US Soldat zu 15 Jahren Haft wegen Mordes verurteilt

vom 04.08.2007, 20:17 Uhr

Der Marineinfanterist Lawrence Hutchins wurde jetzt von einem Militärgericht auf dem Stützpunkt Camp Pendleton zu 15 Jahren Haft verurteilt und auf den niedrigsten Rang zurückgestuft, da er im April 2006 einen behinderten Iraker ermordete der Vater von 11 Kindern war. Die Staatsanwaltschaft forderte 30 Jahre.

Hutchins verteidigte den Mord. Er gehörte einer Gruppe von 8 Soldaten an, die die Bluttat begangen haben sollen. Hutchins sei als Rädelsführer aufgetreten und wurde mit seinen Kameraden bereits im Irak angeklagt – er wurde jedoch als einziger des Mordes verurteilt. Laut Zeugenaussagen zerrte er den 54 Jahre alten, gehbehinderten Hashem Ibrahim Awad aus seinem Haus, erschoss ihn und positionierte ihn mittels einer Schaufel am Straßenrand um die Erschießung eines Aufständischen vorzutäuschen, der eine Bombe legen wollte. Dies sollte als Warnung an die irakischen Rebellen verstanden werden. Hutchins verteidigte sich damit, daß er mit dieser Aktion seine Aufgaben erfüllte und dazu beitrug, das Leben anderer US Marines zu retten.

Die weiteren Soldaten wurden aufgrund der Verschwörung zum Mord verurteilt, davon wurden 2 wieder freigelassen, da durch ihre Untersuchungshaft die angeordnete Haftstrafe bereits wieder abgegolten wurde. Sie wurden ebenfalls auf den niedrigsten Rang zurückgestuft. Die anderen 5 wurden zu Haftstrafen von 1- 8 Jahren verurteilt und erhielten Strafminderungen aufgrund ihrer Schuldeingeständnisse.

» Midgaardslang » Beiträge: 4261 » Talkpoints: 4,81 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Hallo!

So etwas halte ich für eine Schweinerei! Wie um alles in der Welt kann man einen behinderten Familienvater "einfach so" aus seiner Familie reißen und erschießen? Er will also seine Aufgaben ("geh mal in die Stadt und erschieß einen unschuldigen Zivilisten"... so etwa?) erfüllt haben...
Wenn er das Leben anderer Amerikaner gerettet haben will, so sehe ich darin eine Parallele zum Abschießen von entführten Flugzeugen. Auch dabei müssen unschuldige Menschen sterben, aber es besteht "immerhin" eine potenzielle Gefahr für Menschen am Boden. Aber dieser Iraker hat nun rein gar nichts getan! Es wäre möglicherweise etwas anderes, wenn man einen Bombenleger zum Schutz anderer Leute "aus dem Weg räumen" will, aber dafür jemand anderen sozusagen als Abschreckung "am Galgen baumeln" zu lassen, verstößt definitiv gegen geltende Menschenrechte und gegen die Würde jedes Einzelnen.
Somit kann ich das Plädoyer der Staatsanwaltschaft durchaus nachvollziehen, wer so etwas Schlimmes getan hat, sollte dafür auch lange büßen müssen. Am besten wäre es, wenn man den Mann direkt aus dem Militär geworfen und ihm niemals mehr eine Waffe in die Hand gegeben hätte.

Gruß,
yakumo

Benutzeravatar

» yakumo56 » Beiträge: 434 » Talkpoints: -0,07 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Als ich diesen Bericht gelesen habe, fiel mir gleich wieder das Lied von Pink ein: Dear Mr. President

Ich war vor ca. drei Jahren mal in einer Psychosomatischen Klinik. Dort war auch ein junger Mann, der im Kosovo gewesen war. Dieser Typ war ein Sonnenschein, ein Strahlemann, wirklich gut drauf, aber wehe, wehe, die Erinnerung an das, was er erlebt hatte, holte ihn ein. Da war er grau im Gesicht, die Augen dick und rot geschwollen, zugedröhnt mit Beruhigungsmitteln. Er konnte es einfach nicht vergessen, was er gesehen hatte. Er hat auch nur mal andeutungsweise davon gesprochen und ich kann nur sagen, es ist eine Schande. Was sollen unsere Jungens sich da antun? Die kommen doch alle mit einem seelischen Schaden zurück. Sicher gibt es unter den Soldaten auch welche, die ihren Sadismus ausleben können und wollen und einer von solcher Sorte wird das gewesen sein, der diesen armen alten Mann erschossen hat. 15 Jahre sind da zuwenig.

Ich kann nur sagen, dear Mr. President, hole die Jungens nachhause. Es ist genug Unheil passiert - irgendwann muss Schluß sein.

Es grüßt Euch
Eure Hexe 8)

» hexe999666 » Beiträge: 23 » Talkpoints: 0,10 »


"Unsere Jungens" sind doch nicht im Irak, sondern nur im Kosovo und im freundlicheren Teil Afghanistans - also in eher ruhigenn Regionen ohne Rebellen.

» Midgaardslang » Beiträge: 4261 » Talkpoints: 4,81 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Selbstverständlich weiß ich, dass unsere Jungens nicht im Irak sind. Darum ging es mir eigentlich auch gar nicht. Wir wissen alle, dass jeder Krieg nur Not und Elend bringt für die Soldaten genauso wie für die Zivilisten. Ich habe diesen jungen Mann auch nur erwähnt, um klar zu machen, dass der größte Teil der Männer traumatisiert aus dem Einsatz zurückkommen. Und im Kosovo ist auch nicht alles nur friedlich. Es wird nicht alles an die Öffentlichkeit gebracht, das ist wohl so. Ich finde es schlimm, dass in solchen Situationen irgendwelche Sadisten ihre Art dort ausleben. Andere, die das miterleben, vergessen es wohlmöglich im ganzen Leben nicht. Deswegen sage ich, unsere Jungens nach Hause, die amerikanischen Jungens ebenso.

Es grüßt Euch
Eure Hexe 8)

» hexe999666 » Beiträge: 23 » Talkpoints: 0,10 »


Also dem muss ich ja wohl mal heftig widersprechen - nur weil jetzt die Kacke sozusagen am Dampfen ist sollen die Soldaten abgezogen werden? Um damit was zu erreichen? Das die innere Ordnung, die sowieso nur schemenhaft vorhanden ist, völlig zusammenbricht und sich das Leid und das Elend für die Zivilbevölkerung vergrößert weil sie nicht mehr "von außen" aufrechterhalten wird? Also ein Abzug der Truppen wäre wohl in jedem Fall das schlimmste, was der Zivilbevölkerung passieren kann und total egoistisch und kurzfristig gedacht.

Meiner Meinung nach sollen die ruhig da bleiben, man wird immernoch freiwillig Soldat, es zwingt einen keiner, vor allem zu einem Beruf, wo bekannt ist, daß man etwas verlieren könnte.

Zurück zum Thema

» Midgaardslang » Beiträge: 4261 » Talkpoints: 4,81 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Also ich begrüße das Urteil einerseits aufgrund der zum Glück hohen Strafen andererseis aufgrund der für einige noch zu niedrig ausgefallenen Strafen. So ein Verbrechen ist mit gar nichts zu erklären im Gegensatz zu anderen Kriegsverbrechen, die aufgrund der angespannten Lage der Amerikaner fast zu erwarten wären, also z. B. "Maßnahmen zur Partisanenbekämpfung" die es bisher in fast jedem Krieg von allen kriegführenden Seiten gab.

Und die extrme Spannungslage wie im Irak herrscht im Norden Afghanistans und im Kosovo nicht, dort ist es ja wirklich verhältnismäßig ruhig. Ich bin auch gegen einen Abzug der Soldaten. Erst (das möglicherweise verbrecherrische) vorherige System demontieren und dann ohne ein neues aufzubauen abzuziehen wäre den Menschen gegenüber total verantwortungslos, da ein Bürkerkrieg in solchen Ländern damit fast sicher wäre (wenn jegliche Ordnung fehlt).

» SambaBoy » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^