Ärmere Haushalte als Gewinner in der Pandemie ansehen?
In verschiedenen Studien wurden gerade ärmere Haushalte als Gewinner der Corona-Pandemie herausgestellt. Als Begründung wurden hierbei die staatlichen Corona-Hilfen in Form des einmaligen Kinderbonus in Höhe von 300€ und ein erhöhter Einkommensteuerfreibetrag angeführt. Angesichts solcher „Vorteile“, finde ich bei ärmeren Leuten von Gewinnern oder gar Profiteuren der Pandemie zu sprechen, schon etwas makaber. Seht ihr das auch so oder welche Meinung habt ihr denn dazu?
Der Einkommenssteuerfreibetrag ändert sich doch fast jedes Jahr. Da kann man doch keinen Bezug zur Pandemie herstellen. Und was die 300 Euro Kinderbonus angehen, so hat man doch auch höhere Kosten gehabt. Wenn ich an den Lockdown im Frühjahr denke, wo meine Tochter mehr als sechs Wochen zu Hause war und damit allein für den Laptop täglich mehr Strom verbraucht hat, so kann den Kinderbonus nicht als Vorteil oder ähnliches ansehen.
Dazu kommen noch höhere Wohnnebenkosten, weil ja neben dem erhöhten Stromverbrauch auch die Kosten für Wasser, Abwasser und Heizung steigen, wenn die Kinder zu Hause sind. Und dann stell dir mal eine Familie vor, die vorher keinen Computer und Drucker hatte und das anschaffen musste, damit das Kind gute Lernbedingen hat. Da ist der Kinderbonus schon ausgegeben, bevor er überhaupt beschlossen war.
Ärmere Haushalte haben aber oft keine Jobs, die im "Homeoffice" erledigt werden können, und da soll es doch auch eine Pauschale geben, die von der Steuer abgesetzt werden kann wenn man keine Werbungskosten absetzen kann.
Und was ist mit den Angeboten für Kinder aus armen Familien, wo die Kinder Nachmittagsbetreuung und Mittagessen bekommen? Bei uns war so ein Haus teilweise komplett geschlossen, also haben die Eltern ja höhere Ausgaben für Essen gehabt.
Ich finde es schon zynisch von Gewinnern zu sprechen, selbst wenn eine Familie 300 Euro mehr auf dem Konto hat. Das lenkt auch davon ab, dass es echte Gewinner gibt, bei denen es nicht um ein paar Hunderter geht sondern um Milliarden. Ich gönne jeder Familie, die im Frühjahr den Stress mit den geschlossenen Schulen hatte, das Geld, den Großaktionären aber nicht unbedingt.
Wenn Kinder im Haus sind, dann wahrscheinlich nicht, aber Personen ohne Kinder, die schon vorher arbeitslos waren, haben eventuell gar nicht so viele Veränderungen erlebt. Wer beispielsweise von ALG II lebte, der bekam das ja auch weiterhin. Während Angestellte eventuell durch Kurzarbeitergeld weniger verdient haben und Selbstständige auch Einbrüche hinnehmen mussten, änderte ich für Arbeitslose nichts. Aber so ein riesiger Vorteil ist das auch nicht, ist ja dennoch nicht viel.
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