Organspende: Entscheidung, ob man Organe der Kinder spendet

vom 11.06.2012, 18:40 Uhr

Das Thema Organspende ist ja bei vielen sehr aktuell und viele Erwachsene haben einen Organspendeausweis. Bei Kindern ist es ja so, dass die Eltern darüber entscheiden müssen, ob man die Organe der Kinder spenden würde, wenn was passieren sollte. Sicher will man nicht darüber nachdenken, dass dem eigenen Kind mal etwas so schlimmes passiert, dass die Organe gespendet werden müssen. Aber man möchte sicher auch, dass das eigene Kind nicht lange auf ein Organ warten muss, wenn dieses Schicksal eintreten würde.

Wir haben einmal in einer größeren Runde darüber diskutiert. Unter den Leuten waren auch Eltern von kleineren bis mittelgroßen und großen Kindern. Bei größeren Kindern kann man ja schon mit den Kindern darüber reden und ich glaube, dass man auch ab 14 schon selber entscheiden kann und einen Organspendeausweis mitführen kann. Aber was ist mit den Kindern, die jünger sind?

Ab wann würdet ihr mit den Kindern sprechen und sie fragen, ob sie einmal Organe spenden wollen. Einige in der Runde meinten, dass man einen Grundschüler schon fragen könnte und wenn er das nicht will, würde man auch nicht zustimmen und bei kleineren Kindern waren eigentlich alle aus der Runde dagegen das Kind "auszuweiden" wie es gesagt wurde.

Sicher ist die Entscheidung nicht leicht und ich denke, dass ich auch hätte lange überlegen müssen, wenn ich vor dieser Entscheidung gestanden hätte. Ich musste zum Glück niemals darüber entscheiden. Aber wie würdet ihr entscheiden? Würdet ihr für eine Organspende bei euren Kindern sein oder würdet ihr rigoros ablehnen? Würdet ihr mit euren Kindern darüber reden oder denkt ihr, dass Kinder bis 14 Jahre noch zu jung für so eine schwerwiegende Entscheidung sind?

Benutzeravatar

» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich finde es erschreckend, dass nun auch Kinder ab 14 Jahren dazu befragt werden sollen, beziehungsweise die Eltern. Die Kinder selber können in diesem Alter noch nicht entscheiden. Ich selber habe keinen Organspendeausweis. Das liegt daran, dass man einfach zu wenig darüber informiert wird. Daher werde ich auch diese Entscheidung für meine Kinder treffen, solange ich nicht mehr weiß und darüber dann nachdenken kann. Eine ernsthafte Befragung ab 18 Jahren halte ich da doch mehr für sinnvoll und nicht im Grundschulalter. Wenn ich meinen Sohn mit seinen sieben Jahren fragen würde, der ja nun auch bald in der zweiten Klasse ist, könnte er das doch gar nicht einschätzen, was das bedeutet.

» davinca » Beiträge: 2246 » Talkpoints: 1,09 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich würde meine Kinder nicht fragen, ob sie das tun würden. Man ist ja erst mit 14 Jahren religionsmündig. Vorher haben Kinder noch keine eigene Vorstellung von dem, was nach dem Tod ist, sondern übernehmen das von den Eltern. Erst mit vierzehn Jahren traut man Kindern zu, dass sie über so ein Thema selber reflektieren können. Ich würde mein Kind nie dazu befragen, weil man die Antwort nicht umsetzen könnte, Wenn ein sechsjähriges Kind sagt, dass es sein Herz einem anderen Kind geben würde, wenn es stirbt, würde ich es trotzdem nicht tun, weil das Kind mit 14 Jahren vielleicht anders darüber denkt und mit dreißig noch einmal ganz anders. Und so eine Entscheidung sollte schon sehr stabil sein und sich nicht dauernd ändern. Man müsste das Kind dann immer wieder befragen, ob es immer noch der Meinung ist. Diese dauernde Beschäftigung mit dem Tod tut dem Kind nicht gut.

Ich würde meinem Kind keine Organe entnehmen lassen, es soll vollständig begraben werden. Ich habe einmal in einem erschütterndem Bericht gesehen, wie eine Mutter darüber trauert, dass sie ihren Sohn hat ausweiden lassen. Sie kann das Gefühl nicht loswerden, dass ihr Sohn seine Ruhe nicht findet, weil nur ein leerer Sack begraben wurde, im Prinzip war nur noch die Haut übrig, selbst die Augen haben sie ihm entnommen. Das Problem war, dass die Frau so in Trauer war, dass sie nicht klar denken konnte, als die Ärzte sie fragten. Man hat wenig Bedenkzeit, weil ja das Herz noch schlagen muss, wenn man die Organe entnimmt, sie müssen noch frisch durchblutet sein. Und in dieser kurzen Zeit hat der Arzt der Frau wohl die Entscheidung aufgedrängt. Ihr war auch nicht klar, dass so viel entnommen wird.

Ich selber spende auch nur bestimmte Organe. Gehirn und Herz möchte ich behalten, weil ich einmal gelesen habe, dass auch im Herzen Erinnerungen gespeichert werden. Ich möchte nicht, dass ein anderer Mensch mit meinen Erinnerungen herumläuft, wenn ich tot bin.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von ten points am 11.06.2012, 20:48, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


@anlupa: Die Aufklärung über Organspende scheint wirklich sehr schlecht zu sein in Deutschland. Sicher muss das Herz noch schlagen. Aber es wird künstlich ans Schlagen gehalten. Das Gehirn muss tot sein. Das kann man sowieso nicht spenden. Das Gehirn ist ein Organ, welches nie und nimmer gespendet werden kann, weil das auch durch Maschinen nicht am Leben erhalten werden kann. Nur bei Gehirntod kann und darf ein Organ entnommen werden.

Es wird auch nicht der ganze Körper eines Menschen "ausgeweidet". Nicht jedes Organ ist überhaupt dazu zu gebrauchen implantiert zu werden. Und man kann ja auch bestimmen, welches Organ nicht entnommen werden soll.

Es ist wirklich eine sehr schwere Entscheidung. Aber auch wenn ich zum Glück nie vor der Entscheidung stand, so würde ich vielleicht doch auch den Körper meines Kindes, wenn es verstorben ist und ich zu sagen habe, weil es noch zu klein wäre frei geben für die Organspende. Denn gerade Kinderorgane werden gebraucht, weil man einem Kind kein Organ eines erwachsenen Menschen einsetzen kann und es warten sehr viele Kinder auf ein Organ.

Im Endeffekt muss natürlich jeder selber entscheiden. Aber dennoch würde mich mal interessieren, ab wann ihr glaubt, dass ein Mensch wirklich selber entscheiden kann und ab wann er versteht, was mit seinem Körper nach dem Tod passieren soll.

Benutzeravatar

» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich bin der Meinung, dass man bis 14 Jahre die Kinder dabei gar nicht involvieren sollte. Denn Kinder bauen da auch recht schnell Ängste auf und denken bei einem recht harmlosen Krankenhausaufenthalt auch schnell ans sterben. Ab 14 Jahren oder eben der 8. Klasse sollten die Kinder ein Mitspracherecht haben, so dass die Eltern nicht mehr allein entscheiden können.

Ich selbst würde aber meine Kinder ohne zögern freigeben. Denn ich lebe mit der Einstellung, dass ich als Mutter auch dankbar wäre, wenn meinem Kind schnell geholfen werden könnte. Daher steht es für mich gar nicht zur Debatte ein Für und Wider abzuwägen. Stirbt ein Mensch, brauch er seine Organe nicht mehr.

Was die Aufklärung dazu in Deutschland angeht, übernimmt dies jeder Mediziner. Da man freiwillig seine Organe spenden kann, gibt es eben keine Aufklärungspflicht. Man wird ja auch nicht bei anderen Dingen darüber aufgeklärt, was mit den Spenden passiert. Da muss man auch selbst nachfragen.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Vor diesem Problem werde ich nie stehen, weil ich keine Kinder haben möchte. Wenn ich aber welche hätte, fände ich es schon auch sinnvoll, relativ früh mit dem Kind oder Jugendlichen mal über das Thema Organspende zu sprechen. Vielleicht wäre es noch besser, wenn ein Arzt das tun würde, der sonst nichts mit dem Kind zu tun hat, zumindest nicht im familiären Sinne. Denn ich denke, dass die Eltern das Kind sonst zu stark beeinflussen würden, weil sie kaum in der Lage sein dürften, objektiv an die Sache heranzugehen. Daher ist eine möglichst neutrale und objektive Aufklärung über das Thema Organspende sicher die bessere Variante. 

Ich vermute, dass ich die Organe eines toten Kindes spenden würde. Wenn ein Mensch tot ist, ist alles, was ihn mal ausgemacht hat, für immer verloren. Es wäre eine große Verschwendung, die noch funktionsfähigen Organe einfach zu bestatten oder zu verbrennen. Mit ausweiden hat das rein gar nichts zu tun. Organspende ist die beste Entscheidung, die man treffen kann, vor allem weil man dabei absolut gar nichts verliert, wenn man sich dafür entscheidet. Im Todesfall kann man damit aber noch so viel Gutes tun. 

Ich denke, dass ein Kind im Alter von 14 Jahren sehr wohl in der Lage sein dürfte, sich mit solchen Fragestellungen zu befassen. Zu früh ist dieser Zeitpunkt auf keinen Fall gewählt. Man sollte nur vermeiden, das Kind ständig mit dem Thema Tod zu konfrontieren, solange es noch sehr klein ist und man muss unbedingt versuchen, seine eigene Meinung aus solchen Gesprächen herauszuhalten, ganz gleich wie diese aussehen mag. Jeder Mensch muss sich seine eigene Meinung in Bezug auf dieses Thema bilden, das betrifft auch Kinder. 

Benutzeravatar

» Cologneboy2009 » Beiträge: 14210 » Talkpoints: -1,06 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Ich bin der Meinung, dass man es so objektiv im Moment gar nicht entscheiden könnte. Vielleicht ist man im Augenblick der Meinung, man würde auf jeden Fall die Organe seines Kindes spenden und wenn der Fall des Todes eintritt kann man das Kind nicht los lassen und verweigert den Eingriff.

Ich bin der Überzeugung, dass man Kinder erst ab 14 Jahren fragen sollte, da sie sich in dem Alter erstmals richtig mit dem Thema Organspende und dem Tod auseinandersetzen und reflektieren können. Ein Grundschulkind würde natürlich verstehen, dass es einem anderen Kind helfen kann, aber die weitreichenden Folgen und Umstände würden ihm nicht ganz klar werden.

Ich persönlich weiß nicht, ob ich für ein Kind diese Entscheidung treffen könnte, auch wenn ich der Ansicht bin, dass man seine Organe nicht mehr braucht wenn man gestorben ist und so auch noch jemand mit diesen helfen kann. Ich könnte in dieser Art niemals über einen anderen Menschen entscheiden.

Allerdings hätte ich gerne selbst einen Organspendeausweis und wollte mich darüber einmal schlau machen. Was die Aufklärung in diesem Fall angeht würde ich mich bei meinem Hausarzt informieren gehen, da ich dieses Thema nicht ohne Vorwissen entscheiden möchte.

» Überfliegerpilot » Beiträge: 178 » Talkpoints: 3,29 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich denke auch, dass man jetzt in einem ruhigen Moment ohne diesen Druck eine Entscheidung unter ganz anderen Voraussetzungen treffen würde als dann im Krankenhaus kurz nach der erschütternden Todesnachricht. Aber umso wichtiger ist es, sich vorher Gedanken zu machen und sich zu informieren. Wenn man sich in Ruhe für eine Spende entscheidet, kann man in der Situation wenigstens auf diese Entscheidung zurückgreifen. Dann weiß man wenigstens wie man sich in Ruhe entschieden hätte. Ohne das, weiß man in dem Moment noch weniger und ist hoffnungslos überfordert.

Der Mutter aus anlupas Bericht, die die Spende so bereut hat, hätte das bestimmt geholfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man vorher gut informiert dafür ist und es nachher in diesem Ausmaß bereut. Es kann schwerer sein, als man es sich vorgestellt hat, aber nicht das genaue Gegenteil.

Da ich in keinster Weise an ein Leben nach dem Tod oder das Weiterexistieren von Erinnerungen glaube, habe ich keinerlei Bedenken, meine Organe zu spenden. Ich habe einen Ausweis und darauf ist auch kein Organ von der Spende ausgenommen. Für meine Kinder würde ich also grundsätzlich die gleiche Entscheidung treffen. Es sei denn, sie hätten sich zu Lebzeiten dagegen ausgesprochen.

Und meiner Meinung nach kann man mit Kindern darüber reden. Erst gestern hatte eine Freundin von mir ein Gespräch mit ihrem 4jährigen Sohn über das Leben nach dem Tod. Der Junge fragte von sich aus. Wohl weil der Hund erst vor ein paar Tagen eingeschläfert werden musste. Die Mutter erklärte ihm einige Ansichten. Vom Himmel, Wiedergeburt, Energie. Er hat sich für die Energiesache entschieden. Seine Energie soll weiter existieren.
Da hätte man gut darüber reden können, was mit den körperlichen Überresten passiert.

Ich würde den Tod nicht zum Tabuthema machen. Aber natürlich fällt das Kind keine endgültige Meinung für den Rest seines Lebens und würde seine Meinung vielleicht noch mehrmals ändern. Aber wenn es stirbt, hat es dazu keine Chance mehr. Also warum darüber grübeln? Ich würde einfach für meine Kinder entscheiden. So wie es eine Mutter immer macht, bei tausend kleinen bis großen Entscheidungen jeden Tag. Wenn man sich gegen eine Spende entscheidet, ist das auch eine Entscheidung, mit der das Kind vielleicht nicht einverstanden gewesen wäre. Nur weil dann nichts gemacht wird, heißt es ja nicht, dass das das Richtige ist.

Benutzeravatar

» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^