Behinderte im Freundeskreis von Aktivitäten ausschließen?

vom 13.11.2017, 23:22 Uhr

Ich habe neulich im Fernsehen eine Doku gesehen, über einen sehr interessanten Freundeskreis. Einer der Freunde hatte Muskeldystrophie. Dennoch ist er mit dem ganzen Freundeskreis verreist und war beispielsweise in Portugal am Strand. Die Leute im Freundeskreis haben sich um ihn gekümmert und diese Reise daher ermöglicht.

Ich fand das sehr löblich. In meinem Freundeskreis lief das eher anders. Wir hatten lange Zeit ein Mädel im Freundeskreis die mit einer Missbildung zur Welt gekommen ist und auch nicht laufen konnte. Wenn wir gemeinsam verreist sind, haben wir aber automatisch angenommen, dass sie nicht mitkommen möchte. Daheim hatte sie auch eine Pflegerin, wenn die Eltern nicht anwesend waren.

Uns ist gar nicht in den Sinn gekommen, diese Pflege zu übernehmen und so haben wir so quasi automatisch aus diesen Aktivitäten ausgeschlossen. Es war sogar häufig so, dass sie gar nicht wusste, was wir so alles ohne sie gemacht haben. Wie seht ihr das? Schließt ihr Menschen mit Behinderungen teilweise auch automatisch aus gewissen Aktivitäten aus? Oder fragt ihr aus Höflichkeit? Habt ihr ein schlechtes Gewissen dabei oder findet ihr das normal, da behinderte Menschen eben nicht alles mitmachen können?

» Crispin » Beiträge: 14936 » Talkpoints: 6,93 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Mit so einem Freundeskreis braucht man echt keine Feinde mehr. Wie kann jemand angeblich dazugehörende, wenn er meist noch nicht einmal weiß, was die anderen so machen? Und warum zum Geier sollte man einen Freund aus Höflichkeit fragen, ob er mitkommen möchte? Freunde fragt man doch normalerweise, weil man sie mag und sie dabei haben möchte.

Mein Mann hat einen guten Bekannten im Rollstuhl. Selbst den fragt man und entscheidet nicht für ihn, was er kann oder möchte. Das ist noch nicht einmal eine Freundschaft. Bei mir gibt es jemanden mit starker Sehbehinderung, eine von Contergan geschädigte Frau und jemanden mit Gehhilfe. Auch hier fragt niemand aus Höflichkeit oder aufgrund eines schlechten Gewissens. Das sind unsere Freunde und die sind genauso wichtig wie die anderen.

» cooper75 » Beiträge: 9804 » Talkpoints: 60,70 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich habe nun keine behinderten Menschen in meinem Freundeskreis, aber ich sehe es auch so, dass es unfair ist, wenn man diese Menschen dann einfach ausschließt, ohne zu fragen, ob sie bei einer Aktivität mitmachen können oder wollen. Wenn die junge Frau doch eine Pflegerin hatte, dann hätte es doch auch sein können, dass diese dann mit in den Urlaub hätte reisen können und dass ihr mit der Pflege gar nichts zu tun gehabt hättet.

Sicher ist es normal, dass behinderte Menschen nicht unbedingt alles mitmachen können, aber wenn sie doch zum Freundeskreis gehören, dann sollte man sie dabei haben wollen, so kenne ich das jedenfalls, dass man sich zu Aktivitäten trifft, weil man sich mag und Zeit zusammen verbringen möchte. Darum finde ich es selbstverständlich, dass vor gemeinsamen Aktivitäten auch alle gefragt werden, ob sie mitmachen möchten und nicht einzelne Personen einfach so ausgeschlossen werden.

» Barbara Ann » Beiträge: 24684 » Talkpoints: 12,69 » Auszeichnung für 24000 Beiträge



cooper75 hat geschrieben:Und warum zum Geier sollte man einen Freund aus Höflichkeit fragen, ob er mitkommen möchte? Freunde fragt man doch normalerweise, weil man sie mag und sie dabei haben möchte.

Das sehe ich genauso. Ich frage mich ehrlich gesagt, wie man scheinbar mit dem Begriff "Freundschaft" inflationär um sich schmeißen kann, wenn das doch gar keine echte Freundschaft sein kann. Echte Freunde möchte man dabei haben, weil man sie schätzt und sie einem wichtig sind. Selbst, wenn sie ein Handicap haben, sieht man sie nicht als Belastung an oder als weniger Wert. Ich finde es echt traurig, dass man bei solchen Menschen nur das Handicap sieht und nicht den gesamten Menschen und seine Persönlichkeit und den damit verbundenen "Wert".

Ich habe einige Freunde, die schwerbehindert sind. Entweder wegen einer Wirbelsäulendeformierung, wegen einer Herztransplantation oder wegen Epilepsie. Hilfe im Alltag braucht davon (noch) keiner, das bezieht sich dann eher auf Umzüge und solche Sachen. Eine Kollegin von mir ist blind, mit der habe ich aber privat nichts zu tun. Aber selbst wenn ich mit ihr befreundet wäre, wäre mir das Handicap egal und ich würde sie wegen nichts ausschließen wollen.

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» Täubchen » Beiträge: 21424 » Talkpoints: 0,23 » Auszeichnung für 21000 Beiträge



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