"Erzählen" Eure Sachen und Gegenstände Geschichten?

vom 08.11.2016, 00:55 Uhr

Ich bin gerade bettlägerig und da kommt man auf allerhand Ideen. Ich habe mir mal alle Dinge im Raum angeschaut und festgestellt, dass ich bei fast jedem Gegenstand noch weiß, wann ich ihn mir angeschafft habe und welches Gefühl damit verbunden war. Kennt Ihr das auch?

» Schwarze Strümpfe » Beiträge: 70 » Talkpoints: 19,09 »



Meine Sachen erzählen nichts wenn ich sie anschaue und sie auch konkret frage. Natürlich weiß ich wofür ich meine Sachen angeschafft habe, auch den groben Zeitraum wann das war. Warum auch nicht? Ich kaufe mir keinen unnötigen Kram den ich nicht brauche und alles bei mir hat eine Funktion und Verwendung, zum hinstellen und anschauen schaffe ich mir nichts an. Das bekomme ich zu genüge geschenkt aber auch dort ist mir bei den meisten Dingen noch geläufig von wem ich das bekommen habe, zu welchem Anlass und auch den Zeitraum seit wann das bei mir steht.

Welches Gefühl sollte ich bei einer Anschaffung haben? "Oh Mist ich hab Geld ausgegeben" oder "Juchu, ich kann nun endlich in Zementbohren mit der neuen Maschine". Weder das eine noch das andere Gefühl tritt bei mir auf, ich habe es angeschafft damit ich etwas weiteres fertigen kann und das erst sorgt bei der Fertigstellung dann Freude bei mir aus. Alles andere sind nur Dinge auf dem Weg dahin, die angeschafft werden um das Ziel zu erreichen. Ich bekomme auch keinen Orgasmus wenn ich Kleidungsstücke anschaue oder kaufe, wie manch andere Frau die direkt abgehoben auf einer Wolke fliegt mit vernebelten Sinnen über ein Stück Stoff.

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» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge


Natürlich gibt es Gegenstände in meiner Wohnung bei denen ich durchaus nicht nur an die Anschaffung, sondern auch an die Zeit und was da alles so passiert ist, denke. Beispielsweise habe ich ein Herz, was ich von meinem Mann zum Geburtstag bekommen habe als wir einen Monat zusammen waren. Das ist natürlich an sich keine große Sache, aber für mich ist es eine sehr schöne Erinnerung, die ich an den Gegenstand knüpfe.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Ich kann absolut nachvollziehen, dass du bei fast jedem Gegenstand im Raum noch genau weißt, wann du ihn erworben hast und welche Emotionen damit verbunden waren. Bei vielen Gegenständen und Sachen geht es mir ähnlich, vor allem, wenn es Dinge sind, die ich schon länger habe und die nun keine Verbrauchswaren darstellen. Interessanterweise sind die Produkte oder Waren, die ich im Internet bestellt habe, weniger mit Erinnerungen verhaftet als Sachen, die ich in einem Laden bekommen hatte oder die mir jemand geschenkt hat.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass es auch viele Sachen gibt, wo man vielleicht noch weiß, wann und wo man sie gekauft oder bestellt hat, aber sie sind ansonsten weitestgehend unbesetzt. Quasi einfach anwesend und im besten Fall schön oder dienlich, aber nicht emotional aufgeladen. Diese Dinge einmal auszusortieren, fällt einem natürlich am leichtesten. Am meisten kann ich mich an den Kauf von Möbelstücken erinnern und auch an die Leute oder die generelle Zeit um diesen Erwerb.

Es ist auf jeden Fall psychologisch interessant, wie stark materielle Besitztümer als greifbare Erinnerungen an vergangene Erfahrungen und Gefühle zur Verankerung dienen. Selbst scheinbar ganz banale Gegenstände können sich anfühlen wie ein Teil der persönlichen Geschichte. Deswegen greifen meiner Meinung nach diese ganzen Aussortiertipps, die so durchs Netz schwirren, an vielen Stellen auch schlicht zu kurz.

» Verbena » Beiträge: 4789 » Talkpoints: 3,77 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Kaum. Ich kann mir Spannenderes vorstellen als die Erinnerung an den luftdichten Glaskasten bei IKEA, in dem wir mit einer genervten Mitarbeiterin mühsam eine passable Küche geplant haben. Und bei der Anschaffung des Regals im Wohnzimmer wären wir beinahe handgreiflich geworden, weil ich andere Schubladengriffe schöner fand als mein Lebensgefährte. Alles keine Erinnerungen, die man an Weihnachten herauskramt.

Natürlich besitze ich auch klassische "Erinnerungsstücke" wie mein erstes Stofftier, einen Weihnachtsstern, den meine Mutter selig gebastelt hat oder eine Tasse aus den Neunzigern, die irgendwie nie kaputt gegangen ist. Aber die überwältigende Mehrheit der Gegenstände, Möbel, Deko-Objekte und sonstigen Utensilien, die in meinem Zuhause zu finden sind, sind zweckmäßig und nüchtern online bestellt worden und stehen seitdem, ihren Zweck als Schrank, Tisch oder TV erfüllend, eben so rum.

» Gerbera » Beiträge: 11291 » Talkpoints: 42,02 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


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