Als gesamte Familie Kind in die Notaufnahme bringen?

vom 28.06.2017, 08:04 Uhr

Als ich gestern im Krankenhaus war, war dort auch eine Familie, die einen kleinen Jungen dorthin brachte, der sich offensichtlich am Bein verletzt hatte. Der Junge wimmerte auch, weil er Schmerzen hatten. Es waren 5 Erwachsene dabei, den Jungen begleitet haben.

Es handelte sich wohl um keine gebürtig deutsche Familie, da sie in einer anderen Sprache miteinander gesprochen haben. Ich nehme an, dass es vielleicht eine Familie türkischer Herkunft war. Da kennt man es ja durchaus, dass sie viel im Familienbund machen.

Nun war es aber doch recht voll, alleine durch die 5 Erwachsenen die dabei waren. Als der Junge versorgt war, musste sich die ganze Familie dann in einen Kleinwagen quetschen und der Junge wurde über den Schoß gelegt, damit er überhaupt noch irgendwie transportiert werden konnte.

Ist es durchaus sinnvoll als ganze Familie ins Krankenhaus oder die Notaufnahme zu fahren? Sollte man sich da nicht besser auf zwei Personen beschränken, die das Kind dann begleiten? Ist es dem Krankenhauspersonal egal, wie viele Personen zur Begleitung mitkommen?

Benutzeravatar

» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Vielleicht wirkt sich das ja positiv auf die psychische Entwicklung des Kindes aus, wenn es hört und sieht, dass der gesamte Clan angereist ist, sich für das Kind und seine Gesundheit interessiert und dass man füreinander da ist? Anders kann ich mir das auch nicht erklären und man sollte die Psyche im Genesungsprozess niemals unterschätzen.

Ich hätte es als Außenstehende für ausreichend empfunden, wenn da im Prinzip ein oder zwei Erwachsene dabei gewesen wären, die als Dolmetscher fungiert hätten oder die zumindest ausreichend Deutsch verstanden hätten, um den Arzt eben zu verstehen. Ich kenne aber auch dieses Clan-Denken nicht und diese Strukturen.

Möglicherweise empfindet das Kind so mehr Sicherheit. Manche Kinder haben Angst, wenn sie plötzlich von wildfremden Menschen untersucht werden (und man dann vielleicht noch die Sprache nicht versteht) und ein Arzt fasst für gewöhnlich ja auch an, wenn er untersuchen soll. So ganz berührungslos geht das ja schlecht. Das kann zusätzliche Panik auslösen.

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Ich finde das grauenhaft und musste schon oft genug die ganze Meute abhalten, die dann auch mit dem Rettungswagen fahren wollte. Grundsätzlich nehme ich nur einen mit, wenn es ein Kind ist und der Rest kann dann selbst zusehen wie er in die Klinik kommt. Gerade bei Ausländischen Mitbürgern, bei dem direkt der ganze Clan mit Tanten, Onkels, Kindern, Eltern, Großeltern und Co versammelt wird, ist das nicht immer einfach gewesen denen das klar zu machen. Mein Platz ist beschränkt im Rettungswagen und ich überlade diesen auch nicht.

Zudem es auch nie förderlich war für die Kinder, wenn hinterher dann 10 Erwachsene auf es eingeredet und bejammert haben. Damit waren die Kinder noch mehr aufgedreht, haben sich weniger beruhigen lassen, brauchten höhere Dosen Medikamente damit sie in Kurznarkose kommen und solche Dinge.

Wenn etwas ist, dann bringe ich mein Kind alleine in die Notaufnahme und warte nicht erst, bis der komplette Clan auch angetanzt ist. Maximal der Kindsvater wird unterwegs angerufen oder aus der Notaufnahme wenn ich mehr weiß, mehr aber auch nicht und ich habe auch kein Bedarf daran, dass alles herum springt und am jammern ist. Gerade wenn es nur halb so schlimm ist, ist das auch für das restliche Personal eher eine Belastung und auch für das betroffene Kind selbst.

Eine Bezugsperson reicht vollkommen aus da muss nicht die komplette Sippe mit und wenn es mit der Sprache nicht klappt, dann maximal noch einer der Übersetzt für das Personal, aber nicht am Kind fummelt und zuppelt.

Benutzeravatar

» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Ich denke, dass das maximal die beiden Eltern angeht, aber man nicht gleich mit dem ganzen Clan anrücken muss. Mag sein, dass das auf manche Kinder gut wirkt, auf andere Kinder nicht, aber mal ehrlich man ist nicht immer zusammen und da würde ich gar nicht warten wollen bis alle da sind, wenn etwas ist. Wenn man nicht gerade zusammen ist, sollte der andere Elternteil informiert werden, ich finde aber generell dass schon eine Bezugsperson reicht und wichtig ist für das Kind.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 46597 » Talkpoints: 36,04 » Auszeichnung für 46000 Beiträge



Bei einem Kind ist es für mich okay, wenn wir ein Elternteil im Rettungswagen mitnehmen. Aber mehr ist tatsächlich zu viel. Und auch in der Notaufnahme sind die Räumlichkeiten begrenzt, oft liegen auch dort mehrere Patienten mit unterschiedlichsten Problemen auf mehreren Liegen verteilt und gut einsehbar oder zumindest könnten Fremde auch Namen oder das Leiden mitbekommen. Da finde ich es auch unangenehm, wenn mehr als eine Person mitkommt.

Also im Rettungswagen und in der Notaufnahme, bitte auch im Wartebereich, maximal nur eine Person. Alles Andere blockiert unnötig Vorgänge und der Platz für andere Patienten wird noch geringer. Und auch der Platz um am Patienten zu arbeiten, ist begrenzt.

Ich kann es verstehen, wenn man intrafamiliär aneinander hängt und alles gemeinsam macht. Aber mehr ist zumindest in den genannten Bereichen mehr als anstrengend und nicht gewünscht. Die Familie kann ja gegebenenfalls draußen warten, wenn das Wetter es zulässt oder zwischenzeitlich in die Krankenhaus-Cafeteria gehen, bis das Kind auf Station ist. Oder die Eltern oder die Begleitperson macht eine WhatsApp Gruppe auf und informiert darüber über den Verlauf und kann auch darum bitten, dass die Familie hinzukommt.

Es geht ja nicht nur um das Kind, es geht auch um Arbeitsprozesse und um das arbeitende Personal. Habt ihr schon einmal versucht, einen kompletten Clan mit zehn anwesenden Personen aus einem Krankenzimmer zu bugsieren, weil man eben eine Behandlung durchführt? Die Familie gehörte zwar zu einer anderen Person, aber es ist unangenehm, wenn eine Person im Zimmer dann eine unangenehme Behandlung bekommt und absolut keine Privatsphäre möglich ist. Ich wurde damals beleidigt, ich wurde beschimpft, die Tür wurde immer aufgerissen, dann kam immer eine neue Person einzeln rein, bis der Arzt mal was gesagt hat und von meinen Kollegen die Tür von außen blockiert wurde, bis ich fertig war. Da denkt man, man wird fast irre.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 12026 » Talkpoints: 21,25 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Wenn das Kind so die familiäre Struktur gewohnt ist, dann ist es in einem Notfall sicher auch gut, wenn da die Eltern und auch Großeltern mit dabei sind. Das würde ich jetzt nicht unbedingt auf die Herkunft schieben. Wir kennen es zwar weniger, dass mehrere Generationen zusammen wohnen, aber auch das gibt es noch.

Und ehe mir da die Oma zu Hause fast irre wird, weil sie nicht weiß was mit dem geliebten Enkel los ist, würde ich sie dann eben auch mitnehmen. Da hat man auch als Eltern mehr Ruhe vor Ort, als wenn die Oma dann vielleicht alle paar Minuten noch anruft.

» Punktedieb » Beiträge: 17232 » Talkpoints: 76,62 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Inzwischen hat sich die Frage wohl eh erledigt, weil die Regeln zum Infektionsschutz es gar nicht mehr zulassen würden, dass ein Patient die ganze Sippe mitbringt.

Aber generell kenne ich es eh nur so, dass man als Patient eine Begleitperson mit in die eigentliche Notaufnahme mitnehmen kann und der Rest (falls vorhanden) muss im Wartebereich bleiben. Und ich habe es dort einmal erlebt, dass die Leute, die nicht auf eine Behandlung gewartet haben, gebeten wurde sich anderswo hinzusetzen weil für die Patienten kein Platz mehr frei war.

Benutzeravatar

» Cloudy24 » Beiträge: 26782 » Talkpoints: 140,31 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^