Panikmache mit Angst vor sexuellem Missbrauch

vom 03.10.2008, 19:01 Uhr

oder wie schütze ich mein Kind wirklich

Die Angst, dass eigene Kind könne zum Opfer war ja auch hier im Forum schon mehrfach Thema und ich habe dazu immer meine Meinung gesagt: sicher ist es ein schwieriges Thema, aber ich finde es hilft meinem Sohn am besten, wenn er selbstbewusst für sich selbst sprechen kann und weiß wann er nein sagen muss, und das energisch. Das ist natürlich ein kontinuierlicher Weg, bei dem ich schon vermeide möchte, meinem Sohn irgendwelche Horrorszenarien zu erzählen.

Nun hat meine Nichte mit ihren 7 Jahren das Thema in der letzen Woche in der Schule behandelt und hat meinem Sohn die für sie wichtigen Details in aller Komprimiertheit und mit einigen Fantasie-Ausschmückungen erzählt, was meinen Sohn ziemlich geängstigt hat. Wir haben dann ein längeres Gespräch geführt, indem mein Hauptaugenmerk darauf lag, meinem Sohn erst mal die Angst zu nehmen. Nämlich das die überwiegende Zahl der Menschen, denen wir außerhalb von zu Hause begegnen eben nicht böse sind. Und dass mein Sohn, wenn irgendjemand etwas von ihm möchte das ihm nicht behagt, laut und deutlich Nein sagen darf und auch sollte. Und wenn das nichts nützt, dass man auch brüllen, schreien, hauen, boxen, beißen etc. darf. Und das habe ich nicht am bösen Fremden festgemacht. Das darf er auch bei Bekannten und das hat er auch begriffen: Meinen Bruder hat er schon mal gebissen, als der ihn auf die Palme bringen wollte :wink:

Nun war mein Sohn heute bei seinem Vater (wir leben schon lange getrennt und sind erziehungstechnisch nicht unbedingt auf einer Wellenlänge) und erzählte seinem Vater auch von den Geschichten seiner Cousine. Reaktion seines Vaters: wenn ihm ein Fremder Süßes geben wolle, solle er einfach schreien. Ohne weitere Erklärung oder weiterführende Gespräche, das wäre nun ausreichend ein Kind gegen sexuellen Missbrauch zu schützen. Nützt unter Umständen wirklich toll, zumal es immer der böse Fremde ist, der Kinder mit Süßigkeiten ködert :twisted:

Ich habe zwar nicht gesagt, dass das was mein Ex gesagt hat, Quatsch ist, habe nur gemeint er soll zusätzlich das beherzigen, was ich gesagt habe, also erst nein sagen und dann eventuell "härtere Maßnahmen" ergreifen. Da ich (mal wieder) gemerkt habe, dass mit der Angst vor sexuellem Missbrauch doch auch viel halbherzige Aufklärung einher geht und den Kindern (in meinen Augen) recht unsinnige Maßnahmen als Schutz vermittelt werden, würde ich von Euch gern wissen, wie schützt Ihr Eure Kinder vor dieser Form von Gewalt? Habt Ihr (Literatur-)Tipps?

» JotJot » Beiträge: 14093 » Talkpoints: 13,28 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Bei uns in der Kita haben sie ein Buch. Bin mir nicht ganz sicher, aber der Titel ist in etwas "dich kenn ich nicht, ich geh nicht mit". Da wird jedenfalls auf das Thema, soweit ich das weiss, auch nur in Zusammenhang mit Fremden eingegangen. Meine Kinder wissen aber auch, das auch schon Kinder von anderen Menschen mitgenommen wurden. Ok, wir haben dann die ganz extreme Wahrheit, wie Missbrauch oder Mord, nicht erzählt. Man muss ihnen, wie du schon sagst, nicht unnötig Angst machen.

Fakt ist, das wir den Kindern zwei Richtlinien beigebracht haben. Wenn Fremde sie ansprechen, sollen sie gleich weglaufen. Und mit Bekannten dürfen sie nur mit, wenn wir als Eltern das erlauben. Klappt auch soweit ganz gut, wobei sie noch nicht mit Fremden ohne unser Beisein zusammengetroffen sind. Aber selbst wenn Verwandte bei Geburtstagen mit den Kindern mal rauswollen (sind noch andere Kinder dabei), fragen unsere erst bei uns nach, ob sie auch mitgehen dürfen.

» Punktedieb » Beiträge: 16506 » Talkpoints: 76,06 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


@ jotjot
Das was dein Ex- Mann zu euerem Kind gesagt hat, ist vielleicht nicht ganz so falsch. Nehmen wir einfach mal an, es hält ein Auto neben deinem Kind und fragt was. Das Kind fängt noch an mit denen zu reden, dann ist es auch schnell ins Auto gezogen. Wenn es gleich wegrennt, ist die Gefahr nicht so sehr gegeben.

Ich weiss noch, das wir als Kinder mal Bonbons von einer Oma angenomen haben. Die war total nett zu uns. Irgendwie waren wir mit unserer Mutter in der Stadt. Warum wir beiden Kinder allerdings alleine mit ihr ins Gespräch kamen, weiss ich nicht. Unsere Mutter hat uns die Bonbons weggenommen. Das wars aber auch.

Über Gewalt und Missbrauch, denke ich, sollte man so früh wie möglich aufklären. Es sind nicht immer Fremde die dem Kind was böses wollen. Ich wusste als Teenager das man nicht als Anhalter fahren soll. Aufgeklärt eher durch xy- Aktenzeichen ungelöst, als durch unsere Eltern. Irgendwann ergab es sich, das ich öfters mit dem besten Freund meines Lehrherrn mitgefahren bin. Der konnte seine Finger nie bei sich behalten.

Mein Chefin lachte mich aus und sagte, das das nicht sein kann und ich kann doch keinen so rechtschaffenden Mann einer solchen Tat beschuldigen. Beim zweiten Mal erzählten glaubte sie mir. Gebracht hat das damals nicht wirklich was. Meine Arbeitgeber waren froh wenn ich Nachts gut heimkam und der Freund war halt immer da und nahm mich mit. Teilweise wurde ich sogar eher gedrängt mit in das Auto zu steigen. Weil dann wäre ich ja heil daheim und so. Meine Mutter wusste davon auch. Auch sie hat es wenig interessiert. Meine Arbeitgeber machten eher noch anzügliche Witze.

» LittleSister » Beiträge: 10492 » Talkpoints: 1,84 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



LittleSister hat geschrieben:@ jotjot
Das was dein Ex- Mann zu euerem Kind gesagt hat, ist vielleicht nicht ganz so falsch. Nehmen wir einfach mal an, es hält ein Auto neben deinem Kind und fragt was. Das Kind fängt noch an mit denen zu reden, dann ist es auch schnell ins Auto gezogen. Wenn es gleich wegrennt, ist die Gefahr nicht so sehr gegeben.

Abgesehen davon, dass Missbrauchsfälle nur zu etwa 20 % von Fremden begangen werden, finde ich es insgesamt nicht in Ordnung, Kindern mit so etwas Angst zu machen bzw. ihnen ohne weitere Erklärung zu sagen, sie sollen schreien, wenn ihnen jemand Fremdes Süßigkeiten anbietet. Wenn das jedes Kind bei jeder Gelegenheit so machen würde, wir waren heute auf einer Messe und dem angrenzenden großen Markt. Mein Kind hätte nach der Aufforderung gar nicht mehr aufhören dürfen zu schreien!

Sinnvoller ist es doch das Kind erst mal selbstbewusst zu machen. Dass es immer und in jedem Fall unabhängig vom Gegenüber sagt, wenn ihm etwas nicht gefällt und sich das auch gar nicht gefallen lässt, sich wehrt. Dass das erlaubt ist und dass in solchen Fällen andere Regeln außer Kraft gesetzt sind. Denn selbstbewusste Kinder werden wesentlich seltener zu Opfern!

Außerdem kann man wohl nicht jede mögliche Situation mit den Kinder durchkauen, zumal man sicher auch nicht unbedingt so denkt, wie Täter das tun. Klar kann und sollte man grundsätzlich sagen, dass es Fremden gegenüber misstrauisch sein soll und definitiv nicht einfach so ohne Erlaubnis der Eltern mit jemandem mitgehen darf. Aber vor jedem Fremden weglaufen? Ich erziehe meinen Sohn so, dass er gern Fremden ein wenig helfen darf, beispielsweise einen Weg erklären, mehr (beispielsweise mitgehen und zeigen) aber nicht. Und das funktioniert. Einfach dafür dass er sich im Beisein seiner Großeltern einmal einige wenige Minuten mit einer alten (wahrscheinlich einsamen) Frau nett unterhalten hat, bekam er 5 Euro geschenkt und alle Beteiligten waren erfreut.

» JotJot » Beiträge: 14093 » Talkpoints: 13,28 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Und das kann schon ein Knackpunkt sein. Diesmal war jemand dabei und alle haben sich gefreut, das er eine Belohnung erhalten hat. Das nächste mal ist er allein unterwegs und bekommt auch eine Belohnung angeboten. Er weiss ja, das es alle toll fanden und geht diesmal mit. Dann doch lieber schnell den Rücken kehren. Ein Fremder sollte sich an Erwachsene wenden, wenn er den Weg wissen will.

» Punktedieb » Beiträge: 16506 » Talkpoints: 76,06 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


Mag sein, dass mein Sohn nun Fremden gegenüber weniger misstrauisch ist als gut tut. Allerdings lasse ich meinen Sohn bisher ohnehin noch keine längeren Strecken allein laufen. Und wenn er meint allein zu laufen, dann schaue ich doch immer noch mehr oder minder heimlich hinterher.

Trotzdem, die meisten Täter sind eben im Bekanntenkreis zu finden und suchen sich da eher die Kinder aus, die schüchtern sind und sich nicht wehren, sich das nicht trauen.

» JotJot » Beiträge: 14093 » Talkpoints: 13,28 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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