gute Idee, solange jeder für sich selbst entscheiden kann, ob er das machen will. Ich glaube auch gar nicht, dass so viele Leute den Code einscannen würden. Gerade bei Berühmtheiten fände ich eine solche Möglichkeit aber toll. Den Vorwurf der Pietätlosigkeit kann ich nicht verstehen. Was genau ist daran pietätlos?

Für mich selbst würde ich wahrscheinlich keinen Code einfügen lassen, einerseits, weil das höchstwahrscheinlich mit Zusatzkosten verbunden ist, die ich meinen Angehörigen nicht zumuten will. Andererseits glaube ich eben nicht, dass sich viele Leute meine Daten anschauen würden und somit das Geld wirklich herausgeschmissen ist.

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» ninjafan » Beiträge: 1455 » Talkpoints: -0,16 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Wahrscheinlich werden sich in ein paar Hundert Jahren die Archäologen fragen, warum um eine Zeit quadratische Muster in Grabsteine gemeißelt wurden. ;) Davon abgesehen halte ich es eigentlich nicht für pietätlos, QR-Codes in Grabsteine zu meißeln. Gerade wenn ein (meist) jüngerer Mensch mit vielen Online-Kontakten verstirbt, ist es ja mittlerweile nichts Besonderes mehr, wenn Familie oder Freunde eine Gedenkseite im Internet erstellen und pflegen. Diese Art, des Verstorbenen zu gedenken, erschien am Anfang bestimmt auch vielen Leuten als pietätlos.

Mein Problem mit QR-Codes besteht eher darin, dass die Grabsteine länger halten als die dazugehörigen Info-Seiten im Internet. Mir wäre ein ästhetisch schön gestalteter Grabstein lieber als einer mit einem nicht mehr gültigen oder funktionsfähigen Code darauf. Natürlich kann man die Dinger auch austauschen, aber das ist auch nicht ganz billig.

Außerdem stellt sich natürlich die Frage, wie viele Leute sich tatsächlich auch noch längere Zeit nach dem Ableben einer Person für dessen Lebensgeschichte interessieren, wenn es sich nicht gerade um einen Prominenten handelt, sondern um ganz normale Bundesbürger von nebenan. Die Familie wird den Verstorbenen sicher auch ohne QR-Code nicht so schnell vergessen, und der Rest der Welt hat schnell wieder andere Dinge im Kopf.

» Gerbera » Beiträge: 10058 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Davon habe ich auch schon gelesen, dass es immer mehr Trend würde, auf einem Grabstein einen QR-Code zu verewigen, und mit diesem könnte man weitergehende Informationen über die jeweilige Person erhalten oder würde auf eine eigens eingerichtete Webseite weitergeleitet.

Mir persönlich ist solch ein Trend noch nicht auf dem Friedhof aufgefallen, aber ich wöllte davon auch keinen Gebrauch machen. Für mich persönlich wäre es auch keine Option und würde es auch nie in einem Testament festlegen. Sonderlich hilfreich finde ich es nicht, aber es als pietätlos zu bezeichnen, das ist nun auch etwas übertrieben.

» cupertinorino » Beiträge: 119 » Talkpoints: 35,23 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Kann man ja machen, wie man will, wenn es erlaubt ist, aber ich finde das wenig zielbringend, wenn es sich um eine private Person handelt, die das so vielleicht auch gar nicht gewollt hätte und selbst bei einem Influencer oder was auch immer, wissen die Fans doch, wo sie das finden können. Meistens findet man ja auch eher alte Gräber spannend oder besonders gestaltete Gräber und da lässt sich dann auch vermuten, dass da Geld da war oder eine Geschichte dahinter steckt. Man kann dann ja auch so das Handy zücken und schauen, was man da findet, wenn man das für so wichtig empfindet. Ich finde nicht, dass man das so machen sollte, mit dem QR Code.

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» Ramones » Beiträge: 46083 » Talkpoints: 5,80 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Ich finde das weder pietätlos noch zurzeit in den meisten Fällen hilfreich. Ich gehe gerne auf alte Friedhöfe und wenn ich dort berühmte Persönlichkeiten entdecke, dann google ich sie vielleicht. Über den QR-Code würde man ja nur auf eine einzige Seite kommen und müsste dann eventuell weiter googlen. Über mir unbekannte Personen würde ich mich nicht weiter mithilfe des QR-Codes informieren. Mir als Besucher eines Friedhofs würde so ein QR-Code also nichts bringen.

Ohne vorhergehende Zustimmung des Verstorbenen würde ich so einen Code nicht am Grabstein anbringen. Andererseits möchte er ja vielleicht auch gar nicht, dass sein Name und seine Geburts- und Sterbedaten angebracht werden, wenn er sich vorher nicht dazu geäußert hat? Wenn man mal ganz weit denkt .... Aber das ist eben Tradition. Andererseits wird vielleicht auch ein QR-Code Tradition? Dieser Code könnte auf eine spezielle Plattform führen, die man selbst vor seinem Tod gestalten kann.

Für die Zukunft kann ich mir sehr viele Dinge vorstellen, die dann Tradition werden. Vielleicht würde ich mich vielleicht auch selber auf einer solchen Plattform registrieren. Vielleicht entfällt dann sogar der eingemeißelte Name auf dem Grabstein und es steht nur noch ein QR-Code da. Was mich am meisten an meinem Tod ärgert, ist die Tatsache, dass ich dann nicht mehr mitbekomme, was in der Zukunft so passiert.

» blümchen » Beiträge: 3557 » Talkpoints: 15,25 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite denke ich, dass es für die Angehörigen eine wunderschöne Idee sein kann. Grade, wenn man mit einer Person nicht so stark in Kontakt war, aber sich dennoch sehr gemocht hat oder sich vielleicht einfach auseinandergelebt hat, dann ist es schön, wenn man ein paar Erinnerungen mehr hat, zum Beispiel in Form von Bildern. Nicht jeder hat immer Bilder von allen Personen, die ihm wichtig sind, parat. Deswegen könnte es eine schöne Erinnerung sein.

Auf der anderen Seite denke ich, dass man auf dem Friedhof nichts mit dem Handy verloren hat. Es ist ein Ort um zu trauern und mich persönlich würde es sehr stören, wenn dort neugierige Leute einfach mit dem Handy über den ganzen Friedhof laufen und eigentlich nur sehen wollen, wer die entsprechende Person war und wer da liegt. Das hat dann nicht mit angemessener Trauer und Demut zu tun, sondern eher mit Sensationslust.

Deswegen denke ich, dass man das individuell entscheiden sollte. Am besten fragt man die verstorbene Person schon zu Lebzeiten, ob sie das gerne auf ihrem Grabstein verewigt haben möchte oder ob die dagegen ist. Grade bei älteren Menschen kann ich mir vorstellen, dass diese Idee vielleicht nicht mit Begeisterung angenommen wird, sondern dass es eher für die jüngere Generation, die sich sowieso fast komplett im Internet ausübt und verewigt, interessant wäre beziehungsweise später werden würde.

» Hufeisen » Beiträge: 6015 » Talkpoints: 4,58 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


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