Suizidgedanken und Ankündigung eines Freundes

vom 16.09.2012, 17:25 Uhr

Ich habe einen Freund, den ich vor 3 Jahren zu Beginn meines Studiums kennen gelernt habe. Damals wusste ich von seinen Problemen nichts. Mir ist irgendwann aufgefallen, dass er sehr viele Narben am Arm hat. Ich habe ihn darauf angesprochen und er hat mir erzählt, dass er starke Depressionen und sogar Suizidgedanken hat. Ich wusste erstmals nicht was ich sagen sollte und habe das Thema vorerst gelassen, aber es stellte sich wirklich immer wieder heraus das er starke Depressionen hat.

Ich hatte dann vor kurzem einen Alptraum wegen seines Suizids, wahrscheinlich weil ich einfach Angst habe, dass er sich wirklich etwas antut. Ich habe ihm dann also von meinem Traum erzählt und daraufhin meinte er nur folgendes: „Keine Sorge, wenn ich mich umbringe nehme ich garantiert keinen Strick sondern werde Tabletten zu mir nehmen und mir die Arme aufschneiden. Und ich werde dafür sorgen, dass du mich nicht als erstes finden wirst.“ Ich finde das nicht sehr beruhigend und habe ihm gesagt, dass mir das auch nicht hilft und eher noch unglücklicher macht. Er hat mir dann noch erzählt, dass er das Studium noch zu Ende machen will (Februar 2013) und dann eventuell am Abend der Abschlussfeier oder den Arbeitstag darauf sich das Leben nehmen will.

Im Internet habe ich bereits nach Hilfe-Seiten gesucht, aber ich habe nicht wirklich viel gefunden. Im Internet stand nur, dass Suizid gefährdete Menschen jemandem brauchen, der Ihnen zuhört etc. Aber ich wage zu bezweifeln das es hilft. Eine Therapie wird er nicht mehr mitmachen, da er schon einige hinter sich hat und keine ihm geholfen hat. Er will das definitiv nicht mehr und jemanden dazu zwingen ist ja sinnlos. Denn wenn er gegen die Therapeuten arbeitet bringt die Therapie ja auch nichts.

Habt ihr vielleicht irgendwelche Tipps oder Erfahrungen für mich oder kennt Gute Internetseiten und Ansprechpartner?

» beckfrau89 » Beiträge: 228 » Talkpoints: 6,30 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Das ist natürlich schon sehr schwierig und auch ein Problem, dir da wirklich etwas sinnvolles zu raten. Ich habe mal gehört, dass jemand keine Vorankündigung macht, wenn er sich wirklich das Leben nehmen möchte. Das passiert dann meistens eher still und leise und es wird höchstens ein Abschiedsbrief hinterlassen. Aber ich würde das natürlich auch ernst nehmen, wenn mir ein guter Freund so etwas sagen würde.

Vielleicht gibt es eine psychologische Beratungsstelle in deiner Nähe, an die du dich wenden könntest. Es wird sicherlich auch gut sein, wenn du öfter mal etwas mit deinem Freund unternimmst und eben für ihn da bist. Vielleicht kannst du ihn so auf andere Gedanken bringen und etwas ablenken. Er würde dann ja vielleicht auch nochmal eine Therapie machen, wenn du ihm anbietest ihn zu begleiten. Für ihn wäre da auch vielleicht ein stationärer Aufenthalt ratsam.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Da muss ich Nelchen widersprechen, ich habe nämlich mal gehört, dass 80% eine Vorankündigung machen, es ist also durchaus ernst zu nehmen. Eine Therapie kann wirklich nur erfolgen, wenn er auch selbst dazu bereit ist. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du für ihn da bist und auch regelmäßig was mit ihm unternimmst. Soziale Kontakte sind das A und O in solchen Situationen. Du darfst das Thema auf keinen Fall unter den Tisch kehren, stattdessen musst du ihm zeigen, dass du ihn ernst nimmst.

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» Inceptor » Beiträge: 317 » Talkpoints: 3,53 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Dass sich jemand nicht das Leben nimmt, wenn er eine Vorankündigung macht, höre ich zum ersten Mal. Schön wäre, das natürlich, aber vorstellen kann ich es mir nicht. Es war ja auch keine Ankündigung in dem Sinne, denn er hat es ja nur mir erzählt, weil sich das während des Gespräches so ergeben hat. Ich nehm das, aber schon ernst und denke, das er das machen würde.

Ich versuche auch ihm immer zuzuhören und für ihn da zu sein. Hin und wieder überrasche ich ihn auch mit Kleinigkeiten. Aber ich wage zu bezweifeln, dass es etwas an seinem Vorhaben ändern wird. Ich denke er leidet auch sehr darunter, dass er keine Frau hat und noch keine Kinder. Er ist 32 und hat Depressionen wegen seines Aussehen und dazu noch Essstörungen. Ich denke da kommt bei ihm einiges zusammen.

» beckfrau89 » Beiträge: 228 » Talkpoints: 6,30 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich muss sagen, dass ich es immer ziemlich unfair finde, wenn Leute mit ihren Selbstmordabsichten hausieren gehen. Vermutlich ist das nicht ganz richtig ausgedrückt, aber es ist von ihm nicht fair, dass er dir so viele Details über sein Vorhaben mitteilt. Da kann man in der Tat auf die Idee kommen, dass er sich eigentlich gar nicht umbringen will, sondern auf diese Weise einen Hilferuf an dich entsendet und darauf hofft, dass du ihn irgendwie davon abhältst. Es gibt genug Leute, die so ticken, aber man kann auch nicht pauschal sagen, dass jemand, der einen möglichen Suizid groß und breit ankündigt und en detail schildert, wie er vorgehen würde, sich anschließend nicht doch umbringt. Es gibt da schon beides.

Fair ist es deshalb nicht, weil du damit in die Situation gebracht wirst, dass du dir nicht nur jetzt Sorgen um ihn machst (was ihm sicher nicht unrecht ist), sondern dir sicher auch Vorwürfe machen würdest, wenn er sich dann tatsächlich umbringen sollte. Dabei ist allein er für sein Leben verantwortlich und sonst niemand. Er ist derjenige, der etwas ändern kann und sollte. Wenn er das alleine nicht schafft, muss er sich Hilfe suchen. Du kannst ihm dabei helfen, aber er muss es auch wollen – und wenn er sich wirklich umbringen will, sollte er dich nicht mit solchen Ausführungen zu dem Thema belasten, sondern seinen Plan verfolgen.

Ich bin immer sehr skeptisch bei Leuten, die sagen, dass sie sich an einem bestimmten Tag oder zu einem besonderen Anlass umbringen wollen. Da scheint der aktuelle Leidensdruck in der Tat nicht so groß zu sein, sonst wäre es wohl nicht möglich, noch länger zu warten. Bilanzselbstmorde, bei denen vielleicht das Leben nicht in den gewünschten Bahnen verläuft und die Person erkannt hat, dass die negativen Aspekte des eigenen Lebens überwiegen, gibt es immer wieder. Aber ich würde mir da wohl nicht so große Gedanken machen.

Falls dein Freund akut ankündigen sollte, dass er sich umbringen möchte, würde ich die Polizei rufen, ihn abholen und zwangseinweisen lassen. Das wird ihm nicht gefallen, aber vermutlich wäre eine psychiatrische Einrichtung für ihn der bessere Ort, sofern er gerade wirklich ernsthafte Suizidabsichten hat. Ansonsten würde ich ihm auch so raten, sich psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe zu suchen. Ist er vielleicht schon in Behandlung? Falls nicht, würde mich das in einem solchen Fall schon wundern, da er offensichtlich größere Probleme hat.

Warum will dein Freund sein Studium beenden und danach sterben? Manche Leute finden Nachfragen bei Leuten, die Selbstmordabsichten äußern, etwas kritisch oder es ist ihnen unangenehm. Ich finde, dass man ruhig nachfragen und der Person auch eventuell vorhandene Unstimmigkeiten aufzeigen sollte. Er ist letztendlich auch erst 32 Jahre alt. Viele Absolventen sind jünger, aber in dem Alter ist noch nichts verloren. Er ist jung und frei und ihm stehen nach seinem Studium sicher ganz andere Möglichkeiten offen. Der Abschluss scheint ja auch in greifbarer Nähe zu sein. Eigentlich sollte sein Leben jetzt richtig losgehen und nicht enden. Ich würde ihn fragen, warum es ihm scheinbar noch wichtig ist, das Studium zu beenden. Vielleicht ist das so ein Punkt, den er sich gesetzt hat, weil er weit genug weg erschien. Das würde auch die These unterstützen, dass er eigentlich nicht sterben will, sondern auf diese Weise um Hilfe ruft.

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14210 » Talkpoints: -1,06 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Diese Ankündigung, mit diesen Details würde ich so sehen, dass er für sich selber eine Gefahr ist und es schon ein Grund ist, ihn einweisen zu lassen. Für mich wäre diese Diskussion noch nicht vorbei und ich denke, dass es auch ein "auf sich Aufmerksam machen" deines Freundes ist. Diese Art, wie er es ankündigt, erinnert mich an ein Kind, welches unbedingt will, dass Mama ihm zuhört. Solltest du dich von ihm trennen, würde er dich mit dieser Aussage auch versuchen zu erpressen.

Hol dir selber mal Hilfe bei einem Psychologen, der dir einen Rat geben kann. Hier wirst du nichts zu lesen bekommen, was dir wirklich hilft. Es sollte schon ein Fachmann einen Rat geben und kein "Fachmann" aus diversen Foren und Plattformen. Suche dir Rat bei einem Psychologen. Da dein Freund ja wohl schon lange dieses Problem hat, wird er ja mal bei einem Psychologen gewesen sein. Versuche herauszubekommen, bei wem und gehe dort hin um einen Ratschlag zu bekommen. Sage, dass du mit der Situation überfordert bist.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Also ich bin mit ihm nicht in einer Beziehung auch wenn das so rüber gekommen ist. Er ist nur ein Freund. Ein guter Freund. Und ich weiß, dass ich nichts dafür, kann wenn er sich letztendlich umbringen würde. Ich würde mir dann auch keine Vorwürfe machen, aber Fakt ist, das er mittlerweile ein großer und wichtiger Teil meines Lebens geworden ist und ich ihn nicht auf die Weise verlieren möchte. Menschen die so etwas tun, haben schließlich Ihre Gründe und anscheinend keine Hoffnungen und Ziele mehr in Ihren Leben. Und jemanden auf die Art und Weise zu verlieren stelle ich mir schlimmer vor, als ein Tod eines Freundes durch z.B. einen Autounfall. Schlimm ist natürlich beides.

Nach psychiatrischen Einrichtungen in meiner Nähe habe ich schon gesucht, aber leider nichts gefunden. Ich will ihn jetzt nicht direkt einweisen lassen, sondern eher um Rat fragen. Zurzeit ist mein Freund nicht in Behandlung, aber ich weiß das er es war und ich denke auch nicht das er nur Aufmerksamkeit braucht. Denn die Narben auf seinen Armen sprechen Geschichten.

Und warum er sich umbringen sollte, wenn er mit dem Studium fertig ist weiß ich nicht. Vielleicht weil es sein letztes Ziel ist was er erreichen will und weil er danach keine weiteren Ziele mehr hat. Das könnte ich mit z.B. vorstellen. Und ihn auf Unstimmigkeiten anzusprechen ist ein großes Problem. Wenn ich ihm selbst kleinste Vorwürfe mache bricht er den Kontakt meist komplett ab. Dann lasse ich meist den Kontakt ruhen, natürlich mit der Angst dass er sich etwas antut und ich es nicht mal weiß, weil ich ihn ja erst mal eine Zeit in Ruhe lasse. Dann versuche ich den Kontakt vorsichtig wieder aufzubauen, was meist sehr schwer ist. Ich habe gelernt dass ich das mit den Vorwürfen echt sein lassen sollte.

» beckfrau89 » Beiträge: 228 » Talkpoints: 6,30 » Auszeichnung für 100 Beiträge



beckfrau89 hat geschrieben:Und ihn auf Unstimmigkeiten anzusprechen ist ein großes Problem. Wenn ich ihm selbst kleinste Vorwürfe mache bricht er den Kontakt meist komplett ab. Dann lasse ich meist den Kontakt ruhen, natürlich mit der Angst dass er sich etwas antut und ich es nicht mal weiß, weil ich ihn ja erst mal eine Zeit in Ruhe lasse. Dann versuche ich den Kontakt vorsichtig wieder aufzubauen, was meist sehr schwer ist. Ich habe gelernt dass ich das mit den Vorwürfen echt sein lassen sollte.


Und er hat gelernt, dass er dich mit seinen Ankündigungen in der Hand hat. Wenn jemand den Kontakt abbricht, weil ihm die Meinung des anderen vielleicht gerade nicht passt, dann sind das irgendwelche Psychospielchen, auf die man sich nicht einlassen sollte. Ich habe genau so ein Verhalten mal von einer Bekannten erlebt. Sie hatte die Diagnose Borderline und bei ihr äußerte sich das auch durch ein ähnliches Verhalten. Sie provozierte sehr stark, sagte auch, dass sie sich umbringen würde und sie brach den Kontakt auch an, wenn man sie nicht angemessen bedauerte und ihr die Aufmerksamkeit schenkte, die sie forderte. Sie sagte dann auch manchmal, dass sie sich umbringt und dann reagierte sie tagelang nicht auf Anrufe oder E-Mails, damit ihr Umfeld sich Sorgen macht.

Ich finde, dass man aufpassen sollte, nicht zum Spielball zu werden - und das wird man, wenn der andere sich so verhält und man das mitmacht. Wenn dein Freund den Kontakt abbricht, weil du ihn berechtigterweise ansprichst, dann müsste er eigentlich mit den Konsequenzen leben - nämlich damit, dass die Freundschaft damit beendet wäre. Man kann eine schlechte Phase haben und auch mal allen sagen, dass man in Ruhe gelassen werden möchte. Es ist aber nicht in Ordnung, sich so zu verhalten, wie du es von deinem Freund schilderst. Ich würde mir sehr genau überlegen, ob ich das mitmachen möchte.

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14210 » Talkpoints: -1,06 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Das ist mir schon klar, dass er auch etwas daraus lernt, aber ich will ihn eben auch nicht als Freund verlieren, wenn er mir egal wäre, dann wär es mir ja auch egal wenn er sich umbringt. Aber es ist bei ihm definitiv nicht nur Spielerei er hatte die Probleme schon bevor ich ihn kannte, dass weiß ich z.B. von seinem besten Freund und eigentlich redet er auch garnicht über seine Probleme. Am liebsten wär es ihm garnicht über Probleme zu reden, er sagt mir gewisse Dinge auch nur, weil ich immer solange damit nerve.

» beckfrau89 » Beiträge: 228 » Talkpoints: 6,30 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Also auch ich bin für gewöhnlich immer der Meinung gewesen, dass Hunde die bellen nicht gleich beißen. Somit meine ich damit, dass auch ich immer gesagt habe, dass wenn Leute mit ihrem Selbstmord hausieren gehen, dass zu 80% gar nichts passieren wird, sondern einfach die Aufmerksamkeit dahinter steckt, die die Damen und Herren erreichen wollen. Leider muss man jedoch sagen, dass auch diese Meinung nicht immer richtig ist und oftmals fatale Folgen haben kann.

In deinem Falle würde ich das besonders ernst nehmen, weil auch eben Depressionen im Spiel sind. Menschen mit Depressionen wollen keine Aufmerksamkeit, sondern endlich in Ruhe Leben. Wenn die Depressionen jedoch so weit gehen, dass der Gedanke des Selbstmordes schon da ist, dann muss unbedingt etwas unternommen werden. Du solltest somit alle möglichen Gänge gehen, eventuell findet man eine Lösung, die langfristig besser ist, als die doofen Antidepressiva.

Jedenfalls würde ich nicht davon ausgehen, dass dein Kumpel es nicht langfristig auch tut, denn nach dem Motto Hunde die bellen beißen nicht darf man schon lange nicht mehr gehen. Gerade bei depressiven Patienten ist die Zahl deutlich höher bei denen die nicht nur etwas sagen, sondern es auch tun.

» Glasreinigerin » Beiträge: 1008 » Talkpoints: 0,10 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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