Beziehung mit dem Vorhaben eingehen, den anderen zu ändern?

vom 05.01.2016, 21:12 Uhr

Ich habe gerade nebenbei im Fernsehen "Goodbye Deutschland" laufen, wobei da auch ein sehr durchtrainiertes Sportler-Paar mitmacht. Die beiden erzählten auch, wie sie sich kennen lernten. Damals war die Frau noch etwas pummeliger, während der Mann schon richtig muskulös war. Genau aus dem Grund zweifelte die Frau wohl auch an sich, da sie dachte, sie könnte nicht den Vorstellungen des Mannes entsprechen.

Der Mann gab dabei offen zu, dass die Frau anfangs nicht seinem Geschmack entsprach. Er sagte, dass er jedoch eine Beziehung mit ihr eingegangen wäre, weil sie Potential hätte, sich zu entwickeln und einen muskulösen Körper zu bekommen. Er redete offen darüber, damals gedacht zu haben, seine Frau nach seinen Vorstellungen "umbauen" zu können. Scheinbar hat das geklappt, da die Frau nun ein richtiger Muskelprotz ist. Würdet ihr eine Beziehung mit dem Vorhaben eingehen, den anderen direkt nach euren Vorstellungen komplett umzugestalten?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 35273 » Talkpoints: -0,01 » Auszeichnung für 35000 Beiträge



Das finde ich ja mal mega schrecklich zu wissen, dass ich eigentlich nicht der Typ meines Partner wäre, aber er mich nahm, weil er mich verändern kann. Das klingt eher nach einem Experiment oder einer Challenge. Nach dem Motto, kann sie abnehmen und durchtrainiert werden? Wenn nicht, dann bin ich wieder weg!

So etwas kommt für mich natürlich überhaupt nicht in Frage. Ich glaube auch nicht, dass das den Normen der Gesellschaft entspricht, so zu denken. Für mich gibt es natürlich keine klaren Regeln einer Beziehung oder wann man eine Beziehung für richtig oder falsch hält, aber solch eine Aussage hat nur die Trennung von mir verdient. Ob Liebe oder nicht. Ich bin doch kein Versuchsobjekt, wo man mal schauen kann, ob ich das Potenzial habe, um mich zu verändern. Ne also so etwas echauffiert mich ungemein.

Das Problem ist, dass er nicht der einzige Kerl ist, der so denkt. Ich habe so etwas auch schon des Öfteren gehört oder mal davon gelesen. Ich frage mich allerdings im ernst, was den Herren da im Kopf vorgeht? Das klingt für mich eher danach, dass ich eine vermeidlich "schlechtere" Frau mir selber aneigne, erziehe und verändere. So bin ich am Ende der Held, der Hecht des Tages oder sonst etwas und sie ist dankbar dafür.

Auf der anderen Seite könnte man frech sagen, dass die meisten guten Damen mit einem höheren IQ als einem Toastbrot solche Kerle wohl kaum ran lassen würden. Deswegen suchen sich viele solche Herren auch genau ihre Kragenweite aus, welche sie anlernen, verändern etc. können.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 6121 » Talkpoints: 1,40 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Ich verurteile so etwas zutiefst. Ich habe mein ganzes Leben mitbekommen, wie meine Mutter ständig versucht hat den Charakter und das Verhalten meines Vaters zu "optimieren". Sie hat auch immer versucht, aus mir eine Kopie von sich selbst zu machen, was ich aber nicht wollte. So gefiel ihr das gar nicht, dass ich es ablehne, mit meinem Freund genauso "optimierend" umzugehen wie sie mit meinem Vater.

Tut mir Leid, aber das ist für mich keine Liebesbeziehung, wenn man hinterher überall damit angibt, in welcher Hinsicht man den Partner schon "umgekrempelt" hat und wo man ihn schon alles "verbessert" hat. Ich finde so etwas armselig und erbärmlich.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich finde, dass es nichts gibt, was gemeiner ist, wenn man eine Beziehung eingeht. Immerhin kann man es dem Partner dann erst mal nicht recht machen und muss sich dann komplett verändern. Ich finde es sehr albern und denke, dass man sich dann eher einen Partner suchen muss, der besser zu einem passt.

Ich würde keine Beziehung eingehen, in der ich von Anfang an nicht zufrieden mit meinem Gegenüber bin. Dafür bin ich in meiner Person einfach zu gefestigt und weiß auch durchaus, dass es Menschen gibt, die sehr gut zu einem passen. Mein Mann ist perfekt für mich und deswegen musste ich ihn auch nicht ändern und will auch nicht, dass man sich für jemanden verändern sollte.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Ich verstehe nicht, warum sich der betreffende Mann dann nicht gleich eine Frau ausgesucht hat, die seinen Vorstellungen eben schon im Vornherein wesentlich besser entsprechen würde. Als mögliche Erklärung dafür könnte ich mir vorstellen, dass es sich bei diesem Mann eben um niemanden handelt, denn eine entsprechend aussehende Frau selbst wollen würde. Daher hat er sich wohl eine Frau angeln müssen, die nicht über genügend Selbstwertgefühl verfügt hat, um sich einen Partner zu suchen, der sie so zu schätzen weiß, wie sie ist.

Auf jeden Fall finde ich ein solches Vorhaben ziemlich bescheuert und muss leider auch sagen, dass dieser Begriff wohl auf jeden der beiden Personen zutreffen dürfte. Zum einen natürlich auf den Mann, der allen Ernstes meint, sich seine "perfekte" Freundin formen zu können. Und man muss wohl leider auch sagen, dass dieses Wort auch auf die Frau zutrifft, die das ganze dann auch noch mit sich machen lässt, um diesen Typen zu gefallen. Nachvollziehen kann ich jedenfalls keine der beiden Parteien und so ein Verhalten käme für mich auch niemals in Frage.

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» TamiBami » Beiträge: 2166 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich finde das ehrlich gesagt wenig nachvollziehbar. Ich gehe doch eine Beziehung zu einem Menschen ein, den ich voll und ganz akzeptiere, respektiere und liebe so wie er ist. Ich käme gar nicht auf die Idee, meinen Partner ändern zu wollen. Denn ich bin schließlich seine Partnerin und nicht seine Mutter oder Erziehungsberechtigte. Entweder man akzeptiert den Partner so wie er ist oder aber man lässt es bleiben.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -1,02 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Das ist doch totaler Käse. Wenn ich jemanden möchte der durchtrainiert ist, dann suche ich mir doch kein Pummelchen aus um zu sehen, was ich da draus machen kann. Da würde ich mir doch gleich jemanden suchen, der schon meinen Vorstellungen entspricht. Was ist denn, wenn sich wie in den meisten Fällen, eben doch nichts ändern lässt? Dann haut man halt wieder ab und sucht sich die nächste Herausforderung oder wie ist das zu verstehen?

Natürlich gibt es immer mal kleine Dinge, an denen man arbeiten kann. Aber ich finde große Sachen und wichtige Charaktereigenschaften kann man auch kaum ändern. Da ist doch Streit und Ärger schon vorprogrammiert, wenn man das glaubt und darauf die Beziehung aufbaut.

» Klehmchen » Beiträge: 5505 » Talkpoints: 1.019,97 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ich habe das Gefühl, dass den meisten das Prinzip hier nicht ersichtlich ist. Es geht ja eben genau darum, ob und dass er sie verändern möchte und sie so zu seinem eigenen Werk machen kann. Mehr Machtausübung geht ja fast gar nicht. Wenn ich es schaffe, einen anderen Menschen nach meinem Idealbild zu formen, muss ich mich diesem gegenüber wirklich äußerst mächtig fühlen. Das kitzelt das eigene Ego, füttert die Narzissten und wirkt sicher sehr beruhigend, denn so jemand läuft auch nicht einfach mal eben mit dem nächsten weg.

Ansonsten gibt es ja gerade unter Frauen eine Untervariante von den Änderungswünschen an einem Mann, die fast schon das komplette Klischee, deswegen aber nicht weniger zutreffend, sind. Da gibt es so viele Glaubenssätze; von "irgendwann wird alles gut" zu "eines Tages liebt er mich doch/schlägt mich nicht mehr/ist nett zu mir/ kommt vom Alkohol los" bis zu profaneren Dingen, wo frau den Mann optisch nach ihren Wünschen ausstaffiert. Motto: Frau kauft ihm die Kleidung.

Ich habe sogar mal von einer Frau gehört, dass sie glaubte, ihre Liebe wäre stark genug, sodass er von ihr unerwünschtes Verhalten (Chronischer Womanizer) ablegen würde. Das hat natürlich nicht geklappt, aber ich war geschockt, dass eine Frau von 40 Jahren so etwas noch glaubte und damit ins Unglück stürzte.

» Verbena » Beiträge: 5170 » Talkpoints: 1,91 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Also da hast du komplett recht. Ich bin davon manchmal auch ganz schön überrascht, was einige sich so bieten lassen. Auf der anderen Seite, ist man im Kleinen ja aber auch hin und wieder nicht anders und lässt sich manchmal auch viele kleine Sachen, die einen stören über sich ergehen. Einfach zum einen, weil man denkt, das Große Ganze passt ja, da kann man über Kleinigkeiten hinweg sehen und dann werden aus ein oder zwei kleinen Sachen, dann eben schleichend immer wieder eine mehr und so weiter.

Zum anderen ist glaube ich aber auch immer das Eingestehen des Scheiterns ein großes Problem. Solange man daran denkt, dass sich etwas ändern könnte, könnte man ja mit der Wahl des Partners immer noch richtig gelegen haben. Dann ist man nicht selber Schuld daran, dass es ist wie es ist, sondern äußere Umstände haben geraden einen schlechten Einfluss und danach wird alles besser. Zieht man dann irgendwann den Schlussstrich geht das ja nicht mehr. Dann muss man eben klar sagen, ich habe völlig daneben gelegen, ich habe einen Fehler gemacht und ich bin am Ende selber Schuld daran, dass es so gekommen ist. Und das ist für viele von uns ja immer das Schwierigste, einzugestehen, dass wir selber etwas falsch gemacht haben und nicht die Schuld zu wem anders zu schieben.

» Klehmchen » Beiträge: 5505 » Talkpoints: 1.019,97 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Einen Menschen von Grund auf nach eigenen Vorstellungen „umbauen“ zu wollen, halte ich für absoluten Schwachsinn. Eine Beziehung lebt von Respekt, Vertrauen und Akzeptanz – und dazu gehört eben auch, den anderen so zu nehmen, wie er ist. Wenn du jemanden so gar nicht attraktiv findest oder sein Verhalten/sein Äußeres nicht mit dir harmoniert, dann sollte man ehrlich sein und die Beziehung besser lassen, statt zu versuchen, ihn zu ändern.

Das Problem ist, dass viele Menschen sich dann doch verändern, nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil sie Angst haben, den Partner zu verlieren. Das führt oft zu Frust auf beiden Seiten, weil der eine immer nur versucht, Erwartungen zu erfüllen, und der andere nicht wirklich sieht, wer der andere eigentlich ist. Eine gesunde Beziehung kann nur funktionieren, wenn beide bereit sind, sich gemeinsam weiterzuentwickeln – aber nicht, indem der eine den anderen komplett umbaut.

» Hufeisen » Beiträge: 6083 » Talkpoints: 10,39 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


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