Egoistisch sein dürfen, wenn Kollegen dadurch im Nachteil?

vom 10.01.2019, 10:37 Uhr

Es kommt ja immer zu Situationen, wo man egoistisch handeln muss, weil man damit eigene, vielleicht sogar langfristige Ziele verfolgen möchte. Würdet ihr zum Beispiel Urlaub nehmen bzw. Überstunden abbauen, um eigene Ziele zu verfolgen, weil das neben dem Job gar nicht möglich ist? Oder findet ihr das eher asozial gegenüber den Kollegen?

Würde es eure Entscheidung beeinflussen, wenn die Kollegen dadurch im Nachteil wären? Nehmen wir an, ihr hättet einen persönlichen Nachteil, wenn ihr keinen Urlaub nehmen würdet und wenn ihr welchen nehmen würdet, wären die Kollegen im Nachteil - wie würdet ihr entscheiden? Wo zieht ihr die Grenze?

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich würde meinen Urlaub nicht nach den Kollegen richten. Da gäbe es für mich nichts abzuwägen. Auch wenn eine Beförderung ansteht, würde ich nicht zugunsten eines Kollegen verzichten, nur weil er vielleicht schon lange darauf hingearbeitet hat oder das Geld dringender braucht als ich. Mir fällt kein Beispiel im beruflichen Umfeld ein, wo ich nicht egoistisch sein würde. Im Normalfall sollte der Vorgesetzte entscheiden, wessen Urlaubsansprüche zum Beispiel an Feiertagen oder in der Ferienzeit Vorrang haben. Meist sind das dann die Alleinstehenden, die Weihnachten oder die Ferien arbeiten müssen, außer wenn dringende private Gründe dagegen sprechen. So war das zumindest in den Unternehmen, wo ich gearbeitet habe. Den Urlaub müssten wir schon am Jahresanfang grob festlegen, so das unsere Abteilung eine gewisse Plansicherheit hatte.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Heutzutage muss man einfach egoistisch sein. Es geht leider nicht anders. Den Kollegen ist man selbst wahrscheinlich auch egal. Deshalb stehen meine Ziele / Urlaub etc. klar vor denen meiner Kollegen.

» escopablo » Beiträge: 79 » Talkpoints: 16,68 »



Ich bin eigentlich sehr rücksichtsvoll und auch oft bereit dazu, selber auf etwas zu verzichten, wenn es gerade nicht anders geht oder eben zum Nachteil meiner Kollegen wäre. Aber immer geht das eben auch nicht und dann kommt man eben auch zu nichts.

Deswegen finde ich schon, dass man auch mal egoistisch sein muss. Wenn ich es bei meinen Kollegen so beobachte, dass es ihnen auch egal ist, wenn wir durch ihren Urlaub im Nachteil sind, dann muss ich sagen, dass ich umgekehrt eben auch nicht einsehe und schon auch mal egoistisch bin.

» Barbara Ann » Beiträge: 28208 » Talkpoints: 18,79 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



Mittlerweile bin ich auch egoistisch geworden, selbst wenn Kollegen dadurch im Nachteil sind. Mal ehrlich, die meisten Kollegen interessiert es doch auch nicht, wenn ich benachteiligt werde. Werde ich befördert und der andere Kollege, der vielleicht seit Jahren hart darauf hingearbeitet hat, dann denke ich mir halt, dass es blöd ist, aber warum sollte ich darauf verzichten? Durch Verzicht komme ich auch nicht weiter.

Und auch wenn ich neben dem Job andere Ziele verfolge, dann nehme ich mir halt auch mal Urlaub. Es bringt mir doch nichts, wenn ich auf der Strecke bleibe, nur weil ich immer und überall Rücksicht auf Kollegen nehmen muss. Meine Grenze ist dort, wo mein persönliches Wohlbefinden abgewertet oder nicht beachtet wird. Klar, ich bin alleinstehend, muss aber trotzdem teilweise auf die Schulferien mit Urlaub zurückgreifen, um ein Beispiel zu nennen und darauf bestehe ich dann auch. Ansonsten zeichne ich halt einfach keine Vertretungen mehr ab.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 11031 » Talkpoints: 22,60 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Ich denke dass man langfristig gesehen an sich denken muss. Die Kollegen bleiben vielleicht nicht immer die Kollegen und selbst wenn bringt es einem absolut nichts, wenn man immer nur alles für andere Menschen macht und dabei selber auf der Strecke bleibt. Auf der anderen Seite muss man auch überlegen was wirklich wichtig ist und was nicht. Man muss sich auch einigen und versuchen sich entgegenzukommen, wenn dies aber nicht möglich ist, dann muss man auch mal egoistisch sein, immerhin hat man nur das eine Leben.

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» Ramones » Beiträge: 40604 » Talkpoints: 60,18 » Auszeichnung für 40000 Beiträge


Ich verstehe das Szenario nicht. Warum sollte mein Kollege einen Nachteil haben wenn ich Urlaub nehme? Mein Urlaub wird doch nicht von seinem Urlaubskonto abgezogen und er muss dann auch nicht plötzlich für zwei arbeiten, was ja auch gar nicht möglich wäre.

Theoretisch könnte es natürlich passieren, dass mehrere Kollegen zur gleichen Zeit Urlaub haben wollen, was aber nicht für alle möglich ist. Aber da unterhält man sich doch dann drüber und versucht gemeinsam im Team eine Lösung zu finden, mit der alle leben können.

Was würde es mir denn bringen wenn ich die Teamleiterin raushängen lasse und meinen Anspruch durchboxe, ohne Rücksicht zu nehmen? Für ein paar wenige Wochen Urlaub in Kauf nehmen, dass sich das Arbeitsklima verschlechtert?

Dass die Kollegen das Gefühl bekommen, dass wir im Team nicht mehr gleichberechtigt über alles reden können? Da wäre ich ja schön dumm. Ich habe irgendwann während ich erwachsen geworden bin mal gelernt, dass mit dem Fuß aufstampfen und "ich will!" schreien mich nicht unbedingt dahin bringt wo ich hin will.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23914 » Talkpoints: 87,10 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Ich kann auch nicht so ganz folgen. Es ist doch egal, ob ich Urlaub nehme, um mich zu erholen oder um "eigene Ziele zu verfolgen". Schließlich habe ich als 08/15-Angestellte ein Recht auf Urlaub und auch Überstundenabbau, und in meinen Augen ist es die Aufgabe meines Vorgesetzten, dafür zu sorgen, dass es möglichst fair zugeht.

Was in den meisten Fällen natürlich auch gar kein Problem ist. Die meisten Leute haben doch genügend Anstand, um nicht exakt dann auf Urlaub zu bestehen, wenn die Kollegin keine Kinderbetreuung findet oder jemand auf die Hochzeit seines Bruders nach Helgoland fliegen möchte. Und generell ist es die Aufgabe des Unternehmens, dafür zu sorgen, dass auch im Urlaubs- und Krankheitsfall die Bude nicht abbrennt und die verbliebene Belegschaft nicht überlastet wird. Es kann ja immer sein, dass sich jemand das Bein bricht, und dann kann man ja schlecht verlangen, dass keiner der Arbeit fern bleibt, bis die Besatzung wieder vollständig ist.

Ich muss mich im Job sowieso schon mit dem gesetzlichen Maximum an Betriebsurlaub abfinden, weswegen ihr darauf wetten könnt, dass ich knapp die Hälfte des mir zustehenden Urlaubs, die ich noch frei verwenden kann, auch nach meinem Gutdünken nehme. Der Chef kann mir ja theoretisch die Zustimmung verweigern, wenn ihm das nicht passt, und dass die KollegInnen mehr zu tun haben, wenn ich nicht da bin, ist eben der Lauf der Welt. Wenn jemand krank ist, ist es ja auch nicht anders, und ich schleppe mich auch nicht mit Grippe ins Büro, um ja nicht "egoistisch" zu wirken.

» Gerbera » Beiträge: 8388 » Talkpoints: 1,22 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Also bei uns ist es ständig so, dass Kollegen im Nachteil sind, wenn man Urlaub nimmt. Von da her scheue ich mich nicht auch einmal Urlaub zu nehmen, wenn es möglich ist. Natürlich bereite ich meine Arbeitskollegin darauf vor und das auch wieder früh genug.

Ich finde es immer fair, wenn man mit offenen Karten spielt und nicht auf einmal sagt, dass man dann und dann frei haben möchte. Von dem her denke ich, dass es ein Geben und Nehmen ist. Aber klar nehme ich frei, wenn es für mich passt und ich aber auch das Gefühl habe, dass es für die andere Person geht. Wir schauen schon, dass wir so frei nehmen, dass es für alle passt.

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» nordseekrabbe » Beiträge: 8600 » Talkpoints: 79,10 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


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