AFD als Mitschuldigen für den Politiker-Mord ansehen?

vom 26.06.2019, 10:48 Uhr

Der Mord an dem Politiker Lübcke macht natürlich seit Tagen wirklich Schlagzeilen. In meinen Augen auch vollkommen zu Recht. Hier wurde ein Mensch, der sich für eine Sache einsetzt von jemand anderen, der heute gestanden hat und eine politisch anders denkende Seite hat, ermordet. Darüber muss man reden und diskutieren.

Es wird aber aktuell auch eine AFD-Debatte darum gemacht, inwieweit die AFD sprichwörtliche Mitverantwortung um diesen Mord trage. Gleichwohl man auch hier mitteilen sollte, dass der mutmaßliche Mörder „Ernst“ von Lübcke der NPD zugeneigt war, was nochmals eine ganz andere Hausnummer ist, als die AFD und das wissen wir bekanntlich auch alle.

Die AFD wird jedoch mit gewissen Maßen eine Mitschuld eingeräumt, was ich persönlich nicht ganz so sehe, aber dazu kommen wir gerne später. Ich wüsste gerne, wie ihr diese Diskussion darum seht, und ob Ihr der Meinung seid, dass es wirklich so einfach ist, der AFD hier den Buhmann mit zu zuschieben oder ob das Problem ganz wo anders liegt?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4686 » Talkpoints: 0,80 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Wenn man sich mal anschaut aus welcher Ecke die Hetze gegen Politiker vor allem kommt, dann ist das nun mal die sogenannte AfD. Natürlich sind andere Organisation - rechtsextreme und linksextreme - da auch nicht gerade zimperlich. Aber die haben halt längst nicht diese Reichweite wie die AfD.

Von daher kann ich die Argumentation schon verstehen. Wenn Vertreter einer Partei im Netz zu Gewalt oder Mord an Politikern aufrufen oder Kommentare ihrer Fans, die das tun, einfach unkommentiert stehen lassen (was ja auch eine Art Billigung ist), dann ist es doch logisch, dass man auf diese Leute schaut wenn es dann wirklich passiert.

Der Täter in diesem Fall war ja nun schon länger Teil der Naziszene, schon bevor AfD und Pegida populär wurden. Aber er hat wohl die letzten Jahre unauffällig gelebt und da fragt man sich doch schon, was in jetzt getriggert hat, dass er sich entschlossen hat einen Mord zu begehen. Man wacht doch nicht eines Morgens auf und beschließt völlig ohne äußeren Anlass, dass man jemand umbringen möchte.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23208 » Talkpoints: 70,71 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


Ich sehe keinerlei Verbindung zur AfD, sie führt einen normalen Diskurs als Opposition und anders als Herr Stegner mit seinem Tweet.

Fakt bleibt, man muss Positionen und Personal der Rechtspopulisten attackieren,weil sie gestrig,intolerant, rechtsaußen und gefährlich sind!

Ruft sie auch nicht zur Gewalt auf und schon gar nicht zu Mord, wie meine Vorposterin hier behauptet. Was ich hier aber zweifelsfrei sehe, ist die mediale Instrumentalisierung des Mordes in einer sehr perfiden Art und Weise.

» RavenThunder » Beiträge: 1238 » Talkpoints: 65,74 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



RavenThunder hat geschrieben:Ruft sie auch nicht zur Gewalt auf und schon gar nicht zu Mord, wie meine Vorposterin hier behauptet.

Kennst du alle Äußerungen von Mitgliedern und Anhängern dieser Partei? Wohl kaum. Es gibt Webseiten, die das alles mit Screenshots für die Nachwelt festhalten was da gerade passiert. Ich "behaupte" das nicht einfach, ich weiß es. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen. Mach die Augen auf, auch das rechte, dann kannst du die unbequeme Wahrheit auch genießen. Eine Partei, die Verfassungsfeindliche Tendenzen in den eigenen Reihen toleriert ist keine normale Oppositionspartei.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23208 » Talkpoints: 70,71 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Ich sage nicht, dass die AFD nicht wahren Zündstoff auf politischer und manchmal auch teils grenzwertiger Schiene legt. Doch die Kernpolitiker, die durchaus öffentlich präsenter sind, haben niemals zu Mord aufgerufen. Wenn eine Alice Weidel das täte, wäre das sofort mit Nachweisen in der Presse. Stattdessen sind es die anderen internen Leute, die durchaus auch sehr grenzwertig sind und rausgeschmissen gehören – keine Frage.

Auch ich kenne da so manche Screenshots, wo ich dachte, alter falter, jetzt geht es los. Keine Frage. Doch nur weil das irgendwelche Spinner aus einer Partei fordern, muss das nicht der Anstachel-Effekt sein und dann macht es jemand. Was wäre, wenn die Idioten schreiben, jeder Rechte soll von einer Brücke springen, tut doch dann auch keiner. Also selber Verantwortung tragen sollte wohl machbar sein.

Nur weil ein Volker Beck Geschlechtsverkehr mit einer 12-jährigen straffrei lassen wollte, muss sich das Pack auch nicht dazu ermutigen lassen, dies schon mal im Vorfeld durchzuführen. Mir ist zwar sicherlich bewusst, dass viele Rechte, Linke und IS-Liebhaber auf vielen Ebenen derzeit gehirngewaschen sind, aber frei denken kostet nichts. Etwas mehr Luft täte dann gut.

Aber es ist ja auch Okay, wenn das die Leute anders sehen. Was ich auch durchaus nachvollziehen kann, aber eben nur bis zu gewissen Grenzen. Jeder handelt immer noch allein. Der Typ war schon Jahre vorher aufgefallen und hat offenbar auch eine Rohrbombe in ein Asylheim geworfen. So jemanden aus dem Radar zu verlieren, ist mir schleierhaft, nur weil der sich „ruhig“ verhalten hat.

Der war eine tickende Zeitbombe, was ganz offensichtlich ist, wenn man auch nach dem Rohrbomben-Attentat noch immer bei der NPD rumgeistert. Da kann ich die AFD jetzt nicht für menschliches Versagen oder Glauben, dass er harmloser geworden sei, verantwortlich machen.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4686 » Talkpoints: 0,80 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Cloudy24 hat geschrieben:Von daher kann ich die Argumentation schon verstehen. Wenn Vertreter einer Partei im Netz zu Gewalt oder Mord an Politikern aufrufen oder Kommentare ihrer Fans, die das tun, einfach unkommentiert stehen lassen (was ja auch eine Art Billigung ist), dann ist es doch logisch, dass man auf diese Leute schaut wenn es dann wirklich passiert

Dann nenne mal auch nur ein Beispiel, wo jemand von der AfD konkret zum Mord gegen den Ermordeten aufgerufen hat. Die AfD hat mit diesem Mord ebenso wenig zu tun wie die Grünen oder die SPD. Bisher waren doch eher die Politiker der AfD von Attentaten betroffen. Dies sollte man bitteschön nicht vergessen. Zumal diese Attentate auch hätten anders ausgehen können. Ich halte es auch für ziemlich schäbig, diesen feigen Mord für eine politische Schmutzkampagne zu missbrauchen.

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» Juri1877 » Beiträge: 6204 » Talkpoints: 21,45 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Juri1877 hat geschrieben:Dann nenne mal auch nur ein Beispiel, wo jemand von der AfD konkret zum Mord gegen den Ermordeten aufgerufen hat.

Im aktuelle Fall steht Erika Steinbach - Vorsitzende einer AfD Stiftung - in der Kritik. Sie hat in einem Posting gegen den Ermordeten gehetzt und sehr eindeutige Kommentare (Pistolen, Galgen, offene Morddrohungen) weder kommentiert noch gelöscht.

Was wird den Kommentierenden damit wohl suggeriert? Natürlich, dass das völlig in Ordnung geht, dass Erika Steinbach sogar stillschweigend zustimmt. Ansonsten würde man diesen ekelhaften Dreck doch löschen und die Verfasser sofort blockieren. Macht doch jeder andere Politiker auch.

Außerdem muss man ja nicht konkret zum Mord an einer bestimmten Person aufrufen oder Mordaufrufe in den Kommentaren seiner Facebook Seite tolerieren um bestimmten empfänglichen Menschen das Gefühl zu geben, dass ein Mord gerechtfertigt ist.

Schau dich mal auf den "AfD Watch" Blogs um. Da findet man solche Aussagen wie "Merkel muss erlegt werden", "Schade, dass die KZs geschlossen sind", "Grüne unters Fallbeil", "Weg frei schießen", "Ich möchte auf ihren Leichen tanzen" und so weiter. Das sind politische Hassprediger, die sich nicht wundern müssen wenn das jemand wörtlich nimmt.

Auch ich kenne da so manche Screenshots, wo ich dachte, alter Falter, jetzt geht es los. Keine Frage. Doch nur weil das irgendwelche Spinner aus einer Partei fordern, muss das nicht der Anstachel-Effekt sein und dann macht es jemand.

Muss nicht, kann aber. Klar, von 80000 Menschen, die die AfD Hetze gelesen haben, haben vielleicht 79999 nichts gemacht und prozentual gesehen ist die eine Ausnahme fast zu vernachlässigen. Aber wie wir alle wissen reicht ein einziger Mensch mit einer Pistole für einen Mord.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23208 » Talkpoints: 70,71 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Cloudy24 hat geschrieben:
Juri1877 hat geschrieben:Dann nenne mal auch nur ein Beispiel, wo jemand von der AfD konkret zum Mord gegen den Ermordeten aufgerufen hat.

Im aktuelle Fall steht Erika Steinbach - Vorsitzende einer AfD Stiftung - in der Kritik. Sie hat in einem Posting gegen den Ermordeten gehetzt und sehr eindeutige Kommentare (Pistolen, Galgen, offene Morddrohungen) weder kommentiert noch gelöscht.

Was wird den Kommentierenden damit wohl suggeriert? Natürlich, dass das völlig in Ordnung geht, dass Erika Steinbach sogar stillschweigend zustimmt. Ansonsten würde man diesen ekelhaften Dreck doch löschen und die Verfasser sofort blockieren. Macht doch jeder andere Politiker auch.

Außerdem muss man ja nicht konkret zum Mord an einer bestimmten Person aufrufen oder Mordaufrufe in den Kommentaren seiner Facebook Seite tolerieren um bestimmten empfänglichen Menschen das Gefühl zu geben, dass ein Mord gerechtfertigt ist.

Frau Steinbach bekommt auch oft genug von linker Seite Drohungen und hat über 70.000 Follower. Sie löscht keine Kommentare und überlässt dies jedem selber. Aber ich lasse mir gerne einseitige Halbwahrheiten erzählen.

Cloudy24 hat geschrieben:Schau dich mal auf den "AfD Watch" Blogs um. Da findet man solche Aussagen wie "Merkel muss erlegt werden", "Schade, dass die KZs geschlossen sind", "Grüne unters Fallbeil", "Weg frei schießen", "Ich möchte auf ihren Leichen tanzen" und so weiter. Das sind politische Hassprediger, die sich nicht wundern müssen wenn das jemand wörtlich nimmt.

Ein Blog ohne Impressum ist immer sehr seriös. Früher habe ich gerne Endstation Rechts gelesen. Dort hat man sich sehr darüber aufgeregt, dass der NPD-Funktionär Sascha Wagner mit dem Vergewaltiger seiner damals 13jährigen Tochter auch weiterhin befreundet blieb. Als dann die Flüchtlinge mit ihren minderjährigen Ehefrauen kamen, wurden auf einmal ganz andere Maßstäbe angelegt. Solche Blogs oder Foren dienen auch nur ihren Schöpfern und die wollen oft nur, dass ausschließlich die AfD angegriffen wird.

Cloudy24 hat geschrieben:
Auch ich kenne da so manche Screenshots, wo ich dachte, alter Falter, jetzt geht es los. Keine Frage. Doch nur weil das irgendwelche Spinner aus einer Partei fordern, muss das nicht der Anstachel-Effekt sein und dann macht es jemand.

Muss nicht, kann aber. Klar, von 80000 Menschen, die die AfD Hetze gelesen haben, haben vielleicht 79999 nichts gemacht und prozentual gesehen ist die eine Ausnahme fast zu vernachlässigen. Aber wie wir alle wissen reicht ein einziger Mensch mit einer Pistole für einen Mord.

Aber gegen die Aufnahme irgendwelcher IS-Terroristen bist du nicht. Das Risiko kann die deutsche Bevölkerung tragen. Wenn wir solche Einzelfälle wie die Morde an der kleinen Mia oder an Suzanna ertragen können, warum sollen wir uns dann mehr über solche Morde wie an Herrn Lübke aufregen?

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» Juri1877 » Beiträge: 6204 » Talkpoints: 21,45 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


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