Suizidgedanken und Ankündigung eines Freundes
Wenn jemand einen Selbstmord ankündigt und man den Eindruck hat, dass diese Ankündigung ernst zu nehmen ist, dann gibt es nur eines: Polizei anrufen und denjenigen in eine Psychiatrie zwangseinweisen lassen. Ich weiß, dass das rabiat klingt, aber ich habe mal mit Leuten von einer Beratungsstelle zusammengearbeitet und auch eine entsprechende Schulung erhalten und da wurde es so erklärt. Wenn man dort den Eindruck hatte, jemand könnte sich etwas antun – nicht nur in der momentanen Situation, sondern auch später – dann musste der den Beratern glaubhaft versichern, dass er sich nichts antut und das auch unterschreiben, tat er das nicht, dann wurde die Polizei gerufen und derjenige musste in die Psychiatrie.
Dabei ist es relativ egal, ob er das auch will, denn wer sich selbst oder andere gefährdet, gehört in die Psychiatrie. Wer sich selbst in die Arme schneidet, hat eine Borderline-Störung, die geht nicht einfach von „für den anderen da sein“ oder „Verständnis zeigen“ weg, das ist eine ernsthafte Störung der Kontrolle von Impulsen. Man kann nicht jedem mit Gesprächen helfen, manchmal laufen da Transmitter im Gehirn einfach falsch und man braucht Medikamente. Also, ruf mal bei der Polizei an, das kannst Du auch anonym machen und lasse ihn einweisen. Stell Dir mal vor, er würde sich ansonsten irgendwas antun, das wäre doch auch nicht schön.
Das klingt eigentlich nicht nach Selbstmordgedanken, wenn er sein Studium noch zu Ende bringen möchte. Eine akute depressive Phase hat er bei solchen Plänen jedenfalls nicht, so aus der Ferne heraus diagnostiziert als jemand, der in der Verwandtschaft depressive Menschen hat. Er würde sich dann auch von dir zurückziehen.
Man kann natürlich verantwortungsvoll hier nicht viel raten. Ich würde aber auf jeden Fall ein Gespräch dahin gehend mit ihm führen, dass du diese Ankündigungen nicht mehr erträgst und dich von ihm trennst, wenn er so weitermacht. Du hast als junger Mensch keine Chance, zu helfen. Du machst dich nur damit kaputt. Wenn er so drauf ist, wie er ist, musst du klare Standpunkte vertreten und nicht alles mit dir machen lassen, nur weil du Mitleid hast oder dir Sorgen machst. Das will er vielleicht unbewusst und hat dich so in seiner Macht.
Jedenfalls scheint er eine größere Störung zu haben, die behandelt werden muss, aber ich fürchte, dass du als Einzelner da machtlos bist. Sei auf jeden Fall vorsichtig bei so einem Menschen.
Mit diesen Ankündigungen zeigt er deutlich, dass er dringend Aufmerksamkeit braucht. Ob diese nun aus Depressionen herrühren, kann man aus der Ferne nicht sagen. Für mich hört sich das eher nach einer Borderline-Persönlichkeitsstörung an. Dass auch depressive Menschen solche Ankündigungen machen, kann ich nur bejahen, allerdings sind diese weitaus subtiler und versteckter. Es sind Dinge, die man erst im Nachhinein einordnen kann. Zahlreiche Narben am Arm zeugen auch nicht unbedingt von Selbstmordversuchen, sondern meist eher von absichtlicher Selbstverletzung. Ein depressiver Mensch wird nur wenige Versuche unternehmen, sich umzubringen, dafür sind diese gut geplant und meistens als sehr ernsthaft einzustufen. Narben werden in der Regel versteckt und es wird kaum über Selbstmord gesprochen. Schon gar nicht in so einer Art, wie dein Bekannter das tut. Dir genau zu sagen, wie er sich umbringen will und wie nicht, passt für mich nicht in eine depressive Erkrankung. Auch die Tatsache, dass er einen genauen Termin ankündigt, zeugt für mich eher gegen eine ernsthafte Absicht, sich selbst zu töten.
Für mich hört sich das eher wie ein Hilfeschrei oder einen Schrei nach Aufmerksamkeit an. Jemand, der so offensichtlich schreit, dass er Hilfe braucht, dem sollte auch geholfen werden. Du kannst da aber nicht viel machen. Selbst Gespräche mit ihm können in eine vollkommen falsche Richtung laufen, nämlich, dass du daran zerbrichst. Das ist nicht Sinn der Sache. Eine Therapie zu verweigern oder gegen den Therapeuten zu arbeiten spricht meist davon, dass der Betroffene noch nicht so weit ist, um sich mit seiner Erkrankung auseinander zu setzen oder dass es ihm -so schlimm das klingt- noch nicht schlecht genug geht, um sich mit seinen Problemen zu befassen. Du solltest ihn nicht alleine lassen, aber nur soweit Hilfe in Form von Gesprächen anbieten, wie er kooperativ ist und es dich nicht belastet.
Leider denken die Wenigsten, die mit einer derartigen Handlung drohen an ihr Umfeld. An die Verletzung, Verzweiflung und Hilflosigkeit, die nahe Menschen bei einer solchen Aussage fühlen. Du hast mit ihm darüber gesprochen und er hat deine Angst absichtlich noch geschürt, indem er dich gerade nicht beruhigt hat. Mir scheint, als wolle er mit dir und deiner Angst spielen. Das ist kein Zeichen von Depressionen. Was genau du tun kannst, hängt sehr davon ab, wie sehr du dich mit hinein ziehen lassen willst. Die Zwangseinweisung kann eure Freundschaft zerstören, bei einsichtigen Menschen wirst du aber vermutlich ein wenig Dankbarkeit ernten. Schlag ihm eine Selbsthilfegruppe vor, eine Kur und versuche, auch für dich selbst einen Ansprechpartner zu finden, der dich auffängt und mit dir Lösungsvorschläge erarbeitet. Wenn du wirklich helfen willst, musst du dir im Klaren sein, dass es auch für dich hart wird, dass es verletzend wird und vielleicht am Ende kein Ergebnis bringt.
Denn auch das muss man als Angehöriger lernen: dass man nur dann helfen kann, wenn der Betroffene sich auch helfen lassen will! Bei deinem Bekannten sehe ich diesen Willen nach deinen Schilderungen nicht. Dir bleiben also nur die Möglichkeiten, dich zurück zu ziehen, ihn einweisen zu lassen oder dir seine Probleme weiterhin ohne Fortschritt anzuhören. Du musst deinen Weg finden, dabei aber auch auf dich selbst achten.
Also ich bin nicht der Meinung, dass er nur Aufmerksamkeit will, sondern denke das er es auch wirklich tun würde nur die Frage ist wann. Ich glaube nicht unbedingt, dass er es dann tun wird wann er es gesagt hat, sondern er das nur so daher gesagt hat, weil wir halt darüber geredet haben, weil ich eben diesen Alptraum hatte.
Er hat wirklich Depressionen und wenn er Aufmerksamkeit wollen würde, dann würde er sich die woanders holen. Er ist immer noch verliebt in seine Ex-Freundin, als sie Schluss gemacht hat war er sehr deprimiert, noch mehr als sonst. Aber wenn er nur Aufmerksamkeit haben wollen würde, hätte er ihr wohl einen Brief mit Selbstmorddrohung geschrieben, hat er aber nicht getan. Ich nehme das Problem sehr ernst, ich glaube nur nicht unbedingt an den Zeitpunkt, den er mir gesagt hat. Er sagte ja auch. "Wenn dann würde er das eh erst nach dem Studium machen." Und das er oft diese Gedanken hat. Zudem kommen Depressionen und Ritzen. Antidepressiva und Schlaftablette nimmt er auch oft verbunden mit Alkohol am Abend. Oft kann man dann nicht mehr vernünftig mit ihm reden. Was aber meist an den Tabletten liegt, denn viel trinken tut er nicht aber dafür regelmäßig.
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