Neuauflage: Parkplatz-Krieg in der Stadt?
Kommt euch das bekannt vor? Man kurvt nach der Arbeit 20 Minuten um den Block, sieht endlich eine Lücke und zack drängelt sich jemand rein oder der Platz ist plötzlich für Lastenräder, E-Scooter oder ein neues Straßencafé reserviert.
In unseren Städten tobt ein echter „Parkplatz-Krieg“. Der öffentliche Raum wird knapper, und die Ansichten darüber, wer darauf parken darf, könnten nicht weiter auseinandergehen.
Die Fronten sind klar verhärtet:
• Die Fraktion „Auto-First“: „Ich zahle Steuern, arbeite hart und brauche mein Auto vor der Tür. Es kann nicht sein, dass Parkplätze für Pop-up-Radwege oder Sitzbänke geopfert werden, während ich keinen Platz mehr finde!“
• Die Fraktion „Lebenswerte Stadt“: „Straßen sind für Menschen da, nicht für totes Blech. Wir brauchen breitere Gehwege, Grünflächen und Platz für Fahrräder. Wer ein Auto hat, soll für einen privaten Stellplatz zahlen!“
• Die Anwohner-Sicht: „Besucher und Pendler verstopfen alles, ich finde in meinem eigenen Viertel keinen Parkplatz mehr, trotz Anwohnerparkausweis.“
Mich würde brennend interessieren:
1. Wie ist die Lage bei euch? Ist die Parkplatzsuche noch entspannt oder purer Stress?
2. Was ist die Lösung? Sollten Autos komplett aus den Innenstädten verbannt werden (in Quartiersgaragen am Stadtrand)? Oder müssen wir einfach mehr Tiefgaragen bauen?
3. Seid ihr bereit zu zahlen? Würdet ihr 100 € oder mehr im Monat für einen garantierten Parkplatz direkt vor der Tür ausgeben, um den Stress zu beenden?
Ich bin gespannt: Seid ihr Team „Freie Fahrt und freies Parken“ oder Team „Raus mit den Autos aus der Stadt“?
Das Wort "Parkplatz-Krieg" trifft es wohl inzwischen ziemlich gut. Diesen "Psychoterror" gibt es bei uns in der Stadt allerdings schon seit mehreren Jahren und es war mit ein Grund, warum ich aus der direkten Innenstadt umgezogen bin. Ich war es leid mir mit meinem "Bewohnerparkausweis" teilweise wirklich über eine halbe Stunde einen Parkplatz in Wohnortnähe suchen zu müssen.
Im Grunde genommen hat man damit ja keinen Platz garantiert, sondern nur die Genehmigung legal zu suchen. Wenn ich Glück hatte, war einer direkt in meiner Straße frei, wenn ich Pech hatte konnte ich mit meinen Einkäufen erstmal über fünf Minuten durch die Seitenstraßen laufen und wenn es ganz blöd lief, dann hab ich vorübergehend sogar Sperrzonen (Feuerwehrzufahrten) genutzt, um dann 15 Minuten später nochmal eine "Parkplatz-Suchfahrt" zu starten. Auf der Warteliste für einen Mietparkplatz in einer nahegelegenen Garage stand ich auch seit Monaten, aber wer gibt so einen Parkplatz schon freiwillig gerne her.
Ich verstehe auch jeden, der sich eine grünere, leisere und lebenswertere Stadt wünscht, in der man gerne draußen sitzt und die Kinder auch gefahrenlos alleine auf die Straße können. Aber genauso wenig sollten diejenigen darunter leiden, die auf ihr Autos angewiesen sind.
Wenn mir die Stadt eine moderne Quartiersgarage in maximal drei bis fünf Minuten Gehweite angeboten hätte, in der mein Auto sicher und mit einem fest reservierten Platz steht, dann hätte ich gerne bis zu 100 Euro dafür bezahlt. Aber solche Quartiersgaragen gibt es bei uns nicht und werden meines Wissens auch in Zukunft nicht gebaut.
Ein radikales „Raus mit allen Autos“ funktioniert sowieso nicht. Handwerksbetriebe oder der mobile Pflegedienst müssen einfach mit ihren Autos zu den Kunden/Patienten kommen können. Und wenn man möchte, dass die Läden in der Innenstadt nicht komplett aussterben, dann kann man auch von Familien oder auch Pendlern nicht verlangen, dass sie nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, die witzigerweise übrigens bei uns auch immer weniger als mehr werden. Erst kürzlich wurden bei uns aus Kostengründen wieder Buslinien eingestellt bzw. die Fahrtaktung reduziert.
Eine Lösung wären wir meiner Ansicht nach wirklich mehr Tiefgaragen und auch Quartiersgaragen gewesen, aber die wurden nicht gebaut und werden wohl auch so schnell nicht gebaut werden. Erst Parkplätze zu "vernichten" und dann über Lösungen nachzudenken, wohin die ganzen Autos jetzt sollen, ist in meinen Augen allerdings die falsche Reihenfolge gewesen.
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