Arbeitsaufgaben von Bekanntem gegen Bezahlung machen lassen

vom 17.01.2021, 02:53 Uhr

Bei meiner Forschungsstelle an der Uni, die ich seit ein paar Monaten habe, bekomme ich oft Aufgaben, die mir nicht liegen. Das sind Aufgaben, die ich einerseits als sehr langweilig empfinde, wo mir dann aber andererseits auch die Motivation dazu fehlt und es mir daher wirklich schwierig vorkommt, mich dazu aufzuraffen, gerade weil im Home Office eben keiner dahinter steht und darauf achtet, dass ich mich ausreichend damit beschäftige. Mir fällt das schwer, mich zu Aufgaben zu zwingen, die ich als total aversiv empfinde. Zudem habe ich auch oft irgendwelche andere Termine, auch Termine, die was mit meiner Selbstständigkeit zu tun haben und dann müsste ich eigentlich danach, abends, mich nochmal hinsetzen und die Uni-Aufgaben abarbeiten, was nicht so wirklich passiert.

Irgendwann mal hatte ich die Idee, ob nicht jemand anderes diese Uni-Aufgaben für mich machen könnte, ich bezahle dann die Person dafür und mache in der Zwischenzeit etwas, womit ich auch Geld verdiene, was mir aber mehr Spaß macht. Das habe ich nun vergangene Woche ausprobiert und es klappt ganz gut. Ich habe einen Bekannten, der aktuell ohnehin in Kurzarbeit ist, weil er normalerweise in einem Geschenkeladen arbeitet und der ist zu. Er hat sich über die Aufgabe gefreut und hat das, was ich vergangene Woche hätte für die Uni erledigen müssen, für mich abgearbeitet. Da das keine geheimen Daten sind, die ich ihm dazu übermitteln musste, ist das auch datenschutzrechtlich ein Problem. Er kann das besser und schneller als ich, was wohl daran liegt, dass er dieses Motivationsproblem wie ich nicht hat.

Ich hatte also einmal eine Online-Besprechung mit der Uni, habe da meine Aufgaben mitgeschrieben und sie ihm dann weitergeleitet, er hat das für mich gemacht und schreibt mir dann eine Rechnung. Für mich lohnt es sich, da ich erstens diese langweiligen Aufgaben nicht selbst machen muss und zweitens in der Zwischenzeit andere Dinge machen kann, an denen ich mehr verdiene. Ich denke, das werde ich jetzt erst einmal so beibehalten. Und er kann sich während der Kurzarbeit in seinem Laden was dazu verdienen, eine Win-Win-Situation.

Habt ihr schon einmal andere eure Arbeitsaufgaben erledigen lassen? Wie habt ihr das dann abgerechnet, habt ihr beispielsweise nach Stunden bezahlt oder habt ihr vorher eine Art Festpreis verhandelt? Habt ihr mehrere Personen gefragt, ob sie euch helfen oder nur eine und wie seid ihr dann damit umgegangen, wenn derjenige dann doch keine Zeit mehr hatte?

» Zitronengras » Beiträge: 9265 » Talkpoints: 69,08 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich habe das bisher noch nicht gemacht und denke mir auch, dass das in den meisten Fällen wohl auch auffallen würde. Wenn er das in deinem Fall gut kann, dann ist das doch auch okay, wenn ihr euch da einig seid. Warum machst du denn aber diesen Job, wenn er dir nicht zusagt und du mit einer anderen Sache in der selben Zeit mehr verdienen kannst? Wenn ihr da eine Lösung gefunden habt ist das okay. Bei mir wäre das nicht so einfach möglich. Wobei ich immer auch Freunde und Bekannte frage, wenn ich gewisse Hilfe brauche und da zahle ich auch durchaus etwas.

Meiner Meinung nach ist es ja auch vollkommen richtig sich gegenseitig zu helfen und wenn man da gegenseitig eine Vorteil hat, dann sehe ich da auch kein Problem. In deinem Fall könnte die Uni meckern, aber ich gehe mal nicht davon aus, dass die das wirklich merken.

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» Ramones » Beiträge: 44121 » Talkpoints: 19,66 » Auszeichnung für 44000 Beiträge


Ramones hat geschrieben:Warum machst du denn aber diesen Job, wenn er dir nicht zusagt und du mit einer anderen Sache in der selben Zeit mehr verdienen kannst?

Der Grund ist, das ich mir die Inhalte der Tätigkeit völlig anders vorgestellt habe. Ich wollte schon immer in der Forschung arbeiten. Mir hat es viel Spaß gemacht, bei meiner Diplomarbeit in der Literatur zu stöbern, Erhebungen zu planen, Modelle aufzustellen und einfach in den erhobenen Daten dann auf Suche nach Zusammenhängen usw. zu gehen, also dieses Vor-Sich-Hin-Forschen. Und das war bei meiner Dissertation auch so, wenn auch da etwas mehr gemacht werden musste. Ich habe immer neidisch auf diejenigen geschaut, die in der universitären Forschung tätig waren, weil ich dachte, das dürfen die den ganzen Tag machen.

Als ich dann die Stelle hatte, habe ich mich erstmal total gefreut und war voller guter Erwartungen, weil ich dachte, nun kommt meine große Selbstverwirklichung in der Forschung. Und dann habe ich lauter blöde Aufgaben bekommen. Da wollte ich die Flinte nicht gleich ins Korn werfen und habe darauf gewartet, dass es besser wird. Wurde es aber nicht.

Ich habe was anderes erwartet und weder in der Stellenausschreibung noch im Vorstellungsgespräch wurde mir mitgeteilt, dass ich einfach nur so belanglose Hilfstätigkeiten übernehmen soll. Ich hatte sogar mal angesprochen, dass ich lieber an den Veröffentlichungen mitschreiben wöllte, aber das wollten die nicht. Und darum blieb alles so und ich finde es halt einfach nur öde. Ich kann nicht wie andere etwas machen, was mich absolut gar nicht begeistert.

Auf der anderen Seite befinden wir uns seit Monaten in einer Situation, in der man eine sichere Stelle nicht einfach so hinschmeißt, so lange es andere Optionen gibt. Wir wissen ja nicht, ob das noch 3 Monate, 6 oder 12 Monate so weiter geht oder ob es nächsten Herbst eine neue Variante gibt, gegen die die Impfung nicht hilft. Sicher ist sicher und wenn ich das irgendwie organisiert bekomme, behalte ich das erstmal.

» Zitronengras » Beiträge: 9265 » Talkpoints: 69,08 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



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