Eltern von Schulschwänzern nicht sanktionieren?

vom 12.08.2018, 23:29 Uhr

Viele Kinder und Jugendliche schwänzen heutzutage die Schule aus unterschiedlichen Gründen. Oftmals stecken soziale Probleme dahinter, oder Mobbing. Leistungsdruck kann auch ein Grund sein. Tritt das Schwänzen häufiger auf, werden Eltern vom Staat oft sanktioniert, die Kinder jedoch nicht bestraft.

Ist es notwendig Eltern für das Fehlverhalten der eigenen Kinder zu bestrafen oder müsste der Staat erzieherisch auf die Kinder einwirken? Welche Kompetenzen würdet ihr dem Staat geben?

» Nebula » Beiträge: 3017 » Talkpoints: 0,98 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Der Staat kann doch machen was er will. Wenn die Eltern da nicht eingreifen, dann wird er wenig erreichen können meiner Ansicht nach. Solange die Eltern noch die Erziehungsberechtigten sind und es eine allgemeine Schulpflicht gibt, die verletzt worden ist, sollten die Eltern auch weiterhin sanktioniert werden, wenn der Nachwuchs sich falsch verhält und die Schule schwänzt.

Wenn das Kind volljährig ist und die Schulpflicht erfüllt ist und es zum Beispiel Abitur macht und in der Oberstufe ist, sollte das Kind bestraft werden, wenn es die Schule schwänzt. Da haben die Eltern ja nichts mehr mit zu tun. Also da würde ich schon unterscheiden je nach Alter des Kindes.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Ich sehe zwar die Eltern in der Pflicht aktiv zu werden, aber man kann ja niemanden zwingen sich um sein Kind zu kümmern und Eltern, die das nicht machen, werden vielleicht einfach zahlen oder die Zahlung verweigern, aber ein Umdenken findet dadurch sicherlich nicht statt. Ich finde in solchen Familien müsste dann das Jugendamt aushelfen und schauen woran es liegt, dass das betreffende Kind nicht in die Schule geht. Das kann ja auch Gründe haben wie Mobbing oder schlechte Behandlung.

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» Ramones » Beiträge: 46686 » Talkpoints: 7,06 » Auszeichnung für 46000 Beiträge



Ich glaube die Eltern von Schulschwänzern sollten nicht sanktioniert werden. Viele Eltern haben leider Ihre Kinder nicht oder nicht mehr unter Kontrolle und können nicht mehr entscheiden ob das Kind überhaupt noch zur Schule geht.

In vielen Fällen hat es aber einen Grund warum die Kinder nicht zur Schule wollen. Ich vermute mal, dass es in den meisten Fällen an Mobbing in der Schule liegt. Kein Kind möchte in die Schule wenn es gemobbt wird. Ich kenne aber auch Kinder, die unter starkem Leistungsdruck liegen und deshalb die Schulbank nicht mehr drücken wollen.

» Amborosia001 » Beiträge: 81 » Talkpoints: 46,14 »



Ich schildere das jetzt mal aus Sicht eines Vaters einer pubertierenden Tochter. Im letzten Schuljahr lief es nicht so gut für meine Tochter. Zunächst war sie aktiv am Streit unter Klassenkameradinnen beteiligt und später wurde sie zum Mobbingopfer. Danach lief es auch mit den schulischen Leistungen nicht wirklich gut. Sie hatte keine Lust mehr auf Schule und hat sich komplett verweigert. Alles gute Zureden hat da nichts geholfen.

Wir hatten anfangs unsere Tochter gezwungen in die Schule zu gehen, sie bis vor die Schultüre gebracht und im Endeffekt hat sie sich nach 2-3 Stunden dann doch wegen Kopf- oder Bauchweh von uns wieder abholen lassen. Es kam dann schließlich heraus, dass es ihr aus psychischer Sicht überhaupt nicht mehr gut in der Schule. Also haben wir sie letzten Endes jedes mal krank gemeldet um keine Sanktionen zu erhalten - obwohl sie zumindest physisch völlig gesund war. Dies wurde sogar mit der Schule so abgesprochen, so lange an einer Lösung für unsere Tochter gearbeitet wurde mit dem Schulpsychologen & Co.

Meiner Meinung müsste man die Fälle ganz individuell betrachten. Es gibt ja auch Kinder die bei den Eltern so tun als würden sie in die Schule gehen. Manchen Eltern ist es gar vielleicht auch gar nicht möglich, aus beruflichen Gründen, ihre Kinder täglich persönlich in die Schule zu bringen. Anderen Eltern ist es vielleicht wirklich egal. Die Gründe sind da meines Erachtens vielseitig. Eltern mit Geldstrafen zu belegen ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein und in manchen Fällen mit Sicherheit auch der falsche Weg.

Genauso wenig macht es Sinn Kinder zu für ihr "Fehlverhalten" pauschal zu bestrafen. Das würde vielleicht nur was bringen, wenn sich die Kinder "nur" wegen Bequemlichkeit und Unlust nicht mehr in die Schule bemühen.

Wie du ja aber schon selbst angemerkt hast stecken hinter Schulverweigerung oft soziale Probleme, Mobbing und Leistungsdruck. Ich denke die Frage erübrigt sich, ob man diese Ursachen mit einer Strafe beseitigt. Strafen machen die Sache doch nur noch schlimmer. Da gehören Gespräche mit einem Sozialarbeiter bzw. Schulpsychologen her, wie es auch in unserem Fall passiert ist. Inzwischen geht meine Tochter wieder freiwillig in die Schule und auch mehr oder weniger gerne, insofern man das von einem Teenager sagen kann.

» Huibuu » Beiträge: 390 » Talkpoints: 0,41 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich habe die komplette Zeit, die ich auf dem Gymnasium war, den Schwimmunterricht geschwänzt und später manchmal einzelne Fächer. Wenn beispielsweise der Bus früh später kam, habe ich noch eine Weile herumgetrödelt, insbesondere um unbeliebte Fächer wie Physik zu schwänzen und konnte mich ja mit der Verspätung des Busses herausreden. Für den Schwimmunterricht war meine Entschuldigung das, was alle Mädchen da gerne vorbringen. ;)

Meine Eltern wussten das nicht und ich finde auch nicht, dass es mir geschadet hat. Ich hatte ja dann dennoch ein sehr gutes Abitur, also war es egal, dass ich da manchmal eine Stunde haben sausen lassen. Ich finde, dass Schulschwänzen viel zu negativ gesehen wird und man da, wenn es nun nicht in sehr hohem Maße passiert, vielleicht gar nicht so ein Theater machen sollte.

Eltern zu bestrafen erscheint mir auch nicht sinnvoll. Oftmals wissen die das gar nicht und selbst wenn sie es wissen, ist der Einfluss der Eltern auf einen Teenager ja auch begrenzt.

» Zitronengras » Beiträge: 9393 » Talkpoints: 0,18 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


In Deutschland herrscht Schulpflicht, und es ist die Aufgabe der Erziehungsberechtigten, sich auch dann noch um ihre Kinder zu kümmern, wenn sie nicht mehr süß sind und Muttertagsgeschenke basteln. Ob und inwiefern "Sanktionen" helfen, weiß ich nicht, und ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht, wie diese aussehen.

Bußgelder allein werden es hoffentlich nicht sein, weil sich die Eltern, die in dieser Hinsicht versagen, so entweder freikaufen können oder der "Staat" auf den Forderungen sitzen bleibt, weil die Kohle gar nicht vorhanden ist. Ich bin generell immer eher für "Hilfsangebote". Wenn meine Steuergelder schon herhalten müssen, dann wenigstens auf eine Art, die im Idealfall anderen Menschen nützt und nicht nur für die Verwaltung von Strafzahlungen, die niemandem etwas bringen.

Nur weil es sich um ein zugegebenermaßen schwieriges Thema handelt, kann ich es dennoch nicht gut heißen, einfach mit den Schultern zu zucken und einen Teil der Kinder/Jugendlichen in Bezug auf Bildungschancen schlicht aufzugeben, weil die SchülerInnen selber verständlicherweise nicht zwangsläufig Bock auf Bildung haben, und die "Erwachsenen" zwar unbedingt Kinder wollten, aber hinschmeißen, wenn es schwierig wird.

Ein gewisser Teil der "Schulschwänzer" kriegt zwar spätestens im Erwachsenenalter die Kurve, aber es handelt sich ja nicht nur um gelangweilte Gymnasiasten, die mal den Sportunterricht sausen lassen, sondern um Leute, die schlimmstenfalls ganz ohne irgendwas dastehen. Und da erscheint es mir sinnvoller, sie noch in der Jugend abzufangen als zu resignieren und sie einfach durchzufüttern.

» Gerbera » Beiträge: 10489 » Talkpoints: 0,78 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



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