Erste Klassenarbeiten mit unzumutbarer länge,demotivierend?

vom 13.09.2015, 09:12 Uhr

Meine Tochter geht in die dritte Klasse und schreibt jetzt ihre ersten Arbeiten die auch benotet werden. Jetzt tut sie sich eh etwas schwerer in der Schule, aber die Arbeiten die bis jetzt geschrieben worden sind, sind in einer unmöglichen länge. So war die erste Deutscharbeit über drei Seiten und die erste Mathearbeit auch, bei der man 95 Punkte erreichen konnte.

Mein Sohn geht jetzt in die vierte Klasse und der hatte noch nie eine so lange Mathearbeit und auch seine ersten Arbeiten waren eher leicht aufgebaut und nicht mit kniffeligen Aufgaben bestückt.

Meine Tochter hat jetzt bereits eine drei und eine vier und ist jetzt schon bei der Einstellung, das sie mehr eh nicht erreichen kann. Ich finde das schade und versuche sie immer wieder davon zu überzeugen, dass sie es auch anders schaffen kann.

Was haltet ihr davon, gleich mit solchen Klassenarbeiten das Schuljahr zu beginnen, wenn auch das mit den Noten eine neue Situation für die Kinder ist?

» laraluca » Beiträge: 1039 » Talkpoints: 57,80 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Also, das ist nach den Informationen die du uns gegeben hast wirklich reichlich bescheuert. Natürlich sollte es (aus pädagogischer Sicht) bei den allerersten "richtigen" (d.h. benoteten) Klassenarbeiten erst einmal darum gehen, die Kinder an die neue Erfahrung zu gewöhnen. Vielleicht haben die Schüler im vorigen Schuljahr schon Übungstests geschrieben (und sich ans Stillsitzen, Nicht-Abgucken und Konzentrieren gewöhnt). Dass es nun aber um die Wurst (d.h. gute Zensuren) geht, ist auch jedem Drittklässler klar.

Natürlich darf auch schon die erste Klassenarbeit eine Leistungsabfrage sein. Der Lehrer muss nicht (als Einstiegsgeschenk) jedem Schüler ein "sehr gut" schenken. Aber die Arbeit sollte definitiv so konzipiert sein, dass alle Schüler, die die Materie verstanden haben mit (relativer) Leichtigkeit ein "gut" erreichen können.

Vielleicht wollte die fragliche Lehrkraft mit ihrer Taktik einen sanften Schock herbeiführen. Vielleicht sollten die Kinder lernen, dass Klassenarbeiten etwas Ernstes, Schweres sind. Das haben die Schüler definitiv gelernt! Aber diese Erkenntnis wirkt schnell demotivierend (wie du richtig beobachtet hast). Das ist ein wichtiges Thema für den nächsten Elternabend.

Das Thema ist sogar so wichtig, dass man es rasch zur Sprache bringen muss, falls der nächste Elternabend noch zu weit in der Zukunft liegt!

» Felixander » Beiträge: 23 » Talkpoints: 10,85 »


Dass das demotivierend ist kann ich mir sehr gut vorstellen, gerade wenn es die erste Klassenarbeit ist als Schüler und man so gar keine Erfahrungen damit hat. Ich denke, dass ich als Mutter bei Gelegenheit das Gespräch mit der Lehrerin und anderen Eltern gesucht hätte. Einfach, um herauszufinden, ob mein Kind nicht genug geübt hat und da Nachbesserungsbedarf besteht oder ob alle Kinder da Probleme hatten.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Wie aufwändig die Klassenarbeit war, ist so schwer zu sagen. Man kann auch fünfundneunzig Punkte für fünf kleine Aufgaben vergeben, wenn man die Möglichkeiten, Punkte zu bekommen sehr kleinteilig anlegt. Und man kann auch mit Grafiken oder sonstigem drei Seiten voll bekommen, oder drei Seiten völlig überfrachten.

Interessant wäre auch zu wissen, wie viel Zeit für die Bearbeitung vorgesehen war, also ob jemand in der dritten Klasse eine realistische Chance hatte, sich so lange zu konzentrieren? Wie viele Schüler hatten denn Probleme? Und welche Klassenarbeiten in welchem Umfang sind denn in dieser Schule in der Altersstufe normalerweise üblich? Kennst du vielleicht andere Eltern mit älteren Kindern, die alte Klassenarbeiten als Beispiel haben? Vielleicht ist die Lehrerin noch jung und unerfahren und schießt etwas übers Ziel hinaus?

Wie wäre es denn, wenn mehrere Eltern Probleme mit der Gestaltung der Arbeiten haben, dass man sich mal mit dem Klassenelternsprecher zusammensetzt oder die Lehrerin um einen Elternabend bittet?

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Vielleicht hat man es da mit einem übermotivierten jungen Lehrer zu tun. Der Gedanke dahinter ist sicherlich ein gutes Grundwissen zu vermitteln und auch schon mal erste Stresssituationen entstehen zu lassen. Das kann aber für ein Kind in dem Alter sehr überfordernd sein, vor allem wenn man sich noch nicht so lange konzentrieren kann. Ich würde daher nicht nur mein Kind dazu befragen, sondern auch die andere Seite, auch um ein klares Bild zu bekommen.

Selber hat man ja unter Garantie auch mal geflunkert und Dinge schlimmer gemacht um schlechte Noten zu erklären. Auf jeden Fall würde ich schon mal Nachhilfe mit ins Boot holen, damit die Sachen aufgeholt werden, die nicht verstanden wurden und um noch größeren Schaden zu vermeiden. Wenn man dann mit dem Lehrer spricht, sollte man natürlich auch nicht voller Wut reden, sondern versuchen eine Lösung zu finden.

Dies kann dann auch mittels einer Konferenz stattfinden. Da kann man sicherlich einiges machen, wenn die Umstände wirklich so schlimm sind. Die beschriebenen Anforderungen scheinen ja wirklich zu viel zu sein, aber das ist eben auch nur die Sicht des Kindes.

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» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Drei Seiten jeweils in Deutsch und in Mathe sind wirklich sehr viel für die ersten Klassenarbeiten. Ich kann mich vage daran erinnern, dass die ersten Aufsätze und Diktate bei meinen Kindern ein bis zwei Seiten lang waren.

Wenn die anderen Eltern das auch so sehen wie du, sollte der Klassenelternsprecher vielleicht mal mit dem Lehrer oder der Lehrerin reden. Interessant wäre auch, wie der Durchschnitt der Arbeiten war, ob also viele Kinder Probleme damit hatten. Man bräuchte mehr Informationen, um das zu beurteilen. Waren die Matheaufgaben vielleicht auf Arbeitsblättern? Dann wäre das nicht so viel, als wenn man drei Seiten voller Rechenaufgaben ohne Text und Bild zu lösen hätte.

Grundsätzlich sollte man ein Kind, dass schlechter als der Durchschnitt abschneidet, nicht an den anderen Kindern messen, sondern an den eigenen Fortschritten. Es gibt an jeder Arbeit etwas Konkretes zu loben, auch wenn sie schlecht ausfällt, wie etwa die schöne Schrift, das Durchhaltevermögen, wenn es lang war, oder eine ganz besondere Aufgabe, die richtig war, auch wenn die anderen falsch waren.

» blümchen » Beiträge: 4098 » Talkpoints: 13,37 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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