Geschlossene Türen im Büro unhöflich?

vom 25.05.2025, 10:52 Uhr

Ich muss jetzt an der Stelle mal was loswerden. Bisher habe ich immer im Büro gearbeitet und für mich war und ist es normal, die Tür geschlossen zu haben. Mittlerweile ist es ja der "neue Schick" in Büros, dass die Türen offen sind. Ich kann das aber überhaupt nicht leiden, weil ich mir a) vorkomme, wie auf einem Bahnhof und b) konzentriert arbeiten möchte. Ich muss nicht jedes Telefonat aus anderen Räumen oder jede Unterhaltung mit anhören, wenn es für meine Arbeit nicht relevant ist.

Im letzten Jahr habe ich auch den Job gewechselt, zum einen, weil die Arbeit als solches nicht das Richtige für mich war, zum anderen aber auch, weil es mir in dem Büro schlichtweg zu laut war. Wir hatten uns die Etage mit einer anderen Firma geteilt und dort waren die Türen der Büros ständig offen und der eine Mitarbeiter hat so laut telefoniert, dass ich meine Tür dann angelehnt habe, weil ich echt genervt war. Außerdem standen auf dem Flur die Drucker, die ebenfalls sehr laut waren, vermutlich keine Laserdrucker.

Mein Kollege fragte mich dann, warum die Tür zu ist und ich erklärte ihm, dass ich mich bei solcher Lautstärke nicht konzentrieren kann. Da meinte er, es hätte etwas mit "Freundlichkeit" zu tun, die Türen offen zu haben.
Da dachte ich mir nur, das ist ja alles gut und schön, aber nicht, wenn es mich beim Arbeiten stört.
Aktuell arbeite ich auch wieder in einem Büro, glücklicherweise Einzelbüro und meine Tür ist natürlich immer zu. Die Damen am Empfang telefonieren nämlich auch so laut, dass man sie durchs ganze Haus hört. Die eine der beiden meinte dann mal zu mir, ich würde mich ja nur verstecken und die Tür zu haben. Als ich ihr dann erklärte, dass es mir zum einen an den Füßen zieht und zum anderen zu laut ist, kam dann nur so was, wie "das muss man ab können".

Und da sage ich - nein!. Man muss es gar nicht ertragen können, denn jeder Mensch ist anders und nicht jeder kann Umgebungsgeräusche ausblenden. Das eine Mal sagte sie sogar, es wäre unhöflich, die Tür geschlossen zu haben. Ich halte das für totalen Quatsch, denn ich bin für meine Arbeit verantwortlich und wenn ich aufgrund von Ablenkungsfaktoren Fehler mache, dann interessiert es am Ende niemanden, warum ich mich nicht konzentrieren konnte. Wie seht Ihr das, Tür offen oder Tür zu? Hattet Ihr auch schon solche leidigen Diskussionen im Berufsleben?

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» Jacqui_77 » Beiträge: 2969 » Talkpoints: 42,68 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Grundsätzlich finde ich geschlossene Türen auch besser und der Konzentration zuträglich, wobei es ja auch auf die Tagesform und die Umgebungsgeräusche ankommt. Die Aussage der Kollegin, was andere so abkönnen müssen finde ich frech und regelrecht spitz, sogar latent etwas feindselig und genervt. Allerdings ist es schon etwas schwierig, wenn sonst alle anderen, selbst die Chefs und Chefinnen, ihre Türen einladend offen haben. Und da ist genau das kleine Wort drin, wie andere die geschlossene Tür wahrnehmen: als Barriere. Nicht einladend, ausschließend. Auch wenn ganz andere Gründe dahinterstecken.

Ich habe ein wenig das Gefühl, dass die beiden Kollegen generell noch eine andere Botschaft mit ihrer Kritik vermitteln wollten, nämlich, dass sie dich als nicht so teilnehmend am Team wahrnehmen. Dazu passt auch der Hinweis mit dem "Verstecken". Ich glaube, wenn die anderen einen besser kennen und als offene Person wahrnehmen, die einfach nur eine Marotte bezüglich der Tür hat, aber ansonsten mit den anderen zum Rauchen und Essen geht, auch mal andere zum Quatschen in ihren Büros besucht usw., würden sie die geschlossene Tür nicht als so abweisend wahrnehmen, wie sie es anscheinend gerade tun.

» Verbena » Beiträge: 5130 » Talkpoints: 4,00 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Das erinnert mich stark an meine Aushilfstätigkeit im Krankenhaus. Dort wollte die Frau Oberin grundsätzlich morgens nicht gestört werden. Hatte sogar "Sprechstunden" für das werte, ihr untertänisch begegnen zu habende Personal eingerichtet. Und wehe, man musste notgedrungen einmal ganz wichtig mit ihr außerhalb ihrer "Sprechzeiten" telefonieren, weil der Chefarzt das vielleicht so wollte.

Einmal darauf angesprochen, meine sie, sie könne sich sonst nicht auf die Arbeit konzentrieren. Das machten tatsächlich auch einige Assistenzärzte so. Sie "warfen" das Pflegepersonal, die Schwestern und Schwesterich aus dem Zimmer, verschlossen die Türe und begannen dann mit der Ausfüllung der Kurvenblätter. Man musste da auch Berechnungen anstellen. Dort durften dann keine Fehler durch irgendwelche Ablenkungen entstehen. Natürlich waren die Türen zu den Kranken- und Dienstzimmern dann geschlossen.

In der anderen Firma gab es zum Teil Büroräume, die von mehreren Leuten geteilt wurden. Hier gab es aber am Anfang eher Auseinandersetzungen mit den Kollegen um die Zurverfügungstellung und Benutzung der Geräte. Nicht jeder hatte zum Beispiel einen "eigenen" PC oder ein Notebook, nicht jeder hatte einen dort eingerichteten, gültigen Netzwerk-Account.

Die Kollegen unterhielten sich auch über Dinge, die nichts mit der Arbeit als solche zu tun hatten. Muss sagen, mich störte das recht wenig, bis auf die Account-Frage. Sogar, wenn an demselben Tisch mehrere Leute arbeiten mussten.

Die Abteilungen hielten das aber auch je nach Anforderung ganz anders. In einigen Abteilungen ist das Zusammenarbeiten und der schnelle, direkte Kontakt zu den Mitarbeitern absolut unerlässlich. In der Projektabteilung und Akquise zum Beispiel. Bei anderen Abteilungen ist dann die Aufarbeitung des Tagesgeschäftes, das Aktualisieren von Tabellen, die buchhalterische Tätigkeit mit dem SAP dann besser bedient, wenn mehr "Ruhe" herrscht.

Die damit beauftragten Kollegen ziehen dann für ein paar Stunden auch in ein anders Büro um und teilen das ihren Kollegen vorher mit: "Ich mach 'mal gerade SAP, Ihr könnt mich aber über Mobil erreichen." Im dortigen Bürotrakt sind dann die Türen geschlossen zu halten. Das ist ein von allen akzeptierter Usus gewesen.

Die Frage der Teamfähigkeit wurde bei uns direkt beim Einstellungsgespräch abgeklopft. In regelmäßigen Meetings wurden auch Personal Fragen diskutiert. Letztlich kam es darauf an, wie ich schon in einem anderen Beitrag erwähnte, dass die KPIs eingehalten wurden. Die Arbeitsorganisation zielte aber auch darauf ab, das Arbeitsklima möglichst angenehm zu gestalten.

Dazu gehörte es auch, dass so Dinge, wie "Türen zu oder auf", erwähnt worden wären, wenn das Thema akut gewesen wäre. Im Zweifelsfalle wurde eine demokratische Abstimmung abgehalten. Und die Meinung der Mehrheit wurde dann in die Tat umgesetzt.

» Gorgen_ » Beiträge: 1222 » Talkpoints: 443,45 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



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